AUFERSTANDEN AUS RUINEN


Mailand: wie es im Krieg zerstört und danach wieder aufgebaut wurde. Eine Ausstellung im Palazzo Morando erzählt die Geschichte einer Wiedergeburt

copyright Palazzo Morando

Aufbruchsstimmung mit Lambretta bei der Porta Nuova

Mailand (bis 12.2.2017) – Im Sommer 1943 flogen die Alliierten mehrere Bombenangriffe auf Mailand. Seit den Zeiten von Barbarossa hatte die Stadt keine solche Zerstörungswut mehr erlebt. Zwischen Scala, Galleria und Castello zog sich eine Trümmerlandschaft hin. Nur durch ein Wunder blieb Leonardos Abendmahl erhalten. Über die Hälfte der Gebäude der Innenstadt wurden zerstört oder schwer beschädigt. Es gab mehrere Tausend Tote. Eine Bombe traf auch die Crispi-Schule im Stadtteil Gorla, wobei 184 Kinder ums Leben kamen. Salvatore Quasimodo schrieb den Vers: „Vergeblich suchst du im Staub,/ arme Hand, die Stadt ist tot.“ Einen Tag nach der Befreiung im April 1945, als die Alliierten nicht mehr von oben bombten, sondern zusammen mit den Partisanen friedlich einmarschierten, begann der Wiederaufbau.

Mit rund 170 zeitgenössischen Fotografien, mit Ausschnitten aus Wochenschauen, Plakaten, Objekten und Dokumenten ruft die Ausstellung im Palazzo Morando – in dem auch das städtische Museum für Brauchtum, Mode und Bildnisse untergebracht ist – die Zeit zwischen 1943 und 1953 ins Gedächtnis. Am Anfang standen die Wiederherstellung von Symbolbauten wie die Scala, die Toscanini bereits im Mai 1946 mit einem Konzert wieder einweihen konnte. Die Kultur wurde wegen ihre Identität stiftende Rolle besonders gefördert. Alte Museen (wie Brera oder Poldi Pezzoli) eröffneten wieder, neue (Museo Archeologico, Museo del Risorgimento) wurden eingerichtet. Ein Giorgio Strehler gründete mit anderen das Piccolo Teatro.

Den Takt in Italien angeben

Einige Gebäude jedoch wie das alte Teatro Manzoni (Piazza S. Fedele) oder der Palazzo Visconti am Naviglio gingen unwiderruflich verloren. Das neue Mailand gab dagegen mit neuen Architekturen (Palazzo Montecatino, Torre Breda) praktisch von den Tagen des Wiederaufbaus den Takt in Italien an. Fahrrad- und Autorennen begeisterten die Massen. In Lambrate produzierte Lambrettas knatterten durch die Stadt. An der Peripherie wuchsen Modellviertel wie das QT8 aus dem Boden. Die Verkäuferin einer Konditorei  wurde – von Luchino Visconti entdeckt – 1947 zur Miss Italia gewählt und begann eine Karriere als Kinostar der frühen 1950er Jahre (Lucia Bose). Und Ausstellungen über Caravaggio (1951), Van Gogh (1952) oder schließlich Picasso (1953) im Palazzo Reale unterstrichen die kulturelle Führungsrolle der Stadt.

Mailand hatte endgültig den Weg in die Zukunft eingeschlagen.

 

Milano. Storia di una rinascita. 1943-1953 Dai bombardamenti alla ricostruzione. Mailand, Palazzo Morando Via S. Andrea 6, bis 12. Februar 2017. Di, Mi, Fr, Sa, So, 10 – 20 Uhr, Do bis 22.30, Mo geschl., Eintritt 10 Euro, Katalog 42 Euro.