DIE RÖTE DES ROTS


Gerhard Richter macht auf einer Ausstellung in Mantua gemeinsame Sache mit Tizian

copyright Gerhard Richter 2018 / Foto: Cluverius

Vom Blitz getroffen  – Gerhard Richter: Verkündigung nach Tizian – Druck auf Aluminium (2018) nach einer Vermalung von 1972

Mantua – Das ist ein Treffen der besonderen Art: Gerhard Richter, vor 86 Jahren in Dresden geboren, einer der höchst bezahlten lebenden Künstler weltweit, und Tizian Vecellio, 1576 im Alter von 88 Jahren in Venedig gestorben, der Superstar der venezianischen Spätrenaissance im Übergang zum Manierismus. Als Richter 1972 während der Zeit seiner Biennale Beteiligung Tizians Verkündigung in der Scuola di San Rocco gegenüber stand, muss ihn das „wie ein Blitz getroffen haben.“ Das sagt Helmut Friedel, der jetzt im Palazzo Te (Mantua) eine Ausstellung kuratiert, die Richters Beziehung zu Tizian nachspürt und bei der Richter selbst mit Hand angelegt hat.

Bereits gleich nach der Venedig-Begegnung mit Tizian malte Richter in Art seiner unscharfen Vermalungen fünf Bilder nach dem Vorbild der dramatischen Verkündigungsszene, die mit dem Engel den „Himmel auf Erden“ – so der Untertitel der Ausstellung – bringt. Die Arbeiten, die dem Kunstmuseum Basel gehören, fanden aber trotz einer ersten Zusage aus konservatorischen Gründen nicht den Weg nach Mantua. Richter stellte deshalb für die Ausstellung eine „Fotokopie“ auf Aluminium in Originalgröße des ersten Werks dieser Reihe her. Es misst sich jetzt im Palazzo Te als Beispiel für den „frühen Richter“ mit der Verkündigung aus San Rocco und weiteren originalen Werken Tizians.

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Tizian: Verkündigung (Venedig um 1539) aus der Scuola di San Rocco 

Die Farben Tizians

Richter suchte für die Ausstellung über die Jahre hinweg Spuren von Tizian in seinem Werk. Er findet sie etwa in Darstellungen seiner Frau und seiner Töchter, die Haltungen von Figuren des Venezianers übernehmen. Aber es sind vor allem die Farben Tizians, die Richters malerischen Prozess auch im Alter wieder anregen. Bis hin zu neusten, bislang noch nie gezeigten abstrakten Bilder von 2017, bei denen durch mehrschichtige Farbaufträge, Abkratzungen und Neuübermalungen das Kolorit zum eigentlich Inhalt des Malerischen wird.

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Roter Raum mit Gerhard Richters Spiegel,blutrot (1991)

Es ist das Rot, das es Richter angetan hat, das Rot aus dem Kleid des Engels der Verkündigung. Und so läuft die kleine, aber zugleich sehr dichte, sehr private Ausstellung mit 23 Exponaten auf einen fulminanten Höhepunkt zu: der „Spiegel blutrot“ aus dem Jahr 1991. Eine mit sattem Rot bemalte Glasscheibe (89 x 92 cm), mit der hier in Mantua der alte Richter und der alte Tizian gemeinsame Sache machen.

Tiziano/Gerhard Richter. Palazzo Te, Mantua, bis 6. Januar. Eintritt: 12 Euro, Di – So 9 bis 18.30, Mo 13 bis 18.30 Uhr, Katalog (ital./engl.) 28 Euro.
Info: hier  

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Bislang nie ausgestellt – Gerhard Richter: Abstraktes Bild (2016, Ausschnitt)