In der Oper: Andrea Chénier


Die Scala eröffnet ihre Spielzeit mit Giordanos Liebesdrama vor dem Hintergrund der französischen Revolution

copyright Brescia/Amisano - Teatro alla Scala

Mit Beifall überschüttet: Maestro Riccardo Chailiy und seine Stars . Links Yusif Eyvazov, rechts Anna Netrebko und Luca Salsi

Mailand (Teatro alla Scala bis 5. Januar) – Im Lichterglanz zeigt sich Mailand im Dezember, glanzvoll gibt die Scala sich jedesmal zur Saisonpremiere die Ehre. Diesmal mit der Oper „Andrea Chénier“ , die Umberto Giordano im Alter von 29 Jahren für die Mailänder Bühne komponierte, wo sie im März 1896 zum ersten Mal aufgeführt wurde. Das Libretto schrieb Luigi Illica, ein enger Mitarbeiter auch von Puccini. Giordano gilt mit einer Reihe von Bühnenwerken und Vokalmusikstücken als ein bedeutender Vertreter des Verismus. Neben einer „Fedora“ hatte aber nur der „Andrea Chénier“ auch internationalen Erfolg. Gustav Mahler dirigierte die Oper bereits ein Jahr nach der Welturaufführung in deutscher Textfassung in Hamburg. In Mailand, wo das Stück seit 28 Jahren nicht aufgeführt worden war, brachten Riccardo Chailly (musikalische Leitung) und Mario Martone (Regie) es jetzt wieder heraus. Auf der Bühne stand mit Anna Netrebko (Maddalena), Yusif Eyvazov (Andrea Chénier) und Luca Salsi (Gérard) ein vom Publikum umjubeltes Starensemble.

Die Liebesgeschichte zwischen dem Dichter Andrea Chénier und der Adeligen Maddalena di Coigny spielt vor dem Hintergrund der französischen Revolution im Juni 1794, als in Paris die Herrschaft der Jakobiner Angst und Schrecken verbreitete. Trotz seiner adelskritischen Werke wird Chénier wegen angeblicher revolutionsfeindlicher Umtriebe verhaftet. Der Revolutionsführer Gérard, ein ehemaliger Diener der Maddalena, der wie Chénier in sie verliebt ist, ist hin und her gerissen zwischen seiner privaten und seiner öffentlichen Rolle. Er scheitert bei dem Versuch, die Anklage gegen Chénier, die er selbst initiiert hat, wieder zurück zu ziehen. Andrea Chénier und Maddalena besteigen im Morgengrauen den Karren der Verurteilten und fahren fest umschlungen zum Schafott.

Der Fluss einer unendlichen Musik

Riccardo Chailly führt das Scala Orchester zu wundervollen Feinheiten in dieser rhythmischen und in Wechsel zwischen Soli und Tutti so reichen Partitur. Um den Fluss einer gleichsam „unendlichen Musik“ nicht zu unterbrechen, hatte er das Publikum gebeten, nicht nach den Arien zu klatschen. Mit seinen schnellen Einsätzen bot er dafür auch kaum Gelegenheit.

Der Tenor Yusif Eyvazov, in Algerien geboren und Aserbaidschan aufgewachsen, gab mit seiner rauen (nicht von allen geliebten Stimme) der Rolle des Andrea Chénier überzeugende Kraft – vielleicht etwas zu Ungunsten des „Poeten“ Chénier. Und er ließ die Neider verstummen, die in ihm auf der Bühne der Scala nur den „Ehemann der Netrebko“ sehen wollten. Anna Netrebko war einfach großartig. Zum Höhepunkt gerieten die Arie „La mamma morta“ und das Duett des dritten Aktes mit dem Bariton Luca Salsi als Gérard – das sicher die interessanteste Rolle der Oper. Salsi, der zu recht viel Applaus erhielt, hatte den Gérard bereits kürzlich in München (an der Seite von Jonas Kaufmann und Anja Harteros) gesungen.

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Die letzte Stunde: Andrea Chénier (Yusif Eyvazov) und seine Maddalena (Anna Netrebko)

Mit großer Sicherheit und schwungvoll in den Massenszenen zeigte sich die Regie von Mario Martone. Doch hätte man mehr erwarten können. Die Führung der Sänger, die historischen Kostüme, die der Zeit angepassten Bühnenaufbauten, das alles blieb im Traditionellen verhaftet. Was allerdings beim konservativen Mailänder Publikum besonders gut ankam. Doch vielleicht sollte man an der Scala nicht nur musikalisch top sein wollen, sondern auch bei Inszenierungen mehr wagen. Und gerade im Alten Mut zum Neuen zeigen.

Andrea Chénier. Musik: Umberto Giordano. Libretto: Luigi Illica. Mit u.a. Anna Netrebko, Yusif Eyvazov, Luca Salsi, Annalisa Stroppa, Marianna Pentcheva, Gabriele Sagona. Musikalische Leitung: Riccardo Chailly, Regie: Mario Martone, Bühne: Margherita Palli, Kostüme: Ursula Patzak. Eine Neuproduktion des Teatro alla Scala (bis 5. Januar).

Zum Trailer hier.

 

 

 

 

 

 

 

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