Bildende Kunst


Palermo, Ende Oktober – Die Via Immacolatella schlängelt sich kaum einhundert Meter lang durch das Altstadtviertel Kalsa. Ein paar Schritte von der Basilica di San Francesco entfernt liegt das Oratorio di San Lorenzo, das barocke Gebetshaus des Franziskanerklosters von Palermo. Eine überreiche weiße Stuckverzierung schmückt die Wände mit Szenen aus den Leben der Heiligen Laurentius und Franziskus. Kleine freistehende Figuren dieser anmutigen theatralischen Szenografien wurden jedoch von Dieben herausgebrochen oder Opfer vandalischen Treibens. Noch schlimmer ging es dem Altarbild, einer Darstellung der Geburt Christi mit den beiden hier verehrten Heiligen, gemalt von Caravaggio in Palermo 1609. Vor 50 Jahren, Mitte Oktober 1989, wurde die rund 3 mal 2 Meter große Leinwand von Dieben sauber aus ihrer Holzverschalung geschnitten. Seitdem ist die „Natività“ von Caravaggio nicht wieder aufgetaucht und gehört zu den zehn meist gesuchten Kunstwerken auf der Welt.  

In Palermo


Eine Ausstellung in Venedig feiert die Sammelleidenschaft von Peggy Guggenheim als „letzte Dogaressa“ Venedig (Coll. Peggy Guggenheim bis 27.1.2020) – Die erste Biennale von Venedig nach dem zweiten Weltkrieg, an der 1948 nur 14 Nationen teilnahmen, wollte ein Zeichen setzen für die Freiheit der Kulturen und gegen die Barbarei der Diktaturen. Ein weiter Bogen vereinte Werke von Cézanne bis Chagall, von Turner bis Guttuso, von Ensor bis Klimt. Einen deutlichen Akzent von Gegenwartskunst setzte die New Yorker Sammlerin Peggy Guggenheim, die eingeladen war, einen Teil ihrer Kollektion unter anderem mit Kubisten und Surrealisten zu zeigen. Zur Sammlung gehörten auch Werke amerikanischer Künstler des sogenannten abstrakten Impressionismus, die zum ersten Mal nach Europa kamen. Allen voran Jackson Pollock („Jack the Dripper“) mit seiner revolutionären Methode, Farbe auf die am Boden liegende Leinwand zu tröpfeln.

SIE LIEBTE DIE KUNST UND VIELE KÜNSTLER



Zwei Ausstellungen über Maria Lai zum 100. Geburtstag der sardischen Künstlerin in Rom und in Ulassai Ulassai/Rom – Kunst sei, Dinge miteinander zu verbinden, in Beziehung zu setzen, ohne ihnen ihre Eigenart zu nehmen. Das war das Credo der Künstlerin Maria Lai, die 1919 in Ulassai, einem Dorf auf Sardinen geboren wurde. Ausstellungen zu ihrem 100. Geburtstag zeigen das römische Museum MAXXI und die Stazione dell’Arte, der „Kunstbahnhof“ von Ulassai. Maria Lai starb 2013 im Alter von 93 Jahren. Posthum wurde ihr Werk auf der documenta 14 und der Kunstbiennale Venedig gewürdigt.

SEIN HEISST WEBEN


Die italienische Justiz erhebt Anklage gegen Kurator und Ausstellungsmacher einer Modigliani-Schau in Genua Mailand/Genua – Was macht ein Kunstwerk zur Fälschung? Die (willentlich) falsche Zuschreibung als Originalwerk eines Künstlers. Der Kunstmarkt ist voll solcher Werke, die aus dunklen Quellen überraschend auftauchen und denen auf der Suche nach Gewinn ein falsches Mäntelchen umgehängt wird. Man bemüht einen Fachmann für eine Expertise, bringt die Ware auf einer Ausstellung unter, wo sie auch im Katalog erscheint, der in weiteren Veröffentlichungen zitiert werden kann. So kann das Werk bei einer Versteigerung/einem Verkauf eine guten Preis erzielen, der nach folgenden Ausstellungen, neuen Veröffentlichung und Expertisen beim Weiterverkauf noch übertroffen wird – die Spirale ist nach oben offen. Die italienische Justiz ist jetzt dabei, diesen Kreislauf im Fall von Amedeo Modigliani (Livorno 1884 – Paris 1920) zu durchbrechen.

EIN FALL VON BETRUG?



Mamiano di Tarversetelo im Juni – Leichten Schrittes eilen Kellner zum schattigen Platz im Park der Villa Magnani, wo ein Aperitif für eine Hochzeitsgesellschaft gereicht wird. Als typischer englischer Landschaftsgarten mit mächtigen Eichen, Zedern und Platanen stammt die 12 Hektar große Anlage im Hinterland von Parma aus dem frühen 19. Jahrhundert. Über das Gras stolzieren blaue und weiße Pfauen. Am Rand stehen sechs ionische Säulen merkwürdig Spalier. Sie kommen aus dem Kreuzgang einer Kirche Süditaliens, die im zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Das Herrenhaus im neobarocken Stil wurde Anfang des 20.Jahrhunderts an der Stelle eines Vorgängerbaus errichtet. Ein Großgrundbesitzer kaufte das Anwesen in den 1940er Jahren und vermachte es seinem Sohn. Dieser Luigi Magnani (1906 – 1984), Musikwissenschaftler, ein Schüler von Alfredo Casella, aber auch Kunsthistoriker und Schriftsteller, richtet hier seine Bibliothek ein. In Italien wurde er durch mehrere Arbeiten – darunter ein Roman – über Beethoven bekannt.

In der Villa Magnani