Dante


Florenz Ende Mai, graue Wolken über der Stadt. Dramatisch ballen sie sich über dem Ponte Vecchio. Dann fällt Regen wie aus Kübeln. War es schon vorher schwer, sich durch die von Tagestouristen belagerte Innenstadt zu bewegen, werden die von Regenschirmen betanzten Straßen jetzt zu Spießrouten. Dazu Motorini auf Spritztouren durch Pfützen. Bei einer Dante-Lesung im Palazzo dell’Arte della Lana sitzt man zwar im Trockenen, doch Schläfrigkeit lässt die nicht enden wollenden Erläuterungen  zwischen den Stuhlreihen versickern. Anschließend Flucht unter einem klapprigen Schirm auf die andere Seite des Arno zur Piazza Santo Spirito. Später, nach einem Abendessen in angenehmer Gesellschaft,  ein kleiner nächtlicher Spaziergang zurück ins Zentrum. Der Regen hat aufgehört, die Gruppen der Tagestouristen haben sich verzogen. Florenz, wie leer gefegt, das Pflaster glitzert unter den Laternen, und die alten Gebäude strahlen selbstzufrieden. Glücklich, wer jetzt noch unterwegs ist und seine eigene Schritte hören kann.

In Florenz


Italien feiert den 750. Geburtstag von Dante Alighieri Florenz: Was hatte ihm nur den Kopf verdreht? Der wohl 35jährige fand sich in einem dunklen Wald wieder, „da ich vom rechten Wege abgekommen“, wie er sich später erinnerte. „War ich doch zu der Zeit so schlafbenommen,/ Zu der die wahre Straße ich verließ.“ Es weiß es nicht, oder er will es uns nicht sagen. Doch hat er trotzdem eine ganze Menge zu erzählen: eine wahrlich abenteuerliche Reise mit 14.233 Versen in drei Büchern zu je 33 Gesängen (plus einem als Prolog). Eine Traumreise, wohin sonst keiner kommt. In die drei Reiche des Jenseits, zunächst in die Hölle, dann hinauf ins Purgatorium, auf den „Läuterungsberg“, und schließlich in die lichten Sphären des Paradieses. Geschichte erschließt sich in Geschichten. Mit von der Partie sind böse Buben und hübsche Frauen, es geht um Sex und Macht, Verrat und Geld, Freund- und Feindschaft, Mord und Totschlag, und am Ende steht die reine Liebe wie das ewige Heil. Und das Ganze mit dem Versmaß der Elfsilber. So etwas Tolles kann sich nur das italienische Mittelalter auf seinem Höhepunkt am Wechsel zum 14. Jahrhundert ausdenken.

GRÜSSE AUS DEM JENSEITS