Dario Fo


Dario Fo ist tot. Der Komödiant, Autor, Maler und streitbare Intellektuelle starb in Mailand im Alter von 90 Jahren Mailand – Dario Fo war ein unermüdlicher Komödiant. Noch vor drei Wochen lud der Literaturnobelpreisträger von 1997 Freunde und Journalisten in seine Wohnung, um sein neuestes Buch vorzustellen. Eine Art volkstümliche Biographie von Darwin mit dem Untertitel „Sind wir Affen väterlicher- oder mütterlicherseits?“ Und er war auch als Neunzigjähriger bereit, sich in öffentliche Debatten einzumischen. Ende August hatte ihm die Zeitschrift L’Espresso wegen seiner Unterstützung der Fünfsterne-Bewegung von Beppe Grillo eine vereinfachte Weltsicht und Populismus vorgeworfen. Stolz antwortete er in einem Artikel: Natürlich sei er ein Populist, im positiven Sinne ein Mann des Volkes. Er wollte sein Leben nichts anderes tun, als dem Volk Stimme zu geben. Dafür sei er ausgelacht, angegriffen, verfolgt worden.

DER STÖRENFRIED


Ein Besuch bei Dario Fo, der seinen 90. Geburtstag feiert Mailand – Dario Fo sitzt in seinem Arbeitszimmer an einem langen Holztisch, der mindestens so alt ist wie sein 90jähriger Besitzer. Er trägt einen fleckigen Arbeitskittel, für den er sich entschuldigt. Seine Finger, mit der er ein Blatt im A3 Format hält, auf dem er sich mit großen, etwas unsicheren Lettern Notizen gemacht hat, sind voller Farbspritzer. Im Raum nebenan, dem Salon der Mailänder Wohnung unweit der Porta Romana, stapeln sich Leinwände wie in einer Künstlerwerkstatt. Sie sind gegeneinander gelehnt, bedecken das Sofa, reihen sich vor Beistelltischen voller Erinnerungsstücken, Masken und Teller mit Nüssen. Zeichnungen und großformatige Gemälde bedecken auch die Wände. Gemälde nach Motiven klassischer Meister, Theater- oder Tanzszenen, Porträts oder farbenprächtige Illustrationen zu jüngsten Erzählungen.

„WIR WAREN NICHT ALLEIN“



Dario Fo erzählt die Geschichte des deutschen Meisterboxers und Sinto Johann „Rukeli“ Trollmann, der im KZ ermordet wurde Mailand – Der Boxer Johann Trollmann war ein Star der frühen 1930-Jahre. Er tänzelte wie später Muhammend Ali seine Gegner leichtfüßig aus. Schwarze Haare und eine wie Bernstein getönte Haut machten den jugendlichen Helden zum Liebling der Frauen. Das Schicksal: Johann Trollmann, geboren 1907 in Niedersachsen, gehörte dem Volk der Sinti an. Die Nationalsozialisten erkannten dem „Zigeuner“ einen Titel als Deutscher Meister im Halbschwergewicht, den der Profiboxer im Juni 1933 errungen hatte, wieder ab. Sie entzogen ihm die Boxlizenz und zwangen „Rukeli“, wie er in Romani, der Sprache der Roma und Sinti, genannt wurde, zu einem erniedrigenden Schattendasein. Im Krieg kämpfte er als Soldat für Hitlerdeutschland an der Ostfront. 1942 wurde Trollmann verhaftet, kam in ein Konzentrationslager und starb 1943. Diese sehr deutsche Geschichte erzählt jetzt Dario Fo in seinem neuesten Buch „Razza di zingaro“ italienischen Lesern.

EIN KÜNSTLER IM RING