Erdbeben


Neue Erdstöße in Mittelitalien haben noch mehr Menschen vertrieben und weitere historische Bauwerke zerstört. Getroffen wurde eine für die europäische Kultur zentrale Region. Wobei Bürokratie einen rechtzeitigen Schutz verhinderte Nursia/ Amatrice/ Rom – Von der Basilika des Heiligen Benedikt in Nursia steht nur noch die spätgotische Fassade. Der Rest der Kirche des Schutzpatrons von Europa liegt in Trümmern. 3000 betroffene Kulturmonumente hatte eine Untersuchungskommission des römischen Kulturministeriums bereits nach den vergangenen Erdbeben Ende August registriert. Kirchen, Glockentürme, historische Palazzi, Museen, Stadttore, Mauern und Befestigungen alter Ortskerne, die schwer beschädigt oder fast ganz zerstört worden waren. Nach dem Beben vom Sonntag (30. Oktober) mit dem Epizentrum in Umbrien (aber mit Auswirkungen auch in den zuvor betroffenen Gebieten der Marken und des Latiums) rechnen die Beamten nun mit weiteren rund 2000 beschädigten Bauwerken und Kultureinrichtungen.

NICHTS WIRD SO SEIN WIE ZUVOR


Das Erdbeben in Mittelitalien hat eine alte Kulturlandschaft tief verletzt. Jetzt diskutiert man den Wiederaufbau  Ascoli Piceno – In den 50 vom Erdbeben in Mittelitalien betroffenen Ortschaften sind auch viele historische Bauten zerstört oder schwer beschädigt worden. Nach einer ersten Ortsbesichtigung haben Fachleute des Kulturministeriums 293 Objekte (Kirchen, Palazzi, Monumente) ausgemacht, die besonders bedroht sind – soweit sie überhaupt noch stehen. Schwer getroffen wurden etwa in Amatrice die spätgotische Kirche Sant’Agostino mit Fresken aus dem 15. und 16. Jahrhundert, das städtische Museum und die Torre Civica.

OHNE DIE GESCHICHTE AUSZULÖSCHEN



Unterwegs im Gebiet zwischen Mantua, Carpi und Ferrara, wo eine reiche Kulturlandschaft durch mehrere Erdstöße schwer verletzt wurde – und der Boden bebt immer noch Carpi / Ferrara / Mantua (22. Juni 2012) Herrscht Krieg? Wie nach einem Fliegerangriff liegen Häuser längst der Allee von der San Felice nach Finale Emilia in Schutt und Asche, andere stehen aufrecht, als hätten die Bomben sie verfehlt. Vier Wochen nach dem schweren Erdbeben in Norditalien patrouillieren immer noch Soldaten im Geländeanzug zusammen mit bewaffneten Carabinieri innerhalb der Ortschaften vor den total gesperrten „roten Zonen“. Feuerwehrleute bewegen bei Aufräumarbeiten schwere Kranwagen. Allgegenwärtig sind die Kräfte des Zivilschutzes in ihren dunkelblauen Uniformen, sie wachen auch vor den Eingängen der kleinen Zeltsiedlungen, die sich in den besonders betroffenen Gemeinden gebildet haben.

DER FLUCH DES CORREGGIO


Die Kulturlandschaft der Abruzzen nach dem Erdbeben vom 6. April, die Ängste und Hoffnungen der Menschen und Berlusconis Liste für Hochzeitsgeschenke L’Aquila (April 2009)- Die Seitenmauer der prächtigen Kirche ist aufgeplatzt wie nach einem Bombenangriff. Gesteinsbrocken liegen vor dem Längshaus von Santa Maria di Collemaggio, das Dach der dreischiffigen Kirche aus dem 13. Jahrhundert ist über der Apsis eingestürzt und durch ein Seitentor kann man ins Innere blicken: nichts als Trümmer, Säulenresten, geborstene Architraven. Der schwere Arm eines mächtigen Krans zieht eine Plattform heraus, auf der zwei Feuerwehrleute stehen, die eine Holzverschalung sichern. Die Plattform schwebt langsam auf den Platz vor dem Längshaus, wo Italiens Kulturminister Sandro Bondi umringt von Sicherheitsbeamten, Feuerwehrleuten, Denkmalschützern und Journalisten darauf wartet, dass die Plattform abgesetzt wird. Unter den Journalisten wird gerätselt, ob Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der an diesem Tag eine der in Zelten eingerichteten Grundschulen eröffnet hat, sich auch zu dem Aufbau der Kulturgüter äußern wird. Kommt er oder kommt er nicht? Ein Symbol der Hoffnung Erst einmal kommt er nicht. Die Holzverschalung wird ohne ihn geöffnet und eine Madonna mit Kind kommt zum Vorschein, eine lebensgroße Terrakottagruppe eines heimatlichen Künstlers aus dem frühen 16. Jahrhundert. Bis auf Abbrüche an den Händen scheinen Mutter […]

ZWISCHEN DEN TRÜMMERN VON L’AQUILA