Expo 2015


Die Expo2015 und ihr kulturelles Erbe – lokal wie global Mailand. Dass für Mailand die Expo2015 mehr war, als eine von Oben verordnete, eher ungeliebte Großveranstaltung, begriff man gleich zu ihrem Beginn am ersten Mai-Wochenende. Gewaltsame Demonstrationen von Gegner der Weltausstellung unter Beiteilung von Black Blocks, die eine friedlich agierende Mehrheit ins Abseits stellten, hatten am Eröffnungstag für schwere Verwüstungen in der Innenstadt gesorgt. Schaufenster wurden eingeschlagen, Autos in Brand gesetzt, ganze Straßenzügen glichen nach Abzug der Demonstranten einem Schlachtfeld. Am Tag danach, einem Samstag, demonstrierten nicht nur mehrere Tausend Bürger gegen die Gewalt. Sie griff auch mit Besen, Schaufeln und Eimern zur Selbsthilfe und säuberten die Straßen. Die Angestellten von Supermärkten und Banken halfen mit, ihre zerstörten Filialen wieder herzurichten, Glaserbetriebe arbeiteten rund um die Uhr, und am Montag waren bereits so gut wie alle Spuren beseitigt.

VOM VOLKSFEST ZU ZUKUNFTSTRÄUMEN


Die Weltausstellung zu Ernährungsfragen vor der Stadt und ein tolles Kulturprogramm im Zentrum Mailand: Das war ein Wettlauf mit der Zeit. Kurz vor der Eröffnung der Expo 2015 war auf dem 110 Hektar großen Ausstellungsgelände bei der Ortschaft Rho am nordwestlichen Stadtrand  noch der Teufel los. Doch Italiener sind Endspurtweltmeister. Und selbst wenn jetzt zur Eröffnung der Weltausstellung am 1. Mai hier und da noch Nachholbedarf besteht, dann wird sich das in den kommenden Wochen erledigen lassen. Wer will denn da schon pingelig sein angesichts der großen Fragen, die im Mittelpunkt stehen. „Den Planeten ernähren – Energie fürs Leben“ lautet das Thema der Superschau mit über 140 Nationen und Organisationen als Teilnehmer (55 davon mit einem eigenen Pavillon). Angesichts der dramatischen Ernährungslage einer immer schneller wachsenden Weltbevölkerung gibt es hier ein brennend aktuelles Problem. Und, wie man gleich am Eingang in dem von Michele De Lucchi als aufgeschnittene Hügellandschaft entworfenen „Padiglione Zero“ (Pavillon Null) in einer eindrucksvollen Mammutausstellung sehen kann, ist das eine der ganz großen kulturgeschichtlichen Fragen überhaupt.

EXPO IN MAILAND ERÖFFNET