Feltrinelli


Cortona, Anfang Februar 2017 – Steil ziehen sich die Gassen zur Franziskuskirche hoch. Fra Elia hat mit ihrem Bau um 1245 in der einst kaiserlichen Stadt im Südosten der Toskana begonnen. In diesen ruhigen Wochen des Jahres, wenn der Winter noch nicht ganz gegangen ist, und der Frühling unter einer blassen Sonne nur schüchtern erste Blüten zeigt, gibt sich Cortona mittelalterlich verschlossen. Die Zeit scheint aufgehoben, der Blick streift von der Hügelstadt aus über die Valdichiana südlich zum Trasimenischen See. Nördlich liegt die Einsiedelei Le Celle nicht weit.

In Cortona


In Mailand wurde der Neubau für die Fondazione Feltrinelli eröffnet, den Herzog & de Meuron projektiert haben. Darin finden das riesige Archiv und die Bibliothek sowie Veranstaltungsräume und eine Buchhandlung (mit Café) Platz Mailand – Bei Feltrinelli kann man feiern. Der Mailänder Verlag hat mit Roberto Savianos neuem Roman über die Rolle von Jugendlichen im organisierte Verbrechen Neapels („La paranza bei bambini“) einen Verkaufsschlager im Programm, der seit Wochen alle Bestsellerlisten anführt. Und die Fondazione Giangiacomo Feltrinelli konnte ihren neuen Sitz beziehen, den Herzog & de Meuron unweit der Porta Garibaldi errichtet haben.

EINE LAIZISTISCHE KATHEDRALE



60 Jahre nach seiner Gründung hat sich der Feltrinelli-Verlag in ein Kulturunternehmen verwandelt, das nicht nur Bücher herstellt und verkauft, sondern ebenso einen TV-Sender betreibt und sogar für gutes Essen sorgt. Mailand. Das Gebäude, das bei der Porta Volta in Mailand merkwürdig gotisch spitz 32 Meter hoch in den Himmel wächst, ruft Vergangenheit wach. Denn hier, am ehemaligen Stadttor vor dem Monumentalfriedhof der lombardischen Metropole, besaß Anfang des vergangenen Jahrhunderts eines der größten Holzunternehmen Italiens, die Feltrinelli Legnami, Lagerflächen. Der Haupterbe des Unternehmens, zu dem auch eine Bank gehörte, war Giangiacomo Feltrinelli (1926-1972). Doch der interessierte sich weniger für Industrie- und Bankgeschäfte und investierte lieber in Kultur. 1949 gründete er eine Bibliothek zur Erforschung der Arbeitergeschichte und dann 1955 einen eigenen Verlag. Die Bibliothek, die inzwischen in eine Stiftung überführt wurde (Fondazione Feltrinelli) bekommt nun nach Plänen des Züricher Architekturbüros Herzog & de Meuron einen neuen Sitz – eben an der Porta Volta auf dem alten Feltrinelli-Grundstück. In einem gewissen Sinne sei man also nach Hause zurück gekehrt, sagt Carlo Feltrinelli, – „um die Zukunft anzugehen“. Der 52jährige Sohn von Giangiacomo und Inge Feltrinelli führt heute das Unternehmen.

„BEI UNS IST IMMER WAS LOS“


Im deutschen Sprachraum ist Nanni Balestrini vor allem als Autor politischer Romane wie „Wir wollen Alles“ über die Fiat-Kämpfe (1971) bekannt. Doch der vor 80 Jahren in Mailand geborene Balestrini ist ein kultureller Tausendsassa, der als Lyriker, Essayist, Übersetzer (etwa von Ingeborg Bachmann), Lektor (bei Feltrinelli), Herausgeber, Organisator und bildender Künstler die italienische Szene seit den späten 1950er Jahren nachhaltig beeinflusst hat.

Die Wortlandschaften eines Nanni Balestrini



Der Autor Erri De Luca, sein Protest gegen Hochgeschwindigkeitsstrecken und die Einschränkung des Wortschatzes Turin. Darf ein Schriftsteller öffentlich zur Sabotage des Baus einer Hochgeschwindigkeitsstrecke aufrufen? Der neapolitanische Autor Erri De Luca hat das in einem Interview mit der italienischen Ausgabe der Huffington Post und der Nachrichtenagentur ANSA getan: „La TAV va sabotata – Die TAV gehört sabotiert.“ TAV ist die Abkürzung der italienischen Bezeichnung für Hochgeschwindigkeitszüge („Treni ad Alta Velocità“). Gegen den Bau einer Trasse im Val di Susa (Piemont) protestieren seit Jahren Anwohner, Umweltschützer, Intellektuelle wie De Luca und unterschiedliche Aktionsgruppen unter dem Schlagwort „No TAV“ („Keine TAV“). Dabei ist es auch in Einzelfällen zu Gewaltanwendung von Demonstranten gekommen, wofür die Justiz den 64jährigen Schriftsteller verantwortlich machen will. Noch bevor der Prozess gegen ihn Ende des Monats in Turin wegen Anstiftung zur Begehung einer strafbaren Handlung beginnt, hat er bei Feltrinelli einen schmalen Band mit dem Titel „La parola contraria“ („Mein Wort dagegen“) herausgegeben, der jetzt in der Übersetzung von Annette Kopetzki auch auf Deutsch im Graf Verlag München erscheint (48 S., 3.99 Euro). Wobei es sich nicht um eine Verteidigungsschrift handelt: „In den Gerichtssaal gehe ich nicht, um mich zu rechtfertigen“, klärt De Luca seine Leser auf, „sondern, […]

„DIE TAV GEHÖRT SABOTIERT“