Feltrinelli


Ein Gespräch mit Paolo Rumiz, der den Po von ersten Stromschnellen bis zur Mündung in die Adria auf dem Wasser abgefahren hat. In dem Buch „Die Seele des Flusses“ erzählt er von seiner abenteuerlichen Reise durch ein unbekanntes Italien. Mailand / Porto Tolle – Der längste Fluss Italiens ist der Po. Rund 650 Kilometer liegen zwischen seiner Quelle am Monviso in den piemontesischen Alpen und der Mündung in die Adria, wo er sich zwischen Porto Viro und Volano in sechs Arme und unzählige Kanäle verzweigt. Der Journalist und Buchautor Paolo Rumiz ist ihm zusammen mit einer kleinen Gruppe von Freunden von den Stromschnellen bei Staffarda an – 40 Kilometer unterhalb der Quelle – bis zum Meer auf dem Wasser gefolgt. In dem mit vielen Karten und Fotos liebevoll aufgemachten und einfühlsam übersetzen Buch „Die Seele es Flusses“ (Folio Verlag) erzählt Rumiz von einer Reise durch ein unbekanntes Italien.

„AUF JEDER INSEL FEUER MACHEN“


Cortona, Anfang Februar 2017 – Steil ziehen sich die Gassen zur Franziskuskirche hoch. Fra Elia hat mit ihrem Bau um 1245 in der einst kaiserlichen Stadt im Südosten der Toskana begonnen. In diesen ruhigen Wochen des Jahres, wenn der Winter noch nicht ganz gegangen ist, und der Frühling unter einer blassen Sonne nur schüchtern erste Blüten zeigt, gibt sich Cortona mittelalterlich verschlossen. Die Zeit scheint aufgehoben, der Blick streift von der Hügelstadt aus über die Valdichiana südlich zum Trasimenischen See. Nördlich liegt die Einsiedelei Le Celle nicht weit.

In Cortona



In Mailand wurde der Neubau für die Fondazione Feltrinelli eröffnet, den Herzog & de Meuron projektiert haben. Darin finden das riesige Archiv und die Bibliothek sowie Veranstaltungsräume und eine Buchhandlung (mit Café) Platz Mailand – Bei Feltrinelli kann man feiern. Der Mailänder Verlag hat mit Roberto Savianos neuem Roman über die Rolle von Jugendlichen im organisierte Verbrechen Neapels („La paranza bei bambini“) einen Verkaufsschlager im Programm, der seit Wochen alle Bestsellerlisten anführt. Und die Fondazione Giangiacomo Feltrinelli konnte ihren neuen Sitz beziehen, den Herzog & de Meuron unweit der Porta Garibaldi errichtet haben.

EINE LAIZISTISCHE KATHEDRALE


60 Jahre nach seiner Gründung hat sich der Feltrinelli-Verlag in ein Kulturunternehmen verwandelt, das nicht nur Bücher herstellt und verkauft, sondern ebenso einen TV-Sender betreibt und sogar für gutes Essen sorgt. Mailand. Das Gebäude, das bei der Porta Volta in Mailand merkwürdig gotisch spitz 32 Meter hoch in den Himmel wächst, ruft Vergangenheit wach. Denn hier, am ehemaligen Stadttor vor dem Monumentalfriedhof der lombardischen Metropole, besaß Anfang des vergangenen Jahrhunderts eines der größten Holzunternehmen Italiens, die Feltrinelli Legnami, Lagerflächen. Der Haupterbe des Unternehmens, zu dem auch eine Bank gehörte, war Giangiacomo Feltrinelli (1926-1972). Doch der interessierte sich weniger für Industrie- und Bankgeschäfte und investierte lieber in Kultur. 1949 gründete er eine Bibliothek zur Erforschung der Arbeitergeschichte und dann 1955 einen eigenen Verlag. Die Bibliothek, die inzwischen in eine Stiftung überführt wurde (Fondazione Feltrinelli) bekommt nun nach Plänen des Züricher Architekturbüros Herzog & de Meuron einen neuen Sitz – eben an der Porta Volta auf dem alten Feltrinelli-Grundstück. In einem gewissen Sinne sei man also nach Hause zurück gekehrt, sagt Carlo Feltrinelli, – „um die Zukunft anzugehen“. Der 52jährige Sohn von Giangiacomo und Inge Feltrinelli führt heute das Unternehmen.

„BEI UNS IST IMMER WAS LOS“



Im deutschen Sprachraum ist Nanni Balestrini vor allem als Autor politischer Romane wie „Wir wollen Alles“ über die Fiat-Kämpfe (1971) bekannt. Doch der vor 80 Jahren in Mailand geborene Balestrini ist ein kultureller Tausendsassa, der als Lyriker, Essayist, Übersetzer (etwa von Ingeborg Bachmann), Lektor (bei Feltrinelli), Herausgeber, Organisator und bildender Künstler die italienische Szene seit den späten 1950er Jahren nachhaltig beeinflusst hat.

Die Wortlandschaften eines Nanni Balestrini