Gastronomie


Venedig, im Dezember – Die Lagunenstadt putzt sich für die Festtage heraus. Wenn wieder mehr Besucher kommen und man im Frühstücksraum im B&B am Morgen nicht mehr alleine bleibt. Am Abend zuvor haben ein paar Jugendliche auf der Eisbahn hinter der Kirche S. Polo bei schräger Musik einsame Runden gedreht. Der Weihnachtsmarkt auf dem Campo Santo Stefano zählt zeitweilig mehr Buden als Neugierige. In den Gallerie dell’Accademia trauert eine romantisch schöne Ausstellung Canova, Hayez, Cigognara der letzten Glanzzeit von Venedig in besucherleeren Sälen nach. Die Accademia-Brücke ist eingerüstet. Restaurierungsarbeiten, die am 2. Oktober begonnen haben, sollen 210 Tage dauern. Die Kosten, bis auf den letzten Cent berechnet, belaufen sich auf 813.685,01 Euro. So steht es auf einer Hinweistafel. Ob die Rechnung aufgeht?

In Venedig


Zu Tisch: Das panierte Kalbsschnitzel – als Cotoletta von Mailand aus gesehen Eine Geste wie eine Liebkosung: Vorsichtig drückt Cesare das Kotelettstück mit der Handfläche, dass es nicht mehr als circa zwei Zentimeter dick ist. Dann wird es in gequirltem Ei gewendet, mit Brotbröseln überstreut und wandert schließlich in die Pfanne mit dem heißen Butterschmalz. Cesare lässt es auf jeder Seite zusammen mit Salbei rund vier Minuten braten. Etwas Salz und fertig: einheitlich goldbraun überzieht die Panade diese Cotoletta (oder Costoletta) milanese, wirft zarte Falten und Wellen wie die kaum bewegten Wasser eines Sees. Wenn man es aufschneidet, leuchtet das Fleisch frisch rosa. Gleich beim ersten Biss vermischt sich im Mund der buttrige Geschmack der knusprigen Panade mit dem saftigen Kalbsfleisch. Aber zum Panieren gehört doch Mehl? Nein!!! Cesare bekommt fast einen Schreikrampf, niemals Mehl bei einem Mailänder Schnitzel. Und bitte auch nicht flach klopfen. Dann könne man doch gleich nach Wien gehen.

MIT ZARTEN FALTEN