Genua


Wie erinnern? Zwei Beispiele aus Mailand und aus Genua Italien gedenkt der Befreiung von deutscher Besatzung und der Herrschaft Mussolinis vor 70 Jahren. Am 25. April 1945 wurde vom Nationalen Befreiungskomitee in Mailand der Generalstreik in den noch von Wehrmacht und SS besetzten Gebieten Norditaliens ausgerufen. Das war zugleich das Signal zu einem allgemeinen Aufstand, durch den dann die Partisanen die Herrschaft über große Städte wie Mailand, Genua und Turin errangen, während die Alliierten von Süden kommend immer weiter vorrückten. Die Deutschen Truppen befanden sich bereits auf einem chaotischen Rückzug Richtung Alpen. Vier Tage später kapitulierten sie endgültig vor den Alliierten. In Italien wird der 25. April inzwischen als Nationalfeiertag begangen, an dem man die Resistenza, also den Widerstand ehrt, dessen Werte auch in die republikanische Verfassung Eingang gefunden haben. Zuletzt hatte sich jedoch eine Feiertagsrhetorik entwickelt, die zu einer gewissen Ermüdung der Erinnerung geführt hat. In Mailand wie in Genua gab es jetzt Versuche, die Feiern des 25. Aprils mit neuem Leben zu füllen.

70 JAHRE RESISTENZA


Ein Besuch bei dem Rechtsphilosophen Paolo Becchi in Genua, der der 5 Sterne Bewegung nahe steht Genua/Mailand (Mai 2013) – Im parlamentarischen System von Italien knirscht es gewaltig. Der Movimento Cinque Stelle (M5S), der sich als Sieger der letzten Parlamentswahlen im Februar dieses Jahres fühlen darf, hat einen totalen Konfrontationskurs gegenüber den traditionellen Parteien eingeschlagen. Mehr noch, die von Beppe Grillo und Gianroberto Casaleggio gegründete Fünf-Sterne-Bewegung stellt die System-Frage. Sie will die repräsentative Demokratie erneuern und das Parteiensystem ablösen. Der Rechtsphilosoph Paolo Becchi sagt, die alten, weitgehend korrupten Parteien seien „Reste der Vergangenheit“, die Letta-Regierung als große Koalition zwischen der Berlusconi-Partei (PDL) und den Sozialdemokraten (PD) bleibe „ein Witz“.

EINE ART DIGITALE DEMOKRATIE



Ein Besuch bei Liana Millu in Genua, der Autorin „schöner Literatur“ über den Holocaust: „Rauch über Birkenau“ und „Die Brücke von Schwerin“ Genua (November 1998)- Ein freies Leben wollte sie führen, doch die Zeiten waren nicht danach. Liana Millu, 1914 in Pisa geboren, träumte davon, Journalistin zu werden. Sie wollte sich von den Fesseln der Familie und der Religion lösen. Eine erste Anstellung als Lehrerin in Volterra gab ihr die ökonomische Sicherheit, gelegentlich Texte für Zeitungen zu schreiben. Im Sommer 1938 allerdings, noch bevor die italienische Regierung ein Paket von Rassengesetzen verabschiedete, die zu dem Zeitpunkt schärfer waren als die Hitlers, ließ das Unterrichtsministerium bereits Schulen und Universitäten von Juden „säubern“.

DER HASS VERGIFTET DIE SEELE