Landschaft


Teodoro Wolf Ferrari und „Die Modernität der Landschaft“ in einer Ausstellung in Conegliano bei Treviso Conegliano (Palazzo Sarcinelli bis 24.6.2018) – Im Hinterland von Venedig gibt es einen Künstler (wieder) zu entdecken, der gleichzeitig lokal verwurzelt war wie auch europäisches Format hatte. Das Werk des Landschaftsmalers Teodoro Wolf Ferrari (1878 – 1945) ist jetzt im Palazzo Sarcinelli zu sehen. Rund 70 Arbeiten (Gemälde, Aquarelle, Dekorationstafeln, Glasarbeiten u.a.), dazu einige Bilder von Zeitgenossen, legen Rechenschaft ab, wie Wolf Ferrari zwischen München und Venedig sich ein bemerkenswertes Oeuvre schuf. Das geriet jedoch nach erfolgreichen Jahren – zwischen 1920 und 1938 war der Künstler auf jeder Biennale vertreten – nach seinem Tod in Vergessenheit. Wer den Namen Wolf Ferrari hört, denkt zunächst an des Malers älteren Bruder, den Komponisten Ermanno Wolf Ferrari (1876-1948).

EINE ENTDECKUNG


Carl Wilhelm Macke im Gespräch mit Esther Kinsky, die ihrem Buch „Hain. Ein Geländeroman“ drei eher unbekannte Landstriche Italiens zum Sprechen bringt Ferrara/München – Mit dem Buch „Hain. Ein Geländeroman“ von Esther Kinsky werden viele Buchhändler ganz besondere Probleme haben. Stellt man das Buch nun in die Abteilung mit Reiseführern durch Landschaften Italiens? In den Überschriften der drei Kapitel werden die Etappen des Aufenthalts der heute 61jährigen Autorin in Italien genau angegeben: Olevano nordöstlich von Rom, Chiavenna an der lombardisch-tessiner Grenze und schließlich Comaccio im Po-Delta östlich von Ferrara. Doch der Esther Kinsky, die aus dem Rheinland stammt und heute in Berlin lebt, geht es um keine touristischen Reiseerlebnisse. Stattdessen blickt sie mit großer Geduld und literarischer Sensibilität auf vergessene Gelände, von der Natur und den Menschen zerstörte Landstriche.

„MICH INTERESSIERT DER RAND MEHR ALS DAS ZENTRUM“



In Italien wird nach dem Erdbeben von Ischia und zum Jahrestag des Bebens von Amatrice heftig über die Folgen illegaler Bautätigkeit diskutiert. Es geht in einer Art Kulturkampf um eingestürzte Familienhäuser, um Straferlasse und Aufbauprämien und um „Aasgeier-Journalisten“ Mailand – Der Boden bebt und bringt ein ganzes Land in Wallungen. Am Sonntag Abend (20.8.) erschütterten Erdstöße die Insel Ischia im Golf von Neapel. Betroffen war vor allem die Ortschaft Casamicciola Terme, wo zwei Menschen starben und rund 2000 Menschen ihre Unterkunft verloren. Ein relativ schwaches Beben von der Stärke 3,6 bis 4 auf der Momenten-Magnituden-Skala, doch viele, wohl auch teilweise widerrechtlich errichtete Bauten stürzten ein. In den Medien und im Internet ist derweil eine heftige Debatte über Ursachen der Zerstörungen durch dieses und anderer Beben und über die Notmaßnahmen des Staates ausgebrochen – und auch über die Folgen der Berichterstattung, die etwa zur ungerechtfertigten Flucht von Touristen von Ischia geführt haben soll.

DAS BEBEN NACH DEM BEBEN


Arona, Mitte August – Es ist Feiertag, vor der Kasse der Schifffahrtsgesellschaft stehen Touristen Schlange. Die meisten wollen nur ein Ticket zur Isola Bella. Das Boot für eine Seetour nach Locarno dagegen legt pünktlich um 10 Uhr 15 ab. Wer rechtzeitig gekommen ist, hat noch Platz auf dem offenen Oberdeck gefunden. Wer in Stresa zusteigt, muss sich arrangieren. Früh schützt sich vor brennender Sonne, der sich jetzt eincremt. Am westlichen, piemontesischen Ufer, an dem das Boot bis auf zwei Abstecher gegenüber (Angera, Luino) entlang fährt, zeugen gründerzeitliche Villen ebenso wie grandiose aber auch etwas in die Jahre gekommene Hotelbauten vom Luxustourismus aus der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Als hier der europäische Geldadel und auch so manche gekrönte Häupter zur Sommerfrische anreisten.

Auf dem Lago Maggiore



Italien und das Wasser: ein Lebensmittel und Kulturgut, um das gekämpft wird. Mailand/Rom – Es ist heiß in Italien, über 40 Grad sind die Temperaturen in den ersten Augusttagen gesteigen. Fehlender Regen und diese lang andauernde Hitzewelle wie seit hundert Jahren nicht mehr haben das Land ausgetrocknet. Wald- und Buschbrände nehmen zu und das Wasser wird knapp. In Rom läuten alle Alarmglocken, obgleich man hier seit der Antike über ein weitverzweigtes Netz zur Versorgung der rund 3,8 Millionen Einwohner in und um die Hauptstadt verfügt. Doch seit Jahrzehnten ist kaum etwas getan worden, um die 5.400 Kilometer Leitungen im Stadtgebiet zu erneuern. Über 44 Prozent des eingespeisten Wassers geht unterwegs verloren – im Landesdurchschnitt sind das 38 Prozent, in Mailand sogar nur 16 Prozent. Umgekehrt sind die Römer Landesmeister im Wasserverbrauch: durchschnittlich 300 Liter pro Kopf und Tag gegenüber 245 Liter im restlichen Italien.

WENN KEINE BRÜNNLEIN FLIESSEN