Leonardo


Was bleibt vom Leonardo-Jahr (1) : Ein Gespräch mit dem Kunsthistoriker Pietro C. Marani Mailand – Ein Jahr ganz im Zeichen von Leonardo ist zu Ende gegangen. Der großen, einen Ausstellung in Paris (Louvre bis 24.2.2020) standen und stehen viele kleine Initiativen in Italien, allen voran in Mailand, aber auch in Rom, Florenz, Turin oder Parma gegenüber. Und dabei tauchten die merkwürdigsten Funde auf: In Florenz wurde bei einer Ausstellung über Verrocchio, den ersten Lehrmeister Leonardos, eine Marienstatue gezeigt, die die Kuratoren dem Mann aus Vinci zuschrieben. Leonardo als Bildhauer? Warum nicht, schließlich hat er in Mailand eine riesiges Reiterstandbild geplant – aber diese kleine Statue, die aussieht, als sei sie von dem Gemälde eines seiner Schüler abgekupfert, ein Original von Leonardo? In Mailand schenkte Herzog Lodovico dem Künstler und Wissenschaftler einen Weingarten, das ist belegt. Die Weinstöcke, die man heute dort sehen kann, sind sicher keine 500 Jahre alt. Bei Aufenthalten in der Romagna um 1502 soll er sich ebenfalls dem Weinanbau mit einem „Metodo Leonardo“ gewidmet haben, dem heute ein Weingut eine eigene Produktlinie widmet. Leonardo als Winzer?

„ER HAT EINFACH KEINE GEDULD“


Was bleibt vom Leonardo-Jahr (2): Die Präsentation der Madonna Litta im Museo Poldi Pezzoli und die neue feste Leonardo-Ausstellung im Mailänder Technik- und Technologiemuseum Mailand – Vom Leonardo Jahr 2019 aus weisen Spuren in die Zukunft. Zum Beispiel mit einer kleinen aber äußerst feinen Ausstellung im Museo Poldi Pezzoli über die Madonna Litta und die Rolle der Werkstatt. Und das Mailänder Technikmuseum, das in seinem Namen Museo Nazionale Scienza e Tecnologia Leonardo da Vinci den Künstler, Ingenieur und Wissenschaftler ehrt, hat gerade seine feste Maschinen- und Dokumentensammlung neu geordnet und präsentiert sie jetzt aufwändig und zeitgemäß mit viel digitaler Technik.

VORBILDLICH



Was bleibt vom Leonardo-Jahr (3): Mailand, sein Territorium und der Nahe Osten – zum Beispiel Leonardos Spuren in der jüngst erschienen Veröffentlichung „Leonardo da Vinci tra Genova e l’Oriente“  Mailand/ Genua – Leonardo lebt und arbeitet in Mailand vom Winter 1481/82 an bis zum Herbst 1499 und in einer zweiten Phase von 1506 bis 1513. Keine andere Stadt und kein Territorium haben ihn so geprägt und Möglichkeiten zur Entfaltung gegeben wie diese Umgebung. Leonardo ist dabei nicht an die Hauptstadt des Herzogtums gefesselt, sondern oft im Herrschaftsgebiet unterwegs, das von der ligurischen Küste bis ins Tessin reicht. Nach 1506 hält er sich lange in der Villa Melzi in Vaprio auf. Nachweisen kann man Arbeiten von ihm im Kanalsystem rund um Mailand. Möglicherweise hat er die Platzanlage vor der Sforzaburg in Vigevano mit gestaltet. In Locarno war er an den Planungen für die Außenbefestigungen (Ravelin) der inzwischen zerstörten Festung beteiligt. Gesichert ist auch ein Aufenthalt in Genua im Gefolge von Herzog Ludovico für gut zwei Wochen im März 1498. Diesen Spuren Leonardos in Ligurien etwa geht die interessante Veröffentlichung von Cesare Masi Leonardo da Vinci tra Genova e l’Oriente nach.

EINE BRÜCKE ÜBERS GOLDENE HORN


Eine Ausstellung im Mailänder Palazzo Reale (16.4.-19.7. 2015) Mailand und Leonardo, das ist eine Erfolgsgeschichte, die über zwei Jahrzehnte lang dauerte. Mit 29 Jahren verließ Leonardo da Vinci seine heimatliche Toskana und ging im Jahr 1481 an den Hof von Ludovico Sforza, wo er vor allem als Ingenieur, Erfinder und Architekt Maschinen, Waffen und Festungsanlagen entwickelte und sich mit wissenschaftlichen Fragen von der Biologie bis zur Mathematik auseinandersetzte. Er war zudem als Musiker und Ausrichter von Festveranstaltungen höchst geschätzt. Aber auch als Maler und Bildhauer vermehrte er den Ruhm seines Herren – und seinen eigenen, wie etwa die ungeheure Nachwirkung der Darstellung des Abendmahls belegt. In den kriegerischen Wirren der Renaissancezeit verließ Leonardo Mailand 1499, kehrte aber nach Aufhalten in Mittelitalien für gut sechs Jahre wieder dorthin zurück.

DEN GANZEN LEONARDO IM BLICK



Mailand, das Design und sein Netzwerk – eine Spurensuche Mailand (23.2.2012). Design in Mailand also. Blitzlichtartig tauchen Namen auf. Alessi und Kartell, Cassina und Armani. Designer gründen Firmengruppen, Industriebetriebe stützen sich auf die Kreativität ihrer Architekten. Mode- und Produktdesign sind in einem regen Austausch begriffen. Mailand (1,3 Millionen Einwohner in der Stadt, 5 Millionen im Großraum) ist eine Stadt voller Bewegung und Konkurrenz. Jede gute Idee stößt hier auf bessere Alternativen. Rund 12.000 Architekten haben sich in der Stadt niedergelassen. Mehr als 7000 Menschen teilen sich ein Quadratkilometer Fläche, enger geht es in Italien nur noch in Neapel zu. Und weitere 900.000 Menschen pendeln jeden Tag in die lombardische Wirtschafts- und Finanzmetropole ein, die zugleich Europas größter Messeplatz ist. Dazu gehört auch der Salone del Mobile, die Möbel- und Einrichtungsmesse, die die Stadt jedes Jahr im April in einen wahren Design-Taumel versetzt. Einige Veranstaltungen des Fuorisalone in den Showrooms, Werkstätten und open studios der Architekten und Hersteller außerhalb des Messegeländes haben inzwischen chaotische Formen einer Kirmes angenommen. Ein Shoppingparadies für gefüllte Brieftaschen Den Rest des Jahres bleibt Mailand ein Shoppingparadies eher für Träger gefüllte Brieftaschen. Die vielen Boutiquen und Showrooms präsentieren die Objekte der Begierde, als sei die ganze Stadt […]

VOM LÖFFEL BIS ZUR STADT