Ligurien


Wie erinnern? Zwei Beispiele aus Mailand und aus Genua Italien gedenkt der Befreiung von deutscher Besatzung und der Herrschaft Mussolinis vor 70 Jahren. Am 25. April 1945 wurde vom Nationalen Befreiungskomitee in Mailand der Generalstreik in den noch von Wehrmacht und SS besetzten Gebieten Norditaliens ausgerufen. Das war zugleich das Signal zu einem allgemeinen Aufstand, durch den dann die Partisanen die Herrschaft über große Städte wie Mailand, Genua und Turin errangen, während die Alliierten von Süden kommend immer weiter vorrückten. Die Deutschen Truppen befanden sich bereits auf einem chaotischen Rückzug Richtung Alpen. Vier Tage später kapitulierten sie endgültig vor den Alliierten. In Italien wird der 25. April inzwischen als Nationalfeiertag begangen, an dem man die Resistenza, also den Widerstand ehrt, dessen Werte auch in die republikanische Verfassung Eingang gefunden haben. Zuletzt hatte sich jedoch eine Feiertagsrhetorik entwickelt, die zu einer gewissen Ermüdung der Erinnerung geführt hat. In Mailand wie in Genua gab es jetzt Versuche, die Feiern des 25. Aprils mit neuem Leben zu füllen.

70 JAHRE RESISTENZA


Palmen sterben, die Spielbank schreibt rote Zahlen und der Blumenmarkt hat seine Bedeutung verloren – jetzt setzt die ligurische Rivierastadt auf Kultur und Nachhaltigkeit Sanremo (Mai 2013). Wenn man den langen Tunnelgang verlässt, der den tief in den Hügeln versteckten neuen Bahnhof von Sanremo mit der Außenwelt verbindet, glaubt man zu träumen. Eben noch von der Neon- und Betonästhetik einer Laufbandtrasse gefangen, die eher an einen Flughafen als eine Eisenbahnstation erinnert, trifft der Besucher unter einem freien Himmel auf hoch aufstrebenden Palmen, auf majestätischen Akazien mit ihrem dichten Blätterwerk oder auf Fichten, in die blau blühende Glyzinien hineingewachsen sind – und im frühlingsgrünen Gras leuchten überall Blumenrabatte. Die milde Witterung der ligurischen Riviera wird hier am Ausgang der Valle Argentina, wo hohe Berge nahe ans Meer rücken, durch ein besonderes Mikroklima noch verstärkt. So liegen die Temperaturen von Sanremo im Winter rund zwei Grad über denen der Nachbarorte Imperia im Osten und Bordighera im Westen. Und im Hochsommer zwei Grad darunter. Ein ideales Klima, das zu jeder Jahreszeit erholsame Tage garantiert. Wenn man nicht wie Dickie in dem Roman „Der talentierte Mr. Ripley“ von Patricia Highsmith bei einer Bootsfahrt vor dieser Küste ermordet wird…

STILLE ABENDE IN SANREMO



Zwischen Thüringen und Ligurien: Das bewegte Leben des Bauhausschülers Otto Hofmann Pompeiana (Ligurien), Dezember 2009. Vom kleinen Friedhof von Pompeiana, wo Otto Hofmann (1907-1996) begraben liegt, fällt der Blick die kurvige steile Straße hinunter auf den alten Borgo mit seinem Sarazenenturm und der barocken Kirche Santa Maria Assunta. Von dort gleitet er ins Tal, das sich südwärts zum ligurischen Meer und zur Mittagssonne öffnet, als wollten die sanften Hügelketten unterhalb des Monte Croce zwischen Sanremo und Imperia die Welt mit offenen Armen empfangen. In dieses vom Licht durchflutete Klimaparadies, in dem noch in den Wintermonaten die Bougainvillea feurig blühen und es nach Jasmin duftet, hatte sich Mitte der siebziger Jahre der Maler, Fotograf und Designer Otto Hofmann mit seiner Frau Marianne zurückgezogen. Als Schüler von Paul Klee und Wassily Kandinsky Das weiße mediterrane Licht und die vibrierenden Farben des Hinterlands der Riviera haben in ein Spätwerk Eingang gefunden, das heiterer nicht sein könnte. Zeit seines Lebens hat sich Hofmann einen kindlichen Blick bewahrt. Abstrakte und konkrete Formen, phantasievoll stilisiert, bewegen sich dabei durch einen landschaftsartigen Hintergrund. Es sind teilweise großformatigen Arbeiten, die auf der Retrospektive zu sehen sind, die der Palazzo Ducale von Genua in diesen Wochen Otto Hofmann widmet. […]

NEBEN DEM SARAZENENTURM


Wie im hinteren Ligurien von einem Deutschen eine historische Orgel entdeckt wurde, die jetzt wieder zum Klingen gebracht werden soll Imperia (März 2008)  „Das ist ja super!“ Der Orgelbauer Philipp Klais prüft die Drahtverbindungen hinter dem Manual und untersucht die beiden mit Leder bespannten Windladen. Er nimmt die seitliche Holzverschalung der alten Orgel ab, um ins Innere des Instrument zu gucken – eine „fast unberührtes“ Exemplar aus dem 18. Jahrhundert. „Stark“, freut sich Klais, der in die barocke Kirche der Santissima Annunziata von Tavole, einem abgelegenen Bergdorf unweit der ligurischen Küste, gekommen ist. So einem Instrument zu begegnen, „das ist der Traum für einen Orgelbauer“. Das gute Stück könnte aus der Werkstatt der bedeutenden ligurischen Orgelbauerfamilie Roccatagliata stammen und damit nicht nur alt, sondern auch wertvoll sein. Als Philipp Klais dann dem Instrument einige Töne entlocken will, klingt es allerdings recht jämmerlich. Die schiefen Töne haben einen musikbegeisterten deutschen Anwohner von Tavole, schon länger geärgert. Seit 23 Jahren besitzt Peter Hoenisch in dem malerischen Dorf mit seiner prächtigen Kirche rund elf Kilometer von der Kreisstadt Imperia entfernt ein Haus. Doch was ist die schönste Kirche ohne wohltönende Orgel? Denn die Windanlage, wie die Fachleute die Bälge nennen, durch das Instrument […]

DIE DREI VON TAVOLE