Literatur


Adriano Sofri, Franz Kafka und die Straßenbahn – ein Essay über Varianten bei der in viele Sprachen übersetzten Erzählung „Die Verwandlung“ entpuppt sich als philologischer Kriminalroman Mailand – Kann ein Übersetzer Straßenlampen mit Straßenbahnen verwechseln? Der italienische Journalist und Essayist Adriano Sofri fand diesen merkwürdigen Fehlgriff in einer zweisprachigen Ausgabe (Rizzoli 2001) der berühmten Kafka-Erzählung Die Verwandlung. Am Anfang des zweiten Teils las er im italienischen Text, dass die Lichtreflexe der tranvia elettrica hier und da die Zimmerdecke befleckten, während es dort, wo der zum Ungeziefer verwandelte Gregor lag, dunkel blieb. Auf der gegenüber liegenden Seite war der deutsche Originaltext abgedruckt: „Der Schein der elektrischen Straßenlampen lag bleich hier und da auf der Zimmerdecke…“

METAMORPHOSEN DES LICHTS


Ein neues Casanova-Museum in Venedig setzt ganz auf virtuelle Realität. Der Besucher soll sich selbst als Abenteurer und Freigeist im 18. Jahrhundert erfahren. Und als Libertin. Venedig – Wer und was war Casanova – Schürzenjäger oder Freigeist? Ein frecher Hochstapler oder ein belesener Intellektueller, ein abgekochter Spion oder doch ein sprachgewandter Diplomat? In vielen Rollen taucht dieser Giacomo Girolamo Casanova auf, der 1725 in Venedig als Sohn einer Schauspielerin und eines Schauspielers geboren wurde. Und 1798 im Alter von 73 Jahren auf Schloss Dux in Böhmen starb. In Venedig eröffnete jetzt ein Casanova-Museum, das sich vorgenommen hat, seiner ganzen Persönlichkeit gerecht zu werden.

CASANOVA AUCH ICH



  Philipp Blom: Eine italienische Reise. Carl Hanser Verlag, München (2018). 319 Seiten, 26 Euro Carlo Bonini: ACAB-All cops are bastards. Thriller. Ü: Karin Fleischanderl. Folio Verlag Wien/Bozen (2018). 192 Seiten, 18 € Marco Bolzano: Das Leben wartet nicht. Ü: Maja Pflug. Diogenes Verlag, Zürich (2017), als Tabu (2018) 300 Seiten, 12 € Massimo Carlotto: Der Tourist. Thriller. Ü: Monika Lustig und Cathrine Hornung. Folio Verlag, Wien/Bozen (2017). 250 Seiten, 20 € Ascanio Condivi: Das Leben des Michelangelo Buonarroti. Ü: Ingeborg Walter. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin (2018). 144 Seiten, 18.50 € Esther Kinsky: Hain. Ein Geländeroman. Suhrkamp Verlag, Berlin (2018). 287 Seiten, 24 € – mehr auf Cluverius Ekkehart Krippendorf: Lebensfäden – Zehn autobiographische Versuche. Verlag Graswurzelrevolution, Heidelberg (2012). 476 Seiten, 24,90 € – mehr auf Cluverius Emily Lowe: Palermo, oh Palermo! Eine gewagte Reise durch Sizilien. Vorwort und Ü.: Klaudia Ruschkowski. Verlagshaus Römerweg, Wiesbaden (2016). 253 Seiten, 20 € Caroline Lüderssen: Eine Kathedrale der Musik. Das Archivio Storico Ricordi. Prestel Verlag, München (2017). 224 Seiten, 49,95 € Claudio Magris: Verfahren eingestellt. Roman. Ü: Ragni Maria Gschwend. Carl Hanser Verlag, München (2017). 396 Seiten, 25 € Francesca Melandri: Alle, außer mir. Roman. Ü: Esther Hansen. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin (2018). […]

Lesenswert – Titel & Tipps


Mit dem Dialogbuch „Erklär mir Italien!“ kann man zwar nicht Italien verstehen lernen, lernt aber Roberto Saviano besser kennen. Mailand – Man kann ein Land geographisch beschreiben, mit Hilfe von Daten lassen sich Gesellschaft und Wirtschaft analysieren, Prozesse in Politik und Kultur erkennen. Aber man kann kein Land „erklären“, Deutschland nicht und Italien schon gar nicht, in dem die regionalen Unterschiede größer sind als in jedem anderen westeuropäischen Land. Die Aufforderung im Buchtitel „Erklär mir Italien!“, zu der Giovanni di Lorenzo und Roberto Saviano einen munteren Dialog geführt haben, ist in diesem Sinne auch gar nicht als intellektuelle Aufforderung ernst gemeint. Sie entspricht eher einer Plauderstimmung, wie man sie zum Abschluss von einem guten Mittagessen, bei Diskussionen in der Bar oder ebenso bei Talkshows erleben kann.

EINE MUNTERE PLAUDEREI



Geschichte der Mafia und der Antimafia in einer Untersuchung von Umberto Santino Mailand/Palermo – Die Mafia ist längst kein Thema für Italien allein. Spätestens seit den Morden von Duisburg im Jahr 2007 bei einer internen Auseinandersetzung von Clans der ‚Ndrangheta, der kalabresischen Mafia, kam das Problem auch ins Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit. Kürzlich sorgte eine zwischen der deutschen und italienischen Polizei koordinierten Großrazzia mit Massenverhaftungen in beiden Ländern für Aufsehen. Mafia bleibt jedoch ein von Stereotype und falschen Vorstellungen umnebelter Begriff, der eher von erzählerischen Formen (Kino, TV, Romanen) geprägt wird als von Fakten und Hintergründen. In diesem Zusammenhang hilft die deutsche Übersetzung einer Buchveröffentlichung von Umberto Santino „Phänomen Mafia – Geschichte der Mafia und Antimafia“, die im Weltbuch Verlag erschienen ist.

Phänomen Mafia