Lyrik


Carl Wilhelm Macke über David Maria Turoldo, einen vergessenen Dichter aus dem Friaul München/Ferrara – Mit einer Charakterisierung von David Maria Turoldo könnte man es sich leicht machen. Er war ein Gedichte schreibender Priester, dessen intellektuelle Welt durch und durch von seiner katholischen Herkunft geprägt wurde. Seine Bilderwelt entstammt der Bibel und den Erzählungen rund um das Leben der Heiligen – Franziskus von Assisi und Teresa von Avila vorneweg. Priester blieb Turoldo tatsächlich bis zu seinem Tod im Jahre 1992 in Mailand. Kardinal Carlo Maria Martini zelebrierte die Totenmesse in der Chiesa San Carlo. Aber ein kurzer Blick auf seine Vita zeigt bereits, dass man es sich mit diesem scheinbar so erzkatholischen Dichter so leicht nicht machen kann.

PRIESTER, POET, REBELL


Carl Wilhelm Macke: Über den Dichter Biagio Marin aus Grado Ich, um zu geben nur Worte hab ich bereit nur das Gedicht das Atemkleid. Die hab ich gebreitet über die Insel ein tiefblauer weiter beständiger Himmel. Dann wehte der Jahreswind der Nord oder West das Sein bleibt nicht fest und sie schwinden. (1) Ferrara/München – Wie entdeckt man eigentlich Dichter und ihre Gedichte? Zum Beispiel auf Umwegen über die Werke anderer Schriftsteller, wo man zum ersten Mal den Namen eines unbekannten Dichters liest. Die lange Reise von Claudio Magris entlang der Donau („Biographie eines Flusses“, München, 1988) endet mit einem Zitat, das mich neugierig gemacht hatte. „Mach, daß mein Tod, Herr“, heißt es in einem Vers von Biagio Marin, „sei wie das Fließen eines Stromes in t’el mar grando, in das große Meer“.

DIE VERZAUBERUNG IST LANG



Gedichte von Anna Maria Carpi Mailand. Anna Maria Carpi erzählt mit ihren Gedichten einfache Geschichten, lässt Situationen lebendig werden und Orte. Man wird von ihren Beobachtungen von der ersten Zeile an gepackt: „Zwei handgeschriebene Zettel / im Einkaufswagen: / Der da ist verdreckt, sagt eine biedere Dame, / und will ihn nicht.“ Eine oberflächliche Begegnung im Supermarkt, Einkaufszettel mit Warenwünschen von „Nesquik in der Tüte“ bis zu „Scheuermittel“. Alltag blitzt auf: „ Als sähe ich in eine Küche / in einer Nebenstraße, in einer Wohnung, / das Licht vom Hof, dann den Abend, / ein ganzes fremdes Leben, / und mir wird bange.“

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