Oper


Riccardo Muti hat mit dem Chicago Symphonie Orchestra nach zwölfjähriger Abstinenz an der Mailänder Scala zwei umjubelte Konzertabende gegeben Mailand – Nun ist er zurück gekehrt. Riccardo Muti war vor zwölf Jahren nicht ganz unschuldig an den chaotischen Verhältnissen an der Mailänder Scala gewesen, die er im April 2005 Türe schlagend verlassen hatte. Jetzt feierte er am 20. und 21. Januar mit zwei Konzerten seines Chicago Symphonie Orchestra eine triumphale Wiederkehr. Am Freitag Abend unter anderem mit der symphonischen Dichtung „Don Juan“ von Strauss und der 4. Symphonie von Tschaikowski. Am Sonnabend ragten Hindemiths „Konzertmusik op. 50“ und Musorgskis „Bilder einer Ausstellung“ heraus. Als Zugabe und als Hommage an Giuseppe Verdi (und die Scala) dirigierte er die Ouvertüre von Nabucco. Das Publikum – unter viel lokaler Prominenz auch Kulturminister Dario Franceschini – feierte den Maestro und das Orchester mit einer Standing Ovation. Bei einer kurzen Rede widmete Riccardo Muti das Gastspiel den jüngsten Opfern des Erdbebens und der Lawinenkatastrophe in Mittelitalien.

WIEDER IN DIE ARME GENOMMEN


Die Scala eröffnet ihre Spielzeit mit Giacomo Puccini. Am Pult überzeugt Riccardo Chailly, ansprechend die Sänger, weniger überzeugend die Regie von Alvis Hermanis Mailand (Teatro alla Scala) – Zur Saisoneröffnung griff die Scala auf einen ihrer größten Misserfolge in der Geschichte zurück – auf die Welturaufführung von Puccinis „Madama Butterfly“ am 17. Februar 1904 an der Mailänder Bühne. Nachdem die Inszenierung beim Publikum wie bei der Kritik durchgefallen war, veränderte der tief enttäuschte Komponist das Stück durch Kürzungen und Umstrukturierungen (u.a. drei statt zwei Akte). Ein paar Monate später gelang der Butterfly nach einer Neuinszenierung in Brescia ein triumphaler Neustart. Heute gehört die tragische Geschichte um die treue Cio-Cio-San aus Nagasaki und ihre enttäuschte Liebe zu dem amerikanischen Marineoffizier F.B. Pinkerton weltweit zu einer der meistgespielten Opern.

in der Oper: Madama Butterfly



Die Accademia Teatro alla Scala (1): Ob Musiker, Tänzer oder Handwerker, die Scala-Akademie bildet eine Elite unter den Nachwuchskräften in allen Bühnenberufen aus  Mailand – Es geht fröhlich zu in dem ehrwürdigen Teatro alla Scala, wenn jetzt zum Ausklang der Spielzeit eine Oper für Kinder auf dem Programm steht. Es wird gelacht und gerufen, geschupst und gedrängelt. Mit brausendem Beifall und zustimmenden Pfiffen werden die Musiker begrüßt, die im Orchestergraben Platz nehmen. Dann verlöscht langsam das Licht, hier und da mahnt jemand „tsch, tsch“ zur Ruhe. Die ersten Takte von Mozarts „Entführung aus dem Serail“ – eine reduzierte Fassung in italienischer Sprache in Koproduktion mit den Salzburger Festspielen – verbreiten schließlich eine zauberhafte Stimmung in dem vormittags um 11 Uhr mit Grundschülern vollbesetzten Haus.

EIN TOLLES GEFÜHL


Die Accademia Teatro alla Scala (2): Ein Gespräch mit dem Intendanten Alexander Pereira über die Ausbildung an der Akademie, die Inszenierung einer Zauberflöte sowie über Publikumspflege von klein auf Mailand – Der Wiener Kulturmanager Alexander Pereira leitet seit September 2014 in der Nachfolge von Stéphane Lissner das Teatro alla Scala. Zuvor war er Intendant der Oper Zürich (1991-2012) und der Festspiele Salzburg (2012-2014). Seit Jahren setzte er sich intensiv für die Förderungen des künstlerischen sowie des technischen Nachwuchses bei Bühnenberufen ein. Mit der Accademia Teatro alla Scala (siehe hier den Bericht auf Cluverius), der er auch als Präsident vorsteht, hat der 69jährige dafür ein ideales Betätigungsfeld gefunden.

„ICH MÖCHTE NICHT, DASS DIE SCALA EIN ELITÄRES INSTITUT IST.“



Die Madame Butterfly an der Mailänder Scala: Eine Wanderung durch die Bühnen- und Kulturgeschichte über vier Stationen von 1904 bis 1985 (und heute) im Scalamuseum Mailand (Museo Teatro alla Scala bis 28.2. 2017) – Die Geschichte der Aufführungen der Madame Butterfly an der Mailänder Scala, wo sie im Februar 1904 auch ihre Uraufführung erlebte, ist voller Höhen und Tiefen. Sie reicht vom Misserfolg ausgerechnet bei der Weltpremiere bis zu wundervollen Entdeckungen der altjapanischen Kultur etwa in einer Inszenierung von 1985. Im Scalamuseum ist parallel zur Spielzeiteröffnung mit einer Neuinszenierung der Puccini-Oper eine kleine, bezaubernde Ausstellung mit Kostümen, Dokumenten und Entwürfen aus über Einhundert Jahren zu sehen. Sie ermöglich Einblicke in vier wichtige Momente (1904, 1925, 1951, 1985) der Aufführungsgeschichte.

PRÄCHTIGE KOSTÜME, REICHE DOKUMENTE