Prada


Fondazione Prada (1): Die Kulturstiftung des Mailänder Modehauses wurde 1993 gegründet. Ein Gespräch mit der Programmleiterin Astrid Welter Mailand – Vor 25 Jahren riefen Miuccia Prada und ihr Ehemann Patrizio Bertelli in Mailand die Fondazione Prada ins Leben. Die Kulturstiftung des Modehauses könnte also jetzt ein kleines Jubiläum begehen. Doch, so die Programmdirektorin Astrid Welter: „Wir feiern nicht.“ Gefeiert wird dagegen etwas anderes, nämlich die Fertigstellung eines 60 Meter hohen Turms („Torre“) aus weißem Beton und Glas auf der Ausstellungsanlage der Fondazione nach Plänen von Rem Koolhaas, „den wir Ende April einweihen wollen.“ Ein Gespräch mit Astrid Welter am Rande der Ausstellung „Post Zang Tumb Tuum – Art Life Politics Italia 1918-1943“ (Zur Ausstellung siehe hier auf Cluverius).

„WIR FEIERN NICHT“


Fondazione Prada (2): Eine Ausstellung lässt unterschiedliche Kunstströmungen und kulturelle Tendenzen in Italien zwischen den beiden Weltkriegen wieder aufleben. Dabei ist ein überraschend pluralistisches Bild der Zeit entstanden.  Mailand (Fondazione Prada bis 25. Juni) – Italien diskutiert über alten und neuen Faschismus. Rechtsradikale Gruppen wie die Casa Pound drängen in die Politik. Sie solidarisieren sich mit Gewalttaten von Einzeltätern gegen Ausländer. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten wünschen sich viele Italiener Umfragen nach einen starken Mann an der Spitze. In diesem Klima zeigt die Fondazione Prada eine seit langem vorbereitete Ausstellung über Kunst und Kultur in Italien zwischen 1918 und 1943. Im Mittelpunkt stehen rund 500 Arbeiten vorwiegend der Malerei, der Skulptur und der Architektur aus einer Periode, die von 1922 an politisch wie gesellschaftlich vom Faschismus beherrscht wurde.

HISTORISCHES BLOW UP



Thomas Demands „ L’Image Volée“ und Edward Kienholz – zwei Ausstellungen bei der Fondazione Prada Mailand – (Fondazione Prada bis 28. August bzw. 31. Dezember) Mit zwei Ausstellungen unterstreicht die Fondazione Prada in Mailand ihren Anspruch, unterschiedliche Strömungen der Gegenwartskunst und der Moderne zu dokumentieren wie zu interpretieren. Auf eine höchst anregende Art zeigt Thomas Demand, der sich selbst als „Illusionist“ versteht, wie Künstler sich im Verlauf der jüngeren Geschichte an Modellen bestehender Arbeiten und Techniken orientierten, sie benutzten, kopierten, ausbeuteten. Unter dem Titel L’Image Volée („Das beraubte Bild“) hat er 90 Arbeiten von rund 60 Künstlern zusammengestellt.

UNSICHTBAR, BESTOHLEN, LEBENSGROSS


Zwei Mailänder Ausstellungen: „Imago non fugit“ und „Recto Verso“  Mailand – Unter den Mailänder Kultureinrichtungen kann man sich kaum einen größeren Gegensatz vorstellen als zwischen der Fondazione Prada am südlichen Stadtrand und dem Museo Bagatti Valsecchi im Zentrum. Die für Prada von Rem Koolhaas kürzlich umgebaute ehemalige Industrieanlage, ist – gleichsam mit einem minimalistischen Grundton – ganz auf die öffentliche, zumal elegante Präsentation von Kunst und Kultur Gegenwart ausgerichtet. Der von den Brüdern Fausto e Giuseppe Bagatti Valsecchi in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im historistischen Stil ausgebaut Stadtpalast ist mit Kunstwerken, Einrichtungsgegenständen und Sammlungsstücken vorwiegend aus der Renaissance vollgestopft und versteht sich als Museum einer privaten, antiquarisch orientierten  Wohnidee. Und doch verbindet jetzt etwas die beiden Pole der Mailänder Kultur. Zwei Ausstellungen, die hinter die Dinge gucken lassen.

HINTER DEN DINGEN



Rem Koolhaas hat in Mailand für die Fondazione Prada eine ehemalige Industrieanlage eindrucksvoll umgebaut Mailand: Hellgraue Außenmauern einer typischen Industriearchitektur vom Anfang des 20. Jahrhunderts umziehen ein etwa zwei Hektar großes Areal im Süden Mailand. Hier und da werden sie von Fenstern durchbrochen. Elegant zurückhaltend leuchtet der Name des Hausherren in dünner Neonschrift neben dem Einfahrtstor an einer sonst eher gesichtslosen Straße: Fondazione Prada. Mehrere Baukörper ragen heraus, alte wie neue, darunter ein geheimnisvoll goldglänzendes Haus. Wenn man die Anlage der Kulturstiftung am Largo Isarco betritt, glaubt man sich in einer kleinen Stadt mit gepflasterten Wegen, Höfen und Plätzen. Im Hintergrund wächst ein weißer Turm 60 Meter in die Höhe, der einzige Teil des Komplexes, der noch im Bau ist. Das niederländische Architekturstudio OMA hat unter der Leitung von Rem Koolhaas für Prada die ehemalige Fabrikationsanlage einer Groß-Destillerie umgebaut. „Wir haben nicht die Gegensätze betont“, erläutert der Architekt bei einem Rundgang. Er und seine Mitarbeiter haben vielmehr versucht, Situationen zu schaffen, „in denen alt wie neu zusammen stehen.“ Das gilt für Baukörper ebenso wie für die Materialien von typisch lombardischen Backsteinen bis zu hochtechnologischen Wandstrukturen aus Aluminiumschaum, die silbergrau glitzern. Obgleich die Fabrikarchitektur nicht zu den Höhepunkten der Industriearchäologie Mailands […]

KULTUR KOMMT IN MODE