Rom


Zum ersten Mal führt eine Frau eine der bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt Vatikanstadt/Rom (21.12.2016) – Zum ersten Mal übernimmt eine Frau die Leitung der Vatikanischen Museen. Die 54jährige Archivarin und Kunsthistorikerin Barbara Jatta aus Rom wurde kurz vor Weihnachten von Papst Francesco ernannt. Sie löst am 1. Januar Antonio Paolucci (77) ab, vormals oberster Denkmalschützer von Florenz, der den Apostolischen Museen seit 2007 vorgestanden hatte. Unter seiner Leitung konnte zuletzt der sogenannte Braccio Nuovo mit der bedeutenden Sammlung antiker Skulpturen nach einer langen, siebenjährigen Restaurierung wieder eingeweiht werden. Die Vatikanischen Museen (800 Mitarbeiter, 6 Millionen Besucher jährlich) gehören mit einem sieben Kilometer langem Ausstellungs-Parcours, der unter anderem durch die Sixtinische Kapelle führt, zu den größten Kunstsammlungen der Welt.

BARBARA JATTA ÜBERNIMMT DIE VATIKANISCHEN MUSEEN


In Italien verändern die Museen der Moderne mit unkonventionellen Hängungen ihr Gesicht. Zum Beispiel die GNAM in Rom mit der Ausstellung „Time Is Out of Joint“ Rom (GNAM bis 15.4.2017) – Wer in Rom die Galleria Nazionale d’Arte Moderna (GNAM) betritt, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Da spiegelt sich etwa ein Herkules-Statue von Canova aus dem frühen 19. Jahrhundert in einer Bodeninstallation von Pino Pascali aus dem späten 20. Jahrhundert. Und hinter dem Canova zieht sich über die Wandfläche die Arbeit „Goldspolie auf Akaziennadeln“ von Giuseppe Penone (2002) hin. „Time Is Out of Joint“ lautet der Titel einer Ausstellung, mit der die seit kurzem amtierende Direktorin Cristiana Collu die Highlights der Sammlung des bislang betulich wirkende Museum durcheinander wirbelt.

LUFT FÜR VARIATIONEN



Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst der Populismus. Es schaut dem Volk aufs Maul und stellt die Eliten an den Pranger. In Italien wurde gerade der reformwillige Ministerpräsident Matteo Renzi Opfer einer solchen Stimmung.  Mailand/Rom – Sechzig zu Vierzig, ein deutlicher Sieg der Neinsager bei guter Wahlbeteiligung (70 Prozent) – das hätte sich kaum einer erwartet. „Die Italiener sind wütend“, sagt der Politologe und Historiker Gian Enrico Rusconi. Viele fühlten sich abgehängt. Die Wirtschaft wächst schon lange nicht mehr, sie stockte bereits vor der Weltmarktkrise 2007/2008. Der Mittelstand veramt. Die Jugend bleibt ohne Perspektive. Die Gewerkschaften zerfallen. Und von „oben“, von der Regierung, von den Spitzen der Vereinigungen und der Verbände, von den Aufsichtsräten der Banken und Industrieunternehmen, kamen zuletzt immer flottere Sprüche, wenn von „unten“ Missmut laut wurde.

WIR SAGEN NEIN, NEIN, NEIN!


Rom, Mitte November 2016 – Was das Wetter angeht, zeigt sich die Stadt von ihrer schönsten Seite. Tiefblau breitet sich der Himmel über dem Pincio aus, ein herbstliches Blühen durchzieht die Villa Borghese. Auf den Stufen der Spanischen Treppe sitzen Touristen und sonnen sich. Wer hier Picknicken möchte, wird von einem Vigile höflich aufgefordert, aufzustehen und die Treppe zu verlassen. Gerade erst ist die Anlage renoviert worden, jetzt achtet man auf Dekors.

In Rom



Der protestantische Friedhof in Rom besteht seit dem Jahr 1716. Ein Gespräch mit der Direktorin Amanda Thursfield über Bäume, Gräber, Katzen und die Bedeutung der Anlage für das Stadtviertel Testaccio Rom – Vor genau 300 Jahren wurde in Rom 1716 ein „protestantischer Friedhof“ hinter der Cestius-Pyramide für Nichtkatholiken eingerichtet. Das älteste Grab, von dem es heute noch Spuren gibt, stammt aus dem Jahr 1738, das älteste Steinmonument von 1765. Der Friedhof für Nicht-Katholiken ist berühmt für seine historischen Grabanlagen. Begraben wurden hier unter anderem Goethes Sohn August oder Johann Sebastian Bach (der Maler), John Keats oder Malwida von Meysenbug, Gottfried Semper oder Henriette Hertz, Antonio Gramsci oder Carlo Emilio Gadda. Seine idyllische Lage am Fuß des Testaccio-Hügels hatte Maler im 18. und 19. Jahrhundert zu unzähligen Darstellungen angeregt. Später lösten Fotografen die Maler ab. Der Friedhof, der weiterhin Begräbnisse aufnimmt, ist eine Gemeinschaftseinrichtung von 14 ausländischen Botschaften (*), die ihn aber nicht finanzieren. Darum und alle weiteren Verwaltungsaufgaben kümmert sich die Vereinigung  „Il Cimitero Acattolico di Roma“ (**), die seit Ende 2007 von der in Nottingham geborenen Literaturwissenschaftlerin Amanda Thursfield geleitet wird.

„WENN ES NACHTS STÜRMT, MACHE ICH KEIN AUGE ZU“