Rom


Insolera (2): Eine Rezension über „Roma moderna. Un secolo di storia urbanistica“ von Italo Insolera, die 1966 in den „Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik“ veröffentlicht wurde. München/Urbino – Das bei Einaudi  zum ersten Mal 1962 erschienene Standardwerk Insoleras ist seither in zahlreichen Auflagen erweitert und aktualisiert herausgekommen – zuletzt im Jahre 2011. Diese letzte Ausgabe, die derzeit ins Englische übersetzt wird, spannt den Bogen von der Jahrtausendwende zurück bis in die Napoleonische Ära. Hier die Dokumentation der Rezension von Peter Kammerer, geschrieben in München 1966, die außerdem Antonio Cedernas Arbeit „Mirabilia Urbis“ (Einaudi 1965) einbezieht.

EINE FASZINIERENDE STADTGESCHICHTE


Francesco Bruni hat eine liebevolle und zugleich bittere Komödie über die Generationen gedreht. Mailand (Cinema Arcobaleno) – Ein 22jähriger Taugenichts, Alessandro, hängt den ganzen Tag mit seinen Freunden aus dem Viertel auf der Piazza rum. Dumme Sprüche, nichts im Kopf und unfähig tiefe Gefühle zu entwickeln. Doch bald erweist sich, dass man ihn und seine Freunde nicht so einfach abschreiben kann. Widerwillig nimmt Alessandro (Andrea Carpenzano) einen Job an. Er soll den 85jährigen Poeten Giorgio (Giuliano Montaldo), den die Alzheimerkrankheit nach und nach die Erinnerungen durcheinander bringt, auf Spaziergängen begleiten. Ein Dichter, der von seiner Umwelt längst vergessen worden ist. Was eine kopflastige Erzählung hart am Rand von Kitsch und Stereotype hätte werden können, wird in der liebevollen und zugleich bitteren Komödie „Tutto quello che vuoi“ („Alles, was du willst“) von Francesco Bruni stimmig.

im Kino: Tutto quello che vuoi



Mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis werden in diesem Jahr Victoria Lorini und Reimar Klein ausgezeichnet. Berlin/Florenz/Triest – Die „Vite“, die Lebensbeschreibungen der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten, die Giorgio Vasari  1550 in erster und 1568 in zweiter Auflage publizierte, gelten als ein Fundament für die wissenschaftliche Auseinandersetzung in der Geschichte der Kunst. Es sind Texte zu vorwiegend italienischen Künstlern von Cimabue und Giotto bis Tizian und Vasari selbst. Der Wagenbach Verlag Berlin hat sie zusammen mit dem Deutschen Kunsthistorischen Institut Florenz in einer „Edition Giorgio Vasari“ unter der Leitung von Alessandro Nova  in einer Taschenbuchreihe neu auf Deutsch und vor allem ungekürzt herausgegeben und kommentiert. Die meisten Texte dieser großartigen wissenschaftlichen wie verlegerischen Arbeit, die in 45 Bänden zwischen 2004 und 2015 entstand, hat Victoria Lorini übersetzt. Dafür wird sie jetzt mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis ausgezeichnet.

NEUE STRAHLKRAFT UND LESBARKEIT


Der Erstlingsfilm von Roberto De Paolis erzählt eine Liebesgeschichte aus dem Alltag unserer Vorstädte zwischen Brutalität und Solidarität. Mailand (Cinema Anteo) – Sie, Agnese, ist gerade achtzehn Jahre alt; er, Stefano, 25. Sie lebt mit ihrer Mutter und engagiert sich in einer kirchlichen Jugendgruppe an der römischen Peripherie (Tor Vergata). Er lebt allein und kommt aus Problem beladenen sozialen Verhältnissen. Sie versucht sich von der Kontrolle und der erdrückenden Liebe der Mutter zu lösen. Er verdient sich Geld als Wächter eines heruntergekommenen Parkplatzes, der an ein Lager von Roma und Sinti grenzt. Agnese und Stefano begegnen einander und es beginnt eine schwierige Beziehung.

im Kino: Cuori puri



Ein Gespräch mit Dacia Maraini über Ausflüge in Schattenwelten, die Rolle der Aktualität für Literatur und einen komischen Vogel in ihrem jüngsten Roman „Das Mädchen und der Träumer“   Rom – Dacia Maraini, die im November 1936 in Fiesole als Tochter des Ethnologen Fosco Maraini und der sizilianischen Malerin Topazia Alliata geboren wurde, wird gerne als die große alte Dame der italienischen Literatur bezeichnet. Ihre größten Erfolge sind der historische Roman „Die stumme Herzogin“ (1991) oder „Bagheria“ (1994), ein Erinnerungsbuch über ihre Jugendzeit auf Sizilien. Dacia Maraini hat sich viele Jahre als Dramaturgin wie Organisatorin dem Theater gewidmet und in der Frauenbewegung engagiert. Ihr jüngster Roman „La bambina e il sognatore“ (Rizzoli 2015) ist jetzt im Folio Verlag unter dem Titel „Das Mädchen und der Träumer“ auf Deutsch erschienen (siehe auf Cluverius: „Spurlos verschwunden“). Bei einem Besuch in ihrer römischen Wohnung redet sie über das neue Buch aber auch über die Schule, über Träume oder über die Pflicht der Schriftsteller, zu aktuellen Fragen Stellung zu nehmen.

„TRÄUME SIND ZEICHEN, SIE SCHLAGEN ALARM“