Urbanistik


Wie der deutsche Landschaftsarchitekt und Stadtplaner Andreas Kipar von Mailand aus grünes Credo umsetzt. Jetzt wurde sein internationales Studio LAND mit einer Sonderauszeichnung des deutsch-italienischen Wirtschaftspreies Mercurio 2018 geehrt Mailand – „Das war bewegend.“ Andreas Kipar, der Gründer des Mailänder Architekturbüros LAND, zeigt auf seinem Smartphone das Video, das er morgens um 5.30 Uhr auf dem Karstgipfel San Michele bei Gorizia aufgenommen hat. Zwei Trompeter, ein Österreicher und ein Italiener, spielten den militärischen Trauergruß „il Silenzio“. Am 29. Juni 1916 hatten hier österreichische Truppen bei einem Morgenangriff zum ersten Mal in großem Stil Giftgas gegen Stellungen der Italiener eingesetzt. Mehrere Tausend Soldaten ersticken, darunter auch viele Österreicher, denn der Wind hatte sich während des Angriffs gedreht und das Gas blies dann den K&K-Truppen selbst ins Gesicht.

„DU MUSST MAL RAUS!“


Rovigo, Ende April – Es ist nicht leicht, sich der Provinzstadt (51.000 Einwohner) am südlichen Rand des Po-Deltas zwischen Etsch und Canal Bianco zu nähern. Eine wild gewachsene, gesichtslose Peripherie mit Kleinbetrieben, Lagerhallen und verstreuten Wohnsiedlungen hat sich um sie gelegt und verbinden sich mit der von Adria. Pulsierende Verkehrsstraßen durchschneiden das Schwemmland des Polesine und seine Wasserwege. Rosenzüchtungen, wie Ariost sie Rovigo in seinem Rasenden Roland andichtete, wird man heute kaum noch finden. Der regellosen Hektik entkommt man jedoch im hübschen Zentrum mit ehrwürdigen Palazzi und harmonischen Platzanlagen.

In Rovigo



Fondazione Prada (1): Die Kulturstiftung des Mailänder Modehauses wurde 1993 gegründet. Ein Gespräch mit der Programmleiterin Astrid Welter Mailand – Vor 25 Jahren riefen Miuccia Prada und ihr Ehemann Patrizio Bertelli in Mailand die Fondazione Prada ins Leben. Die Kulturstiftung des Modehauses könnte also jetzt ein kleines Jubiläum begehen. Doch, so die Programmdirektorin Astrid Welter: „Wir feiern nicht.“ Gefeiert wird dagegen etwas anderes, nämlich die Fertigstellung eines 60 Meter hohen Turms („Torre“) aus weißem Beton und Glas auf der Ausstellungsanlage der Fondazione nach Plänen von Rem Koolhaas, „den wir Ende April einweihen wollen.“ Ein Gespräch mit Astrid Welter am Rande der Ausstellung „Post Zang Tumb Tuum – Art Life Politics Italia 1918-1943“ (Zur Ausstellung siehe hier auf Cluverius).

„WIR FEIERN NICHT“


Ein Hilferuf aus Berlin: Rudolf Großkopff über freie Fußgänger und den Verkehr als Geisel des ökologischen Fortschritts Berlin – Neulich war es wieder so weit. Wer sich mit dem Auto bewegen musste oder wollte, der war auf komplizierte Umwege angewiesen. Wenn er nicht gleich zu Hause blieb. Kurz vor dem Ende der Freiluft-Saison waren noch einmal tausende von Läufern unterwegs. Hundertausende standen am Straßenrand, Dutzende wichtiger Straßenzüge waren gesperrt. Marathon.

DIE STADT ALS HINDERNIS



Insolera (1): Peter Kammerer erinnert an den Architekten und Stadtplaner Italo Insolera Roma/Urbino – Italo Insolera (1929-2012) hat im Jahre 1962 mit “Roma moderna” das Standardwerk zur modernen römischen Stadtentwicklung geschrieben, das seither in zahlreichen Auflagen jedes Mal erweitert und aktualisiert erschien, zuletzt im Jahre 2011. Insolera interessierte sich besonders für die Wachstumsgesetze der Stadt. Er setzte sich für eine nachhaltige Wiedergewinnung des historischen Stadtbildes durch Vorschläge etwa zur Begrenzung des Verkehrs und für Restaurierungen ein. Zugleich stellte er das Problem der Peripherie: “Il piano della città comincia fuori della città”. Eine Erinnerung von Peter Kammerer an den Freund ist jetzt in dem Band “Italo Insolera fotografo“ (AA.VV., Palombi Editori) erschienen, der dem (bislang unbekannten) Fotografen Insolera gewidmet ist.

CARO ITALO