Venetien


Die Lagunenstadt darf jetzt auch von Tagespendlern eine Ortstaxe verlangen. Aber hat noch keinen Modus dafür gefunden Venedig – Wie soll das gehen? Drehkreuze und Kassenhäuschen an der Piazzale Roma, vor dem Bahnhof, am Flughafen? Aufpreise für Bahn-, Bus-, Schiff- und Flugtickets? Ein obligatorischer Venedig-Pass? Abbuchung vom Handy? Zugang nur nach Vorbestellung? Sonderregelungen für Museums- und Biennale-Besucher? Muss man demnächst Schlange stehen, wenn man nach Venedig will?

SCHLANGESTEHEN VOR VENEDIG?


Zu Besuch bei Max Alajmo, dem jüngsten Koch mit drei Michelin-Sternen, im Restaurant Le Calandre in Sarmeola di Rubano (bei Padua). Sarmeola di Rubano – Was verbirgt sich hinter diesem Gesicht? Spitzbübisch lächelt Massimiliano (Max) Alajmo aus seine großen braunen Knopfaugen heraus. Man möchte den 44jährigen mit den aufrecht stehenden, kurzen schwarzen Haaren für einen volkstümlichen Schauspieler halten. Ein Komiker, typisch für Venetien und den Raum um Padua, aus dem er stammt. Das Lächeln zeichnet jedoch eine kreative Kochpersönlichkeit aus, der Freundlichkeit und Weisheit zu einem Charakterzug seiner Küche gemacht hat, die er im Dreisterne-Restaurant Le Calandre in Sarmeola di Rubano präsentiert.

EIN PILOSOPH AM HERD



Mit dem Projekt Imago Mundi hat die Fondazione Benetton ein weltumspannendes Archiv der Gegenwartskunst aufgebaut. Dafür wurde jetzt in Treviso ein eigenes Museum eingerichtet ( – und in Triest ist eine weitere Ausstellung zu sehen). Treviso/Triest (bis 20.6. bzw. 2.9.) – Kunst überschreitet mentale wie geographische Grenzen. Zugleich stehen die einzelnen Werke im inneren Zusammenhang mit den Gesellschaften, in denen sie geschaffen werden. Diesen doppelten Aspekt spiegelt eine der erstaunlichsten Kunstsammlungen wieder, mit der unter dem Titel Imago Mundi bei der Fondazione Benetton seit etwa acht Jahren ein stetig wachsendes Archiv internationaler Gegenwartskunst entstanden ist. Grundlage sind originale Werke der bildenden Kunst in einem kleinen Format mit den Maßen 10 mal 12 Zentimeter, kaum größer als eine Handfläche.

KUNST ALS GLOBALE HEIMAT


Treviso, Anfang Juni – Venetien ist eine wasserreiche Region, aber wenige Städte im Nordosten Italiens werden von so vielen Bachläufen und Kanälen durchquert wie Treviso. Das ist eine Folge einiger Karstquellen, die hier kräftig sprudeln und ihre Wasser in immer neue Arme („cagnani“) verzweigen. Hinzu kommt noch der Sile-Fluss, den es dann zum Meer zieht, wo er bei Jesolo in die Adria mündet. So begleitet eine Grundmelodie, ein stetes Rauschen, Glucksen und Sprudeln von Wassern das Leben der rund 85.000 Einwohnern dieser sympathischen Stadt, denen eine gewisse Lebenslust nachgesagt wird. An Lebenswert hat jedenfalls die Innenstadt in den vergangenen Jahren gewonnen- kulturell wie urban.

In Treviso



Ein Gespräch mit Paolo Rumiz, der den Po von ersten Stromschnellen bis zur Mündung in die Adria auf dem Wasser abgefahren hat. In dem Buch „Die Seele des Flusses“ erzählt er von seiner abenteuerlichen Reise durch ein unbekanntes Italien. Mailand / Porto Tolle – Der längste Fluss Italiens ist der Po. Rund 650 Kilometer liegen zwischen seiner Quelle am Monviso in den piemontesischen Alpen und der Mündung in die Adria, wo er sich zwischen Porto Viro und Volano in sechs Arme und unzählige Kanäle verzweigt. Der Journalist und Buchautor Paolo Rumiz ist ihm zusammen mit einer kleinen Gruppe von Freunden von den Stromschnellen bei Staffarda an – 40 Kilometer unterhalb der Quelle – bis zum Meer auf dem Wasser gefolgt. In dem mit vielen Karten und Fotos liebevoll aufgemachten und einfühlsam übersetzen Buch „Die Seele des Flusses“ (Folio Verlag) erzählt Rumiz von einer Reise durch ein unbekanntes Italien.

„AUF JEDER INSEL FEUER MACHEN“