„VISSI D’ARTE, VISSI D’AMORE“


Eine Ausstellung im Scala-Museum erinnert an Maria Callas 40 Jahre nach ihrem Tod

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Maria Callas (1923- 1977) – Gemälde von Ulisse Sartini

Mailand (Museo Teatrale alla Scala bis 31.1.2018) – Am 16. September 1977 starb Maria Callas in Paris, vereinsamt, an Herzversagen. Bis heute halten sich Gerüchte, die von einem Freitod wissen wollen. Zu Lebzeiten ein Weltstar wurde die Callas nach ihrem Tod zum Mythos. Die Sängerin kam 1923 als Kind griechischer Einwanderer in New York auf die Welt. Ihre Ausbildung erhielt sie in Griechenland und in Italien, wo Ihre Karriere nach einem ersten Auftritt in Verona begann. Als Höhepunkt gelten die Jahre an der Scala (1950-1962). Das Scalamuseum widmet dieser Zeit mit Kostümen, Schmuckstücken, Fotografien, Dokumenten und Videoeinspielungen eine kleine Ausstellung. Die Bühnenbildnerin Margherita Palli hat sie eingerichtet.

Maria Callas sprang im April 1950 an der Mailänder Oper für eine unpässliche Renata Tebaldi als Aida ein. Das war nicht nur der Beginn ihrer Erfolgsgeschichte an der Scala, sondern zugleich der einer Feindschaft zwischen zwei Künstlerinnen, die von den Medien über Jahre hinweg nur allzu gerne begleitet und notfalls angefacht wurde. Mit der Aida begann ebenso die „Transformation“ der Callas, wie man sie etwa an den Kostümen in der Ausstellung ablesen kann. 1952 wog die Sängerin noch 92 Kilo, Jahr um Jahr wurde sie schlanker, von der Lady Macbeth zur Medea, von der Lucia di Lammermoor zur Norma. Schließlich brachte sie 1957 weniger als 60 Kilo auf die Waage. Und eiferte so ihrem Schönheitsideal Audrey Hepburn nach.

Visconti und die Rolle der Regisseure

Vielleicht hatte diese Radikalkur dazu beigetragen, dass sie ihren unglaublichen Stimmenumfang bald nicht mehr halten konnte. Krankheiten führten zu Absagen und ihr zudem schwieriger Charakter machte sie bei Opernintendanten nicht gerade beliebt.

Die Ausstellung im Scalamuseum stellt vor allem die Zusammenarbeit mit den Regisseuren heraus, die aus der Maria Callas nicht nur eine gefeierte Sängerin, sondern auch ein bewunderte Schauspielerin machten. Allen voran Luchino Visconti, der gleich bei seiner ersten Opernregie an der Scala in Gaspare Spontinis „La Vestale“ (1954) das Stück um die Calles herum inszenierte. Es folgten 1955 eine Sonnambula (Dirigent ein blutjunger Leonard Bernstein) und im selben Jahr vor allem eine Traviata (Dirigent Carlo Maria Giulini), mit der Visconti und die Callas Operngeschichte an der Scala schrieben. Diese Regiebeziehung ging dann 1957 mit Anna Bolena (Dirigent Gianandrea Gavazzeni) und Ifigenia in Tauride (Dirigent Nino Sanzogno) zu Ende. Insgesamt trat die Callas in 25 Inszenierungen an der Scala auf.

Drei Arien im Vergleich

Aus nie geklärten Gründen sind die Kostüme der umjubelten Traviata-Inszenierung verschwunden. Auf der Grundlage von Zeichnungen der Kostümbildnerin Lila De Nobili haben Schülerinnen und Schüler der Kostümklasse der Accademia der Scala das berühmte Seidenkleid rekonstruiert, das die Callas in der Festszene im Haus von Flora trug. Dank einer multimedialen Installation aus dem Archivio Storico Ricordi können die Besucher der Ausstellung außerdem drei Versionen der Arie „Amami Alfredo“ der Callas von 1951 in Mexico City, 1955 an der Scala und 1958 am Covent Garden vergleichen.

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Ende der 1950er Jahre: Kostüme für eine schlanke Diva

Es kam zu Auftritten in der ganzen Welt, Konzertreisen, Krisen und Klatschgeschichten (besonders von denen hält die Ausstellung sich wohltuend fern). Eine Beziehung mit dem griechischen Reeder Aristoteles Onassis ging in die Brüche. Der zog ihr die Kennedywitwe Jacqueline vor. Maria Callas suchte andere Wege, drehte mit Pier Paolo Pasolini einen Film als Medea – als Schauspielerin, nicht als Sängerin (hier zum Trailer). Auch in Pasolini sah sie wohl mehr als einen Regisseur. Ein „ungeheures Missverständnis“ nennt der Schriftsteller Walter Siti ihre Beziehung. Eine letzte Tournee – und eine letzte Liebe – mit Giuseppe di Stefano scheiterte 1974.

Es wurde einsam um sie. Im März des folgenden Jahres starb Onassis, dem sie trotz aller Kränkungen verbunden geblieben war. Im November wurde Pasolini ermordet. 1976 ging auch Luchino Visconti. Von ihrem Ehemann, dem italienischen Unternehmer Giovanni Battista Meneghini (verheiratet 1949), lebte sie schon lange getrennt. Sie hatte für ihre Kunst und ihre Lieben gelebt, wie es in der berühmten Arie der Tosca heißt  (hier zum Mitweinen). Nach ihrem Tod vor 40 Jahren wurde der Leichnam von Maria Callas ihrem letzten Willen gemäß eingeäschert und die Asche ins Ägäische Meer gestreut. Auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise gibt es ein Erinnerungsgrab.

Maria Callas in scena. Gli anni alla Scala. Museo Teatrale alla Scala, Mailand, bis 31.1.2018. Katalog 5 Euro.

Anlässlich des 40.Todestages hat das Label Warner Classics eine CD-Kassette „Maria Callas – Live & Alive“ mit Aufnahmen von 1949 -1964 in einem neuen Remastering heraus gebracht.