Ausstellungen


DAS DENKEN ALS COLLAGE

Italien feiert Louise Nevelson in mehreren Ausstellungen unter anderem in Venedig und in Mailand

© Cluverius

Ein Leben mit Collagen - Arbeiten aus den 1960er- und 1970er-Jahren von Louise Nevelson selbst arrangiert (Galerie Giò Marconi, Mailand)

Mailand/Venedig – In historischen „Kapseln“ erinnert die diesjährige Biennale dell‘Arte u.a. an die US-amerikanische Künstlerin Louise Nevelson (Kiew 1899 – New York 1988). Ihre vom Kubismus beeinflussten und ebenso mit der Arte Povera verwandten Arbeiten kann man aber vor allem auf zwei größeren Ausstellungen in Mailand und in Venedig verfolgen. Dazu kommt eine kleine Initiative in Castelfranco Veneto. In Venedig stehen in den gerade restaurierten und wieder zugänglich gemachten Procuratie Vecchie an der Piazza San Marco die Skulpturen und Wandinstallationen im Mittelpunkt. In Mailand geht es um die Collagen auch im Zusammenhang mit der Buchveröffentlichung „Out of Order. The Collages of Louise Nevelson“ in englischer Sprache.

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NEUE FREUNDLICHKEIT

Die Skulptur „You“ oder Warum Maurizio Cattelan Angela Merkel sein möchte

© Roberto Marossi

"You", Skulptur von Maurizio Cattelan (2021) in der Casa Wassermann (Silikonplatin, Glasfaserepoxid, Edelstahl, echtes Haar, Hanftücher und Hanfseile, Blumen; 140 × 40 × 25 cm; Credits by Roberto Marossi. Courtesy the artist and MASSIMODECARLO)

Mailand (Galleria Massimodecarlo bis 25. 6.)Hier hängt er nun im blauen Anzug mit Krawatte, einen Blumenstrauß in der Hand, barfuß und den Strick um in den Hals im grünen Marmorbad der Mailänder Galerie von Massimo De Carlo: eine der typischen Puppen von Maurizio Cattelan, die sein Antlitz - diesmal mit einem traurigen Lächeln - tragen. You nennt sich diese brandneue Arbeit. Aber was die einen schockiert, lässt andere nur gähnen. Cattelan, einst mit dem betenden Hitler, dem erschlagenen Papst oder dem erhängten Kind ein willkommener Provokateur und Meister der Ironie, so die Kritikerin Alessandra Mammì in der Zeitschrift Artribune, wiederhole sich nur noch müde selbst. Schockierend seien die Zeitläufe, nicht eine erhängte Puppe im Nobelklo.

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DEUTSCH-RÖMISCHES PUZZLE

Casa di Goethe (1):  Friedrich Noack (1858-1930) in Italien. Schreiben, Kunst & Forschung. Eine Ausstellung

© Casa di Goethe/mostra Noack

Friedrich Noack als Aquarellist: Blick auf San Pietro (Ausschnitt)

Mailand/Rom (Casa di Goethe bis 18.9.) - Das 19. Jahrhundert und die Deutschen in Rom: „Mit Vorliebe setzten sich zwei oder drei Landsleute in eine versteckte Weinkneipe zusammen und schimpften auf die anderen.“ So zitiert der Kulturhistoriker Friedrich Noack, der von 1891 bis 1915 als Korrespondent für die Kölnische Zeitung in der Hauptstadt des noch jungen italienischen Einheitsstaates lebte, einen Zeitgenossen. Das Zitat findet man in Noacks monumentalem Werk „Das Deutschtum in Rom seit dem Ausgang des Mittelalters“, in dem der Autor eine ganz andere Haltung einnimmt: die des neugierigen Forschers und Sammlers von Informationen über die Geschichte seiner Landsleute. In mehreren Jahrzehnten legte er eine riesige Namenskartei von Deutschen unterschiedlicher Berufe an, die in der Neuzeit bis zum Beginn des ersten Weltkriegs in Rom Spuren hinterlassen hatten. Die Casa di Goethe Rom, das nach ihrem Selbstverständnis „einzigen deutschen Museum im Ausland“, hat Noack jetzt eine Ausstellung gewidmet.

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DER MENSCH IM MITTELPUNKT

Fotoarbeiten der Fondazione MAST in Bologna erzählen Geschichten aus der Arbeitswelt vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute

© Sebastio Salgado/Amazonas Images/Contrasto

Zwischen Ästhetik und Schrecken: Foto von Sebastiao Salgado - Rohölbrunnen in Burhan, Kuweit 

Bologna (Mast bis 22.5.) – Die Stiftung MAST präsentiert in Bologna eine außergewöhnliche Auswahl von über 500 Fotografien, Fotoalben und Videos von rund 200 Autorinnen und Autoren aus ihrer eigenen Sammlung. Ikonische Fotografien von weltberühmten Autoren wie Man Ray oder Herbert List, Dorothea Lange oder Gabriele Basilico, aber auch Arbeiten weniger bekannter oder unbekannter Fotografen und Künstler erzählen von der Welt der Arbeit vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute. Die Ausstellung, die Urs Stahel (Universität Zürich) kuratiert hat, schlängelt sich die Form eines Alphabets an den Wänden der drei Ausstellungsräume entlang und reicht mit 53 Kapiteln von A wie „Abandoned“ bis W wie „Waste“, „Water“ und „Wealth“.

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KAUFHAUS DER SCHÖNHEIT

Mailand: Wie die Grand Tour die Kunstszene in Italien belebte. Eine prächtige Ausstellung in den Gallerie d’Italia  

© Cluverius

Neoklassische Skulpturen und ein Kandelaber aus der Werkstatt von Piranesi (um 1780) in der ehemaligen Schalterhalle eines Mailänder Bankhauses

 Mailand (Gallerie d’Italia bis 27.3.) – Landschaften, die verzaubern, Städte, die faszinieren, Kunstschätze ohnegleichen und ein mildes Klima - die „Marke“ Italien beherrscht den Tourismusmarkt weltweit. Ihre Form prägte sich in der Zeit vom Ende des 17. bis Mitte des 19. Jahrhunderts aus, als Bildungsreisende sich in der „Grand Tour“ zwischen Venedig und Sizilien auf die Suche nach den Zeugen aus Antike und Renaissance machten und es zum guten Ton meist junger Vertreter der oberen Gesellschaftsschichten gehörte, es ihnen gleich zu tun. Während die einen vor allem literarisch Zeugnis ablegten, suchten die kaufkräftigen anderen, künstlerische Zeugnisse als Erinnerungsstücke mit nach Hause zu nehmen. Die prächtige Ausstellung „Grand Tour. Sogno d’Italia da Venezia a Pompei“ in den Gallerie d’Italia-Piazza Scala belegt wie die Kunst – vor allem die Malerei mit Ansichten von Landschaften und Städten aber auch mit Porträts der Reisenden – aufblühte.

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Außerdem (eine kleine Auswahl)

© Foto Lorenzo Palmieri, Cortesi GAMeC

In der Sala delle Capriate (Palazzo della Ragione, Bergamo) hat der albanische Künstler Anri Sala im Auftrag der GAMeC seine Installation „Transfiguerd“ eingerichtet. Auf einer 16 Meter langen Leinwand wird ein in Schwerelosigkeit schwebender Plattenspieler projektiert. Dazu erklingen Teile eines Musikstückes „The End of the Time“ des französischen Komponisten Olivier Messiaen. Palazzo della Ragione, Bergamo. Bis 16.10 tgl. außer Mo. 11-18 Uhr (Sa+So bis 20 Uhr). Info hier. Und hier zu einem Video.

Covid-Bestimmungen in Italien ab 15.6.22:  In MUSEEN UND AUSSTELLUNGEN wird das Tragen einer chirurgischen Mund/Nasen-Maske empfohlen (ist aber nicht zwingend vorgeschrieben, auch wird kein Green-Pass mehr verlangt).

 

Bergamo: Christian Frasi. La Stanza Vuota. GAMeC. Bis 25.9.

Bologna: Pier Paolo Pasolini. Folgorazioni figurative. Cineteca Bologna. Bis 16.10.

Bozen: Bird Flight. Erika Giovanna Klien im Dialog mit zeitgenössischen Positionen. Museion. Bis 7.9.

Florenz: Donatello, il Rinascimento. Palazzo Strozzi/Museo Bargello. Bis 31.7.

Florenz: Le tre Pietà di Michelangelo. Museo dell'Opera del Duomo. Bis 1.8.

Mailand: Anicka Yi "Metaspore". Pirelli Hangar Bicocca. Bis 24.7.

Mailand: Out of Order. Collages di Louise Nevelson. Giò Marconi. Bis 29.7.

Mailand: Steve Mc Queen. Sunshine State. Pirelli Hangar Bicocca. Bis 31.7.

Mailand: Marc Chagall. Una storia di due mondi. Mudec. Bis 31.7.

Mailand: Useless Bodies? Elmgreen & Dragset. Fondazione Prada. Bis 22.8.

Mailand: Ruggero Savinio, Opere 1959-2022. Palazzo Reale. Bis 4.9.

© Fondazione Prada Osservatorio

Ansicht der Kollektiv-Ausstellung "Roleplay" im Osservarorio der Fondazione Prada (Mailand, Galleria) bis 26.9. Foto, Videos, Installazione von 11 Künstlerinnen und Künstler.

Mailand: Aldo Rossi. Design 1960 - 1997. Museo del Novecento. Bis 2.10.

Mailand: Unknown Unknowns. An Introduction to Mysteries. 23. int. Triennale. Palazzo dell'Arte. Bis 11.12.

Neapel: Sardegna Isola Megalitica. MANN. Bis 11.9.

Nuoro: Sensorama. Da Magritte alla realtà aumentata. MAN. Bis 30.10.

Nuoro: Maria Lai. Dall'informale all'opera corale. Spazio Ilisso. Bis 27.11.

Parma: I Farnese. Architettura, Arte, Potere. Complesso della Pilotta. Bis 31.7

Polignano a Mare: Dialoghi. Pino Pascali e Ugo Mulas. Museo Pino Pascali. Bis 2.10.

Rom: Good News. woman in architecture. MaXXI. Bis 11.9.

Rom: Schreiben. Kunst. Forschung. Friedrich Noack (1858-1930) in Italien. Casa di Goethe. Verlängert bis 18.9.

Salò: Daniele Lievi - Carte Segrete. Teatro Visioni. MuSa. Bis 30.11.

Venedig/Mestre: Gusto! Gli Italiani a tavola 1970-2050. M9 Museo del Novecento Mestre. Bis 25.9.

Venedig: Surrealismo e magia. La modernità incantata. Fond. Peggy Guggenheim. Bis 26.9.

Venedig: Anselm Kiefer. Questi scritti... Palazzo Ducale. Bis 29.10.

Venedig: On Fire. Fondazione Cini (Isola San Giorgio). Bis 24.7.

Venedig: Louise Nevelson. Persistence. Procuratie Vecchie. Bis 11.9.

Venedig: The milk of dreams. 59. Biennale Arte. Giardini/Arsenale und an anderen Orten. Bis 27.11.

Venedig: Georg Baselitz. Archinto. Palazzo Grimani. Bis 27.11.

Venedig: Bruce Nauman - Contrapposto studies. Punta della Dogana. Bis 27.11.

Venedig: Human Brains. It begins with an idea. Fond. Prada Venezia. Bis 27.11.

Venedig: Marlene Dumas - Open-End. Palazzo Grassi. Bis 8.1.23

 

Demnächst eröffnen:

Moda e Pubblicità in Italia 1850-1950. Fondaz. Magnani-Rocca. Mamiano di Traversetolo (PR) 10.9. bis 11.12.

Bruce Naumann. Neon Corridor Rooms. Hangar Bicocca, Mailand, 15.9. bis 26.2.

I Pittori di Pompei. Museo Civico, Bologna, 23.9. bis 19.3.

Max Ernst (1891-1976). Palazzo Reale, Mailand, 4.10. bis 26.2.

Rubens a Genova. Palazzo Ducale, Genua, 6.10. bis 22.1.