JUBEL IN JENA


Interdisziplinarität hat die Auswahl der Balzanpreisträger 2020 bestimmt. Zum ersten Mal werden zwei Fachbereiche unter einem gemeinsamen Oberthema – Umweltprobleme – prämiert.

© Balzan.org

Erhalten je 750.000 Schweizer Franken Preisgeld: (v.l.) Susan Trumbore, Jean-Marie Tarascon, Antonio Auguisto Cancado Trindade,  Joan Martinez Alier

Mailand – Jubel am Max Planck Institut für Biogeochemie in Jena: Die Direktorin Susan Trumbore wird in diesem Jahr mit dem Balzan Preis 2020 im Fachbereich „Dynamik das Systems Erde“ ausgezeichnet. Die amerikanische Staatsbürgerin, die außerdem als Professorin für Erdsystemwissenschaften an der University of California Irvine unterrichtet, wird u.a. – so die Begründung Jury – „für ihren außergewöhnlichen Beitrag zur Erforschung des Kohlenstoffkreislaufs und dessen Auswirkungen auf das Klima“ geehrt. Weitere Preisträger, die jetzt in Mailand bekannt gegeben wurden, sind Antonio Augusto Cançado Trindade (Brasilien) für „Menschenrechte“ sowie Jean-Marie Tarascon (Frankreich) für „Umweltprobleme: Materialwissenschaft für erneuerbare Energie“ und Joan Martinez Alier (Spanien) für „Umweltprobleme: Antworten aus den Geistes- und Sozialwissenschaften“.

Es ist das erste Mal in der Geschichte des Balzan Preises, dass je ein Gebiet der Natur- bzw. der Humanwissenschaften unter dem selben Oberthema – in diesem Fall „Umweltprobleme“ – prämiert wird. In der Vergangenheit hatte dieser bedeutende Wissenschaftspreis schon öfter interdisziplinäre Ansätze gesucht, sie aber noch nie so eindeutig herausgestellt. Tarascon, Professor am Collège de France (Lehrstuhl für Festkörperchemie und Energie) hat sich mit elektrochemischer Energiespeicherung beschäftigt. Martinez Alier hat entscheidende Beiträge zur Begründung der Ökologischen Ökonomie als akademische Disziplin geleistet.

Eine gelungene Kombination der Themen

Auch der Preis für Trumbore und ihre Klimaforschung gehört eigentlich ins Umfeld dieses Obertitels. Und nicht zuletzt haben gerade die sozialen Entwicklungen im Amazonas-Gebiet gezeigt, dass Umweltfragen und Menschenrechte zusammen hängen, für die sich Cançado Trindade als Richter am Internationalen Gerichtshof von Den Haag seit Jahren einsetzt. Ein Kompliment also der Balzan-Jury unter der Leitung des italienischen Physikers Luciano Maiani (Universität Rom).

Der Premio Balzan mit Sitzen in Mailand und Zürich ist mit je 750.000 Schweizer Franken (rund 695.000 Euro) nach dem Nobel einer der höchst dotierten Wissenschaftspreise. Die Hälfte der Preissumme soll zur Finanzierung von Forschungsprojekten mit jungen Wissenschaftlern verwendet werden. Der Preis wird in jährlich wechselnden Fachgebieten verliehen, wobei in der Regel zwei aus den Geistes- und zwei aus den Naturwissenschaften kommen. Im kommenden Jahr 2021 werden Preise in zu den Themen „Holocaust- und Genozidforschung“, „Vorderasiatische Kunst und Archäologie“, „Das Mikrobiom: seine Rolle in Gesundheit und Krankheit“ sowie „Gravitation: physikalische und astrophysikalische Aspekte“ausgeschrieben. Im jährlichen Austausch findet die Ehrung in den Hauptstädten Italiens und der Schweiz durch das jeweilige Staatsoberhaupt statt. Die diesjährigen Preisträger nehmen die Auszeichnung am 19. November in Rom aus der Hand von Staatspräsident Sergio Mattarella entgegen (so Covid will).

Info: Balzan.org