Reportagen und Berichte


    IM KERZENLICHT

    Der Palazzo Reale in Mailand zeigt eine aufwändige Ausstellung über Georges de La Tour und nordeuropäische Naturalisten der frühen Barockzeit in der Nachfolge von Caravaggio

    © MondomostreSkira

    "Erziehung der Jungfrau" (um 1650, Öl auf Leinwand, 84 x 100 cm) aus der Frick Collection New York

    Mailand (Palazzo Ducale bis 27.9.) – Das sind Gemälde aus der Barockzeit, die lange keinem Künstler richtig zugeordnet werden konnten. Erst vor gut 100 Jahren wurde Georges de La Tour (1593-1652) als Maler vor allem kleinformatiger Arbeiten (wieder) entdeckt. Es sind besonders seine „Nachtbilder“, religiöse aber auch Genredarstellungen, in denen des Licht einer Kerze die Komposition bestimmt. Der Palazzo Reale in Mailand widmet de La Tour – und besonders diesen Nachtbildern – jetzt eine große Ausstellung.

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    DESTA’ UND DAS MADAMATO

    Eine Farbanschlag auf das Denkmal für Indro Montanelli in einem Mailänder Stadtpark erinnert Italien an seine koloniale Vergangenheit

    © Cluverius

    Als Rassist und Vergewaltiger angeklagt - Farbanschlag auf das Denkmal für Indro Montanelli in den Giardini Pubblici am Morgen danach

    Mailand – Der Kampf um Statuen im Zusammenhang mit antirassistischen Protesten hat auch Italien erreicht. In Mailand wurde am Sonnabend (13. Juni) Abend das Denkmal für Indro Montanelli (1909-2001) in den Giardini Pubblici mit roter Farbe übergossen. Auf dem Sockel wurde der angesehene Journalist als „razzista“ und „stupratore“ angeklagt. Zur Tat bekannte sich das linke studentische Aktionsnetz „Rete Studenti e Lu.Me (Laboratorio universitario MEtropolitano), das auch ein Video des Einsatzes ins Netz stellte. Bereits vor einigen Tagen hatte die Bewegung der „Sentinelli di Milano“, die sich als „laici e antifascisti“ bezeichnen, in einem Brief Mailands Bürgermeister aufgefordert, das Denkmal für den Journalisten zu entfernen, weil Montanelli während des Abessinienkrieges 1936 „ein zwölfjähriges, eritreisches Mädchen gekauft“ und geheiratet habe, um ihm „als Sexsklavin zu dienen“. Im vergangenen Jahr hatte eine feministische Gruppe mit ähnlicher Begründung das Denkmal am 8. März mit rosa Farbe bespritzt.

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    ZUM WOHL!

    Thesy Kness-Bastaroli über Bewegungen in Italiens Weinwirtschaft zu Coronazeiten: Konsolidierung, Diversifikation im Vertrieb und mehr Mode-Unternehmen als Teilhaber

    © donnafugata.it

    China im Blick - Antonio Rallo (Donnafugata) ist Präsident des Konsortiums "Vini Doc Sicilia"

    Mailand - Nach einem Rekordjahr 2019  wird die  italienischen Weinwirtschaft im laufenden Jahr erhebliche Einbußen verzeichnen. Doch  Panikstimmung sei falsch am Platz, meint Sandro Sartor, Generaldirektor des toskanischen Winzerbetriebs Ruffino. Von der Krise betroffen sind vor allem jene Firmen, die ihren Vertrieb auf das Gaststättengewerbe fokussierten.  Der Fachverband Federvini schätzt den durch den Lockdown bedingten Schaden in diesem Spezialsektor, der über die Hälfte  des gesamten Vertriebs ausmacht, auf 350 Millionen Euro pro Monat.

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    „NATUR IST EIN SOZIALES MEDIUM “

    Stadt und Corona (2): Alte Werte, neues Denken - ein Gespräch mit dem Mailänder Landschaftsarchitekten und Urbanisten Andreas Kipar

    © Cluverius

    Richtung Zukunft - neue Fahrradspur in Mailand

    Mailand – In der sogenannten Phase 2 und den Öffnungen nach dem Lockdown erleben wir unsere Städte wie erholt. Die Luft ist sauberer, die Parkanlagen sind grüner, die Schwalben finden reichlich Futter. Die Natur hat sich zurück gemeldet. Wie müssen in Zukunft unsere Städte gestaltet werden, um gleichsam einen „neuen Pakt mit der Natur“ einzugehen? Zugleich fordern Gesundheitsauflagen wie Abstandsregelungen verändertes Verhalten. Was bedeutet das für den Alltag in den Städten? Um solche Themen dreht sich ein Gespräch mit Dr.(I) Arch. Dipl.-Ing. Andreas Kipar.

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    LEBENSRAUM MIT QUALITÄT

    Stadt und Corona (1): Die Pandemie stellt die Urbanistik vor Herausforderungen, die so neu gar nicht sind. Eine internationale Debatte, die auch in Italien intensiv geführt wird

    © Cluverius

    Die Metropole nach Corona - Mailand, Armani Werbung

     Mailand – Muss die Stadt sich neu erfinden? Der Coronavirus hat in Italien wie anderswo eine breite Debatte über die Zukunft urbaner Räume und das Verhältnis von Stadt und Land ausgelöst. „Basta con le città, tutti in campagna“ überschreibt il Sole 24 Ore  (8. März) einen Beitrag über die New Yorker Ausstellung „Countryside, The Future“, die Rem Koolhaas kuratiert hat. Italien ist besonders vom ländlichen Raum geprägt, es gibt fast 6000 Ortschaften mit weniger als 5000 Einwohnern. Rund 2300 davon sind von der Bevölkerung so gut wie verlassen. Könnten sie gerettet werden und zu neuem Leben erwachen, wenn sich Natur suchende Städter ihrer annehmen? Das jedenfalls schlägt Stefano Boeri in la Repubblica (21. April) vor: „Nei vecchi borghi c’è il nostro futuro“ Oder haben nicht längst die Städte, die sich in den vergangenen 30 Jahren immer mehr verdichtet haben, die Nase vorn, und der Virus wird daran nichts ändern? „Campagna? No, grazie“ kommentiert Carlo Ratti in il Foglio (8. Mai).

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    MUSIKER OHNE MASKEN

    Die Scala öffnet virtuell die Türen – ein Projekt in Zusammenarbeit mit Google Arts & Culture. Musik soll wieder ab Herbst erklingen, der Neustart beginnt mit Verdis Requiem

    © Cluverius

    Warten auf bessere Zeiten - in der Auszeit präsentiert sich die Scala virtuell

    Mailand -  Opernbühnen in aller Welt stellen während der durch die Pandemie erzwungenen Zeit der Schließung Eigenproduktionen vergangener Spielzeiten online. Die Mailänder Scala geht noch einen Schritt weiter und präsentiert sich jetzt digital als ein Haus der offenen Tür – und was für eins! In Zusammenarbeit mit Google Arts & Culture kann man in die Bühnengeschichte der 1778 eröffneten Oper eintauchen:  240 Tausend Fotografien und 16 Tausend Musikdokumente aus dem Archiv sind virtuell abrufbar. Google Arts & Culture gibt seit einigen Jahren die Möglichkeit, mehr als 2000 Einrichtungen der Kunst und der Kultur (Werke, Museen, Ausstellungen, Bühnen etc) aus 80 Ländern online kennen zu lernen. Das Scala-Projekt wurde jetzt bei einer Online-Pressekonferenz vorgestellt.

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    EIN BRÜCKENBAUER

    Zum Tod von Klaus Wolbert, Kunsthistoriker und Förderer junger italienischer Gegenwartskünstler. Ein vielseitig interessierter Intellektueller, der Musik liebte und das Politische in der Kunst erforschte

    Klaus Wolbert, Aschaffenburg 1940 - Istanbul 2020

    Mailand – Durch den Tod von Klaus Wolbert, Kunsthistoriker, unermüdlicher Förderer von jungen Künstlern und zuletzt Präsident der angesehenen Stiftung VAF, verliert der italienisch-deutsche Kulturaustausch eine prägende Persönlichkeit. Geboren am 25. März 1940 in Aschaffenburg, studierte der gelernte Schriftsetzer zunächst Malerei (Frankfurt) und angewandte Grafik (Offenbach). Nach Tätigkeiten u.a. bei Werbeagenturen und beim Hessischen Landesmuseum Darmstadt erwarb er auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur und schloss ein Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Kulturanthropologie 1980 mit der Promotion über politische und ästhetische Aspekte der figurativen NS-Plastik ab. Ein Thema, das ihn sein Leben lang begleitet hat und schließlich 2018 in der großartigen Veröffentlichung Dogmatische Körper – Perfide Schönheitsdiktate (Metropol Verlag) gipfelte. Die Arbeit wurde auch ins Italienische übersetzt (Allemandi) und hoch gelobt.

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    MIT LACHENDEN AUGEN

    Mailand öffnet sich vorsichtig nach dem Lockdown,  farbtrunken wandert man durch Straßen und Parks – ein Nachtrag zu den Briefen aus der Quarantäne

    © Cluverius

    Eine erste wiedergefundene Freiheit - Giardini Pubblici in Mailand am Tag eins der vorsichtigen Öffnung nach sechs Wochen Quarantäne

    Mailand (5. Mai) – Alles neu macht der Mai. Seit gestern, Montag 4.5., dürfen wir wieder durch die Stadt laufen – und nicht nur 200 Meter von der Haustür entfernt. Auch die Parks wurden wieder geöffnet. Eine Symphonie in Grün breitet sich vor blauem Himmel aus. Dunkelgrün die Kastanien, die bereits ihre weißen Blütenstände aufgesetzt haben, die wie Zwergtannen auf den Ästen thronen. Buschwerk glänzt zwischen Zartgrün und Blaugrün. Der Hunde-Campus in den Giardini Publici leuchtet nach sechs Wochen „ohne“ in einem nie gesehenen satten Wiesengrün. Gras sprießt auf vielen Wegen. Grünlich schimmernd das Brunnenwasser vor der Villa Dugnani. Im neu angelegten Park an der Porta Nuova, der sogenannten Biblioteca degli Alberi, breiten sich Blumenfelder aus, in denen Iris und Mohn, Kornblumen und Löwenzahn  (gewollt) wild Gelb, Rot, Blau, Weiß durch einander blühen. Farbtrunken wandert man durch die Stadt, so als hätte man sie nie gesehen. Und hinter den Masken der Passanten lachen die Augen.

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    IL PEZZO MANCANTE

    Milano, Piazzale Loreto. Un'immagine può contenerne altre, una storia scatenarne un'altra. Non è ancora il momento di smettere di guardare le vecchie foto. Giuseppe Mazza ci racconta il 10 agosto 1944: Immagini di una strage

    I Martiri di piazzale Loreto attendono che giustizia sia fatta - Flugblatt nach der Erschießung von 15 Geiseln 1944 auf dem Piazzale Loreto

    Mailand VORBEMERKUNG (von Cluverius): Orte haben Geschichte geschrieben. Aber nicht immer ist es leicht, ihre Erzählungen an Ort und Stelle zu lesen. Dazu gehört der Piazzale Loreto im Norden Mailands. Heute eine eher hässliche Verkehrsdrehscheibe zwischen Stadt und Vorstadt. Auf den ersten Blick ein „stummer“ Platz, der nur am Rande etwas von seiner Geschichte preis gibt. Er trat ins Bewusstsein der internationalen Öffentlichkeit Ende April 1945. Benito Mussolini war zusammen mit seiner Freundin Clara Petacci und einigen faschistischen Hierarchen bei Dongo am Comer See  von Widerstandskräften aufgespürt und erschossen worden. Ihre Körper brachte man nach Mailand, wo man sie vor 75 Jahren am 29. April auf dem Piazzale Loreto ausstellte. Um sie besser zu zeigen, hängte man sie mit den Füßen an den Dachträger einer Tankstelle auf. Das Foto dieser Zurschaustellung ging um die Welt. Aber warum auf dem Piazzale Loreto?

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    KOMFORTABLE BESCHEIDENHEIT

    Thesy Kness-Bastaroli über Evergreens  und Trends zur Einfachheit, die die kommende Mode prägen werden. Und über Schritte zu einer neuen Unternehmenskultur 

    © Prada Group

    Die Modebranche ist auf Suche nach neuen Wegmarken und Stilen

    Mailand - Das Coronavirus infiziert auch Italiens Modeszene. Nach einem mehrwöchigen, teilweisen  Produktionsstop  nehmen namhafte Modefirmen, unter anderem  Prada und Cucinelli,  der  Luxusschuhhersteller Tod`s sowie Gucci, Celine (LVMH) und  Loro Piana  in diesen Tagen  ihre Produktion wieder  auf. Mit den Gewerkschaften wurden bereits  die nötigen Sicherheitsmaßnahmen vereinbart. Gleichzeitig wird aber die in jüngster Zeit gestartete  Herstellung von Schutzbekleidung und Schutzmasken,  wie etwa bei Fendi und Bulgari sowie bei Prada und Armani fortgesetzt.

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    LASST MICH INS OFFENE, FREUNDE!

    Briefe aus der Quarantäne (13 und Schluss):  Die Schwalben sind da, Träume an frischer Luft, Bassani und Bella Ciao auf dem Balkon

    © Cluverius

    Was tun, wenn alles vorbei ist? Bis dahin ein Sehnsuchtsbild

    Mailand (17. April) – Freitag nach Ostern, der vierzigste Tag im Ausnahmezustand. Zu Zeiten der Pest hätte jetzt die Quarantäne geendet. Doch bei Corona muss ich mich weiterhin mit minimalen Freigängen zufrieden geben. Immerhin heute Morgen, beim verlängerten Rückweg vom Zeitungskiosk, haben mir die Zeitläufe und das herrliche Wetter ein Geburtstagsgeschenk gemacht: die Schwalben sind zurück! Hoch oben am Himmel schossen sie an der Ecke zur Via Settala durch die Luft, gut zu erkennen am gegabelten Schwanz. Bald werden sie unter den Dachüberständen ihre Nester beziehen und mit Sri-Rufen nach Futter für den Nachwuchs jagen.  Derweil bleibt die Lombardei – die „Schwester Schwabens“ nennt Hölderlin sie – mit bis heute 11.600 Toten die am stärksten betroffene Region Europas. Gestern starben wieder 231 Menschen.

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    KEIN LAMM ZU OSTERN

    Briefe aus der Quarantäne (12): Schweigen und Natur, Europa und Solidarität,  Himmelstürme und Heilslinien

    © Cluverius

    Magisch - Installationen von Anselm Kiefer im Hangar Bicocca

    Mailand (11. April) – Sonnabend vor Ostern, der fünfunddreißigste Tag im Ausnahmezustand. Eine Quarantäne, das sind 40 Tage, doch diese wird länger andauern: bis zum 3. Mai mindestens, so gestern die Ankündigung der italienischen Regierung. Die Zahl der Toten in der Lombardei hat die 10.000 überschritten, im Großraum Mailand sind es fast 2000. Gestern Abend, Karfreitag, konnte man auf der Facebook-Seite des Rossini Opera Festivals einer wunderschönen Aufführung von Rossinis „Stabat Mater“ aus dem Jahr 2015 (Dirigent Michele Mariotti) beiwohnen. Leider läuft das Streaming nur 24 Stunden bis heute am späten Nachmittag. In den Schlachtereien meines Viertels ist Lammfleisch seit dem frühen Morgen ausverkauft. Bei der Esselunga – Wartezeit heute in der Schlange 60 Minuten – gibt es nur Importware aus Neuseeland, Belgien oder Spanien. Wir werden mit Ricotta gefüllte Ravioli, Artischocken und zum Nachtisch Colomba essen. Das Lamm kommt auf die immer länger werdende Liste dessen, was wir in der Zeit "danach" nachholen wollen.

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    EIN GARTEN VOLL KRAUT UND UNKRAUT

    Briefe aus der Quarantäne (11): Debatten um Europahilfen und Stichworte zur Lage der Nation von Paolo Rumiz, Adriano Sofri und Johann Gottfried Herder

    © Cluverius

    Italiener zeigen Flagge. Um Ärtzte und Pflegepersonal zu stützen - und um als Gemeinschaft zusammen zu rücken

    Mailand (6. April) – Montag, der dreißigste Tag im Ausnahmezustand. Der Coronavirus greift Europa an. Die Repubblica veröffentlicht heute eine Umfrage, nach der nur noch 30 Prozent der Italiener Vertrauen in die EU hätten. Die Debatte um die ökonomischen Hilfen droht zu einem Religionskrieg um die sogenannten Eurobonds zu werden. Die reichen Deutschen, die arroganten Nordeuropäer gegen notleidende Italiener und ganz Südeuropa. Lässt der Norden den Süden im Stich?

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    BUNTE MASKEN, SCHWARZE TÜCHER

    Briefe aus der Quarantäne (10): Die Mundmaske als Placebo und Raffaels Tod in Zeiten von Corona

    © Cluverius

    Vom Todesjahr rückwärts gerechnet - Aufgang zur Raffael-Ausstellung in Rom (Scuderie del Quirinale), die zurzeit geschlossen ist.

    Mailand (5. April) – Palmensonntag, der neunundzwanzigste Tag im Ausnahmezustand. Jetzt heißt es Masken tragen. Oder zumindest ein Tuch, einen Schal vor Mund und Nase halten, wenn man nach draußen geht. Das ist die jüngste Verordnung der Region Lombardei. Ob es etwas nützt? Bei den (wenn überhaupt) erhältlichen Masken ist die Wirkung, was den Schutz vor Ansteckung angeht, höchst umstritten, bei Tüchern oder Schals sogar witzlos. Aber wer sich nicht daran hält, wird in der Schlange vorm Supermarkt böse angeguckt. Massimo Gramellini hat gestern in seiner Rubrik „Il Caffè“ im Corriere della Sera weise von seiner „mascherina-placebo“ gesprochen. Er setze sie nur in Gegenwart von anderen auf, „um mir einzubilden, dass sie mich wenigstens vor ihren Urteilen schützt.“

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    IM LAND DER TRÄUME

    Briefe aus der Quarantäne (9): Kulinarisch und literarisch unterwegs in Italien. Und Corona zum Trotz abends in die Scala – oder lieber ins Elfo?

    © Cluverius

    Teatro Elfo Puccini in Mailand - Aufführungen gibt es nur online

    Mailand (2. April) – Donnerstag, der sechsundzwanzigste Tag im Ausnahmezustand. In der Via Boscovich blühen die ersten Fliedersträuche. Zum Frühstück gab es Erdbeeren aus der Basilicata, die auch wie frische Erdbeeren schmecken, süß, aromatisch mit leichter Säure am Ende. Zu Mittag steht Risotto mit jungem grünen Spargel auf dem Kochplan. Spargel aus Salerno. Das ist zwar keine „Null-Kilometer-Ware“, aber immerhin alles Italien. Der Reis, natürlich Carnaroli, kommt derweil von hier aus der Lomellina. Dazu ein Glas Rotwein, leicht und spritzig aus dem Piemont, Barbera di Monferrato etwa.

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    WEDER DUMMKÜHN NOCH FRECH

    Briefe aus der Quarantäne (8): Blühende Bäume, schreckliche Vorstellungen und Botschaften aus der Reformationszeit

    © Cluverius

    Gepflegtes Grün auch in der Coronazeit - Mailand bei der Porta Venezia

    Mailand (30. März) – Montag, der dreiundzwanzigste Tag im Ausnahmezustand. Sonnenschein wechselt mit Regen, der Frühling hat begonnen. Morgen, Dienstag, sollen die Temperaturen wieder sinken, es könnte sogar schneien. Der April und das Aprilwetter stehen vor der Tür. Die Grasflächen unter den blühenden Bäumen bei der Porta Venezia, die man auf dem Weg zum Supermarkt passiert, wurden diese Woche geschnitten und gesäubert. Es tut gut zu sehen, dass die Stadt sich auch in der Krise pflegt und auf ihr grünes Kleid hält. Dabei hätte sie allen Anlass, Trauer zu tragen.

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    EIN HÄUFCHEN MUTIGER MÄNNER

    Briefe aus der Quarantäne (7): Es wird immer stiller, man hört Musik und nimmt Fäden zur Vergangenheit auf

    © Cluverius

    Von allen guten Geistern verlassen? - Kirche San Gregorio Magno in Mailand über dem Friedhof des ehemaligen Lazarettes errichtet. Gregorius lebte von 540 - 604,  war Papst (Gregor I.) und Biograph von Benedikt von Nursia. 1295 wurde er heiliggesprochen

    Mailand (22. März) – Sonntag, der fünfzehnte Tag im Ausnahmezustand. Eine gespenstische Ruhe liegt über der Stadt. Die Schlangen vor der Esselunga in dem Viale Piave werden länger. Heute Morgen hatte ich noch Glück – nur etwa 25 Minuten Wartezeit. In den Medien hört man von abenteuerlichen Schlangebildungen in Italien bis zwei Stunden und mehr. Und die Gesichter werden ernster. Zunächst war das Anstehen vor dem Supermarkt Gelegenheit für einen Schwatz, einen Scherz mit anderen – immer Abstand wahrenden – Wartenden. Heute herrscht Stille auch in der Schlange. Immer mehr Menschen sterben. In der Lombardei sind es inzwischen über 3000, gut 1000 allein in den vergangenen drei Tagen.

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