Reportagen und Berichte


    STILLE TAGE IM APRIL

    Wie Mailand auf ein neues Designmuseum hofft, das ein Zeichen neuer Nachdenklichkeit setzen will, während der "Fuorisalone" nur digital stattfinden kann 

    © Cluverius

    Warten auf Eröffnung - Neues Designmuseum in einem ehemaligen Depot für die Mailänder Pferdebahn

    Mailand - Nach der Pandemie ist vor der Pandemie – oder wird dann nichts mehr so sein, wie es vorher war? Die Stimmung in der italienischen Architektur- und Designszene schwankt zwischen neuem Denken und die Hoffnung, den Boden nicht unter den Füßen zu verlieren. Und hier richten sich alle Blicke auf Mailand, das mit seinen Möbel- und Einrichtungsbetrieben in der Stadt und in der Region, seinen Architekturbüros sowie seinen Ausbildungs- und Ausstellungseinrichtungen für eine in der Welt wohl einmaligen Verzahnung von Unternehmen, Planern/Gestaltern und Kommunikatoren steht. Doch vielen Betrieben steht wirtschaftlich das Wasser bis zum Hals, Schulen und Akademien halten sich mühsam mit Distanzunterricht am Leben und Einrichtungen wie der Salone der Mobile, der im vergangenen Jahr ganz ausgefallen war, musste 2021 vom traditionellen Apriltermin auf den Spätsommer (5. bis 10.9.) verschoben werden.

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    „DIE FRAU IST KEIN MÖBELSTÜCK“

    Eine Installation des Designers Gaetano Pesce ("Maestà sofferente") wird von italienischen Feministinnen als frauenfeindlich kritisiert

    © Ferrara bynight/Rubbini

    Die Installation "Maestà sofferente"von Gaetano Pesce vor dem Messegelände von Ferrara

    Mailand/Ferrara – Die Formung ist weiblich rund, weich und hat etwas Beschützendes. Doch sie ist verletzt durch Hunderte von Feilen, die in ihr stecken. Die überdimensionale, acht Meter hohe Installation von Gaetano Pesce trägt den Namen „Maestà sofferente“ – die „leidende Majestät“, oder die „leidende Würde“. Zur Installation von Pesce gehören eine ebenso überdimensionale Kugel, die an den zentralen Körper durch eine Schnur gekettet ist, sowie Skulpturen wilder Tiere, die die „Maestà“ belagern. Vor wenigen Jahren hatte der heute 82jährige Künstler und Designer sie zum ersten auf dem Mailänder Domplatz präsentiert. Gegenwärtig prägt sie den Eingang zum Messegelände in Ferrara, wo sie nach einer Initiative von Vittorio Sgarbi, dem streitbaren Kunstkritiker und Präsidenten der Vereinigung „Ferrara Arte“, am 8. März zum Weltfrauentag aufgestellt wurde (hier ein Video).

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    AUF LEBLOSER FOLIE

    Enttäuschend: der Ehe-Roman „Treue“ von Marco Missiroli an der Grenze zum Kitsch, die er manchmal überschreitet

    © Cluverius

    Mailänder Schmerzenbild - Graffito im Naviglio-Viertel

    Mailand – Margherita und Carlo leben in Mailand. Sie sah sich als Architektin und leitet jetzt als Immobilienmaklerin eine kleine Agentur. Er hält sich für einen Schriftsteller, muss jedoch sein Geld als Dozent für kreatives Schreiben verdienen. Auch wenn beide Mittdreißiger ihre beruflichen Träume nicht erfüllt sehen, führen sie eigentlich eine gelungene Ehe, fühlen sich jeweils vom anderen auch erotisch angezogen. Wenn nur dieser Verdacht nicht wäre: gab es bei ihm einen Seitensprung mit einer Studentin? Und was spürt sie, wenn sie bei einer Therapiesitzung von dem jungen Physiotherapeuten berührt wird? Es geht in dem Roman von Marco Missiroli, wie es der Titel auf den Punkt bringt, um Treue, um Emotionen, um Sehnsüchte. Kein leichtes Gelände, das bereits von unzähligen Unterhaltungsromanen bearbeitet worden ist. Und, um es gleich zu sagen, der Autor verliert sich auf ihm.

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    in der Oper: Salome

    Das Musikdrama von Richard Strauss in einer Inszenierung der Mailänder Scala unter Covidbedingungen nur im Fernsehen (Rai 5, Raiplay) und im Radio (Rai 3, Euroradio)

    © ph Brescia, Amisano/Teatro alla Scala

    Eine Inszenierung "dark" - Salome (Elena Stikhina) und das Blut von Jochanaan

    Mailand – So mutieren Spielpläne in Zeiten der Pandemie: ursprünglich sollte die Mailänder Neuinszenierung der Salome von Richard Strauss am 8. März 2020 unter Leitung von Riccardo Chailly (Musik) und Damiano Michieletto (Regie) mit Malin Byström und Michael Volle Premiere haben. Die Proben waren schon weit fortgeschritten, als 23. Februar der Lockdown (nicht nur) den Kulturbetrieb lahm legte. Ein Jahr später wurde die Inszenierung jetzt mit teilweise neuem Cast (Elena Stikhina und Wolfgang Koch) ohne Publikum in der Scala aufgeführt (19.2.) und tags darauf zeitversetzt im Fernsehen und im Radio ausgestrahlt. Die Orchesterleitung sollte eigentlich Zubin Mehta haben, der aber aus gesundheitlichen Gründen passen musste. An seiner Stelle dirigierte (wie bei den Proben vor einem Jahr) Riccardo Chailly.

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    LICHT DURCHWIRKTE TABLEAUS

    Tiepolo. Venezia, Milano, l’Europa – eine klar strukturierte Ausstellung erzählt, wie italienischer Kunst im 18. Jahrhundert den alten Kontinent erobert. Ihre Wurzeln hat sie in Venedig, das aufstrebende Mailand dient als Sprungbrett.

    © Cluverius

    Tiepolo in den Gallerie d'Italia in Mailand - ein repräsentativer Rahmen für repräsentative Kunst

    Mailand – In Zusammenarbeit mit den Gallerie dell’Accademia di Venezia zeigen die Gallerie d’Italia (Bankgruppe Intesa Sanpaolo) in Mailand die bemerkenswerte Ausstellung Tiepolo - Venezia, Milano, l’Europa. Zu sehen sind rund 70 Exponate überwiegend von Giambattista Tiepolo (Venedig, 1896 – Madrid, 1770), aber auch von seinen Söhnen und von Zeitgenossen wie Canaletto, Piazzetta oder Ricci. Das reicht von Skizzen, Vorstudien für Fresken, bis zu großflächigen Arbeiten, wie der „Trionfo di Aureliano“ aus seiner Jugendzeit oder eine Darstellung San Francescos, vielleicht sein letztes Werk vor dem Tod in Madrid. Wie kein anderer seiner Zeit weiß er abwechselnd historische, mythologische oder religiöse Themen  zu illustrieren.

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    NATALE DEGLI ALBERI

    Mailand feiert mit Unterstützung privater Unternehmen ein „Weihnachten der Bäume“ – Installationen zwischen Design und Kunst unterstreichen auch in tristen Tagen die zentrale Rolle, die die  Stadt in der italienischen Szene der Gegenwartskultur weiterhin spielen möchte - eine kleine Fotogalerie

    © Cluverius

    Kinosternchen als Weihnachtsbaum -  "Albero delle Stelle" von Paramount

    Mailand – „Weihnachtsbäume“ in Mailand 2020: In der Stadt, in der Finanzmarkt, Kommunikation und Gegenwartskultur den Rhythmus vorgeben, kann man nicht einfach nur ein paar Tannen mit Lichtern und buntem Schmuck erwarten. Im Auftrag der Fondazione Bracco des Mailänder Pharmakonzerns – und von ihm finanziert – hat der Eventveranstalter Marco Balich mit 21 von Designern entworfenen Installationen ein „Natale degli Alberi“ konzipiert. Ein „Weihnachten der Bäume“ mit Installationen, die (oft) von der Pyramidenform des Weihnachtsbaums ausgehen. Sie wollen auf Plätzen der Stadt Werte wie Hoffnung, Nachhaltigkeit und Solidarität vermitteln – und zugleich Unternehmen Gelegenheit geben, ihr Label mit der guten Botschaft zu verbinden ( - hier zum offiziellen Video).

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    DIE EICHE VON MONTALE

    Es ist berührend, beim Sterben eines Baumes dabei zu sein. Im Kreislauf des sich erneuernden Lebens der Natur. Auch in der Stadt.

    © Cluverius

    Zusehen wie ein Baum verwest - Die "Eiche von Montale" in den Giardini Pubblici 

    Mailand – In den Giardini Pubblici stand eine mächtige Eiche, zehn Meter hoch mit einem Stammumfang von fast fünf Metern, einer der ältesten Bäume des 1780 in Mailand angelegten Stadtparks. Eine Quercus rubra (Roteiche), die ursprünglich aus Nordamerika stammt und mit dem 18. Jahrhundert auch in Europa angesiedelt wurde. Pilze und Ungeziefer hatten ihren Rumpf befallen und Krankheiten die Kräfte ihre Äste geschwächt. Gegen Ende konnte sie nur noch von Eisenträgern gehalten aufrecht stehen. Im Oktober 2019 brach sie, von Vandalismus zusätzlich geschwächt, bei einem Herbststurm zusammen. Sie hatte am Rand einer teils offen liegenden, teils von Bäumen umgebenden Wiese nicht weit vom östlichen Zugang des Parks bei der Porta Venezia entfernt gestanden. Man nannte sie La quercia di Montale – „Die Eiche von Montale“.

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    DIGITAL ODER PRÄSENT?

    Rückgang von Publikumsveranstaltungen bereits vor der Covid-Krise und offen für Neues mit der Pandemie – Untersuchungen des Unternehmerverbandes Federculture und der Bankgruppe Intesa Sanpaolo über das Kulturverhalten der Italiener

    © Cluverius

    Warten auf Präsenz -Teatro Rossini in Pesaro zur Festivalzeit im August als ein eingeschränktes Programm bei strengen Auflagen - das Orchester nahm im Parkett Platz, die Logen nur halb besetzt - noch möglich war

    Mailand – Wie haben die Italiener auf das veränderte Kulturangebot der vergangenen Monate reagiert? Welche Rolle spielen die Kulturfestivals? Und wie wurde Kultur in welchen Sparten in den vergangenen Jahren genutzt? Analysen wurden jetzt in Mailand und Rom vorgestellt. Zusammenfassend kann man feststellen: In Italien sinkt (in den vergangenen zehn Jahren) die Teilnahme an Publikumsveranstaltungen, zugleich steigt die Neugier und Akzeptanz von neuen digitalen Formaten bzw. „hybriden“ (digital/präsent) Veranstaltungen.

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    DER HIMMEL IN EINEM ZIMMER

    Die Fondazione Trussardi präsentiert eine Installation von Ragnar Kjartansson in der Mailänder Pestkirche San Carlo al Lazzaretto

    © Cluverius

    Kraft der Imagination - Der Gino-Paoli-Song "Il cielo in una stanza" als sechs Stunden loop in der Installation von Ragnar Kjartansson

    Mailand (San Carlo al Lazzaretto bis 25.10.) – Die Musikinstallation The Sky in a Room des Isländers Ragnar Kjartansson (1976, Reykjavik), die man in einer kleinen Mailänder Kirche erleben kann, setzt sich auf ganz poetische Art mit der Stimmung in Corona-Zeiten auseinander. Dabei wechseln sich Berufsmusiker ab, die sechs Stunden lang ununterbrochenen ein für Orgel geschriebenes Arrangement des italienischen Chansons Il cielo in una stanza von Gino Paoli (1934, Monfalcone) darbieten. (Hier ein Video Eindruck). 

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    im Theater: Excelsior

    „Excelsior“ von Salvo Lombardo auf dem Festival des modernen Tanztheaters MilanOltre. Insgesamt bietet das Festival im Teatro Elfo Puccini 13 Produktionen

    © MilanOltre/Carolina Farina

    Kritik der Zivilisation - eine Szene aus "Excelsior" mit den Darstellerinnen und Darstellern der Gruppe Chiasma

    Mailand (Teatro Elfo Puccini) – Das 34. Festival MilanOltre führt endlich nach einer unerträglich langen Zeit des Lockdowns wieder Publikum ins Mailänder Teatro Elfo Puccini. Das Festival zeigt in diesem Jahre 13 Produktionen des gegenwärtigen Tanztheaters in Italien. Es hatte Mitte September mit Cristina Kristal Rizzo (Florenz) begonnen und endet Mitte Oktober mit dem Spellbound Contemporary Ballet (Rom). Zum ersten Mal in Mailand führte jetzt Salvo Lombardo mit seiner römischen Gruppe Chiasma Excelsior auf.

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    IM KERZENLICHT

    Der Palazzo Reale in Mailand zeigt eine aufwändige Ausstellung über Georges de La Tour und nordeuropäische Naturalisten der frühen Barockzeit in der Nachfolge von Caravaggio

    © MondomostreSkira

    "Erziehung der Jungfrau" (um 1650, Öl auf Leinwand, 84 x 100 cm) aus der Frick Collection New York

    Mailand (Palazzo Ducale bis 27.9.) – Das sind Gemälde aus der Barockzeit, die lange keinem Künstler richtig zugeordnet werden konnten. Erst vor gut 100 Jahren wurde Georges de La Tour (1593-1652) als Maler vor allem kleinformatiger Arbeiten (wieder) entdeckt. Es sind besonders seine „Nachtbilder“, religiöse aber auch Genredarstellungen, in denen des Licht einer Kerze die Komposition bestimmt. Der Palazzo Reale in Mailand widmet de La Tour – und besonders diesen Nachtbildern – jetzt eine große Ausstellung.

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    DESTA’ UND DAS MADAMATO

    Eine Farbanschlag auf das Denkmal für Indro Montanelli in einem Mailänder Stadtpark erinnert Italien an seine koloniale Vergangenheit

    © Cluverius

    Als Rassist und Vergewaltiger angeklagt - Farbanschlag auf das Denkmal für Indro Montanelli in den Giardini Pubblici am Morgen danach

    Mailand – Der Kampf um Statuen im Zusammenhang mit antirassistischen Protesten hat auch Italien erreicht. In Mailand wurde am Sonnabend (13. Juni) Abend das Denkmal für Indro Montanelli (1909-2001) in den Giardini Pubblici mit roter Farbe übergossen. Auf dem Sockel wurde der angesehene Journalist als „razzista“ und „stupratore“ angeklagt. Zur Tat bekannte sich das linke studentische Aktionsnetz „Rete Studenti e Lu.Me (Laboratorio universitario MEtropolitano), das auch ein Video des Einsatzes ins Netz stellte. Bereits vor einigen Tagen hatte die Bewegung der „Sentinelli di Milano“, die sich als „laici e antifascisti“ bezeichnen, in einem Brief Mailands Bürgermeister aufgefordert, das Denkmal für den Journalisten zu entfernen, weil Montanelli während des Abessinienkrieges 1936 „ein zwölfjähriges, eritreisches Mädchen gekauft“ und geheiratet habe, um ihm „als Sexsklavin zu dienen“. Im vergangenen Jahr hatte eine feministische Gruppe mit ähnlicher Begründung das Denkmal am 8. März mit rosa Farbe bespritzt.

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    ZUM WOHL!

    Thesy Kness-Bastaroli über Bewegungen in Italiens Weinwirtschaft zu Coronazeiten: Konsolidierung, Diversifikation im Vertrieb und mehr Mode-Unternehmen als Teilhaber

    © donnafugata.it

    China im Blick - Antonio Rallo (Donnafugata) ist Präsident des Konsortiums "Vini Doc Sicilia"

    Mailand - Nach einem Rekordjahr 2019  wird die  italienischen Weinwirtschaft im laufenden Jahr erhebliche Einbußen verzeichnen. Doch  Panikstimmung sei falsch am Platz, meint Sandro Sartor, Generaldirektor des toskanischen Winzerbetriebs Ruffino. Von der Krise betroffen sind vor allem jene Firmen, die ihren Vertrieb auf das Gaststättengewerbe fokussierten.  Der Fachverband Federvini schätzt den durch den Lockdown bedingten Schaden in diesem Spezialsektor, der über die Hälfte  des gesamten Vertriebs ausmacht, auf 350 Millionen Euro pro Monat.

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    „NATUR IST EIN SOZIALES MEDIUM “

    Stadt und Corona (2): Alte Werte, neues Denken - ein Gespräch mit dem Mailänder Landschaftsarchitekten und Urbanisten Andreas Kipar

    © Cluverius

    Richtung Zukunft - neue Fahrradspur in Mailand

    Mailand – In der sogenannten Phase 2 und den Öffnungen nach dem Lockdown erleben wir unsere Städte wie erholt. Die Luft ist sauberer, die Parkanlagen sind grüner, die Schwalben finden reichlich Futter. Die Natur hat sich zurück gemeldet. Wie müssen in Zukunft unsere Städte gestaltet werden, um gleichsam einen „neuen Pakt mit der Natur“ einzugehen? Zugleich fordern Gesundheitsauflagen wie Abstandsregelungen verändertes Verhalten. Was bedeutet das für den Alltag in den Städten? Um solche Themen dreht sich ein Gespräch mit Dr.(I) Arch. Dipl.-Ing. Andreas Kipar.

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    LEBENSRAUM MIT QUALITÄT

    Stadt und Corona (1): Die Pandemie stellt die Urbanistik vor Herausforderungen, die so neu gar nicht sind. Eine internationale Debatte, die auch in Italien intensiv geführt wird

    © Cluverius

    Die Metropole nach Corona - Mailand, Armani Werbung

     Mailand – Muss die Stadt sich neu erfinden? Der Coronavirus hat in Italien wie anderswo eine breite Debatte über die Zukunft urbaner Räume und das Verhältnis von Stadt und Land ausgelöst. „Basta con le città, tutti in campagna“ überschreibt il Sole 24 Ore  (8. März) einen Beitrag über die New Yorker Ausstellung „Countryside, The Future“, die Rem Koolhaas kuratiert hat. Italien ist besonders vom ländlichen Raum geprägt, es gibt fast 6000 Ortschaften mit weniger als 5000 Einwohnern. Rund 2300 davon sind von der Bevölkerung so gut wie verlassen. Könnten sie gerettet werden und zu neuem Leben erwachen, wenn sich Natur suchende Städter ihrer annehmen? Das jedenfalls schlägt Stefano Boeri in la Repubblica (21. April) vor: „Nei vecchi borghi c’è il nostro futuro“ Oder haben nicht längst die Städte, die sich in den vergangenen 30 Jahren immer mehr verdichtet haben, die Nase vorn, und der Virus wird daran nichts ändern? „Campagna? No, grazie“ kommentiert Carlo Ratti in il Foglio (8. Mai).

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    MUSIKER OHNE MASKEN

    Die Scala öffnet virtuell die Türen – ein Projekt in Zusammenarbeit mit Google Arts & Culture. Musik soll wieder ab Herbst erklingen, der Neustart beginnt mit Verdis Requiem

    © Cluverius

    Warten auf bessere Zeiten - in der Auszeit präsentiert sich die Scala virtuell

    Mailand -  Opernbühnen in aller Welt stellen während der durch die Pandemie erzwungenen Zeit der Schließung Eigenproduktionen vergangener Spielzeiten online. Die Mailänder Scala geht noch einen Schritt weiter und präsentiert sich jetzt digital als ein Haus der offenen Tür – und was für eins! In Zusammenarbeit mit Google Arts & Culture kann man in die Bühnengeschichte der 1778 eröffneten Oper eintauchen:  240 Tausend Fotografien und 16 Tausend Musikdokumente aus dem Archiv sind virtuell abrufbar. Google Arts & Culture gibt seit einigen Jahren die Möglichkeit, mehr als 2000 Einrichtungen der Kunst und der Kultur (Werke, Museen, Ausstellungen, Bühnen etc) aus 80 Ländern online kennen zu lernen. Das Scala-Projekt wurde jetzt bei einer Online-Pressekonferenz vorgestellt.

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    EIN BRÜCKENBAUER

    Zum Tod von Klaus Wolbert, Kunsthistoriker und Förderer junger italienischer Gegenwartskünstler. Ein vielseitig interessierter Intellektueller, der Musik liebte und das Politische in der Kunst erforschte

    Klaus Wolbert, Aschaffenburg 1940 - Istanbul 2020

    Mailand – Durch den Tod von Klaus Wolbert, Kunsthistoriker, unermüdlicher Förderer von jungen Künstlern und zuletzt Präsident der angesehenen Stiftung VAF, verliert der italienisch-deutsche Kulturaustausch eine prägende Persönlichkeit. Geboren am 25. März 1940 in Aschaffenburg, studierte der gelernte Schriftsetzer zunächst Malerei (Frankfurt) und angewandte Grafik (Offenbach). Nach Tätigkeiten u.a. bei Werbeagenturen und beim Hessischen Landesmuseum Darmstadt erwarb er auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur und schloss ein Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Kulturanthropologie 1980 mit der Promotion über politische und ästhetische Aspekte der figurativen NS-Plastik ab. Ein Thema, das ihn sein Leben lang begleitet hat und schließlich 2018 in der großartigen Veröffentlichung Dogmatische Körper – Perfide Schönheitsdiktate (Metropol Verlag) gipfelte. Die Arbeit wurde auch ins Italienische übersetzt (Allemandi) und hoch gelobt.

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