Balzan


Der Historiker Saul Friedländer (Israel) wird mit dem Balzan Preis 2021 ausgezeichnet. Außerdem werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Italien, Frankreich und den USA prämiert Mailand – Der israelische Historiker Saul Friedländer erhält in diesem Jahr den Balzan Preis im Fachgebiet Holocaust- und Genozidforschung. Der 1932 in Prag geborene Friedländer (University of California, Los Angeles) wird, wie es in der Begründung heißt, für „die Schaffung einer historischen Erzählung“ ausgezeichnet, „welche das Unaussprechliche zum Ausdruck bringt, indem sie die wissenschaftliche Analyse mit den disruptiven Stimmen der Opfer, Täter und Zuschauer verflicht.“ Weitere Preisträger sind die italienische Physikerin Alessandra Buonanno (53), die am Albert-Einstein-Institut (Potsdam) unterrichtet zusammen mit dem französischen Physiker Thibault Damour (70) vom Institut des Hautes Études Scientifiques (Paris) im Fachbereich Gravitation: physikalische und astrophysikalische Aspekte. Der US-amerikanische Biologe Jeffrey Gordon (48) von der Washington University (Saint Louis) erhält den Balzan Preis für seine Forschungen im Fach Das Mikrobiom: seine Rolle in Gesundheit und Krankheit. Der Preis für Vorderasiatische Kunst und Archäologie wurde nicht vergeben.

HISTORISCHE ERZÄHLUNG


Ein Gespräch mit Aleida und Jan Assmann über ihr Balzan Forschungsprojekt „Memory in The City“ zusammen mit einer interdisziplinären Gruppe junger Wissenschaftler Mailand – Die Kulturwissenschaftler Aleida und Jan Assmann wurden 2017 gemeinsam mit dem Balzan Preis für Kollektives Gedächtnis ausgezeichnet. Die Internationalen Balzan Stiftung würdigte damit unter anderem die Bedeutung von zwei individuellen Oeuvres, „die das kollektive Gedächtnis als Voraussetzung von religiösen und politischen Identitätsstiftungen und Gemeinschaften präsentieren“ (- auf Cluverius siehe hier). Zum Preis gehört auch die Verpflichtung, die Hälfte des Preisgeldes von 750.000 Schweizer Franken für die Finanzierung von Forschungsprojekten zusammen mit vornehmlich jungen Wissenschaftlern zu verwenden. Aleida und Jan Assmann berichten in einem Gespräch (aus dem Sommer 2019, das jetzt öffentlich gemacht wurde,) über ihre Erfahrungen mit der Anschlussforschung.

„WIR HABEN AUF DIE RICHTIGEN LEUTE GESETZT“



Interdisziplinarität hat die Auswahl der Balzanpreisträger 2020 bestimmt. Zum ersten Mal werden zwei Fachbereiche unter einem gemeinsamen Oberthema – Umweltprobleme – prämiert. Mailand – Jubel am Max Planck Institut für Biogeochemie in Jena: Die Direktorin Susan Trumbore wird in diesem Jahr mit dem Balzan Preis 2020 im Fachbereich „Dynamik das Systems Erde“ ausgezeichnet. Die amerikanische Staatsbürgerin, die außerdem als Professorin für Erdsystemwissenschaften an der University of California Irvine unterrichtet, wird u.a. – so die Begründung Jury – „für ihren außergewöhnlichen Beitrag zur Erforschung des Kohlenstoffkreislaufs und dessen Auswirkungen auf das Klima“ geehrt. Weitere Preisträger, die jetzt in Mailand bekannt gegeben wurden, sind Antonio Augusto Cançado Trindade (Brasilien) für „Menschenrechte“ sowie Jean-Marie Tarascon (Frankreich) für „Umweltprobleme: Materialwissenschaft für erneuerbare Energie“ und Joan Martinez Alier (Spanien) für „Umweltprobleme: Antworten aus den Geistes- und Sozialwissenschaften“.

JUBEL IN JENA


Der Balzan Preis 2019 geht an Wissenschaftler einer Forschergruppe vom Deutschen Zentrum für Lungenforschung. Außerdem werden Persönlichkeiten aus Frankreich, Großbritannien und Italien geehrt. Die Preise werden am 15. November in Bern übergeben. Mailand – Die Internationale Balzan Stiftung prämiert in diesem Jahr Wissenschaftler aus vier Ländern mit dem Balzan Preis: Aus Frankreich Jaques Aumont im Fach „Filmwissenschaft“, aus Großbritannien Michael Cook für „Islamwissenschaft“, aus Italien Luigi Ambrosio für „Theorie der partiellen Differentialgleichungen“ sowie aus Deutschland die Forschergruppe mit Erika von Mutius, Klaus F. Rabe, Werner Seeger, und Tobias Welte für „Pathaphysiologie der Atmung: von der Grundlagenforschung zum Krankenbett“.

„NEUE BEGEISTERUNG“



Ein Gespräch mit Jürgen Osterhammel, Träger des Balzan Preises 2018 für Globalgeschichte, über nationale und nationalistische Geschichte, die Angst vor dem Globalen, die Rolle des Historikers heute und Fragen seines Faches. Rom/Mailand – Jürgen Osterhammel, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Konstanz (Emeritus seit April 2018), ist als Mitglied einer Reihe von wissenschaftlichen Akademien in Deutschland sowie Italien, Österreich und Großbritannien international vernetzt. Er ist Träger des Ordens Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste sowie Ehrendoktor des European University Institute EUI (Florenz). Der 66jährige Historiker wurde jetzt mit dem Balzan Preis 2018 „für seine grundlegenden Beiträge zur Globalgeschichte und zu ihrer Definition als eigene Teildisziplin“ – wie es in der Begründung der Internationalen Balzan Stiftung (Mailand/Zürich) heißt – ausgezeichnet. Neben anderem lobte die Jury seinen „eleganten und faszinierenden Schreibstil“.

DER HISTORIKER IN DER GLOBALEN GEGENWART