Biennale


Biennale (2): Natascha Sadr Haghighian bespielt den deutschen Pavillon – und lässt ihn im Netz und in den sozialen Medien stattfinden Venedig – Der graue Pavillon der Deutschen scheint verschlossen, während sich lange Besucherschlangen vor den benachbarten Einrichtungen der Briten und Franzosen hinziehen. Er wirkt wie ein verlassenes Relikt des Gestrigen, ein Relikt auch der vergangenen ideologischen Debatten darüber, wie man etwa der Nazi-Aura des 1938 errichteten Gebäudes entkommen kann. Ein kleines Schild weist darauf, dass man den Hintereingang benutzen soll.

KOPFLASTIG


Biennale (3): Die Preise, der Präsident und die Bühne Venedig Venedig – Eine internationale Jury unter der Leitung von Stephanie Rosenthal (Direktorin des Gropius Bau Berlin) hat die Preise vergeben. Den goldenen Löwe für das Lebenswerk erhielt der us-amerikanische Konzeptkünstler, Poet und politische Aktivist Jimmie Durham (geboren 1950 in Houston/Texas). Als beste Länderbeitrag wurde Litauen – hier ein Videoausschnitt – mit einem goldenen Löwen geehrt. Besonders erwähnt wurde auch der von Belgien. Der goldene Löwen für den besten künstlerischen Beitrag ging an Arthur Jafa (USA). Der silberne Löwen für einen jungen Künstler fiel der 39jährigen Zypriotin Haris Epaminonda zu, die in Berlin lebt und arbeitet. Besonders erwähnt wurden außerdem die Arbeiten von Teresa Margolles (Mexiko) und Otobong Nkanga (Nigeria).

UNBEQUEMER STREITER



Ein Maler und seine Leidenschaft – Die sizilianischen Meerstudien von Piero Guccione im Museo d’arte Mendrisio Mendrisio (Museo d’arte bis 30.6.) – Der Ort Scicli liegt an der südöstlichen Spitze Sizilien, wo die größte Insel Italiens bei der Punta Corvo über das Mediterraneo nach Afrika weist. Hier kam 1935 Piero Guccione auf die Welt. Das Meer mit all seinen Variationen wurde dem Maler zur ästhetischen Leidenschaft: „Mich fasziniert der absolute Stillstand des Meeres, das jedoch unentwegt in Bewegung bleibt.“ Das Museo d’arte Mendrisio (Tessin) zeigt jetzt das Spätwerk von Piero Guccione, der 2018 im Alter von 83 Jahren in Modica starb. Unter dem Titel La pittura come il mare („Malerei wie das Meer“) sind 56 Arbeiten vorwiegend in Öl- aber auch in Pastell-Technik zu sehen.

AZURBLAUE UNENDLICHKEIT


Die Lagunenstadt darf jetzt auch von Tagespendlern eine Ortstaxe verlangen. Aber hat noch keinen Modus dafür gefunden Venedig – Wie soll das gehen? Drehkreuze und Kassenhäuschen an der Piazzale Roma, vor dem Bahnhof, am Flughafen? Aufpreise für Bahn-, Bus-, Schiff- und Flugtickets? Ein obligatorischer Venedig-Pass? Abbuchung vom Handy? Zugang nur nach Vorbestellung? Sonderregelungen für Museums- und Biennale-Besucher? Muss man demnächst Schlange stehen, wenn man nach Venedig will?

SCHLANGESTEHEN VOR VENEDIG?



Biennale (1): Die 16. Architekturbiennale von Venedig plädiert für ein neues Denken beim Bauen und Planen unsere Städte und Landschaften Venedig (Giardini/Arsenale bis 25.11.2018) – Was ist mit der Architektur los? Jahrzehntelang sprachen Urbanisten und Architekten vom Verdichten, davon dass Freiraum Stadtraum schaffen solle. Und jetzt heißt es auf einmal, dass Stadtraum Freiraum brauche. Bürger, wie zuletzt in Mainz bei der Abstimmung über den Bibelturm, stehen gegen Großprojekte auf, die ihre Städte verengen und umdeuten würden. Man fordert mehr Licht, Luft, Durchlässigkeit. In den Gesellschaften des Westens, so will es auch der Rechtspopulist Matteo Salvini, der neue (laut)starke Mann Italiens wissen, revoltiere „das Volk gegen die Eliten.“ Müssen sich jetzt auch Architekten vor dem Volk in Acht nehmen, droht eine Popularisierung unserer Stadtlandschaften?

FIVE O’CLOCK TEA UND BUNTE TÜCHER