Fotografie


Von Ausstellungen bis zu Büchern – das Land feiert den Dichterfürsten Dante Alighieri 700 Jahre nach seinem Tod mit einem vollgestopften Programm, das aber wegen der Covid-Pandemie nur etwas mühsam anrollt –  ein Überblick (und ein deutsch-italienischer Streit) Mailand – Vor 700 Jahren, in der Nacht vom 13. auf den 14. September 1321, starb der 56jährige Dante Alighieri in Ravenna vermutlich an den Folgen einer Malaria. Dutzende von Ausstellungen, Aufführungen, Lesungen, Tagungen und weiteren Veranstaltungen sowie Veröffentlichungen stehen in diesem Jahr im Zeichen des Gedenktages. Hinzu kommt der Dantedì, der jährliche Dantetag, den das Kulturministerium für den 25. März eingerichtet hat, der jetzt zum zweiten Mal gefeiert wird. „Vater der italienischen Identität“ nennt der Corriere della Sera den „sommo poeta“. Und die Zeitschrift Giornale dell’Arte widmet einem Artikel über den Veranstaltungsreigen zum 700. Todestag die Schlagzeile: „L’iDantità italiana“.

ITALIEN UND DIE „IDANTITÄT“


Die Fotografin Letizia Battaglia im Feuer der sozialen Medien wegen Aufnahmen einer Werbekampagne für Luxusautos mit Mädchen. Auch Bürgermeister Orlando geht auf Distanz. Jetzt tritt sie als Leiterin des Zentrums für Fotografie von Palermo zurück Mailand/Palermo – Letizia Battaglia gibt die Leitung des von ihr 2017 mitbegründeten Centro Internazionale di Fotografia in Palermo auf. Hintergrund sind die Diskussionen über ihre Fotos einer Werbekampagne für Lamborghini (- hier der Bericht auf artribune.com). Der Autohersteller hatte im Rahmen des Projektes With Italy, For Italy 21 Künstler beauftragt, die Schönheiten des Landes im Zusammenhang mit verschiedenen Lamborghini Fahrzeugen abzubilden. Die Fotos von Letizia Battaglia, die Mädchen und Jugendliche aus Palermo in den Zusammenhang mit den Autos stellen, haben in den sozialen Medien teilweise üble Polemiken ausgelöst. Auf die reagierte sie jetzt mit dem Abschied vom Zentrum für Fotografie.

DER FALL LAMBORGHINI



30 giorni a Hong Kong – Lisa Jucca erzählt vom wütenden Widerstand der Opposition im Herbst 2019 und der Enttäuschung, die sich in Chinas Sonderverwaltungszone breit macht Mailand – Die Welt hat sich von Hong Kong abgewendet. Sicher: Der Massenrücktritt von 15 Abgeordneten der pro-demokratischen Opposition, nachdem vier Kollegen von der chinesischen Zentralregierung kurzerhand suspendiert worden waren, war unseren Medien noch Anfang November eine Meldung wert. Aber unter der Hand wird längst akzeptiert, dass die ehemalige britischen Kolonie ihren semiautonomen Status verloren hat und von Peking aus regiert wird. Der entscheidende Umbruch, auch der Niedergang der Protestbewegung, spielte sich im vergangenen Herbst zwischen Oktober und November ab. Die Mailänder Journalistin Lisa Jucca erzählt von diesen Wochen in einem informativen wie spannend zu lesendem Buch, das gerade bei Scalpendi Editore erschienen ist: 30 giorni a Hong Kong.

FRAGMENTE EINES PROTESTS


In Urbino setzt sich eine Ausstellung mit Baldassare Castiglione und Raffael Sanzio auseinander Urbino – Anmutig, ausgewogen, geistreich und den schönen Künsten zugeneigt – das sind die idealen Eigenschaften eines Adeligen an italienischen Fürstenhöfen der Renaissance, wie sie Baldassare Castiglione (1478-1529) in seinem berühmten Il libro del cortigiano („Das Buch vom Hofmann)“ beschreibt. In Mantua geboren, in Mailand ausgebildet, war es besonders der Hof von Urbino, der den Humanisten und Diplomaten prägte. In Urbino wurde 1483 auch Raffael Sanzio geboren, der später in Rom Castiglione in einem wundervollen Porträt verewigte. Eine Ausstellung in Urbino versucht nun, die beiden für das italienische Kulturleben im frühen 16. Jahrhundert zentralen Figuren zusammen zu führen.

DER HOFMANN UND DER MALER



Helena Janeczek macht sich im Roman „Das Mädchen mit der Leica“ auf die Suche nach der Persönlichkeit der Fotografin Gerda Taro hinter einer kurzen, intensiven Lebensgeschichte Mailand – Im Jahr 2007 taucht in New York ein Koffer mit Bildnegativen aus den 1930er Jahren auf. Er enthält vor allem Aufnahmen vom spanischen Bürgerkrieg vom weltberühmten Robert Capa (1913-1954), vom Fotojournalisten David Seymour (1911-1956) und von Capas Partnerin Gerda Taro – der ersten Frau, die als Fotoreporterin von Kriegsereignissen berichtet hatte. Der Fund bringt die fast vergessene Gerda Taro wieder in Erinnerung. Wer war diese wagemutige Frau, die 1910 als Tochter einer jüdischen Familie polnischer Abstammung in Stuttgart geboren wurde, als überzeugte Sozialistin vor den Nazis nach Paris floh, dort den Männern der Emigrantenszene den Kopf verdrehte und bei einem Fotoeinsatz an der spanischen Front mit nur 27 Jahren ums Leben kam? Helena Janeczek hat über sie in Italien einen Roman veröffentlicht, der jetzt unter dem Titel „Das Mädchen mit der Leica“ (Berlin Verlag) auch auf Deutsch vorliegt.

IHR ANBLICK VERZAUBERT