Frauen


Wundervoll erzählt, berührend zu lesen: Der Roman „Ein Tag wird kommen“, in dem Giulia Caminito von einer Bruderliebe in der bäuerlichen Landschaft der Marken vor 100 Jahren zur Zeit von Krieg und Krankheit erzählt. Mailand – Unter den Romanen und Erzählungen, die in diesem schrägen Herbst und Winter in deutscher Übersetzung aus dem Italienischen erschienen sind, ist das vielleicht der schönste: Ein Tag wird kommen von Giulia Caminito (Verlag Klaus Wagenbach). Er führt uns in die Anfangsjahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts und in die von Hunger und Ausbeutung geprägte bäuerliche Landschaft der Marken, wo Tragödien zum Alltag gehören. Und zu Träumen einer anderen, besseren Welt, die mal aufs Leben und mal auf die Zeit nach dem Leben gerichtet sind. Hauptfiguren sind zwei ungleiche Brüder aus dem Dorf Serra de’ Conti: Der eine, Lupo, mutig und kraftvoll, der andere, Nicola, schwach und „weich wie Brotkrume“. Und während der eine den anderen stützt, gibt ihm der andere Sinn.

EINE ANDERE WELT


Eine Farbanschlag auf das Denkmal für Indro Montanelli in einem Mailänder Stadtpark erinnert Italien an seine koloniale Vergangenheit Mailand – Der Kampf um Statuen im Zusammenhang mit antirassistischen Protesten hat auch Italien erreicht. In Mailand wurde am Sonnabend (13. Juni) Abend das Denkmal für Indro Montanelli (1909-2001) in den Giardini Pubblici mit roter Farbe übergossen. Auf dem Sockel wurde der angesehene Journalist als „razzista“ und „stupratore“ angeklagt. Zur Tat bekannte sich das linke studentische Aktionsnetz „Rete Studenti e Lu.Me (Laboratorio universitario MEtropolitano), das auch ein Video des Einsatzes ins Netz stellte. Bereits vor einigen Tagen hatte die Bewegung der „Sentinelli di Milano“, die sich als „laici e antifascisti“ bezeichnen, in einem Brief Mailands Bürgermeister aufgefordert, das Denkmal für den Journalisten zu entfernen, weil Montanelli während des Abessinienkrieges 1936 „ein zwölfjähriges, eritreisches Mädchen gekauft“ und geheiratet habe, um ihm „als Sexsklavin zu dienen“. Im vergangenen Jahr hatte eine feministische Gruppe mit ähnlicher Begründung das Denkmal am 8. März mit rosa Farbe bespritzt.

DESTA’ UND DAS MADAMATO



Helena Janeczek macht sich im Roman „Das Mädchen mit der Leica“ auf die Suche nach der Persönlichkeit der Fotografin Gerda Taro hinter einer kurzen, intensiven Lebensgeschichte Mailand – Im Jahr 2007 taucht in New York ein Koffer mit Bildnegativen aus den 1930er Jahren auf. Er enthält vor allem Aufnahmen vom spanischen Bürgerkrieg vom weltberühmten Robert Capa (1913-1954), vom Fotojournalisten David Seymour (1911-1956) und von Capas Partnerin Gerda Taro – der ersten Frau, die als Fotoreporterin von Kriegsereignissen berichtet hatte. Der Fund bringt die fast vergessene Gerda Taro wieder in Erinnerung. Wer war diese wagemutige Frau, die 1910 als Tochter einer jüdischen Familie polnischer Abstammung in Stuttgart geboren wurde, als überzeugte Sozialistin vor den Nazis nach Paris floh, dort den Männern der Emigrantenszene den Kopf verdrehte und bei einem Fotoeinsatz an der spanischen Front mit nur 27 Jahren ums Leben kam? Helena Janeczek hat über sie in Italien einen Roman veröffentlicht, der jetzt unter dem Titel „Das Mädchen mit der Leica“ (Berlin Verlag) auch auf Deutsch vorliegt.

IHR ANBLICK VERZAUBERT


Sardinien: Michaela Klüver-Spreng unterwegs auf alten Pfaden der Bergleute – Fotografieren zwischen Geschichte und Natur Iglesias – Vor dem Frühstück stehe ich auf der Klippe und warte. Darauf, dass die ersten Sonnenstrahlen die kleine Insel vor der Küste treffen. Noch sieht die Szene ein wenig fad aus. Es fehlt das Licht-Schatten Spiel. Auch die sagenhaften Farben, mit denen die Natur hier das Auge verwöhnt, kommen noch nicht raus. Im nächsten Moment hat es die Sonne über den Berg geschafft. Von einer Sekunde zur anderen beginnt der Pan di Zucchero zu leuchten. Umso mehr, als der gegenüberliegende Fels mit dem Porto Flavia Stollen noch im tiefen Schatten liegt. Das allererste Tageslicht bringt die Schönheit der Insel perfekt zur Geltung. Was hat mich dorthin gebracht?

ZWISCHEN MEER UND MINEN



Thesy Kness-Bastaroli erinnert an die Zeitzeugin und Journalistin Lili Gutmann, Enkeltochter von Eugen Gutmann, dem Gründer der Dresdner Bank, und ihrem Kampf um das von den Nazis verhökerte Familienerbe Florenz/Mailand – Sie war jüdisch geboren, wurde evangelisch getauft, hatte katholische Kinder und heiratete zum Schluss noch einmal nach dem griechisch-orthodox Ritus. Im Leben von Lili Collas-Gutmann, am 17. Juli 1919  im niederländischen Leiden geboren, überschneiden sich religiöse, kulturelle und nationale Erfahrungen und formen das Bild einer wachen, mutigen Europäerin. Bis ins hohe Alter hatte sie nie Ihren Sinn für Entschlossenheit wie Gerechtigkeit verloren – und ihre offene, einnehmende Art mit Menschen umzugehen. Im Alter von 100 Jahren ist Lili jetzt am 29. Januar in Florenz gestorben.

WACH, OFFEN, MUTIG