Geschichte


Von Raffael zu Legosteinen: Henry Keazor verfolgt in einem anregenden Buch Adaptionen und Interpretationen der „Schule von Athen“ durch fünf Jahrhunderte Mailand/Rom – Endlich, Impfpässe oder Tests öffnen die Grenzen. Wir können wieder reisen, auch nach Rom, auch in die Vatikanischen Museen, um staunend vor Raffaels Meisterwerk „Schule von Athen“ (1509/1511) zu verharren. Nun ist das Buch von Henry Keazor mit dem Titel „Raffaels Schule von Athen“ (Wagenbach Verlag) keine Buch zur Reise, dafür würde es auch in Form und Gewicht das Gepäck für unterwegs zu sehr belasten. Aber zurück aus Rom oder zur Vorbereitung auf den Besuch der Vatikanischen Museen – oder einfach so –, lädt der Autor zu einer ganz eigenen, neuen, bunten, abenteuerlichen, vergnüglichen wie lehrreichen Reise covidfrei durch Zeiten und Orte ein, die uns durch fünf Jahrhunderte, viele Länder und Dutzende Museen und Sammlungen führt. Eine Zeitreise, in der uns Raffaels Schule von Athen in immer neuen Interpretationen, Deutungen und Umdeutungen bis heute begleitet.

HALL OF FAME


In einer Mailänder Wunderkammer präsentiert das Architekturbüro LAND seine 30jährige Unternehmensgeschichte – und schafft Raum für Zukunftsdebatten Mailand – In großen Zusammenhängen denken, aber klein und auf den Punkt genau handeln. Das gehört zur Philosophie des Landschaftsarchitekten und Urbanisten Andreas Kipar und des von ihm vor 30 Jahren mitbegründeten internationalen Büro LAND (Mailand, Düsseldorf, Lugano). Unter den aktuellen Herausforderungen durch den Klimawandel, den Naturraubbau und das Bevölkerungswachstum konnten in den vergangenen Jahren anhand vieler Planungen „Denkweisen erarbeitet werden“, die, so der 61jährige Architekt, „den Umweltbegriff weiten und die Zusammenhänge von Menschen, Pflanzen, Tieren und dazu auch von Luft und Böden erkennen und in den Vordergrund stellen.“ Eine Ausstellung in Mailand mit rund 80 Projekten von LAND schreibt jetzt in der schlaglichtartigen Präsentation einer eklektischen Wunderkammer nicht nur eine spannende Unternehmensgeschichte, sondern weist auch ideell in die Zukunft.

DIE LANDSCHAFT UND IHR ZAUBER



Venedig atmet in den kürzlich restaurierten Giardini Reali im Rücken des Markusplatzes frühlingshaft auf – noch aber fehlen die Besucher aus aller Welt Venedig – Aufatmen, Luftholen, Frühling nach dem langen Winter der Pandemie. Auch wenn die Lagunenstadt kulturell weiterhin im Dornröschenschlaf vor sich hindämmert und viele Einrichtungen zu Ostern geschlossen sind. Die Natur ist dagegen aufgewacht in einem neuen alten Garten: in den Giardini Reali, die im Rücken der Procuratie Nuove sich längs der Uferbefestigung beim Anleger S.Marco erstrecken. Ein Garten, den Touristen meist (noch) übersehen, weil sie es eilig haben, auf den Markusplatz zu kommen, statt in diese Oase der Ruhe einzutauchen. Narzissen und Tulpen blühen unter Feigenbäumen, Glyzinien leuchten an einer alten Pergola, bedächtig schwanken Bambusblätter. Steineichen werfen Schatten, Bitterorangen glänzen unter blauem Himmel und eine immergrüne Lorbeerhecke schützt wie ein natürlicher Deich vor der Lagune und dem – in covidfreien Zeiten hektischen – Treiben am Uferweg.

SYMPHONIE IN GRÜN


Von Ausstellungen bis zu Büchern – das Land feiert den Dichterfürsten Dante Alighieri 700 Jahre nach seinem Tod mit einem vollgestopften Programm, das aber wegen der Covid-Pandemie nur etwas mühsam anrollt –  ein Überblick (und ein deutsch-italienischer Streit) Mailand – Vor 700 Jahren, in der Nacht vom 13. auf den 14. September 1321, starb der 56jährige Dante Alighieri in Ravenna vermutlich an den Folgen einer Malaria. Dutzende von Ausstellungen, Aufführungen, Lesungen, Tagungen und weiteren Veranstaltungen sowie Veröffentlichungen stehen in diesem Jahr im Zeichen des Gedenktages. Hinzu kommt der Dantedì, der jährliche Dantetag, den das Kulturministerium für den 25. März eingerichtet hat, der jetzt zum zweiten Mal gefeiert wird. „Vater der italienischen Identität“ nennt der Corriere della Sera den „sommo poeta“. Und die Zeitschrift Giornale dell’Arte widmet einem Artikel über den Veranstaltungsreigen zum 700. Todestag die Schlagzeile: „L’iDantità italiana“.

ITALIEN UND DIE „IDANTITÄT“



Venedig und der Caffè (2): Die Rolle der Serenissima in der europäischen Geschichte des Kaffees und ein Besuch der Torrefazione Girani, der ältesten Rösterei der Lagunenstadt, die noch im Handwerksmodus arbeitet. Mailand/Venedig – Wo wurde in Europa wurde zum ersten Mal öffentlich Kaffee ausgeschenkt, in London oder Paris, in Amsterdam oder in Venedig? Das war in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und überall rufen die Lokalhistoriker „hier!“ Unumstritten ist, dass die Lagunenstadt mit ihren damals 150.000 Einwohnern bald alle in den Schatten stellte. Im 18. Jahrhundert zählte man pro 500 Einwohner eine „bottega del caffè“ (Verkaufsstelle mit Ausschank), davon 34 botteghe allein um den Markusplatz herum und 18 in einer einzigen Gasse, der Calle del Cafetier unweit der Rialto-Brücke.

HEISS, OHNE HAST UND IN GESELLSCHAFT