Kino


Zwischen Realismus und Groteske: Die Brüder Damiano und Fabio D’Innocenzo frischen das italienischen Kino mit ihrem zweiten Spielfilm auf Mailand (Cinema Palestrina) – Der Film Favolacce („Bittere Märchen“) erzählt vom trostlosen Alltag einer römischen Reihenhaussiedlung der Vorstadt. Der bescheidene Wohlstand und Alltagssorgen bilden den Boden eines eher von Instinkten geprägtem Leben ohne Wertvorstellungen. Im Mittelpunkt stehen die Beziehungen von Eltern und ihren etwa 12jährigen Kindern, die alle die selbe Schulklasse besuchen. Den Heranwachsenden wird zuhause kaum die Möglichkeit zur Entfaltung gegeben. Nur in der Schule durchbricht ein Lehrer die Eintönigkeit der Mittelmäßigkeit, hinter der das Grauen lauert.

im Kino: Favolacce


Hilferuf der italienischen Kulturunternehmen, die zusammen mit dem Tourismus-Sektor besonders von den Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus betroffen sind Mailand/Rom – Die Kulturunternehmen Italiens fordern sofortige Hilfsmaßnahmen für Unternehmen und Arbeitskräfte des Sektors wegen der Notlage durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Grippe-Epidemie ausgelöst durch den Coronavirus. Der drastische Rückgang des Verkaufs von Kulturprodukten, Büchern, Musikträgern und DVDs, die Absage von Konzerten und Ausstellungen, die spärliche Museumsbesuch mit nicht einmal 20 Prozent der gewöhnlichen Besucherzahlen, die Absage von Festivals und Messen, die Schließung von Kinos und Theatern bringe, so der Verband der Kulturunternehmen (Confindustria Cultura Italia), für viele Einrichtungen und ihre Mitarbeiter ernsthafte wirtschaftliche Probleme.

LEERE SÄLE, LEERE KASSEN



Italien erinnert an den großen Kinoautor und Filmregisseur Federico Fellini (1920-1993), der am 20. Januar 100 Jahre alt geworden wäre. Den Auftakt macht eine Ausstellung in seiner Heimatstadt Rimini. Mailand/Rimini – Der Legende nach wurde Federico Fellini in einem Eisenbahnwaggon erster Klasse eines Zuges geboren, als dieser den Bahnhof von Rimini passierte. Diese originelle Geschichte würde zum vitalen Regisseur und Autor passen, der uns in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts von „La strada“ über „La dolce vita“ bis „Satyrikon“ oder „Orchesterprobe“ rund zwei Dutzend phantasiepralle Kinofilme geschenkt hatte. Doch seine Biographen haben die Legende (leider) widerlegt: ausgerechnet am 20. Januar 1920, als der kleine Federico auf die Welt kam, bestreikten Gewerkschaften die Eisenbahnstrecke längs der Adria vorbei an Rimini durch die Landschaft der Romagna bis nach Bologna: alle Züge standen still.

PRALLE VISIONEN


Franco Maresco spielt in seinem in Venedig preisgekrönten Film über den „Bauch“ von Palermo mit Dokumentation und Fiktion Milano (Cinema Anteo) – Was ist von den Helden geblieben und für wen sind sie überhaupt Helden? 25 Jahre nach den Mafia-Morden an Giovanni Falcone und Paolo Borsellino untersucht der Filmmacher Franco Maresco die Stimmung in den Unterschichten von Palermo. Und entwirft, indem er Dokumentation und Satire mischt, ein grotesk-trübes Bild von „oben“ verordneten Erinnerungsriten und der Trostlosigkeit der Da-unten im „Bauch“ der sizilianischen Regionalhauptstadt. Als Leitfiguren dienen ihm die Fotografin Letizia Battaglia – eine Veteranin auch der Antimafiabewegung – und der Impressario Ciccio Mira, der für eine Truppe von „neumelodischen“ Künstlern Auftritte bei Stadtteilfesten und in einem lokalen TV-Sender organisiert.

im Kino: La mafia non è più quella di una ...



Marco Bellocchio erzählt die Geschichte von Tommaso Buscetta, der als „Ehrenmann“ der italienischen Justiz das Innenleben der Cosa Nostra aufdeckt und so zur Verurteilung Hunderter Mafiosi beiträgt. Mailand (Cinema Arlecchino) – Er sei kein pentito, kein „Reumütiger“, beteuert Tommaso Buscetta gegenüber Staatsanwalt Giovanni Falcone, der ihn zur Mitarbeit mit den Justizbehörden bewegt hat. Als ehemaliger Ehrenmann der Cosa Nostra glaubt Don Masino weiterhin an die traditionellen Regeln der sizilianischen Mafia, die aber von Totò Riina und den Corleonesen mit den Füßen getreten werden, nachdem sie sich in einem blutigen inneren Krieg in den 1980er Jahren an die Spitze der kriminellen Vereinigung geputscht hatten. Marco Bellocchio erzählt in seinem Film Il traditore („Der Verräter“) die Geschichte eines Verbrechers, der als Kronzeuge zur Verurteilung von 346 Mafiosi (darunter 19 mal lebenslänglich) im ersten sogenannten Maxiprozess 1987 in Palermo beiträgt.

im Kino: Il traditore