Kulturpolitik


Zum Tod von Klaus Wolbert, Kunsthistoriker und Förderer junger italienischer Gegenwartskünstler. Ein vielseitig interessierter Intellektueller, der Musik liebte und das Politische in der Kunst erforschte Mailand – Durch den Tod von Klaus Wolbert, Kunsthistoriker, unermüdlicher Förderer von jungen Künstlern und zuletzt Präsident der angesehenen Stiftung VAF, verliert der italienisch-deutsche Kulturaustausch eine prägende Persönlichkeit. Geboren am 25. März 1940 in Aschaffenburg, studierte der gelernte Schriftsetzer zunächst Malerei (Frankfurt) und angewandte Grafik (Offenbach). Nach Tätigkeiten u.a. bei Werbeagenturen und beim Hessischen Landesmuseum Darmstadt erwarb er auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur und schloss ein Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Kulturanthropologie 1980 mit der Promotion über politische und ästhetische Aspekte der figurativen NS-Plastik ab. Ein Thema, das ihn sein Leben lang begleitet hat und schließlich 2018 in der großartigen Veröffentlichung Dogmatische Körper – Perfide Schönheitsdiktate (Metropol Verlag) gipfelte. Die Arbeit wurde auch ins Italienische übersetzt (Allemandi) und hoch gelobt.

EIN BRÜCKENBAUER


Kulturminister Dario Franceschini kehrt zum Prinzip der autonomen Verwaltung bedeutender staatlicher Museen zurück, die sein Vorgänger aufgeweicht hatte. Aber wie lange hält die Regierung überhaupt noch? Mailand/Rom – Mit aller Kraft zurück. Das ist das Motto von Italiens Kulturminister Dario Franceschini. Mit einem Regierungserlass zur Ordnung staatlicher Museen und des Denkmalschutzes gibt er unter anderem drei Einrichtungen die Autonomie wieder, die ihnen sein Vorgänger genommen hatte: dem Museo dell’Accademia (Florenz), dem Museo Nazionale Etrusca di Villa Giulia (Rom) und dem Parco Archeologico dell’Appia Antica (Rom). Mehr noch: es werden zehn weitere Museen in die Gruppe der autonomen Einrichtungen aufgenommen, darunter der Palazzo Reale von Neapel, die Pinacoteca Nazionale von Bologna oder das Museo Archeologico Nazionale von Cagliari. Die Direktorenstellen sollen international ausgeschrieben werden.

FRISCHER WIND



Mailand schlägt Berlin im Kulturranking der europäischen Großstädte Brüssel/Mailand – Im EU-Ranking über kulturell und kreativ aufgestellten Städte gehört Mailand zur Spitzengruppe. Im soeben veröffentlichten Culture and Creative Cities Monitor nimmt es unter den 20 EU-Großstädten mit mehr als 1 Million Einwohnern den vierten Platz nach Paris, München und London ein. Und verweist Berlin auf Platz fünf. Hamburg liegt auf Platz 10, Rom kommt hinter Köln nur auf Rang 14. Während Italien bei den 40 Städten zwischen 500 Tausend und 1 Million Einwohnern schwächelt – hier führen Kopenhagen, Lissabon und Stockholm und Turin (28.), Genua (32.) sowie Neapel (38.) folgen abgeschlagen – liegen sie bei 40 Orten zwischen 250.00 und 500.000 Einwohnern weit vorne: Florenz führt vor Karlsruhe und Venedig, Bologna ist 12.

SPIEGLEIN, SPIEGLEIN AN DER WAND


Der italienische Verlegerverband feiert sein 150jähriges Jubiläum. Ein Gespräch mit Ricardo Franco Levi Mailand – Leseförderung durch einen Bonus für Jugendliche, die Debatte über ein neues Gesetz zur Buchpreisbindung und die Zusammenarbeit mit der Turiner Buchmesse sind Themen eines Gesprächs mit Ricardo Franco Levi, dem Präsidenten der Associazione Italiana Editori (AIE) aus Anlass der Gründung des italienischen Verlegerverbandes vor 150 Jahren.

„EIN RIESENERFOLG“



Alexander Pereira verlässt die Mailänder Scala und wird Intendant des Maggio Musicale von Florenz Mailand – Das konnte er nicht auf sich sitzen lassen. Als Intendant Alexander Pereira nach dem etwas verunglückten Versuch, mit Geldern aus Saudi Arabien die Kassen der Scala aufzubessern, im Frühjahr in Verhandlungen um Verlängerung seines Vertrages am Mailänder Opernhaus ging, hätten sie den Österreicher beinahe vom Hof gejagt. Der Vertrag wäre im Februar 2020 ausgelaufen, aber mehr als eine Verlängerung um ein Jahr war nicht drin. Wobei er die Leitung im letzten Jahr bereits mit seinem Nachfolger, dem Franzosen Dominique Meyer, hätte teilen sollte. Der wird von der Staatsoper Wien an das Teatro alla Scala wechseln. Alexander Pereira wäre gern noch mindestens zwei volle Jahre allein in Amt und Würden in Mailand bis 2022 geblieben, wenn ebenso der Vertrag mit Riccardo Chailly als musikalischer Leiter der Scala auslaufen wird. Doch es blieb nur der Abschied gleichsam auf Raten.

EIN STARKER ABGANG