Landschaft


Cagliari Anfang August – Strahlend kreist ein Riesenrad abends hinter Palmen an der Hafenfront der sardischen Regionalhauptstadt. Das „City-eye“, das aus Salerno stammt – deshalb das große „S“ im Zentrum –, erreicht eine Höhe von 45 Metern. Vor genau einem Jahr wurde es aufgestellt und spaltete sogleich die öffentliche Meinung in zwei Lager. Für die einen ein Schandfleck vor dem  Meerespanorama, für die anderen ein neuer touristischer Anziehungspunkt. Sechs Monate sollte es sich drehen (Eintritt 10 Euro pro Kopf), doch bald stand es im Lockdown still, wurde im März diesen Jahres wieder geöffnet, nach einem weitern Lockdown erneut geschlossen, dann abermals eröffnet. Und wird Cagliari wohl noch diesen heißen Sommer lang begleiten.

In Cagliari


In einer Mailänder Wunderkammer präsentiert das Architekturbüro LAND seine 30jährige Unternehmensgeschichte – und schafft Raum für Zukunftsdebatten Mailand – In großen Zusammenhängen denken, aber klein und auf den Punkt genau handeln. Das gehört zur Philosophie des Landschaftsarchitekten und Urbanisten Andreas Kipar und des von ihm vor 30 Jahren mitbegründeten internationalen Büro LAND (Mailand, Düsseldorf, Lugano). Unter den aktuellen Herausforderungen durch den Klimawandel, den Naturraubbau und das Bevölkerungswachstum konnten in den vergangenen Jahren anhand vieler Planungen „Denkweisen erarbeitet werden“, die, so der 61jährige Architekt, „den Umweltbegriff weiten und die Zusammenhänge von Menschen, Pflanzen, Tieren und dazu auch von Luft und Böden erkennen und in den Vordergrund stellen.“ Eine Ausstellung in Mailand mit rund 80 Projekten von LAND schreibt jetzt in der schlaglichtartigen Präsentation einer eklektischen Wunderkammer nicht nur eine spannende Unternehmensgeschichte, sondern weist auch ideell in die Zukunft.

DIE LANDSCHAFT UND IHR ZAUBER



Die Architekturbiennale in Venedig steht unter dem Motto „Wie werden wir zusammen leben?“ ganz im Zeichen von Nachhaltigkeit. Merkwürdig: Landschaftsarchitektur spielt dabei kaum eine Rolle Venedig – Das ist eine Biennale der leisen Töne. Wer spektakuläre Bauten sucht, die in den vergangenen Jahren weltweit Aufsehen erregt haben, wird enttäuscht werden. Auch fehlen die sogenannten Archistars, die Calatrava oder Libeskind, die Herzog & De Meuron oder Piano. Auf der 17. Architektur Biennale Venedig, die jetzt mit einem Jahr verspätet fürs Publikum geöffnet wurde, geht es nachdenklich und nachhaltig zu. How will we live together? lautet das zukunftsweisende Motto, das sich ihr Direktor Hashim Sarkis bereits in der Vorbereitung für die wegen der Pandemie dann verschobene Ausstellung gewählt hatte. Durch Covid 19 hat es noch an Brisanz gewonnen.

ES GRÜNT SO GRÜN


Venedig Ende Mai – Die Stadt des Heiligen Markus wirkt nach mehreren Lockdownphasen wie gerade dem touristischen Dornröschenschlaf erwacht. Die ersten Besucher sind unter dem Gemecker der Möwen wieder da, Ausstellungen und Museen haben gerade aufgemacht, doch ist Venedig nicht so von Menschen gefüllt wie einst im Mai. Es ist, also würde es sich erstaunt die Augen reiben, noch sind Statuen, zum Beispiel die von Wagner in dem kleinen Stadtpark vor der Biennale, zum Schutz winterlich verhängt. Neue alte Grünflächen, etwa die wundervoll restaurierten Giardini Reali entlang der Lagune im Rücken des Markusplatzes, warten unter dem Gesang der Amseln auf ihre Wiederentdeckung (auf Cluverius siehe Symphonie in grün). Die Architekturbiennale, die gerade eröffnet hat, nimmt das Thema auf und stellt sich ganz grünen Problematiken.

In Venedig



Ein Buch und eine lohnende Ausstellung in Padua zum Leben von Vincent van Gogh, mit der ein Kritiker wie Marco Goldin seine langjährige Auseinandersetzung mit dem Künstler auf den Punkt bringt Mailand/Padua (bis 6. Juni) – Seit über 20 Jahren beschäftigt sich der Kunsthistoriker Marco Goldin mit dem Maler Vincent van Gogh (1853-1890). Der inzwischen 60jährige Goldin, der aus Treviso stammt, hat sich in Norditalien einen Namen mit Blockbusterausstellungen zu Künstlern der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert gemacht, also vor allem über Impressionisten, Spätimpressionisten und Expressionisten nicht nur aus Frankreich. In diesem Rahmen hat er konsequent seine Annäherung an van Gogh auch mit literarischen Texten vorangetrieben. Parallel zu der im vergangenen Herbst in Padua eröffneten – und dann wegen der Pandemie lange geschlossenen – Ausstellung Van Gogh. I colori della vita, veröffentlichte er beim Mailänder Verlag La nave di Teseo eine Art Biographie des Künstlers. Genauer gesagt auf Basis der umfangreichen Briefwechsel van Goghs eine autobiografia mai scritta („nie geschriebene Autobiographie“), wie es im Untertitel heißt. Das ist nun nicht das Buch zur Ausstellung, sondern man könnte eher umgekehrt von einer Ausstellung zum Buch sprechen.

DER PRIVATE BLICK