Palermo


100 Jahre Leonardo Sciascia (2): Die essayartige Erzählung „Tod des Inquisitors“ endlich auf Deutsch in dem Band „Ein Sizilianer von festen Prinzipien“ Mailand – Das ist ein wohl komponiertes Buch, das zum 100. Geburtstag von Leonardo Sciascia zwei seiner bislang noch nicht ins Deutsche übersetzten Texte mit einem hintergründigen Porträt Sciascias von der Literaturkritikerin Maike Albath sowie einer Anmerkung von Santo Piazzese, Schriftsteller von Kriminalromanen aus Palermo, verbindet. Im Zentrum steht der Text Morte dell’inquisitore („Tod des Inquisitors“) aus dem Jahr 1964/67. In ihm erzählt Sciascia eine Geschichte aus dem 17. Jahrhundert, die Geschichte vom Leben und Sterben des Augustinermönchs Diego La Matina, der wie Sciascia aus dem kleinen Ort Racalmuto bei Agrigent stammte.

»DAS MIR TEUERSTE VON ALLEM, WAS ICH GESCHRIEBEN HABE»


100 Jahre Leonardo Sciascia (1): der Staat, die Politik, die Parteien, der Fall Moro – ein bislang unveröffentlichtes Interview aus dem Jahr 1983 Mailand –Der sizilianische Schriftsteller Leonardo Sciascia (1921 – 1989) engagierte sich zwei mal aktiv politisch. 1975 ließ er sich als unabhängiger Kandidat auf der Liste der Kommunistischen Partei in den Stadtrat von Palermo wählen, trat aber anderthalb Jahre später aus Protest gegen den Kurs vom „historischen Kompromiss“ und wegen Auseinandersetzungen um die innerparteiliche Demokratie der sizilianischen KP zurück. Nach der Veröffentlichung seines Buches L’affaire Moro (dt: „Die Affäre Moro“) wurde er bei den Parlamentswahlen 1979 über die Liste das Partito Radicale in die Abgeordnetenkammer gewählt.  Er war Mitglied  in dem Untersuchungsausschuss zur Moro-Entführung, ebenso  in dem Antimafia-Ausschuss. Bei den Neuwahlen Ende Juni 1983 kandidierte er nicht wieder. Kurz vor den Wahlen gab es Gelegenheit zu einem Gespräch, das hier zum ersten Mal veröffentlicht wird.

DIE MÜDE DEMOKRATIE



Die Fotografin Letizia Battaglia im Feuer der sozialen Medien wegen Aufnahmen einer Werbekampagne für Luxusautos mit Mädchen. Auch Bürgermeister Orlando geht auf Distanz. Jetzt tritt sie als Leiterin des Zentrums für Fotografie von Palermo zurück Mailand/Palermo – Letizia Battaglia gibt die Leitung des von ihr 2017 mitbegründeten Centro Internazionale di Fotografia in Palermo auf. Hintergrund sind die Diskussionen über ihre Fotos einer Werbekampagne für Lamborghini (- hier der Bericht auf artribune.com). Der Autohersteller hatte im Rahmen des Projektes With Italy, For Italy 21 Künstler beauftragt, die Schönheiten des Landes im Zusammenhang mit verschiedenen Lamborghini Fahrzeugen abzubilden. Die Fotos von Letizia Battaglia, die Mädchen und Jugendliche aus Palermo in den Zusammenhang mit den Autos stellen, haben in den sozialen Medien teilweise üble Polemiken ausgelöst. Auf die reagierte sie jetzt mit dem Abschied vom Zentrum für Fotografie.

DER FALL LAMBORGHINI


Briefe aus der Quarantäne (13 und Schluss):  Die Schwalben sind da, Träume an frischer Luft, Bassani und Bella Ciao auf dem Balkon Mailand (17. April) – Freitag nach Ostern, der vierzigste Tag im Ausnahmezustand. Zu Zeiten der Pest hätte jetzt die Quarantäne geendet. Doch bei Corona muss ich mich weiterhin mit minimalen Freigängen zufrieden geben. Immerhin heute Morgen, beim verlängerten Rückweg vom Zeitungskiosk, haben mir die Zeitläufe und das herrliche Wetter ein Geburtstagsgeschenk gemacht: die Schwalben sind zurück! Hoch oben am Himmel schossen sie an der Ecke zur Via Settala durch die Luft, gut zu erkennen am gegabelten Schwanz. Bald werden sie unter den Dachüberständen ihre Nester beziehen und mit Sri-Rufen nach Futter für den Nachwuchs jagen.  Derweil bleibt die Lombardei – die „Schwester Schwabens“ nennt Hölderlin sie – mit bis heute 11.600 Toten die am stärksten betroffene Region Europas. Gestern starben wieder 231 Menschen.

LASST MICH INS OFFENE, FREUNDE!



Ein Führer durch die neuere sizilianische Literaturgeschichte von Maike Albath, die Neuübersetzung von Giuseppe Tomasis Roman „Der Leopard“ durch Burkhart Kroeber und ein Lesemarathon der Vereinigung Deutsch-Italienischer Kulturgesellschaften Mailand/München – Italien ist ein regional geprägtes Land, ein Flickenteppich vieler kultureller Einflüsse und lokaler Eigenarten. Das gilt für die Küche wie für die Literatur. Kaum eine Region des Landes hat im vergangenen Jahrhundert eine so reiche Literaturszene hervorgebracht wie Sizilien. Maike Albath hat ihr unter dem Titel Trauer und Licht ein facettenreiches  Buch gewidmet, das man mit Gewinn liest. Der größte Teil ist Giuseppe Tomasi di Lampedusa und seinem Roman Il Gattopardo („Der Leopard“) gewidmet. Einen „Jahrhundertroman“ nennt ihn Burkhart Kroeber, der ihn gerade neu übersetzt hat –  und dafür vielfach gelobt wird (unter anderem hier von Maike Albath). „Der Leopard“ stand jetzt auch im Mittelpunkt eines Lesemarathons der Vereinigung Deutsch-Italienischer Kulturgesellschaften.  Texte aus dem Roman wirden bei gleichzeitigen Veranstaltungen von rund 30 Mitgliedergesellschaften in ganz Deutschland gelesen.

MIT ANGELICA TANZEN