Resistenza


Wie erinnern? Zwei Beispiele aus Mailand und aus Genua Italien gedenkt der Befreiung von deutscher Besatzung und der Herrschaft Mussolinis vor 70 Jahren. Am 25. April 1945 wurde vom Nationalen Befreiungskomitee in Mailand der Generalstreik in den noch von Wehrmacht und SS besetzten Gebieten Norditaliens ausgerufen. Das war zugleich das Signal zu einem allgemeinen Aufstand, durch den dann die Partisanen die Herrschaft über große Städte wie Mailand, Genua und Turin errangen, während die Alliierten von Süden kommend immer weiter vorrückten. Die Deutschen Truppen befanden sich bereits auf einem chaotischen Rückzug Richtung Alpen. Vier Tage später kapitulierten sie endgültig vor den Alliierten. In Italien wird der 25. April inzwischen als Nationalfeiertag begangen, an dem man die Resistenza, also den Widerstand ehrt, dessen Werte auch in die republikanische Verfassung Eingang gefunden haben. Zuletzt hatte sich jedoch eine Feiertagsrhetorik entwickelt, die zu einer gewissen Ermüdung der Erinnerung geführt hat. In Mailand wie in Genua gab es jetzt Versuche, die Feiern des 25. Aprils mit neuem Leben zu füllen.

70 JAHRE RESISTENZA


Giorgio Diritti hat mit „L’uomo che verrà“ einen wichtigen Film gedreht, den in Deutschland niemand zeigen will Mailand (Cinema Anteo ,2010) – Nach den Erfolgen von Matteo Garrones „Gomorra“ und Paolo Sorrentinos „Divo“ hätte man sich eine neue Welle von italienischen Filmen über die sozialen und politischen Probleme des Landes erwarten können. Arbeiten über aktuelle Skandale und ungelöste Fragen der Geschichte – Themen an denen es ja nicht mangelt. Doch das Jahr 2010 steht ganz im Zeichen des Privaten. Es geht um Liebhaber oder Verlobte, um Mütter oder Töchter. Gabriele Muccino etwa sucht mit „Baciami ancora“ (Küss mich noch mal) den Erfolg früherer Gefühlsstreifen zu wiederholen. Giovanni Veronesi gelingt es immerhin in „Genitori e figli“ (Eltern und Kinder), den Generationskonflikt seriös zu thematisieren. Und Gabriele Salvatores hat gerade die Kinoadaption des Theaterstückes „Happy Family“ heraus gebracht, in der es um zwei Familien geht, die sich damit auseinandersetzen müssen, dass ihre kaum 16jährigen Kinder einander heiraten wollen. Hat das Land keine anderen Sorgen? Deutsches Morden Ein Film liegt quer zum Mainstream: „L’uomo che verrà“ (Der Mensch, der kommen wird) von Giorgio Diritti. Zwar thematisiert der Film auch eine private Geschichte, denn erzählt wird die Zeit einer Schwangerschaft der jungen Bergbäuerin Lena […]

DAS MASSAKER VON MARZABOTTO



Piazzale Loreto, der Körper des Duce und Theodor Saevecke, Gestapo-Chef von Mailand  Mailand (Januar 1999)- An einem gewöhnlichen Sonntag Vormittag im Januar fließt der Verkehr ruhig um die grünen Inseln des Piazzale Loreto, aus denen die Licht- und Luftschächte einer großen Metro-Station ragen. An dieser Stelle kreuzen sich zwei Linien der Mailänder Untergrundbahn, von hier kommt man ebenso schnell zum Dom und zum Stadtschloß wie zum Hauptbahnhof. Kaufhäuser, viele Banken, ein paar Bars, Zeitungskioske: die zweitklassige Architektur zeigt sich von der langweiligen Seite der fünfziger und sechziger Jahre. Riesige Leuchtreklamen auf den Dächern der hohen Bürogebäude markieren den Piazzale Loreto weit hin sichtbar als topographischen Ausdruck von Fortschrittsgläubigkeit und Konsumideologie der Nachkriegsgeneration. Das ist ein stummer Platz, der heute (fast) nichts von sich zu erzählen weiß. Und doch ist es dieser vielleicht „tragischste Platz des Landes“, auf dem die Geburtsstunde des republikanischen Italien schlug. So jedenfalls interpretiert der Historiker Sergio Luzzatto in seinem jüngsten, bei Einaudi verlegten Buch „Il corpo del duce“ (Der Körper des Duce) den Symbolgehalt des Piazzale Loreto. Ein Ort des Nichtvergessens Am 10. August 1944 wurden hier auf deutschen Befehl 15 Geiseln aus „Vergeltung“ für ein Attentat in der Mailänder Innenstadt erschossen. Bei dem Attentat war […]

EIN PLATZ IN MAILAND


Ein Besuch bei Liana Millu in Genua, der Autorin „schöner Literatur“ über den Holocaust: „Rauch über Birkenau“ und „Die Brücke von Schwerin“ Genua (November 1998)- Ein freies Leben wollte sie führen, doch die Zeiten waren nicht danach. Liana Millu, 1914 in Pisa geboren, träumte davon, Journalistin zu werden. Sie wollte sich von den Fesseln der Familie und der Religion lösen. Eine erste Anstellung als Lehrerin in Volterra gab ihr die ökonomische Sicherheit, gelegentlich Texte für Zeitungen zu schreiben. Im Sommer 1938 allerdings, noch bevor die italienische Regierung ein Paket von Rassengesetzen verabschiedete, die zu dem Zeitpunkt schärfer waren als die Hitlers, ließ das Unterrichtsministerium bereits Schulen und Universitäten von Juden „säubern“.

DER HASS VERGIFTET DIE SEELE