Turin


Wird die italienische Buchmesse demnächst in Mailand organisiert? Mailand/Turin – Der italienischen Buchmesse, die bislang in Turin stattgefunden hat, droht in ihrer traditionellen Form das Aus. Nachdem bereits vor ein paar Monaten der frühere Präsident der Stiftung des Salone del Libro wegen des Verdachts auf Veruntreuung zurücktreten musste, hat die Turiner Justiz am 12. Juli mehrere Personen festgenommen. Darunter zwei Führungskräfte der Messegesellschaft der Lingotto-Hallen, wo der Salone bislang veranstaltet wurde, sowie den Sekretär der Salone-Stiftung. Büros wurden durchsucht und Beweismaterial sicher gestellt. Die Turiner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen angeblicher Manipulation von Ausschreibungen der Durchführung für die Buchmessen von 2015 bis 2018. Möglicherweise wurden geheime Informationen an das Unternehmen weitergegeben, das sich so die Vergabe sichern konnte. Der italienische Verlegerverband AIE (mit Sitz in Mailand) prüft nun, ob man eventuell in eigener Regie eine neue Messe von 2017 an – etwa in Mailand – durchführen könnte.

DER SALONE TAUMELT


Italienische Diskussionen um den Schriftsteller Roberto Saviano Mailand/Turin/Rom – Roberto Saviano fühlt sich verfolgt. Journalisten kritisieren ihn. Im Internet macht sich Neid breit. Politiker zweifeln, ob es überhaupt noch Gründe gibt, ihm Personenschutz zu gewähren. Der wurde ihm vor zehn Jahren nach Morddrohungen von der Camorra verordnet. In seinem bei Mondadori verlegten Buch „Gomorra“ hatte er nicht nur die verbrecherischen Methoden der neapolitanischen Mafia beschrieben, sondern vor allem die Namen der Bosse genannt und sich so zum Todfeind der Clans gemacht. Seit dem Herbst 2006 kann sich der heute 36jährige Schriftsteller, der mit „Gomorra“ Weltruhm erlangte (Auflage bislang über 10 Millionen Exemplare), nur unter Begleitschutz bewegen. Was ihn aber nicht daran hindert, Kontakt mit dem Publikum zu suchen, das ihn oft wie einen Popstar empfängt und bejubelt.

ENTSCHULDIGUNG, ICH LEBE NOCH



Die italienische Buchmesse auf der Suche nach Neubestimmung Turin – Der Salone del Libro (12.-16.Mai) ist zu Ende und alle scheinen zufrieden. Die Verleger registrierten bei der italienischen Buchmesse, die eine Verkaufsmesse ist, ein Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr. Auch die Veranstalter atmeten auf, schließlich hatte es im Vorfeld Streit um Saudi Arabien gegeben, das nach Deutschland (2015) in diesem Jahr als Gastland auftreten sollte. Doch nach vehementen Protesten wegen der Unterdrückung der Meinungsfreiheit im Golfstaat, hatte man die Einladung wieder zurückgezogen. Dafür sollte allgemein der „arabische Raum“ Gastrecht haben, doch davon spürte man in den Hallen des Lingotto-Ausstellungsgelände nicht allzu viel.

ZWISCHEN LITERATUR UND SPEKTAKEL


Das umgebaute ägyptische Museum in Turin versucht einen Neustart Turin. Fast 200 Jahre ist das ägyptische Museum von Turin alt. Doch nach einem dreijährigen Umbau, der jetzt abgeschlossen ist, scheint es ganz neu. Während der Bauarbeiten konnte nur jeweils ein kleiner Teil der Sammlung, die zu den bedeutendsten der Welt gehört, ausgestellt werden. Mit der Wiedereröffnung am 1. April hat das Museum mit 10.000 Quadratmeter seine Ausstellungsfläche fast verdoppelt. Gezeigt werden über 6000 Fundstücke des Zeitraums von 4000 vor Christus bis zur Islamisierung Ägyptens um 700 nach Christus. Der Gesamtbestand beträgt rund 26.000 Artefakte. Zu den Höhepunkten des chronologisch geordneten Rundgangs gehören Wandbilder aus dem Grab von Iti (um 2100 vor Christus), Funde aus dem Grab von Kha, die sogenannte Kapelle von Maia (jeweils um 1400 vor Christus), die Galerie der Sarkophage aus mehreren Epochen, sowie die große Sammlung der Papyri mit unter anderem dem „Königspapyrus“– eine Liste in hieratischer Schrift der altägyptischen Pharaonen vor Ramses II – aus dem 13. Jahrhundert vor Christus.

MEHR WISSENSCHAFT WAGEN



Erinnerung an Esther Béjarano, die im Juli 2021 in Hamburg im Alter 96 Jahren gestorben ist. Die jüdische Musikerin hatte 2013 in Turin ihre (nur auf Italienisch herausgegeben) Erinnerungen vorgestellt. Ein Beitrag in der Südddeutschen Zeitung vom 26. Januar 2013  Mailand/ Turin (2013) Die Vorstellung im Auditorium des Turiner Polytechnikums war längst zu Ende, da holte Gianni Coscia im Foyer für einen Fotografen noch einmal sein Akkordeon aus dem Koffer. Der 82jährige Jurist und Jazzmusiker improvisierte ein paar Takte und als Esther Béjarano hinzutrat, begann er das Lied „Bel Ami“ aus dem Willi-Forst-Film von 1939 zu spielen. Die 88jährige Sängerin nahm sogleich die Melodie auf: „Du hast Glück bei den Frau’n, Bel Ami…“ Und denen, die dabei standen, lief ein Schauer über den Rücken. Denn „Bel Ami“ war ihre Prüfungsaufgabe für die Aufnahme in das Frauenorchester von Auschwitz gewesen. Die damals neunzehnjährige Esther Loewy stammte aus einer musikbesessenen Familie. Ihr Vater hatte als Kantor verschiedener jüdischer Gemeinden unter anderem in Saarbrücken und Ulm gearbeitet, wo Esther das Klavierspielen lernte. Als die Rassenverfolgungen begannen, konnten sich zwei ältere Geschwister gerade noch rechtzeitig ins Ausland absetzen. Die Familie wurde auseinander gerissen, die Eltern nach Litauen verschleppt und dort bereits 1941 von den […]

VOM ORCHESTER IN AUSCHWITZ BIS ZUM RAP