Venedig


In Italien werden mit Kulturfinanzierungen nach der Lockdown Krise Mittel für „Großprojekte der Kulturgüter“ wie die Loggia Isozaki in Florenz freigegeben.  Mailand/Rom – Klappt es jetzt? Im schönen, stolzen Florenz denkt man nun schon seit über 20 Jahren darüber nach, ob auf der Rückseite der Uffizien ein zweiter Zugang gebaut werden soll oder nicht. Arata Isozakis Entwurf (in Zusammenarbeit mit Andrea Maffei Architects) einer hohen Loggia hatte sich 1998 bei einer internationalen Ausschreibung durchgesetzt. Mit toskanischem Sandstein verkleidete Stahlträger würden dabei ein transparentes Oberlicht tragen. Gegenwart (im Entwurf) und Tradition (im Material) geben sich bei Isozaki die Hand. Im Jahr 2001 kam es zu einem ersten Vertrag zwischen dem japanischen Architekten und der Stadt bzw. dem italienischen Kulturministerium. Doch dann begannen immer mehr Stimmen sich gegen den „modernistischen Eingriff“ in das Stadtbild von Florenz zu wehren. Archäologische Ausgraben verzögerten das Projekt und schließlich erklärte die Denkmalschutzbehörde, es habe sowieso keinen Vorrang – das umstrittene Projekt blieb lange in der Schublade.

AUS DER SCHUBLADE GEHOLT


Das kulturelle Venedig lebt nach langem Lockdown wieder auf. Und in die Lücke der verschobenen Architekturbiennale ist 125 Jahre nach der Gründung der Biennale eine  dokumentarisch geprägte Ausstellung über die gemeinsame Geschichte ihrer sechs Sparten getreten. Venedig (bis 8.12.) – Gold fließt in den Fenstern des Museo Correr, die sich der Piazza San Marco zuneigen. Venedig will mit dieser Installation des Videokünstlers Fabio Plessi gegenüber der Markusbasilika spektakulär zeigen, dass es wieder geöffnet hat. Zu besichtigen sind – allerdings meist nur nach einerAnmeldung online  – wieder Museen und Kultureinrichtungen von Peggy Guggenheim bis zum Palazzo Grassi, von der Galleria dell’Accademia bis zur Ca’ Rezzonico. Die einer großen Öffentlichkeit gewidmete Architekturbiennale musste jedoch aufs kommende Jahr und dementsprechend die nächste Kunstbiennale von 2021 auf 2022 verschoben werden. Ausgerechnet jetzt zum Jubiläum, 125 Jahre nachdem die erste Biennale ins Leben gerufen worden war, muss Venedig auf einen solchen Kulturhöhepunkt verzichten. Die Lücke kann man nicht füllen, doch hat man aus der Not eine Tugend gemacht. 

DER DIALOG DER MUSEN



Trotz Corona – die Architektur Biennale 2020 sollte Ende August eröffnet werden. Der deutsche Pavillon hat notfalls einen Plan B (NACHTRAG: verschoben ist nicht aufgehoben) Mailand/Venedig – Nach dem „Prinzip Hoffnung“ hält die Biennale Venedig im Coronajahr 2020 an ihren Veranstaltungen fest. Italien löst sich gerade nur vorsichtig mit kleinsten Schritten aus dem Lockdown – etwa ab dem 18. Mai dürfen auch wieder Museen und Ausstellungen nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden. In der noch wie ausgestorben wirkenden Lagunenstadt plant man dagegen für den Spätsommer/Herbst ein kulturelles Feuerwerk. Die 17. Architektur Biennale soll wie bereits angekündigt in Kurzform vom 29.8. bis 29.11. (Vernissage am 17./28.8.) stattfinden. Vorgesehen ist unverändert der Ablauf der Filmbiennale (2.9. bis 12.9). Aus dem Sommer in den frühen Herbst verschoben werden die Biennalen für das Theater (14. bis 24.9.), die Musik (25.9. bis 4.10.) und den Tanz (13.10. bis 25.10.).

WIRD ALLES GUT?


Paolo Rumiz macht sich in seinem Buch „Der unendliche Faden“ auf die Reise zu den Benediktinern, den Erbauern Europas Mailand/Venedig – Paolo Rumiz, der aus Triest stammt, ist Italiens bekanntester Reiseschriftsteller. Zuletzt hatte er von einem Fußmarsch auf  der Via Appia von Rom bis Brindisi erzählt. In seinen Büchern, zum Beispiel über einen monatelangen Aufenthalt auf einer einsamen Leuchtturminsel im Mittelmeer, mischt er Beobachtungen und Reflexionen, erfreut sich an Schönheiten und klagt Missstände an. Europa, so seine wachsende Sorge, droht der Verlust der mühsam erworbenen Einheit durch die Wiedererweckung längst überwunden geglaubter nationaler Vorurteile. Fremdenhass und Abschottung würden die Solidarität innerhalb der EU untergraben. So hat sich der inzwischen 74jährige Rumiz mal wieder auf den Weg gemacht, diesmal um die Spur der Benediktiner aufzunehmen.

ÜBER ALLE GRÄBEN HINWEG



Claudia Klingenschmid entwirft in „Parasit ToGo“ einen kleinen, bitterbösen Schelmenroman der Gegenwart Mailand – Das ist die Geschichte eines Parasiten, eines Toxoplasma gondii. Mit diesem Urtierchen, so kann man im Lexikon lesen, seien mindestens 50 Prozent der Weltbevölkerung in Kontakt gekommen. In der Regel merken aber die mit Gegenkörpern ausgestatteten Wirte nichts vom krankhaften Treiben ihrer Gäste. Claudia Klingenschmid hat sich nun in ihrem kleinen Roman Parasit ToGo mit viel schwarzem Humor solch ein Protozoon als Erzählperspektive gewählt, um zu zeigen, wie es heutzutage um die Welt und um die Menschen bestellt ist. Untertitel: „Die geheimen Wirtschaften eines Urtierchens“.

SIMPLICISSIMUS IM BIOGEWAND