Wirtschaft


Briefe aus der Quarantäne (11): Debatten um Europahilfen und Stichworte zur Lage der Nation von Paolo Rumiz, Adriano Sofri und Johann Gottfried Herder Mailand (6. April) – Montag, der dreißigste Tag im Ausnahmezustand. Der Coronavirus greift Europa an. Die Repubblica veröffentlicht heute eine Umfrage, nach der nur noch 30 Prozent der Italiener Vertrauen in die EU hätten. Die Debatte um die ökonomischen Hilfen droht zu einem Religionskrieg um die sogenannten Eurobonds zu werden. Die reichen Deutschen, die arroganten Nordeuropäer gegen notleidende Italiener und ganz Südeuropa. Lässt der Norden den Süden im Stich?

EIN GARTEN VOLL KRAUT UND UNKRAUT


Thesy Kness-Bastaroli über die noch unabsehbaren Folgen des Coronavirus für die Luxusgüterbranche in Italien. Auch der Tourismus und die Kfz-Branche sind betroffen Mailand – Stardesigner Giorgio Armani hat mit seiner Modenschau am vergangenen Sonntag die Mailänder Fashion Week beendet. Die Schau fand vor Ausschluss der Öffentlichkeit statt (hier zum Video). Das hat es in der über 40-jährigen Karriere des Mailänder Modezaren noch nie gegeben. „Mir ist die Gesundheit meiner Kunden wichtiger als etwaige Geschäfte“, begründete der über Achtzigjährige seine Entscheidung. Armani zählt auch zu jenen Modeunternehmern, die Ihre Belegschaft derzeit  in Homework arbeiten lassen. Zumindest in den, vom Coronavirus gefährdeten Gebieten in und um Mailand.

KRANKHEIT UND KRISE



Thesy Kness-Bastaroli erinnert an die Zeitzeugin und Journalistin Lili Gutmann, Enkeltochter von Eugen Gutmann, dem Gründer der Dresdner Bank, und ihrem Kampf um das von den Nazis verhökerte Familienerbe Florenz/Mailand – Sie war jüdisch geboren, wurde evangelisch getauft, hatte katholische Kinder und heiratete zum Schluss noch einmal nach dem griechisch-orthodox Ritus. Im Leben von Lili Collas-Gutmann, am 17. Juli 1919  im niederländischen Leiden geboren, überschneiden sich religiöse, kulturelle und nationale Erfahrungen und formen das Bild einer wachen, mutigen Europäerin. Bis ins hohe Alter hatte sie nie Ihren Sinn für Entschlossenheit wie Gerechtigkeit verloren – und ihre offene, einnehmende Art mit Menschen umzugehen. Im Alter von 100 Jahren ist Lili jetzt am 29. Januar in Florenz gestorben.

WACH, OFFEN, MUTIG