EINE ART SPRACHE


„A Kind of Language“ – unter diesem Titel widmet sich die Fondazione Prada mit einer Ausstellung im Mailänder Osservatorio der Rolle des Storyboards in der Filmgeschichte mit Beispielen von den 1920er-Jahren bis heute

© Pablo Buratti / Fondazione Prada

Storyboard einer Ausstellung zum Storyboard – Pablo Buratti für die Fondazione Prada

Mailand (Osservatorio Prada) – Die Ausstellung „A Kind of Language“ untersucht den kreativen Prozess im Vorfeld des Filmemachens, indem sie Storyboards und andere Materialien wie Moodboards, Zeichnungen und Skizzen, Sammelalben und Notizbücher, kommentierte Drehbücher und Fotografien aus Filmen von Chaplin bis Anderson, von Pasolini bis Wenders präsentiert. Gezeigt werden Beispiele von den 1920er-Jahren bis heute von mehr als 50 Autoren, darunter Regisseure, Kameraleute, Künstler, Grafikdesigner, Animatoren, Choreografen und andere Personen aus dem Bereich der Film- und Videoproduktion.

Die Ursprünge des Storyboards sind mit der Entwicklung des Zeichentrickfilms zu Beginn des 20. Jahrhunderts verbunden. Ab den 1930er-Jahren beauftragten die Fleischer Studios und Walt Disney Productions Künstler mit der Erstellung von Skizzensequenzen und anderen visuellen Elementen für die Entwicklung der Handlung und die Definition der Figuren.  Das Storyboard wurde dann zu einem grundlegenden Instrument bei der Entwicklung von Kinofilmen, vom Zeichentrickfilm bis zum Realfilm. Heute ist das Storyboard nach wie vor der Wegbereiter für Animationsprojekte, wie die in der Ausstellung gezeigten vorbereitenden Zeichnungen von Hayao Miyazaki und Studio Ghibli zeigen, aber kommt auch in vielen Produktionen von Spielfilmen oder TV-Serien zum Einsatz.

© Piercarlo Quecchia (DSL Studio) / Fondazione Prada

Die Duschszene von Hitchcock „Psycho“ (1960) – Storyboard von Saul Bass

© Foto: Cluverius

Einstellung für Einstellung des Films „Train to Busan“ von Sang-ho-Yeon (2016) – Storyboard Kanghee Chang

Das Storyboard, so die Kuratorin Melissa Harris (Editor at large der New Yorker Aperture Foundation), spiele eine Schlüsselrolle in allen operativen Phasen eines Films: „Es setzt die Ideen des Regisseurs in Bilder um, liefert einen detaillierten visuellen Arbeitsplan für den Film und trägt zur Entwicklung der Charaktere, zum Aufbau der Szenen und zum Fortschreiten der Erzählung bei.“

© Piercarlo Quecchia (DSL Studio) / Fondazione Prada

Das Prada-Osservatorio unter dem Dach der Mailänder Galleria

Das Design dieser anregenden und gelungenen Ausstellung wurde von Andrea Faraguna vom Berliner Architekturbüro Sub entworfen. Die Ausstellungstische wirken wie Zeichentische und sind jeweils einem bestimmten Film mit einer Abfolge ausgewählter Szenen gewidmet. Bis September 2025 werden im Cinema Godard der Fondazione Prada (Largo Isarco) einige Beispielfilmen der Ausstellung gezeigt. Zur Ausstellung selbst ist eine Veröffentlichung der Reihe Quaderni der Prada-Stiftung mit einem Text der Kuratorin sowie einen visuellen Essay von Sub erschienen.

A Kind of Language: Storyboards and Other Renderings for Cinema. Kuratorin: Melissa Harris. Osservatorio Prada, Galleria Vittorio Emanuele II, Mailand. Bis 8.9.2025. Mo und Mi-Fr 14 – 20 Uhr, Sa-So 11 – 20 Uhr (Di geschl.).  Eintritt 10 Euro (Ticket und Info hier). Katalogheft „Quaderni“ 15 Euro.