DER DICHTER ALS FREIBEUTER
Pasolini 1: Kunst und Leben durchdringen sich. Notizen zur Aufnahme Pasolinis im deutschen Sprachraum. Ein Gastbeitrag von Peter Kammerer

Rom/Wien – Aus Anlass des 50. Todestages von Pier Paolo Pasolini (2. November) zeigt das Istituto Italiano di Cultura Wien die Ausstellung „Pier Paolo Pasolini (1922-1975) - Fotografie di Dino Pedriali”. Organisiert in Zusammenarbeit mit der Fondazione Luigi Rovati in Mailand und bis zum 2. November zu Gast im Metro Kinokulturhaus Wien werden 25 Fotografien von Dino Pedriali präsentiert, die Pasolini in seinem Haus in Chia und auf den Straßen von Sabaudia im Oktober 1975 abbilden. Unter den Stichworten Tod, Kino, Freibeuter, Dichter hat Peter Kammerer für den Katalog der Ausstellung einen Essay über die Aufnahme Pasolinis im deutschen Sprachraum geschrieben, den wir hier auf Cluverius dokumentieren:
weiter zum ArtikelDREISSIG JAHRE DANACH
Peter Kammerer erinnert in einem Gastbeitrag an den Umweltaktivisten und Pazifisten Alexander Langer (1946-1995), an die Gründung der deutschen Grünen und an die Notwendigkeit, Feindbilder zu unterlaufen.
Mailand/Rom – Der Südtiroler Alexander Langer wurde 1946 in Sterzing als Sohn eines jüdischen Vaters und einer katholischen Mutter geboren. Der Journalist, Politiker, Umweltaktivist und Mitbegründer der italienischen Grünen war ein Brückenbauer zwischen Kulturen und Sprachen. Im Gegensatz zur olympischen Anmaßung „citius, altius, fortius“ (schneller, höher, stärker) widmete er sich unter der Losung „lentius, profundius, suavius“ (langsamer, tiefer, sanfter) einem menschlichen und naturverbundenen Zusammenleben. Als Abgeordneter des EU-Parlaments setzte er sich besonders auf Reisen u.a. nach Israel, Russland, ex-Jugoslawien, Libyen, Ägypten, Zypern und Malta für den europäischen Friedensprozess ein. Er schied am 3. Juli 1995 in einem Olivenhain bei Florenz aus den Leben mit dem Wunsch „Macht weiter, was gut war.“ Peter Kammerer erinnert in seinem Gastbeitrag für Cluverius an den Freund und den Weggefährten.
weiter zum ArtikelDER EISBRECHER
Ein Knäuel von Geschehnissen: Umberto Nobile, das Schiff „Krasin“, Antonio Gramsci und Fotografien von Ursula Schulz-Dornburg. Ein Gastbeitrag von Peter Kammerer
Rom – In Zeiten allgemeiner Desorientierung, in denen gängige Narrative zu Sackgassen werden, aus denen herauszukommen verordnete Lesarten so wenig nützen wie das Pfeifen im Wald, wird Erzählen zur letzten Hilfe. Walter Benjamin, der in den 1930-er Jahren eine Krise des Erzählens diagnostizierte, liebte die Geschichten von Johann Peter Hebel. Eine beginnt mit dem programmatischen Satz: „Es ist nichts lehrreicher als die Aufmerksamkeit, wie in dem menschlichen Leben alles zusammenhängt, wenn man es zu entdecken vermag.“ In diesem Geist begann die Fotografin Ursula Schulz-Dornburg ihre Streifzüge durch die Geschichte der sich auflösenden Sowjetunion. Streifzüge, die zu einer Erzählung in neun kurzen Kapiteln (und ein Postskriptum) führen.
weiter zum ArtikelDIE DEMOKRATIE UND DIE ZAUBERLEHRLINGE
Peter Kammerer hat für die spannende Buchveröffentlichung „Geheimsache Italien“ von Giuliano Turone eine „Gebrauchsanweisung“ als Einleitung mit Seitenblicken auch nach Deutschland geschrieben. Hier Auszüge
Politik, Geld und Verbrechen: Titelseite des Corriere della Sera einen Tag nach dem 2. August 1980 als, wie heute sicher ist, Rechtsradikale einen Bombenanschlag auf den Bahnhof von Bologna verübt hatten mit am Ende 85 Toten und über 200 Verletzten
Mailand – Das Buch „Geheimsache Italien - Politik, Geld, Verbrechen“, das gerade im Verlagshaus Römerweg erschienen ist, behandelt die Vorgänge in Italien zwischen dem Ende der 1970er- und dem Anfang der 1980er-Jahre. Der ehemalige Staatsanwalt und emeritierte Richter des römischen Kassationsgerichtshofes Giuliano Turone geht in einer akribisch recherchierten und zugleich spannend zu lesenden Dokumentation auf Basis von juristischen Quellen den verbrecherischen und antiinstitutionellen Machenschaften nach, die Gesellschaft und Politik erschütterten und die Italien an den Rand einer Staatskrise führten. Der Autor nimmt den Leser mit auf eine nicht immer leicht zu verfolgende Erzählung zwischen u.a. der Geheimloge P2, organisierter Kriminalität und terroristischen Verbindungen. Die Originalausgabe des Buches erschien 2019 im Mailänder Verlag Chiarelettere. Peter Kammerer bahnt in einer der deutschen Übersetzung vorangestellten „Gebrauchsanweisung“ den Weg durch eine Fülle von Fakten und Beziehungen und schlägt Brücken auch zu deutschen Verhältnissen. Im Folgenden werden weite Abschnitte zitiert (und mit Zwischentiteln versehen).
weiter zum Artikel„IN MEINEM ROM“
Gastbeitrag: Zum Tod von Friedrich Christian Delius eine Grabrede von Peter Kammerer
Urbino/ Berlin – Friedrich Christian Delius, 28, Stipendiat der Villa Massimo in Rom, schrieb 1971 in einem Gedicht an Nikolaus Born: Mensch Born,/ wenn Du hierher kommst, wirst du das alles auch erleben,/ auf deine gute Bornsche Weise, aber/ ich schreib dir schon mal, was/ mir so durch den Kopf geht,/ wenn ich beispielsweise mit zwei, drei/ Briefen rüber zum Briefkasten an der Piazza Bologna geh./ In diesen/ Briefen habe ich geschrieben: alles ok, etwas vom Frühling,/ etwas vom Tischtennis und unserer Arbeit, und etwas, was wir hier/ in den Zeitungen lesen – FC arbeitete damals an der Fertigstellung von „Unsere Siemenswelt“. Er gab mir einen Durchschlag des Manuskripts zu lesen. Mir entging nicht die unmittelbar politische, wohl aber die große sprachliche Leistung dieser Satire und ihrer Methode der Enthüllung durch Nachahmung. Dann erteilte der Siemens-Konzern „den Linken aller Fraktionen“ Nachhilfeunterricht und strengte einen für den Autor existenzgefährdenden Prozess an. Beweis, „dass das Buch auch ganz nützlich ist“, hat er mir im Februar 1973, bei der Vorbereitung der bereits vierten Auflage geschrieben. Und wenige Wochen vor seinem Tod bemerkte er im Rückblick: Damals kämpfte ich darum, ein Autor zu werden und kein Feigling zu sein. Das Letztere wäre verständlich gewesen, passte jedoch nicht zu meiner protestantischen Prägung.
weiter zum Artikel»DAS SPIEL VON BEHAUPTUNG UND WIDERRUF«
Zwischen Ästhetik und Körper, zwischen Sprache und der physisch-erotischen Ebene. Vor 100 Jahren wurde Pier Paolo Pasolini geboren. Ein Gespräch mit Peter Kammerer.
Pier Paolo Pasolini: Selbstbildnis mit einer Blume im Mund 1947. Die Arbeit wird auf der Ausstellung in Rom "Pasolini pittore" in der GAM ab 14.10 zu sehen sein (Courtesy Gabinetto Scientifico Letterario G.P. Vieusseux).
Mailand/Urbino – Unter den vielen Jahrestagen, die von der italienischen Kultur in diesen Wochen mehr oder weniger feierlich aufgegriffen werden (Beppe Fenoglio, Renata Tebaldi, Giovanni Verga etc), sticht der 5. März heraus. Am 5. März 1922 wurde Pier Paolo Pasolini in Bologna geboren. Am 2. November 1975 wurde er unter bislang nicht restlich geklärten Umständen in Ostia ermordet. Der Intellektuelle (Schriftsteller, Essayist, Filmemacher, bildende Künstler), der offen seine Homosexualität ausgelebt hatte, liegt bis heute mit seinen Arbeiten als unabhängiger Marxist und Fortschrittskritiker wie ein Fremdkörper in der Geschichte der italienischen Kultur und Gesellschaft. Obgleich als Zeitzeuge unbestritten, galt und gilt er als Ärgernis. Dennoch war er vielen, wie Dacia Maraini („Pier Paolo, l’amico fragile“), Alberto Moravia oder Maria Callas, Freund.
weiter zum ArtikelUNTERWEGS NACH MANCHESTER
Barmen, Bremen und Berlin – Lehrjahre des jungen Friedrich Engels auf dem Weg zu Karl Marx und dem „Bund der Gerechtigkeit“. Ein Gastbeitrag von Peter Kammerer
Friedrich Engels (1820-1895) - Zeichnung von Alessandro Lonati in der Ausstellung "EngelsGesichter" in der Zentralbibliothek Wuppertal (bis 12.1.21)
Am 28. November 1820 wurde Friedrich Engels in Barmen geboren. Das Leben des jungen Engels bildet ein Muster, das sich anscheinend in jedem Jahrhundert wiederholt und immer wieder aktualisiert. Der Sohn einer wohlhabenden Familie widerspricht der vom Vater geplanten Bestimmung und wird zum Rebell. Mit Beben muss die Mutter in der Zeitung den Steckbrief lesen, mit dem er als Terrorist gesucht wird. Dieser geliebte Sohn verrät in ihren Augen Gott und den Glauben, in denen des Vaters Vernunft und soziale Ordnung. Selbst die Geschwister sind der Meinung, die hehren Ideale ihres ältesten Bruders führten ihn und die Gesellschaft nur ins Unglück. Er hört auf schlechte Freunde. „Ich wünschte, Du hättest den Marx nie gesehen“, schreibt Friedrichs Mutter Elise an ihren Sohn.
weiter zum ArtikelUNA VISIONE LUCIDA
Ella Baffoni e Peter Kammerer ricordano Aldo Natoli, un comunista senza partito
Roma - Aldo Natoli nacque a Messina il 20 settembre 1913. Laureatosi in medicina e chirurgia, fu inviato dall'Istituto italiano del cancro (presso l'ospedale regina Elena di Roma) all'Institut du cancer di Parigi nel 1939; fece da collegamento tra la centrale francese del PCI e l'interno, anche grazie al fratello maggiore Glauco Natoli, che in quello stesso periodo era incaricato di letteratura italiana presso l'Università di Strasburgo. Al rientro in Italia fu arrestato per attività clandestina insieme ad un gruppo di militanti di Avezzano (tra cui Bruno Corbi e Giulio Spallone) e condannato a cinque anni di carcere dal tribunale speciale per la difesa dello Stato. Dopo tre anni di reclusione a Civitavecchia, nel dicembre del 1942 fu scarcerato grazie al provvedimento di amnistia e indulto del 17 ottobre 1942 e partì militare. Dopo l'8 settembre 1943 entrò a far parte dell'organizzazione militare del Comitato di Liberazione Nazionale, fondando con Mario Alicata la redazione clandestina de L'Unità.
weiter zum ArtikelPAOLO CINANNI - UN ALLEATO PREZIOSO
Importante il suo impatto nel dibattito nazionale e internazionale sia sull’emigrazione, sia sulla questione contadina nel secolo passato. Peter Kammerer ricorda un dirigente politico, testimone, narratore e pittore nonché studioso di primissimo ordine.
Costretti all'emigrazione. Difficile immaginarsi la situazione reale nella quale vivevano allora i contadini del Sud.
Urbino/Roma - Paolo Cinanni (1916-1988) è una figura emblematica per capire il “secolo breve” in Italia, in particolare il rapporto Nord-Sud e l’emigrazione di massa che dal Sud d’Italia si indirizza non solo verso il Nord, ma raggiunge, si può dire, tutte le parti del mondo. Il volume Emigrazione e imperialismo (1968), l’opera principale di Cinanni, tradotto in varie lingue, porta la dedica: “A mio padre, emigrato per ben sei volte oltreoceano, che ho conosciuto all’età di nove anni e per pochi mesi soltanto, prima che morisse del male contratto nell’emigrazione” . È il riassunto telegrafico di una tragedia, ma anche di una epopea calabrese e italiana che coinvolgerà Paolo per tutta la sua vita come dirigente politico, testimone, narratore e pittore nonché studioso di primissimo ordine.
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