Literatur


Zwei Autorinnen und ein Autor des Jahres 2022: Esther Kinsky, Giulia Caminito und Emilio Lussu. Tipps auch für Geschenke Mailand – Drei Bücher aus (bzw. über) Italien fallen aus dem breiten Angebot der Titel des Jahres 2022 heraus. „Rombo“ von Esther Kinsky, „Das Wasser des Sees ist niemals süß“ von Giulia Caminito (Übersetzung von Barbara Kleiner) und „Marsch auf Rom und Umgebung“ von Emilio Lussu (Nachwort und Übersetzung von Claus Gatterer). Es geht um unser Verhältnis zur Natur, zur Gesellschaft, zu Politik und Geschichte. Es sind drei Bücher, in denen Erinnerung eine Hauptrolle spielt. Drei Bücher, in denen Genres sich mischen. Drei Bücher, die zu lesen (und zu verschenken) sich lohnt.

ITALIENISCHE ERSCHÜTTERUNGEN


Wieder aufgelegt: „Irrläufe – Hundert Romane in Pillenform“ von Giorgio Manganelli. Mit Vermutungen, Lügen und Phantasien tummelt sich der Autor in den künstlichen Paradiesen der Kunst Mailand – In einer Zeit, in der Bücher von Verlagen schnell auf den Markt geworfen werden, um noch schneller wieder aus dem Blick und aus den Buchhandlungen zu verschwinden, wird eine Neu- oder Wiederauflage zu einem Akt kulturellere Resistenz und Resilienz. Wagenbach, von Anfang an eine Art Stolperstein in der deutschen Verlagslandschaft, übt sich erfolgreich in dieser Praxis. Jetzt mit „Irrläufe – Hundert Romane in Pillenform“ von Giorgio Manganelli (1922-1990). Die italienische Originalausgabe erschien 1979, die deutsche Übersetzung durch Iris Schnebel-Kaschnitz (1928-2014) in der Wagenbach-Reihe Quartheft ein Jahr später. Der Verlag bringt Manganellis erfolgreichstes Buch jetzt im schönen Azzurro und im eleganten Format der neuen Reihe Oktavheft heraus. In der werden „vergessene sowie nie oder neu übersetzte moderne Klassiker, literarische Schwergewichte mit kenntnisreichen Vor- oder Nachworten versehen“ wieder vorgelegt. (Siehe auf Cluverius auch „Eine Privatsache“ von Beppe Fenoglio)

LUXUSBORDELL FÜR KEUSCHE HERREN



Gastbeitrag: Zum Tod von Friedrich Christian Delius eine Grabrede von Peter Kammerer Urbino/ Berlin – Friedrich Christian Delius, 28, Stipendiat der Villa Massimo in Rom, schrieb 1971 in einem Gedicht an Nikolaus Born: Mensch Born,/ wenn Du hierher kommst, wirst du das alles auch erleben,/ auf deine gute Bornsche Weise, aber/ ich schreib dir schon mal, was/ mir so durch den Kopf geht,/ wenn ich beispielsweise mit zwei, drei/ Briefen rüber zum Briefkasten an der Piazza Bologna geh./ In diesen/ Briefen habe ich geschrieben: alles ok, etwas vom Frühling,/ etwas vom Tischtennis und unserer Arbeit, und etwas, was wir hier/ in den Zeitungen lesen –  FC arbeitete damals an der Fertigstellung von „Unsere Siemenswelt“. Er gab mir einen Durchschlag des Manuskripts zu lesen. Mir entging nicht die unmittelbar politische, wohl aber die große sprachliche Leistung dieser Satire und ihrer Methode der Enthüllung durch Nachahmung. Dann erteilte der Siemens-Konzern „den Linken aller Fraktionen“ Nachhilfeunterricht und strengte einen für den Autor existenzgefährdenden Prozess an. Beweis, „dass das Buch auch ganz nützlich ist“, hat er mir im Februar 1973, bei der Vorbereitung der bereits vierten Auflage geschrieben.  Und wenige Wochen vor seinem Tod bemerkte er im Rückblick: Damals kämpfte ich darum, ein Autor […]

„IN MEINEM ROM“


Die Deutsch-Italienische Kulturbörse in Düsseldorf – ein Beitrag zur Völkerverständigung und für den Frieden in Europa Mailand/Düsseldorf – Die Vereinigung Deutsch-Italienischer Kultur-Gesellschaften (VDIG) veranstaltet seit 1989 in der Regel alle zwei Jahre eine Kulturbörse zur Begegnung von Italienern und Deutschen im europäischen Kontext. In diesem Jahr findet sie vom 10. Bis 12. Juni in Düsseldorf statt. Ausrichter der XVI. Kulturbörse 2022 sind gemeinsam mit der VDIG drei ehrenamtlich arbeitenden Deutsch-Italienischen Gesellschaften: DIG Düsseldorf, Italia Altrove und der Verein Düsseldorf Palermo. „Wir alle sind überzeugte Europäer und leisten unseren Beitrag für Europa, indem wir hier die italienische Sprache und Kultur vermitteln und uns inspirieren lassen von dem, was der jeweils andere zu bieten hat.“ So die VDIG-Präsidentin Rita Marcon-Grothausmann zur diesjährigen Veranstaltung. Etwa 150 Gäste aus Deutschland und Italien wollen bei der Kulturbörse über gemeinsame Arbeitsansätze und deren Entwicklung in der Zukunft diskutieren.

Sprache und Kultur



Die Inszenierung des Teatro Elfo Puccini verwandelt die Tragödie des Ödipus in ein faszinierendes Kaleidoskop von Traumbildern Mailand (Teatro Elfo Puccini bis 14.4.) – Das ist die Fabel eines Jungen aus einer Hirtenfamilie, der das Böse besiegt, die Stadt befreit, dafür zu ihrem König ernannt wird und die schöne Witwe des vorherigen Königs zur Frau bekommt. Die Fabel schlägt aber um in eine Katastrophe, als der König Ödipus erfährt, dass er, wie vom Orakel vorhergesehen, der Mörder seines Vaters ist und schließlich sogar seine eigene Mutter geheiratet und mir ihr Kinder erzeugt hat. Der mythische Stoff ist von Sophokles in „König Ödipus“ (um 429 v. Chr.) als klassische Tragödie gestaltet worden mit der Botschaft, dass es unmöglich sei, seinem Schicksal zu entkommen. Die Bearbeitung durch Ferdinando Bruni und Francesco Frongia am Mailänder Teatro Elfo Puccini geht über Sophokles hinaus und führt einen Ödipus vor, der sich dem Mythos in von Form Traumgestalten erwehren will, aber schließlich in der unmöglichen Wahl zwischen Freiheit und Notwendigkeit gefangen bleibt.

Im Theater: Edipo Re. Una favola nera.