RÄUME DES ZUHÖRENS

    Biennale (1): Die 61. Internationale Kunstbiennale Venedig setzt auf leise Töne und spiegelt in ihrer Hauptausstellung vor allem die Vielfalt des Globalen Südens, während die Länderpavillons auf der Suche nach einer eigenen Rolle sind

    © Cluverius

    Mensch und Natur: Der US-Amerikaner Nick Cave prägt die Hauptausstellung mit sieben Skulpturen (Bronze/ diverse Materialien), die verschiedene Phasen einer Trauerarbeit symbolisieren - hier seine Arbeit am Hafenbecken des Arsenal

     Venedig – Der Trubel im Vorfeld der 61. Kunstbiennale hat sich gelegt. Abgesehen von verstärkten Sicherheitsmaßnahmen etwa vor dem Pavillon Israels oder vor dem geschlossenen Russlands mit einem kuriosen Monitorprogramm davor (siehe hier auf Cluverius) pflegt die internationale Kunst und Kultur ihren Auftritt. Sie tut das nach dem diesjährigen Motto der Biennale „In Minor Keys“, in leiseren „Moll-Tönen“. So wie es sich die Kuratorin Koyo Kouoh (Kamerun/Schweiz) gewünscht hatte, die im Mai vergangenen Jahres im Alter von 57 Jahren unerwartet verstarb. Ein noch von ihr eingesetztes Mitarbeiterteam konnte zwar ihre Vorbereitungen konzeptionell erfolgreich zu Ende bringen, doch begann diese Biennale mit einem Hauch von Trauer.

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    AUFERSTANDEN AUS RUINEN

    Biennale (2): Der Deutsche Pavillon unter ostdeutscher Perspektive - spielerisch und bedrückend zugleich

    © Cluverius

    Neue Haut aus alte Steinen: Der Deutsche Pavillon im ostdeutschen Gewand

    Venedig – Der erste Blick irritiert. Der Deutsche Pavillon der Biennale 2026 zeigt sich namenlos ohne den gewohnten Schriftzug „Germania“ und in anderem Gewand. Das Gebäude – 1909 als Bayrischer Pavillon errichtet und ab 1912 als Deutscher genutzt – war 1938 von den Nationalsozialisten im monumentalen Stil umgebaut worden. Seitdem ihn die Bundesrepublik betreibt, hat es etwa mit dem aufgebrochenen Fußboden des Konzeptkünstlers Hans Haacke 1993 unterschiedliche Versuche gegeben, sich mit der Ästhetik der NS-Vergangenheit auseinanderzusetzen. Jetzt tritt er uns identitätslos und in einer schmutzig verwaschenen Haut aus rund drei Millionen Mosaiksteinen gegenüber. Die wurde der Fassade eines von Abriss bedrohten Ostberliner Plattenbaus samt aufgesprayten Graffitis nachgebildet. Aus dem Deutschen ist ein Ostdeutscher Pavillon geworden.

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    DAS EIGENE SCHICKSAL IN DIE HÄNDE NEHMEN

    Die erste vollständige deutsche Übersetzung des Bandes mit Erzählungen von Beppe Fenoglio „Die 23 Tage der Stadt Alba“ im Wagenbach Verlag unterstreicht nicht nur die bedeutende Rolle des Autors als literarischer Zeuge der Resistenza, sondern auch die Aktualität der Auseinandersetzung mit dem italienischen Widerstand.

    "Der Nachmittag wurde zur Feierstunde erklärt, die Menschen strömten in die Cafés und gaben den Partisanen Getränke aus." - Skizze der Skyline von Alba

    Mailand/Turin – „Alba nahmen sie mit zweitausend am 10. Oktober ein und verloren es mit zweihundert am 2. November des Jahres 1944.“ So beginnt die Titelgeschichte „Die 23 Tage der Stadt Alba“ einer Sammlung von Erzählungen von Beppe Fenoglio aus dem Jahr 1952. Sie vereint Geschichten der Zeit des Widerstands in Italien gegen Faschismus und deutsche Besatzung 1943-45 mit weiteren Prosatexten über die Jahre unmittelbar nach Kriegsende. Anti-heroische Episoden der Resistenza werden so durch Schilderung des Alltags und der Widersprüche der folgenden Friedensjahre ergänzt. Der Berliner Verlag Klaus Wagenbach hat sie jetzt in seiner Reihe „Klassiker und Wiederentdeckungen“ in einer ersten vollständigen Übersetzung zusammen mit einem gründlichen Nachwort und einem hilfreichen Glossar zum historischen Hintergrund herausgegeben.

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    DUR STATT MOLL

    Die Kunstbiennale, die unter dem Motto „In Minor Keys“ auf der Suche nach leisen Tönen sein will, startet unter ziemlich lauten Vorzeichen.

    © Cluverius

    Proteste und Polizei vor dem Beitrag aus Israel bei der Vorbesichtigung der Biennale

    Venedig – Bei der Kunstbiennale Venedig, die am Samstag den 9. Mai offiziell eröffnet wird, haben die Tage der Vorbesichtigung begonnen. Von Protesten begleitet wurde jetzt der russische Pavillon „eröffnet“, der aber übermorgen zu Beginn der Biennale wieder geschlossen wird. Die internationale Preisjury, die die Gewinner der Goldenen Löwen ermitteln sollte, ist zurückgetreten, nachdem sie zunächst angekündigt hatte, Russland und Israel von der Preisvergabe auszuschließen. Die Goldenen Löwen sollen jetzt durch ein Publikumsvotum vergeben werden. Südafrika hat die Künstlerin, die im Pavillon des Landes auftreten sollte, aus dem Haus gejagt, weil sie sich mit ihren Arbeiten zu sehr mit den Folgen des Gazakrieges beschäftigt habe und deshalb „einen gespaltenen Beitrag“ leisten würde. Der Iran hat in diesem Jahr ganz auf eine Beteiligung verzichtet. Die Wellen schlagen hoch in der Lagunenstadt.

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    DIE BÜHNE ALS PIAZZA

    100 Jahre nach der Geburt von Dario Fo und zehn Jahre nach seinem Tod feiert Italien einen „Giullare e Pittore“, einen „Gaukler und Maler“, wie es auf seinem Grabstein steht – aber es bleibt nicht viel mehr als Erinnerung

    ©  Ciminaghi / PiccoloTeatroMilano

    Der Anfang einer langen Karriere: Dario Fo auf der Bühne des Piccolo Teatro in der satirischen Revue "Il dito nell'orecchio" (1953 zusammen mit Franco Parenti und Giustino Durano)

    Mailand – So ein Datum konnte man einfach nicht übersehen: Am 24. März vor 100 Jahren kam Dario Fo auf die Welt. Der beliebte Schauspieler, volkstümliche Autor und gesellschaftlich engagierte Künstler war bis kurz vor seinem Tod im Oktober 2016 in der italienischen Öffentlichkeit präsent. So gab es jetzt für den Literaturnobelpreisträger von 1997 eine Reihe Veranstaltungen in Rom (Teatro Sistina), Mailand (Piccolo Teatro) oder an verschiedenen Orten mit Initiativen der Familienstiftung, der Fondazione Fo-Rame. Gefeiert wurde der kritische Geist, Querdenker und Theatermacher meist alleine, manchmal auch zusammen mit seiner Partnerin Franca Rame (1929 – 2013). Und was besonders im Ausland übersehen wird, erinnert wurde ebenso an den Autor von Dutzenden Lieder- und Songtexten (Musik oft von Fiorenzo Carpi). Die Stadt Mailand widmete Dario und Franca jetzt eine Gedenktafel an ihrer langjährigen Wohnstätte in der Via Porta Romana.

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    EIN MOSAIK VON EINDRÜCKEN

    Das Italien der ersten Italiener – Eine Ausstellung in Novara porträtiert die Entstehung einer Nation mit Arbeiten der bildnerischen Kunst und unterstreicht so den Reichtum des Kulturangebots Italiens auch abseits der Metropolen

    © Cluverius

    Unterwegs im auf den Spuren des jungen Nationalstaates Italien - hier mit Arbeiten von Pio Joris (Piazza Navona um 1900) und Adolfo Tommasi (Piazzale Michelangelo 1883)

    Mailand/Novara – Wer sich Ende März oder über Ostern im westlichen Norditalien aufhält, kann in der alten Bischofsstadt Novara die Ausstellung über „L’Italia dei primi Italiani“ (Das Italien der ersten Italiener) besichtigen. Es geht, wie es im Untertitel heißt, um ein „Porträt einer gerade geborenen Nation“. Präsentiert werden über 70 Arbeiten der figurativen Malerei von den 1860er-Jahren bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Künstlerische Perspektiven wechseln mit geografischen und bilden ein Mosaik von Eindrücken, die sich in den Köpfen der Beobachter vielleicht zu ganz verschiedenen Gesamtbildern zusammensetzen – und damit der Vielfältigkeit Italiens und seiner jüngeren Geschichte entsprechen.

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    BUONGIORNO!

    Das Piccolo Teatro holt das Kino auf die Bühne und inszeniert den Filmklassiker „Miracolo a Milano“ aus den 1950er-Jahren für das Theaterpublikum von heute – und spiegelt zugleich die gegenwertige Stadtentwicklung in jener der Vergangenheit

    © Foto Master Pasquali / Piccolo Teatro

    Giulia Lazzarini (Lolotta) und Lino Guanciale (Totò): Die Lust, eine alte Geschichte neu zu erzählen

    Mailand – Als der Film „Miracolo a Milano“ von Vittorio De Sica und Cesare Zavattini 1951 in die Kinos kam, reagierte die Kritik gespalten. Einerseits war der fabelhafte Charakter dieses „Wunders von Mailand“ verdächtig und wurde als sozial vertröstend kritisiert. Anderseits wurde das Märchenhafte als Überwindung eines inzwischen steril empfunden Neorealismus gefeiert und die „favola bella“ als der Traum einer besseren Welt. 75 Jahre danach holt das Piccolo Teatro das Kino von einst in einer theatralischen Bearbeitung auf die Bühne. Mit vielen Einspielungen von Filmsequenzen, aber auch mit Videobildern der Metropole von heute, möchte die Inszenierung von Claudio Longhi eine Hommage an Mailand sein und zugleich einen kritischen Blick auf die Gegenwart bieten.

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    WENN DIE FINSTERNIS SICH VERFLÜCHTET

    Vage Erinnerungen bei einem Tötungsdelikt und die Lebenskrise eines Anwalts in dem Roman „Der Horizont der Nacht“ von Gianrico Carofiglio. Im Gespräch unterstreicht der Autor die Bedeutung des Zweifels

    © Cluverius
    Der Horizont, die Linie, die Himmel und Erde trennt, nachts ist er nicht zu sehen. "Existiert er also nicht?" fragt sich der Protagonist im Roman von Gianrico Carofiglio. Oder müssen wir uns etwas denken, um uns etwas, das wir nicht sehen können, zu vergewissern? Zweifel kommen auf (-malerische Skizze HK)

    Mailand/Bari – Eigentlich ist das Fall von Anfang an klar, der sich in Bari, der Regionalhauptstadt Apuliens, abgespielt hat. Täterin und Opfer sind bekannt. Eine Frau, Elvira, hat den gewalttätigen Liebhaber ihrer Zwillingsschwester erschossen, die wenig zuvor aus Verzweiflung den Freitod gesucht hatte. Doch für den Anwalt Guido Guerrieri ist es nicht klar, ob Elvira vorsätzlich getötet hat oder ob sie, wie sie später behauptet, im Laufe einer Auseinandersetzung aus Notwehr gehandelt habe. Zeit und Erinnerung werfen Fragen auf. Ihre Beantwortung wird in einem Prozess über das Strafmaß und damit über die zukünftigen Lebensumstände von Elvira entscheiden. Das ist der kriminalistische Spannungsbogen in dem Roman „Der Horizont der Nacht“ von Gianrico Carofiglio, den Verena von Koskull im Folio Verlag aus dem Italienischen übersetzt hat.

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    SPORT UND KULTUR

    Während der Winterspiele unterstreicht Mailand seine Stellung als internationale Metropole der schönen Künste u.a. mit Ausstellungen im Palazzo Reale. Eine über drei Regionen diffus gestreute „Kulturolympiade“ kommt dagegen nicht über lokale Bedeutung hinaus

    © Cluverius

    Bereit zum Schlagabtausch - "Pugliatrice" (1926, Ausschnitt) ein Gemälde aus der Geschichte der olympischen Spiele von Giacomo Gabbiani der Fondazione Rovati

    Mailand –  Auf einer Amphore aus dem 6. Jahrhundert vor Christus ist ein Diskuswerfer abgebildet. In der Nachbarvitrine liegt ein Staffelstab aus Aluminium mit Autogrammen der italienischen Athleten, die bei den Olympischen Spielen Tokio 2020 Gold gewinnen konnten. Daneben ist ein Lekythos, eine Ölkanne der ersten Hälfte des 5. Jahrhundert vor Christus zu sehen, die mit der Darstellung von Läufern verziert ist. Dann rückt das Gemälde einer Boxerin von 1926 ins Blickfeld. Mit einfachen, teilweise eindrucksvollen Belegen wird eine kleine, aber intensive Ausstellung ihrem Titel „Die Olympischen Spiele – Eine dreitausend Jahre lange Geschichte“ gerecht. Nur wenigen Veranstaltrungen, die zurzeit in Norditalien zu sehen sind, gelingt es, Sport und Kultur so zu verbinden wie diese Ausstellung in den eleganten Räumen der Mailänder Fondazione Rovati.

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    EINE STIMME GEBEN

    50 Jahre Radio Popolare di Milano. Der linke Mailänder Lokalsender gilt als Einzelfall im Panorama des unabhängigen und nichtkommerziellen Rundfunks in Europa. Doch Radiomacher wie Hörer werden immer älter.

    © Cluverius

    All you need is (Radio) Pop - Murales neben den Studios des Senders in der Mailänder Vorstadt

    Mailand – Rund zehn Jahre bevor in Deutschland private Radios neben den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Programme ausstrahlen konnten, begannen sich bereits in Italien private Sender als „radio libere“ neben der staatlichen RAI zu etablieren. Eine historische Entscheidung des römischen Verfassungsgerichts im Juli 1976 ließ die Ausstrahlung private Radioprogramme auf lokaler Ebene zu und legalisierte damit eine Reihe von Gründungen der Vorjahre. Dazu gehörte auch der Sender Radio Popolare in Mailand, der im Dezember 1975 gegründet ab dem September 1976 mit einem Vollprogramm auf Sendung ging. Während die meisten Radiostationen die Anfangsjahre dieser Entwicklung nicht überlebten, hat Radio Popolare nicht nur alle Krisen in der Medienlandschaft überwunden, sondern bis heute seinen Charakter als ein unabhängiger und gesellschaftspolitisch linksorientierter lokalverwurzelter Sender mit nationaler Ausstrahlung beibehalten.

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    TRILOGIE DER WIEDERKEHR

    In Deutschland eher am Rande wahrgenommen, in Italien ein Longseller: „Der wiedergefundene Freund“ des Stuttgarter Autors Fred Uhlman

    © York Museums Trust
    Jurist, Maler und Schriftsteller: Fred Uhlman (1901-1985), der vor den Nazis nach England floh und dort eine zweite Heimat fand - Ausschnitt aus seinem Gemälde "Coin de rue à St Servan (1949, York Art Gallery)

     Mailand – Was und wen lesen die Italiener? Alles mögliche, aber kaum Bücher aus dem deutschen Sprachraum. Die Literaturbeilage „tuttolibri“ der Turiner Tageszeitung „La Stampa“ hatte kürzlich eine Untersuchung zum vergangenen Jahr 2025 veröffentlicht. Unter den 100 meistverkauften Titeln finden sich vor allem italienische Autorinnen und Autoren, aber auch Übersetzungen aus vielen Sprachen – Spitzenreiter ist Dan Brown – allerdings keine einzige aus dem Deutschen. Die geringe Anerkennung deutschsprachiger Autoren in Italien beim breiten Publikum bestätigen regelmäßig die seit Jahren gemeinsam von den wichtigsten Tageszeitungen jeweils wöchentlich veröffentlichten Bestsellerlisten. Dennoch sind sie auch für eine positive Überraschung gut, die zwar nicht zu einer Übersetzung aus dem Deutschen, doch nach Deutschland, nach Stuttgart führt.

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    SUCHENDE STIMMEN

    Büchertipps für Weihnachten und zum Jahreswechsel: Giosuè Calaciura, Elsa Morante und Dacia Maraini erzählen in aktuellen Übersetzungen ihrer Arbeiten von Verletzlichkeit, Widerstand und Identitätsbildung

    © Cluverius
    Dacia Maraini: "Der Krieg war zu Ende, aber niemand kam, um uns abzuholen. (...) Wir lebten in einem Zwischenzustand, waren Freie und doch Gefangene eines Ortes, eines Raumes, ohne zu wissen, was wir mit uns anfangen sollten."

    Mailand  - Ich, der Sohn von Giosuè Calaciura (Edition Converso), Cara Elsa. Briefe von und an Elsa Morante (Verlag Klaus Wagenbach) und Ein halber Löffel Reis. Kindheit in einem japanischen Internierungslager von Dacia Maraini (Folio Verlag) – diese drei Bücher kreisen auf jeweils eigene Weise um Fragen von Identität, Herkunft und Selbstbehauptung. In unterschiedlichen Formen – Roman, Briefsammlung und autobiografischer Erinnerung – zeigen sie, wie fragile, suchende Stimmen inmitten von Krieg, Verfolgung und ideologischer Enge dennoch Würde und inneren Widerstand bewahren. Literatur erscheint hier nicht nur als ästhetische Praxis, sondern als Akt des Zeugnisses, der Erinnerung und des Überlebens. Drei Bücher als Empfehlung für die Weihnachtszeit und den Jahreswechsel zum Lesen und/oder zum Verschenken:

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    IM ZEICHEN DER FRAUEN

    Die Welturaufführung der Oper „Anna A.“ von Silvia Colasanti über Verfolgung, Verlust, Zensur im Leben der russischen Lyrikerin Anna Achmatova in der Mailänder Scala. Sprechtheater, musikalische Charakterisierung, Gesang und Video finden in der Regie von Giulia Giammona zu einer vielschichtigen Erzählform zusammen

    © Teatro alla Scala / Foto Brescia e Amisano

    Erinnerungsarbeit: Verschiedene Alterstufen der Anna Achmatova in unterschiedlichen Räumen und im Video

    Mailand (Teatro alla Scala) – Im Mittelpunkt der Oper Anna A. mit der Musik von Silvia Colasanti steht das Leben der Lyrikerin Anna Achmatova (1889 – 1966), die als bedeutendste Dichterin russischer Sprache im 20. Jahrhundert gilt. Die Oper, die jetzt an der Mailänder Scala ihre Welturaufführung erlebt hat, rückt flashartig Schicksalsschläge und dramatische Ereignisse ihres Lebens ins Licht. Die Inszenierung steht im Zusammenhang mit dem Jugendprogramm der Scala. Bei einigen Rollen kamen Solistinnen und Solisten der Musikakademie der Mailänder Oper zum Einsatz. Die Accademia Teatro alla Scala stellt auch das Orchester (Leitung durch die Deutsch-Russin Anna Skryleva) und den angegliederten Jugendchor, was zugleich den hohen künstlerischen Rang dieser in Italien einmaligen Institution unterstreicht.

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    LEICHT UND MÄRCHENHAFT

    Im Kino: Der Film „La vita va così” zeigt, wie sich ein Hirte auf Sardinien gegen Bauspekulanten aus Mailand wehrt. Eine Komödie von Riccardo Milani, in der sich Realität und Fabel mischen

    © Medusa Film

    Hirte (Giuseppe Ignazio Loi) und Unternehmer (Diego Abatantuono) - Begegnung am Strand

    Mailand (Cinema Palestrina) – Der Film La vita va così („So ist das Leben“) erzählt die Geschichte eines halsstarrigen Kleinbauern, der an der Küste Sardiniens eine groß angelegte Immobilienspekulation scheitern lässt. Die Handlung geht auf einen Fall zurück, der sich vor rund 15 Jahren an der Südküste Sardiniens unweit von Teulada abgespielt hat (- siehe unten den Hintergrund). Der römische Regisseur Riccardo Milani hat sie jetzt fürs Kino komödienhaft umgesetzt. In den Hauptrollen agieren Virginia Raffaele als Tochter des Hirten, Diego Abatantuono als Immobilienunternehmer und vor allem der Laiendarsteller Giuseppe Ignazio Loi, ein 84-jähriger sardischer Hirte ohne Schulabschluss, der zum ersten Mal vor der Kamera stand, in der Rolle des Efisio Mulas.

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    DEMOKRATIE ALS SOFTWARE

    Josiah Ober, Balzanpreis 2025, und aktuelle Auseinandersetzungen um kollektive Selbstbestimmung, Rechtsstaatlichkeit oder individuelle Freiheiten im Rückblick auf die Entwicklung der Demokratie im antiken Athen

    © Cluverius
    Demokratische Gesellschaft, Öffentlichkeit und Meinungsfreiheit - Parolen aus Venedig

    Mailand/Bern – Weltweit stehen demokratische Gesellschaftssysteme unter Druck. Von außen durch Krieg und Gewalt, im Inneren durch Populismus, Verzerrung der Informationen und autoritäre Tendenzen. Um aktuelle soziale und politische Umwälzungen besser zu verstehen, lohnt die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Demokratie. Gelegenheit dafür bot gerade die Verleihung der Balzanpreise 2025 in Bern u. a. an Josiah Ober (USA). Denn der emeritierte Professor der Stanford University wurde für „Altertumswissenschaften: Athenische Demokratie – neu betrachtet“ geehrt. Die Auszeichnungen der Internationalen Stiftung Balzan (Mailand/Zürich) werden jährlich im Wechsel in der Hauptstadt Italiens oder der der Schweiz vergeben. (Zu den anderen Preisträgern siehe hier)

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    TRÄUMERISCHE AUGEN

    Cremona macht mit einer Ausstellung den Renaissancemaler Boccaccio Boccaccino einer breiteren Öffentlichkeit bekannt

    © Galleria Uffizi Firenze/ Mostra Museo Diocesano Cremona
    Keine Madonna, sondern ein Zigeunermädchen ("La Zingarella") - eindrucksvolles Miniaturbild von Boccaccio Boccaccino (24 x 19 cm, Venedig um 1500/1506) in der dem Maler gewidmeten monografischen Ausstellung im Diözesanmuseum von Cremona

    Mailand - Bedeutende Sammlungen wie herausragende Einzelwerke in den Museen der großen Städte verstellen oft den Blick auf den kulturellen Reichtum des ländlichen Raums und seine Geltung für die italienischen Kunstlandschaften. Das unterstreicht gerade eine Ausstellung im Museo Diocesano der lombardischen Kreisstadt Cremona, die dem Maler Boccaccio Boccaccino (um 1462/66 bis 1525) gewidmet ist. 500 Jahre nach seinem Tod werden sechzehn von insgesamt rund dreißig bekannten Gemälden des Künstlers mit vorwiegend religiösen Motiven gezeigt. Sie belegen, wie der dem großen Publikum eher unbekannte Boccaccino nach einem wechselseitigen Leben zwischen Ferrara, Genua, Milano, Venedig und Rom in Cremona zur Ruhe kam und zwischen den Einflüssen zunächst aus der Emilia und dann der Schulen von Leonardo, Bellini oder Giorgione zu einem eigenen eindrucksvollen Stil fand.

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    DER DICHTER ALS FREIBEUTER

    Pasolini 1: Kunst und Leben durchdringen sich. Notizen zur Aufnahme Pasolinis im deutschen Sprachraum. Ein Gastbeitrag von Peter Kammerer

    © Dino Pedriali/Cineteca Bologna
    Dichter der Vielsprachigkeit der Welt: Pier Paolo Pasolini (1922 - 1975)

    Rom/Wien – Aus Anlass des 50. Todestages von Pier Paolo Pasolini (2. November) zeigt das Istituto Italiano di Cultura Wien die Ausstellung „Pier Paolo Pasolini (1922-1975) - Fotografie di Dino Pedriali”. Organisiert in Zusammenarbeit mit der Fondazione Luigi Rovati in Mailand und bis zum 2. November zu Gast im Metro Kinokulturhaus Wien werden 25 Fotografien von Dino Pedriali präsentiert, die Pasolini in seinem Haus in Chia und auf den Straßen von Sabaudia im Oktober 1975 abbilden. Unter den Stichworten Tod, Kino, Freibeuter, Dichter hat Peter Kammerer für den Katalog der Ausstellung einen Essay über die Aufnahme Pasolinis im deutschen Sprachraum geschrieben, den wir hier auf Cluverius dokumentieren:

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    DER AUTOR IM DIALOG

    Pasolini 2: Der kritischen Intellektuelle im Meinungsaustausch mit der Leserschaft einer kommunistischen Zeitschrift. Eine Auswahl seiner Texte ist jetzt zum ersten Mal auf Deutsch bei Wagenbach erschienen

    © Wagenbach
    Unterschiedliche Stimmen: Pasolini im Gespräch - Ein Still aus dem Film "Comizi d'Amore" (1964) als Titelfoto der deutschen Übersetzung

    Mailand - In den frühen 1960er-Jahren führte Pier Paolo Pasolini (1922 – 1975) einen Dialog mit Leserinnen und Lesern in der politischen, PCI-nahen Wochenzeitung Vie Nuove.  In seiner Kolumne antwortete der Schriftsteller und Filmemacher, der sich in jenen Jahren zwischen Accatone und Uccellacci e uccellini besonders mit Kinoproduktionen beschäftigte, auf Fragen aus allen Teilen der italienischen Gesellschaft: von Arbeitern, Studenten, Lehrern, Bauern und Parteifunktionären. Unter dem Titel „Dialoge mit Pasolini“ ist jetzt zum ersten Mal auf Deutsch eine repräsentative Auswahl dieser Texte erschienen - Cornelia Wild hat sie im Wagenbach Verlag herausgegeben und der Übersetzer Fabien Vitali die Anmerkungen erstellt.

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    AUS VERSCHIEDENEN BEREICHEN

    Zwischen neu interpretierter Altertumswissenschaft und hoffnungsvoller Gentherapie: Die Balzanpreise 2025 unterstreichen die Herausforderungen, denen sich die Wissenschaften heute in der Gesellschaft stellen müssen

    © Balzan.org
    Mit dem Balzanpreis ausgezeichnet: Der Immunologe Carl H. June, die Kunstwissenschaftlerin Rosalind Krauss, der Althistoriker Josiah Ober (alle USA) und der Physiker Christophe Salomon (Frankreich) - von oben links im Uhrzeigersinn

    Mailand – Jedes Jahr gibt die Internationale Stiftung Balzan (Mailand/Zürich) Anfang September die Namen der Persönlichkeiten bekannt, deren Forschungen mit dem Preis der renommierten Wissenschaftseinrichtung ausgezeichnet werden. In der Regel sind das je zwei in den Natur- und in den Geisteswissenschaften. In diesem Jahr 2025 werden geehrt: Josiah Ober (Stamford University, USA) für Altertumswissenschaften: Athenische Demokratie – neu betrachtet; Rosalind Krauss (Columbia University, USA) für Kunstgeschichte der Gegenwart; Christophe Salomon (Laboratoire Kastler Brossel Paris, Frankreich) für Atome und ultrapräzise Messing der Zeit; sowie Carl H. June (University of Pennsylvania, USA) für Gentherapie und genmodifizierte Zelltherapie. Die Preise sind mit je 750.000 Schweizer Franken (rund 800.000 Euro) dotiert, wobei nach der Satzung der Stiftung die Hälfte des Preisgeldes in weitere Forschungsprojekte investiert werden sollen, die von jungen Wissenschaftlern der jeweiligen Fachbereiche durchgeführt werden.

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    HINTERGRÜNDIGER WITZ

    Vor einhundert Jahren kam Andrea Camilleri auf die Welt, der im Alter zum Erfolgsautor und unermüdlichen Erzähler seiner sizilianischen Heimat wurde. Am Anfang stand dabei der kleine Roman „Der Lauf der Dinge“ – eine Kriminalgroteske, die den Ton  für viele weitere Bücher vorgab

    © lasiciliainrete.it

    Ein schwarzer Heiliger und in vielen Orten Siziliens verehrt: San Calogero unter dessen Zeichen auch Andrea Camilleri am 6. September 1925 in Sant Empedocle geboren wurde

    Mailand/Berlin – Der unglaubliche Erfolg, den Andrea Camilleri (1925-2019) mit seinen Romanen über den Commissario Montalbano hatte, stempelt ihn bis heute als Krimiautor ab. In Italien begann das 1994, im deutschen Sprachraum 1999. Aber der Autor, der nach dem Ende einer Karriere mit Arbeiten bei Rundfunk, Fernsehen und Theater erst im Alter zum literarischen Schreiben kam, hatte auch eine Reihe historischer Romane hervorgebracht. Daran erinnert Wagenbachs Verlegerin Susanne Schüssler im Vorwort des jetzt wieder veröffentlichten kleinen Romans „Der Lauf der Dinge“ (Il corso delle cose), denn der Berliner Verlag hatte keinen geringen Anteil an der Verbreitung des „anderen“ Camilleri nördlich der Alpen. Wobei es in diesen historischen Erzählungen nicht an kriminalistischer Entdeckerfreude mangelt, wie die Montalbano-Reihe ebenso immer wieder Geschichte widerspiegelt und hier wie dort liebevolle Ironie eine Hauptrolle spielt.

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    ZELMIRA UND DIE ANDEREN

    In Pesaro wurde Bilanz des Rossini Opera Festivals 2025 gezogen - und ein Ausblick auf 2026 gegeben

    © ROF/Foto: Amati Bacciardi
    Vielbeachtet: Marina Viotti als Emma in der "Zelmira" (Dirigent Giacomo Scavolini, Regie Calixto Bieto)

    Pesaro – Die Messa per Rossini unter der Leitung von Donato Renzetti bildete den Abschluss der 46. Ausgabe des Rossini Opera Festivals (ROF) im Teatro Rossini. Der Abend war dem Andenken des Gründers und historischen Intendanten des Festivals Gianfranco Mariotti (1933-2024) gewidmet. Insgesamt gab es 42 Programmpunkte. Darunter eine vielbeachtete Neuinszenierung von Zelmira (ein Titel, der seit 2009 beim ROF fehlte) unter der Leitung von Giacomo Sagripanti und inszeniert von Calixto Bieito, der sein Debüt beim Festival gab. Es folgte als weitere Neuproduktion, L'Italiana in Algeri, unter der Leitung von Dmitry Korchak und der Regie von Rosetta Cucchi.

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    DER VERSTOHLENE BLICK

    Die Welt des Balletts in der kleinen aber feinen Ausstellung „Lo sguardo nascosto“ im Theatermuseum der Scala und das gleichnamige Buch des Bühnenfotografen Gérard Uféras

    © Teatro alla Scala /Foto Vito Lorusso
    Die Welt hinter dem Vorhang - Zugang zum Scalamuseum mit dem Hinweis auf die Ausstellung

    Mailand – Wer in diesem Sommer die lombardische Metropole besucht, kann noch bis Mitte September in dem Museum der Scala eine Entdeckung machen: Die kleine Ausstellung „Lo sguardo nascosto“ (Der verstohlene Blick) über die Welt des Balletts am Teatro alla Scala. Sie basiert auf Fotografien eines soeben erschienen gleichnamigen Buchs mit Arbeiten des französischen Bühnenfotografen Gérard Uféras. Der Wert der in diesem Band versammelten Bilder liegt vor allem in den Umständen ihrer Entstehung: Es handelt sich nicht um eine Fotoserie über das Ballettensemble der Mailänder Scala heute, sondern, wie Paolo Besana in einem Textbeitrag dazu schreibt, „um die Dokumentation eines Prozesses: Die ersten Aufnahmen stammen aus dem Jahr 2017. Im Laufe der Jahre kehrte Uféras regelmäßig zurück, fand Orte und Menschen wieder, schloss Freundschaften und näherte sich immer mehr den Geheimnissen der Ballettkompagnie vor allem hinter der Bühne.“ Neben einer Fotoauswahl zeigt die Ausstellung Kostüme historischer Aufführungen sowie Installationen der Papierkünstlerin Caterina Crepax.

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    RAU UND TROCKEN

    Der wiederentdeckte Roman „Trauben schwarz wie Blut“ von Livia De Stefani erzählt eine Familientragödie im mafiösen Klima der sizilianischen Gesellschaft im frühen 20. Jahrhundert

    "Heimtückische, boshafte Leute, starrköpfig wie Maultiere, reißend wie Falken, was habt ihr denn geglaubt?" - Vorspanntitel der historischen TV-Verfilmung des Romans von Livia De Stefani (RAI 1984) mit Lea Massari und Mario Adorf in den Hauptrollen

    Mailand/Karlsruhe – Der Roman „Trauben schwarz wie Blut“ von Livia De Stefani, den die Edition Converso in der neuen Übersetzung von Klaudia Ruschkowski herausgegeben hat, ist die Entdeckung dieses Sommers! 1953 in Italien erschienen, führt er Leserinnen und Leser in die sizilianische Gesellschaft im ländlichen Raum unweit von Palermo. Im Mittelpunkt stehen die Geschichte von Casimiro Badalamenti, einem arroganten und gewalttätigen Aufsteigertyp, der in undurchsichtige Geschäfte verstrickt ist, über die die „ehrenwerte Gesellschaft“, die Mafia, aus obskuren Gründen schützend die Hand hält. Und seine patriarchalische Beziehung zur fülligen, schlecht beleumdeten Concetta, die er herrisch kommandiert und sich zugleich von ihr, „einem Turm aus Fleisch“, angezogen fühlt, „wie eine Fliege vom Zucker“.

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    AUF DER SUCHE NACH ANTWORTEN

    Drei Ausstellungen in Mailand, ein weiteres Ausstellungsprojekt in Venedig und die Einrichtung eines Film Funds – die Fondazione Prada sprüht geradezu vor Aktivität

    © Ursula Schulz-Dornburg / Courtesy Fondazione Parda

    Die Kunst des Wartens - Bushaltestelle in Armenien. Foto von Ursula Schulz-Dornburg ("Transit Sites Armenia Echiniadzin Erevan" 2002) in der Ausstellung der Fondazione Prada über deutsche Fotografie des 20. Jahrhunderts ("Typologien")

    Mailand / Venedig – Ein Überblick über die Entwicklung der Fotografie im Deutschland des 20. Jahrhunderts („Typologien“ bis 14. Juli) sowie eine Monografie des belgischen Künstlers Thierry De Cordier („Nada“, bis 29. 9.) sind neben der festen Sammlung von Gegenwartskunst im Mailänder Hauptsitz der Prada-Kulturstiftung zu sehen. Im Osservatorio, den Ausstellungsräumen in der Galleria zwischen Domplatz und Scalaplatz, geht es derweil um die Rolle des Storyboards für Film- und TV-Produktionen („A Kind of Language“, bis 8. 9.). Und im venezianischen Sitz problematisiert Rem Koolhaas die Geschichte der visuellen Kommunikation mit Daten („Diagrams“, bis 24. 11.)

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    ÄRGER UND VERZAUBERUNG

    Paolo Rumiz unternimmt eine Reise durch das unterirdische Italien und erzählt in seinem Buch „Eine Stimme aus der Tiefe“ (Folio Verlag) ein Land, das weder geologisch noch gesellschaftlich zur Ruhe kommt

    © Gallerie d'Italia / Intesa SanPaolo

    „Als ob die Flammen die ganze Welt verbrennen wollten“ – Erinnerung an einen Ausbruch des Vesuvs. Darstellung von Andy Warhol (in der Ausstellung der Gallerie d’Italie, Milano, „Una collezione inattesa. La nuova arte degli anni sessanta“ der Bankgruppe Intesa SanPaolo bis 5. Oktober 2025)

    Mailand - „In Italien sind das Schöne und das Schreckliche – wie das Seismische und das Fruchtbare – kein Widerspruch, sondern eine geheimnisvolle, in den Eingeweiden der Erde verborgene Einheit.“ Von dieser These ausgehend macht sich der Schriftsteller und Journalist Paolo Rumiz  auf zu einer Reise durch sein Heimatland vom Süden in den Norden, von Sizilien bis Friaul. In seinem Buch "Eine Stimme aus der Tiefe" geht es an geologischen Verwerfungslinien zwischen der eurasischen und der afrikanischen Kontinentalplatte entlang. Ein Spannungsraum, in dem sich der Apennin aufgefaltet hatte, der in der Länge durch Italien verläuft. Dort, wo heute noch „Vulkane explosive Magmakammern speisen und in Höhlen menschlich anmutende Rufe ausgestorbener Lebewesen ertönen.“

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    DIE NATUR IM MITTELPUNKT

    Green City Italia, ein internationales Forum zum Thema Stadterneuerung und die Mailänder „Green Charta 2025“ unterwegs zu lebenswerten, widerstandsfähigen und gut vernetzten Territorien

    © Cluverius

    Frühling in Mailand - Eindruck aus der Biblioteca degli Alberi, einer Parkanlage in Nachbarschaft zur Regionalverwaltung der Region Lombardei, wo das "European Green City Forum" stattfand

    Mailand – Die 2010 gegründete Vereinigung Green City Italia hat ihr 15-jähriges Bestehen mit einem internationalen Forum unter der Schirmherrschaft der Stadt Mailand und der Region Lombardei gefeiert. Experten, Wissenschaftler, lokale Verwaltungsbeamte und Vertreter anderer europäischer stadtgrüner Vereine/Stiftungen diskutierten Anfang Juni das Themen Stadterneuerung zwischen Natur, Innovation und notwendiger Bürgerbeteiligung. Strategien und konkrete Lösungen im Zeichen der Nachhaltigkeit und Klimaresilienz standen dabei im Mittelpunkt. Am Ende der Veranstaltung wurde eine „Green Charta 2025“ mit neun Thesen über lebenswerte, widerstandsfähige und gut vernetzte Territorien verabschiedet (hier zum deutschen Text).

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    DREISSIG JAHRE DANACH

    Peter Kammerer erinnert in einem Gastbeitrag an den Umweltaktivisten und Pazifisten Alexander Langer (1946-1995), an die Gründung der deutschen Grünen und an die Notwendigkeit, Feindbilder zu unterlaufen.

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    Bücher von und über Alexander Langer

     

    Mailand/Rom – Der Südtiroler Alexander Langer wurde 1946 in Sterzing als Sohn eines jüdischen Vaters und einer katholischen Mutter geboren. Der Journalist, Politiker, Umweltaktivist und Mitbegründer der italienischen Grünen war ein Brückenbauer zwischen Kulturen und Sprachen. Im Gegensatz zur olympischen Anmaßung „citius, altius, fortius“ (schneller, höher, stärker) widmete er sich unter der Losung „lentius, profundius, suavius“ (langsamer, tiefer, sanfter) einem menschlichen und naturverbundenen Zusammenleben. Als Abgeordneter des EU-Parlaments setzte er sich besonders auf Reisen u.a. nach Israel, Russland, ex-Jugoslawien, Libyen, Ägypten, Zypern und Malta für den europäischen Friedensprozess ein. Er schied am 3. Juli 1995 in einem Olivenhain bei Florenz aus  den Leben mit dem Wunsch „Macht weiter, was gut war.“ Peter Kammerer erinnert in seinem Gastbeitrag für Cluverius an den Freund und den Weggefährten.

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    BÜHNENGEFLÜSTER

    Die Mailänder Scala, eine neue Spielzeit, eine Museumseinrichtung und eine Buchveröffentlichung über ihre Geschichte parallel zur Stadthistorie im Vorfeld der Feiern zur Gründung der Oper vor 250 Jahren

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    Strahlt weit über Mailand hinaus: Das Teatro alla Scala in dem 1778 von Giuseppe Piermarini errichteten Bühnenhaus an Stelle der Kirche S. Maria alla Scala

    Mailand – Das Teatro alla Scala, das Flaggschiff der italienischen Opernhäuser, hat mit einem Blick nach vorne die Spielzeit 2025/2026 vorgestellt, die am 7. Dezember mit “Lady Macbeth von Mzensk” von Dmitri Schostakowitsch mit Riccardo Chailly am Pult eröffnet wird. Zugleich lässt das Theater seine Vergangenheit aufleben: Im Mailänder Museo della Scienza e della Tecnologia erlebt ein Modul der alten hydraulischen Hebebühne, die von 1938 bis zum Umbau 2002 ihre Dienste tat, in einer festen Einrichtung seine Auferstehung. Zugleich untersucht eine prächtig ausgestattete Veröffentlichung („La Scala. Architettura e città“) die Beziehung der Bühne zur Stadt. Ein großes Ereignis wirft so seine Schatten voraus: In drei Jahren kann die Scala, die 1778 in dem nach Plänen von Giuseppe Piermarini errichteten Bühnenhaus eröffnet wurde, ihr 250-jähriges Bestehen feiern.

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    »ES WIRD HEISSER UND HEISSER«

    Biennale (2): Ein „Stresstest“ im deutschen Pavillon

    "Die Erde hat ein freundliches Gesicht, / So groß, dass man's von weitem nur erfasst " - dichtet Ringelnatz 1928. Heute ist dieses "freundliche Gesicht" in Gefahr und ein Umdenken muss sofort beginnen, wie ein Video im deutschen Pavillon unterstreicht

    Venedig: Der deutsche Beitrag zur Architekturbiennale 2025 widmet sich unter dem Titel „Stresstest” den dramatischen Auswirkungen der Erderwärmung auf das urbane Leben. Ein Video, das den weitläufigen zentralen Bereich des Pavillons raumhoch füllt, bringt es schnell auf den Punkt. Zuerst leuchtet unser Planet in harmonischem Blau. Dann folgen Aufnahmen von Platzanlagen in Berlin, Frankfurt oder München. Sie werden von Wärmebildern überlagert, die zeigen, wie Hitze sich über Glasfassade oder schattenlose Pflaster dramatisch ausbreitet.

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    MIT OPTIMISMUS NACH VORNE DENKEN

    Biennale (1): »Intelligens. Natural. Artificial. Collective.« Die Architekturbiennale Venedig 2025 propagiert eine Baukultur, die sich der Klimakrise stellt und sich den radikal veränderten Umweltbedingungen anpasst. Mehr als 300 Projekte mit über 750 Teilnehmer bilden dabei einen Ausstellungsparcours am Rande der Überschaubarkeit

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    Lithic Chords / Corda Litica – auf einer 21 Meter langen Basis aus verschiedenen Steinresten ist ein Stahlseil gespannt, dessen Schwingungen den Stein zum Klingen bringen. Die Installation ist eine Zusammenarbeit zwischen der Architektin Cristina Morbi (Studio Maetherea), dem Bauingenieur Francesco Banchini und dem Klangkünstler Andrea Granitzio sowie mit der Fondazione Sciola und spiegelt mit ihrem interdisziplinären Ansatz die weit über die Architektur hinaus verweisende Ausrichtung der Biennale (London, Mailand, Cagliari)

    Venedig (bis 23.11.25)  – Wer auf der 19. Architekturbiennale Modelle, Pläne, Fotos von Bauwerken sucht, wird es nicht leicht haben. Denn es geht im Arsenale, im Ausstellungsbereich der historischen Werftanlagen der Lagunenstadt sowie in den Giardini mit den nationalen Pavillons weniger um die Darstellung von Architektur, sondern um die kritische Auseinandersetzung mit ihr. So trifft man hier auf aufgerissene Böden und die Wiedernutzung alter Materialien etwa in dänischen Pavillon. Dort auf eine Art Mobile mit Abfällen verschiedener Baustoffen oder auf ein in allen Katastrophenfällen einzusetzendes Notzelt aus extrem leichten Material in der Seilerei des Arsenals.

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    ELEGANTES, LOCKERES HANDWERK

    Auf der Bühne: Die erfolgreiche Weltpremiere der Oper „Il Nome della Rosa“ mit der Musik von Francesco Filidei unter der Leitung von Ingo Metzmacher und der Regie von Damiano Michieletto in Mailand

    Foto: Brescia/Amisano © Teatro alla Scala

    Die Vision von Adso - Kate Lindsay in der Rolle des Adlatus von Guglielmo da Baskerville - einer der emotionalen Höhepunkte der Oper

    Mailand – Als das Teatro alla Scala die neue Oper „Il Nome della Rosa“ von Francesco Filidei mit nur vier Wiederaufnahmen nach der Weltpremiere am 27. April programmierte, geschah das vielleicht in einer Art Zurückhaltung. Immerhin birgt die absolute Neuheit einer Oper zeitgenössischer Musik für ein der Tradition verpflichtetes Haus wie die Scala ein gewisses Risiko. Doch die Vorsicht war unbegründet: Bereits im Vorfeld waren alle fünf Aufführungen der Auftragsarbeit der Scala und der Opéra national de Paris ausverkauft. Die Premiere wurde ein Erfolg beim Publikum wie bei der Kritik. Und lang anhaltender Beifall beschloss die Inszenierungen unter der musikalischen Leitung von Ingo Metzmacher und der Regie von Damiano Michieletto auch an den folgenden Abenden. Das ist auf der einen Seite sicher dem Libretto und der gelungene Übertragung eines so vielschichtigen Stoffs wie des berühmten Romans von Umberto Eco zu verdanken.

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    DER ERINNERUNG DER ANDEREN

    80 Jahre Kriegsende (2): Italien beginnt sich mit dem deutschen Widerstand auseinanderzusetzen, Deutschland tut sich immer noch schwer von Deserteuren der Wehrmacht zu erzählen, die aufseiten der italienischen Partisanen kämpften - neue Veröffentlichungen als Beiträge zum Aufbau einer europäischen Erinnerungskultur

    © ANPI/Patria Indipendente

    Deserteure der Wehrmacht 1944 bei den Partisanen der 19. Brigata Garibaldi im Piemont. Links Heinz Brauwers und Hans Jürgens.

    Mailand/Turin – 80 Jahre nach Kriegsende bleibt in Italien die Diskussion über die Rolle und die Bewertung der Resistenza und die Ereignisse der deutschen Besatzung lebendig. In den vergangenen Jahren wurde dazu in einigen Veröffentlichungen der Blick auf Deutschland und die Deutschen nicht nur auf die Täter gerichtet, sondern auch auf die, die gegen die Nazi-Diktatur opponiert hatten. Bei Laterza ist jetzt zum ersten Mal eine Art Gesamtüberblick über den deutschen Widerstand erschienen, der bereits im Titel eine gewisse Vorläufigkeit ausdrückt: „Storie della Resistenza tedesca“. Also „Geschichten“, nicht „Geschichte“ des Widerstands.

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    »DIE DEMOKRATIE HÄNGT VON UNS AB«

    80 Jahre Kriegesende (1): Italienische Debatten zum Jahrestag der Befreiung vom Nazifaschismus, die Rolle des antifaschistischen Widerstands und eine Veröffentlichung über die Geschichte der Resistenza des Historikers Santo Peli

    © Cluverius

    Aufmarsch zur großen Feier - Mailand Piazza Duomo 80 Jahre nach dem 25. April 1945

    Mailand – Am 25. April 1945 zogen Partisanen in das von den deutschen Truppen verlassene Mailand ein. Das Comitato di Liberazione Nazionale Altaitalia CLNAI (Nationales Befreiungskomitee Oberitalien), das in der Stadt seinen Sitz hatte, rief zum Aufstand in allen noch von Faschisten und Besatzern kontrollierten Gebieten und zu landesweiten Streiks auf. Der 25. April wurde dann 1946 unter der ersten Regierung von Alcide De Gasperi zum Nationalfeiertag erklärt, um die totale Befreiung des Staatsgebietes zu erinnern und zu würdigen. Die Resistenza, die Rolle des bewaffneten Kampfes in Italien, der mit der Besatzung des Landes durch die Wehrmacht am 8. September 1943 begonnen hatte, und die Bedeutung des Antifaschismus für die Herausbildung eines republikanischen und demokratischen Staates nach dem Krieg sind Themen, die in der historischen Entwicklung Italiens der Nachkriegszeit eine grundlegende Geltung haben. Sie werden auch jetzt zum 80. Jahrestag der Befreiung vom Nazifaschismus diskutiert, zumal das Land in einer Koalition mehrheitlich von der Partei Fratelli Italia regiert wird, die aus der neofaschistischen Nachfolgeorganisation MSI hervorgegangen ist.

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    DER TRAUM VON EINEM TURM

    Hartwig Heine, Soziologe und Herausgeber des Internetblogs „Aus Sorge um Italien“ ist in Hannover gestorben. Zusammen mit seiner Frau Marcella hat er sich unermüdlich für ein weltoffenes, im besten Sinne ‚neues Italien’ eingesetzt - wie Carl Wilhelm Macke in seinem Gastbeitrag erinnert

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    »Der von Hartwig Heine, seiner Frau Marcella und anderen Freunden aus Hannover 2009 unter dem Eindruck der Berlusconi-Politik gestartete Internet-Blog „Aus Sorge um Italien“ ist mir seit seinen ersten Ausgaben ein verlässlicher Führer, um mich in den dunkelsten Winkeln der italienischen Gegenwart nicht zu verlaufen.« - Pyramide von Mauro Staccioli auf Sizilien

    Hannover/Ferrara – Don Camillo, der ebenso fromme wie rauflustige  Dorfpfarrer und Peppone, der etwas tollpatschige, aber machtbewusste Provinzkommunist,  gibt es schon seit vielen Jahren nicht mehr. Sie existieren nur noch als Hauptdarsteller in nostalgischen Filmwiederholungen. Mein Italienbild haben die beiden für viele Jahre tief geprägt. In meiner Kindheit im katholischen Oldenburger Münsterland war Italien immer nur präsent durch Don Camillo, Peppone und den Papst im Vatikan. Und dann gab es da noch eine italienische Eisdiele „Rizzardini“, in der wir uns nach der Schule und nach der Tanzstunde trafen. In der Jukebox wählten wir in Dauerschleife die Schlager von  Bobby Solo, Rita Pavone, Adriano Celentano, Peppino di Capri oder auch Connie Francis. Die war zwar keine Italienerin, aber sich in ihren unglaublich kitschigen Liedern immer so präsentierte, als sei sie unter der Sonne Neapels geboren. Egal, für mich und viele meiner Freunde war das alles ‚Bella Italia‘, Pizza und Gelato.

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    DEN SCHMUTZ AKZEPTIEREN

    Mafia (2): Simonetta Agnello Hornby hat auf dem Hintergrund der Entwicklung Siziliens in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts eine Art kriminellen Bildungsroman geschrieben.

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    Palermo im Halblicht (gesehen vom Dach des Teatro Massimo) - zwischen den 1970er- und 1990er-Jahren Bühne für den Aufstieg der Corleonesen innerhalb der Cosa Nostra und Schauplatz blutiger Anschläge

    Mailand/Palermo – In dem Roman „Er war ein guter Junge“ (Folio Verlag) beschreibt Simonetta Agnello Hornby die Grauzone zwischen organisierter Kriminalität und der Zivilgesellschaft auf Sizilien. Die Autori erzählt vom Heranwachsen zweier Jugendlicher im südwestlichen Sizilien zwischen der Kleinstadt Sciacca und dem Dorf Pertuso Piccione – ein Fantasiename, hinter dem sich der Bergort Caltabellotta versteckt – und dem beruflichen Aufstieg der beiden. Der bringt sie zwischen den 1970er- und 1990er-Jahren gleichsam zwangsläufig in die Nähe zur Cosa Nostra. Wie Giovanni in einem Brief an seinen engen Freund Santino schreibt: „Wir beiden werden für uns und unsere Liebsten immer unser Bestes geben. Wenn man in dieser Welt Karriere machen will, muss man aber auch den Schmutz akzeptieren.“

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