DER PRIVATE BLICK

    Ein Buch und eine lohnende Ausstellung in Padua zum Leben von Vincent van Gogh, mit der ein Kritiker wie Marco Goldin seine langjährige Auseinandersetzung mit dem Künstler auf den Punkt bringt

    © Linea d'ombra

    Gegen Ende eines Lebens - Landschaft bei Saint-Rémy 1889 (Öl auf Leinwand 70,5 x 88,5 cm) aus der Ny Carlsberg Glyptotek Kopenhagen

    Mailand/Padua (bis 6. Juni) – Seit über 20 Jahren beschäftigt sich der Kunsthistoriker Marco Goldin mit dem Maler Vincent van Gogh (1853-1890). Der inzwischen 60jährige Goldin, der aus Treviso stammt, hat sich in Norditalien einen Namen mit Blockbusterausstellungen zu Künstlern der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert gemacht, also vor allem über Impressionisten, Spätimpressionisten und Expressionisten nicht nur aus Frankreich. In diesem Rahmen hat er konsequent seine Annäherung an van Gogh auch mit literarischen Texten vorangetrieben. Parallel zu der im vergangenen Herbst in Padua eröffneten – und dann wegen der Pandemie lange geschlossenen – Ausstellung Van Gogh. I colori della vita, veröffentlichte er beim Mailänder Verlag La nave di Teseo eine Art Biographie des Künstlers. Genauer gesagt auf Basis der umfangreichen Briefwechsel van Goghs eine autobiografia mai scritta („nie geschriebene Autobiographie“), wie es im Untertitel heißt. Das ist nun nicht das Buch zur Ausstellung, sondern man könnte eher umgekehrt von einer Ausstellung zum Buch sprechen.

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    EIN BATZEN GELD

    Italien erhält aus EU-Töpfen fast 6 Milliarden Euro für die Kultur

    © Cluverius

    Geld für Wiederbelebung alter Ortskerne - Tavole (Provinz Imperia)

    Mailand – Am EU-Aufbaufonds zur Wirtschaftshilfe in Pandemiezeiten partizipiert Italien mehr als jedes andere Land der Union: 191,5 Milliarden Euro plus eine Zusatzrate von 30 Milliarden, also insgesamt 221,5 Milliarden Euro sollen den kränkelnden Staat am Mittelmeer wieder auf die Beine bringen. Dabei spielen Kultur und Kulturtourismus im Land, wo die Zitronen blühen, keine geringe Rolle. Und so fließen auch Gelder in einen nationalen “Recovery Plan per la cultura”, einen Kulturaufbauplan, den das Kulturministerium federführend ausgearbeitet hat. 4,27 Milliarden Euro plus in einem zweiten Moment weitere 1,46 Milliarden sollen Aktivitäten auf vier Feldern fördern.

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    STILLE TAGE IM APRIL

    Wie Mailand auf ein neues Designmuseum hofft, das ein Zeichen neuer Nachdenklichkeit setzen will, während der "Fuorisalone" nur digital stattfinden kann 

    © Cluverius

    Warten auf Eröffnung - Neues Designmuseum in einem ehemaligen Depot für die Mailänder Pferdebahn

    Mailand - Nach der Pandemie ist vor der Pandemie – oder wird dann nichts mehr so sein, wie es vorher war? Die Stimmung in der italienischen Architektur- und Designszene schwankt zwischen neuem Denken und die Hoffnung, den Boden nicht unter den Füßen zu verlieren. Und hier richten sich alle Blicke auf Mailand, das mit seinen Möbel- und Einrichtungsbetrieben in der Stadt und in der Region, seinen Architekturbüros sowie seinen Ausbildungs- und Ausstellungseinrichtungen für eine in der Welt wohl einmaligen Verzahnung von Unternehmen, Planern/Gestaltern und Kommunikatoren steht. Doch vielen Betrieben steht wirtschaftlich das Wasser bis zum Hals, Schulen und Akademien halten sich mühsam mit Distanzunterricht am Leben und Einrichtungen wie der Salone der Mobile, der im vergangenen Jahr ganz ausgefallen war, musste 2021 vom traditionellen Apriltermin auf den Spätsommer (5. bis 10.9.) verschoben werden.

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    In Venedig

    © Wikipedia

    Venezianische Oase: Die Giardini Reali im Rücken des Markusplatzes

    Venedig Anfang April – Aufatmen, Luftholen, Frühling nach dem langen Winter der Pandemie. Auch wenn die Lagunenstadt kulturell weiterhin im Dornröschenschlaf vor sich hindämmert und viele Einrichtungen zu Ostern geschlossen sind. Die Natur ist dagegen aufgewacht in einem neuen alten Garten: in den Giardini Reali, die im Rücken der Procuratie Nuove sich längs der Uferbefestigung beim Anleger S.Marco erstrecken. Ein Garten, den Touristen meist (noch) übersehen, weil sie es eilig haben, auf den Markusplatz zu kommen, statt in diese Oase der Ruhe einzutauchen. Narzissen und Tulpen blühen unter Feigenbäumen, Glyzinien leuchten an einer alten Pergola, bedächtig schwanken Bambusblätter. Steineichen werfen Schatten, Bitterorangen glänzen unter blauem Himmel und eine immergrüne Lorbeerhecke schützt wie ein natürlicher Deich vor der Lagune und dem – in covidfreien Zeiten hektischen – Treiben am Uferweg.

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    „DIE FRAU IST KEIN MÖBELSTÜCK“

    Eine Installation des Designers Gaetano Pesce ("Maestà sofferente") wird von italienischen Feministinnen als frauenfeindlich kritisiert

    © Ferrara bynight/Rubbini

    Die Installation "Maestà sofferente"von Gaetano Pesce vor dem Messegelände von Ferrara

    Mailand/Ferrara – Die Formung ist weiblich rund, weich und hat etwas Beschützendes. Doch sie ist verletzt durch Hunderte von Feilen, die in ihr stecken. Die überdimensionale, acht Meter hohe Installation von Gaetano Pesce trägt den Namen „Maestà sofferente“ – die „leidende Majestät“, oder die „leidende Würde“. Zur Installation von Pesce gehören eine ebenso überdimensionale Kugel, die an den zentralen Körper durch eine Schnur gekettet ist, sowie Skulpturen wilder Tiere, die die „Maestà“ belagern. Vor wenigen Jahren hatte der heute 82jährige Künstler und Designer sie zum ersten auf dem Mailänder Domplatz präsentiert. Gegenwärtig prägt sie den Eingang zum Messegelände in Ferrara, wo sie nach einer Initiative von Vittorio Sgarbi, dem streitbaren Kunstkritiker und Präsidenten der Vereinigung „Ferrara Arte“, am 8. März zum Weltfrauentag aufgestellt wurde (hier ein Video).

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    ITALIEN UND DIE „IDANTITÄT“

    Von Ausstellungen bis zu Büchern – das Land feiert den Dichterfürsten Dante Alighieri 700 Jahre nach seinem Tod mit einem vollgestopften Programm, das aber wegen der Covid-Pandemie nur etwas mühsam anrollt –  ein Überblick (und ein deutsch-italienischer Streit)

    © Claudia Rogge - courtesy Galleria Verrengia

    Fotoarbeit von Claudia Rogge "EverAfter Paradies I" (165x215 cm) aus dem Jahr 2010 in der Ausstellung der Fondazione Alda Fendi in der rhonoceros gallery Rom (15.4. bis 15.7.)

    Mailand – Vor 700 Jahren, in der Nacht vom 13. auf den 14. September 1321, starb der 56jährige Dante Alighieri in Ravenna vermutlich an den Folgen einer Malaria. Dutzende von Ausstellungen, Aufführungen, Lesungen, Tagungen und weiteren Veranstaltungen sowie Veröffentlichungen stehen in diesem Jahr im Zeichen des Gedenktages. Hinzu kommt der Dantedì, der jährliche Dantetag, den das Kulturministerium für den 25. März eingerichtet hat, der jetzt zum zweiten Mal gefeiert wird. „Vater der italienischen Identität“ nennt der Corriere della Sera den „sommo poeta“. Und die Zeitschrift Giornale dell’Arte widmet einem Artikel über den Veranstaltungsreigen zum 700. Todestag die Schlagzeile: „L’iDantità italiana“.

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    AUF LEBLOSER FOLIE

    Enttäuschend: der Ehe-Roman „Treue“ von Marco Missiroli an der Grenze zum Kitsch, die er manchmal überschreitet

    © Cluverius

    Mailänder Schmerzenbild - Graffito im Naviglio-Viertel

    Mailand – Margherita und Carlo leben in Mailand. Sie sah sich als Architektin und leitet jetzt als Immobilienmaklerin eine kleine Agentur. Er hält sich für einen Schriftsteller, muss jedoch sein Geld als Dozent für kreatives Schreiben verdienen. Auch wenn beide Mittdreißiger ihre beruflichen Träume nicht erfüllt sehen, führen sie eigentlich eine gelungene Ehe, fühlen sich jeweils vom anderen auch erotisch angezogen. Wenn nur dieser Verdacht nicht wäre: gab es bei ihm einen Seitensprung mit einer Studentin? Und was spürt sie, wenn sie bei einer Therapiesitzung von dem jungen Physiotherapeuten berührt wird? Es geht in dem Roman von Marco Missiroli, wie es der Titel auf den Punkt bringt, um Treue, um Emotionen, um Sehnsüchte. Kein leichtes Gelände, das bereits von unzähligen Unterhaltungsromanen bearbeitet worden ist. Und, um es gleich zu sagen, der Autor verliert sich auf ihm.

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    HEISS, OHNE HAST UND IN GESELLSCHAFT

    Venedig und der Caffè (2): Die Rolle der Serenissima in der europäischen Geschichte des Kaffees und ein Besuch der Torrefazione Girani, der ältesten Rösterei der Lagunenstadt, die noch im Handwerksmodus arbeitet.

    © Cluverius

    Ein Espresso wie wir ihn lieben - auch wenn manche auf den Zucker verzichten

    Mailand/Venedig – Wo wurde in Europa wurde zum ersten Mal öffentlich Kaffee ausgeschenkt, in London oder Paris, in Amsterdam oder in Venedig? Das war in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und überall rufen die Lokalhistoriker „hier!“ Unumstritten ist, dass die Lagunenstadt mit ihren damals 150.000 Einwohnern bald alle in den Schatten stellte. Im 18. Jahrhundert zählte man pro 500 Einwohner eine „bottega del caffè“ (Verkaufsstelle mit Ausschank), davon 34 botteghe allein um den Markusplatz herum und 18 in einer einzigen Gasse, der Calle del Cafetier unweit der Rialto-Brücke.

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    DIE UNERTRÄGLICHKEIT DES REALEN

    Mehr als ein Kriminalroman: „Ciros Versteck“ von Roberto Andò zwischen Roadmovie und Kammerspiel im Folio Verlag

    © Cluverius

    Stadt zwischen Barmherzigkeit und Verbrechen: Neapel

    Mailand/Neapel – Das ist ein spannender Roman, in dem sich Lebensstränge durch einen Zufall verknoten und einen dramatischen Verlauf nehmen. Der Musikprofessor Gabriele Santoro, der am Konservatorium von Neapel unterrichtet, lebt ohne weiteren Kontakt zu den Mitbewohnern in einem Haus mitten in der Stadt. Kultur – die Musik, die Poesie, allen voran die Gedichte des griechischen Lyrikers Konstantinos Kavafis, die er laut bei der Morgentoilette rezitiert – ist ihm alles. Die Welt außerhalb seiner Wohnung bleibt ihm fremd. Eines Tages sieht er sich dem Sohn einer Nachbarfamilie gegenüber. Ein Kind noch, wenig mehr als zehn Jahre alt, und doch schon in die Kleinkriminalität des Viertels verstrickt. Ciro, so heißt der Junge, bittet den Professor, ihn zu verstecken. Und der, ohne nach einem Grund zu fragen, nimmt ihn auf.

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    in der Oper: Salome

    Das Musikdrama von Richard Strauss in einer Inszenierung der Mailänder Scala unter Covidbedingungen nur im Fernsehen (Rai 5, Raiplay) und im Radio (Rai 3, Euroradio)

    © ph Brescia, Amisano/Teatro alla Scala

    Eine Inszenierung "dark" - Salome (Elena Stikhina) und das Blut von Jochanaan

    Mailand – So mutieren Spielpläne in Zeiten der Pandemie: ursprünglich sollte die Mailänder Neuinszenierung der Salome von Richard Strauss am 8. März 2020 unter Leitung von Riccardo Chailly (Musik) und Damiano Michieletto (Regie) mit Malin Byström und Michael Volle Premiere haben. Die Proben waren schon weit fortgeschritten, als 23. Februar der Lockdown (nicht nur) den Kulturbetrieb lahm legte. Ein Jahr später wurde die Inszenierung jetzt mit teilweise neuem Cast (Elena Stikhina und Wolfgang Koch) ohne Publikum in der Scala aufgeführt (19.2.) und tags darauf zeitversetzt im Fernsehen und im Radio ausgestrahlt. Die Orchesterleitung sollte eigentlich Zubin Mehta haben, der aber aus gesundheitlichen Gründen passen musste. An seiner Stelle dirigierte (wie bei den Proben vor einem Jahr) Riccardo Chailly.

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    LICHT DURCHWIRKTE TABLEAUS

    Tiepolo. Venezia, Milano, l’Europa – eine klar strukturierte Ausstellung erzählt, wie italienischer Kunst im 18. Jahrhundert den alten Kontinent erobert. Ihre Wurzeln hat sie in Venedig, das aufstrebende Mailand dient als Sprungbrett.

    © Cluverius

    Tiepolo in den Gallerie d'Italia in Mailand - ein repräsentativer Rahmen für repräsentative Kunst

    Mailand – In Zusammenarbeit mit den Gallerie dell’Accademia di Venezia zeigen die Gallerie d’Italia (Bankgruppe Intesa Sanpaolo) in Mailand die bemerkenswerte Ausstellung Tiepolo - Venezia, Milano, l’Europa. Zu sehen sind rund 70 Exponate überwiegend von Giambattista Tiepolo (Venedig, 1896 – Madrid, 1770), aber auch von seinen Söhnen und von Zeitgenossen wie Canaletto, Piazzetta oder Ricci. Das reicht von Skizzen, Vorstudien für Fresken, bis zu großflächigen Arbeiten, wie der „Trionfo di Aureliano“ aus seiner Jugendzeit oder eine Darstellung San Francescos, vielleicht sein letztes Werk vor dem Tod in Madrid. Wie kein anderer seiner Zeit weiß er abwechselnd historische, mythologische oder religiöse Themen  zu illustrieren.

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    DAS SPERRIGE LEBEN

    Valeria Parrella erzählt in ihrem beeindruckenden kleinen Roman „Versprechen kann ich nichts“ von Almarina, einer jugendlichen Strafgefangenen in Neapel, und ihrer Lehrerin Elisabetta, die ihr eine Zukunft schenken möchte

    © Wikipedia

    "Nisida liegt dort draußen vor Anker" - Blick auf das Castello vom Meer aus

    Mailand/Neapel – Das ist die Geschichte einer Liebe zwischen einer 50jährigen Frau und einem 16jährigen Mädchen. Eine, wenn man so will, Mutter-und-Tochter-Beziehung, die immer auch eine Beziehung zwischen zwei Frauen ist. Die kinderlose Ich-Erzählerin Elisabetta, die nur schwer den plötzlichen Tod ihres Ehepartners überwindet, lebt in Neapel und unterrichtet Mathematik in einem Jugendgefängnis, das auf der kleinen Insel Nisida  unterhalb von Posillipo liegt, die mit dem Festland über einen Damm verbunden ist. Eines Tages sitzt eine Neue in der Klasse, Almarina, die mit ihrem kleinen Bruder aus Rumänien floh, wo sie von ihrem Vater vergewaltigt und misshandelt worden war.

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    PHOENIX AUS DER ASCHE

    Vor 25 Jahren brannte in Venedig das Gran Teatro la Fenice bis auf die Grundmauern ab, nachdem Handwerker Feuer gelegt hatten. Sieben Jahre später konnte das Haus „wo es war und wie es war“ wieder eröffnet werden. Zum Jubiläum spielt die Feuerwehrkapelle Venedigs – wegen Covid-Einschränkungen ohne Publikum

    © teatrolafenice.it

    Als Verdi Venedig verzauberte - Die Fenice Oper Mitte des 19. Jahrhunderts

    Mailand/Venedig - Es ist Montag der 29. Januar 1996. Dunkelheit umhüllt Venedig nach einem kalten Wintertag. Um 20 Uhr 58 geht bei der Feuerwache ein Anruf ein. Eine Frau meldet starke Rauchentwicklung in einem Seitenflügel des Gran Teatro la Fenice, den sie gegenüber von ihrem Arbeitsplatz in einem Hotel sehen kann. Das Opernhaus ist seit einigen Wochen wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Wenige Minuten nach dem Anruf erreicht die erste Feuerwehreinheit das weltberühmte Theater. Durch die Fenster der Fassade leuchten bereits Flammen.

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    WOHL BEKOMMS!

    Spitzenköche kommentieren Gemälde der Uffizien und lassen sich von ihnen zu Kochtipps inspirieren

    © courtesy Uffizi, Firenze

    "Junge mit Fischkorb und Languste" von Giacomo Ceruti (1698-1767), genannt "il Pitocchetto" im Palazzo Pitti - aber ist die Languste wirklich eine Languste?

    Mailand/Florenz - Das ist eine Idee, die man sich auf der Zunge zergehen lassen kann: unter dem hashtag „#uffizidamangiare“ stellt das Florentiner Museum neuerdings jeden Sonntag ein kurzes Video auf seine Facebookseite, in dem eine bekannte Küchenchefin oder ein bekannter Küchenchef Gemälde mit gastronomischen Motiven der Sammlung der Uffizien oder des Palazzo Pitti kommentiert und Tipps zur Zubereitung der abgebildeten Lebensmittel gibt. Direktor Eike Schmidt hofft so, „eine stärke Anbindung an die Werke des Museums zu schaffen, sie in einen aktuellen und lebendigen Kontext zu stellen.“

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    ALS DIE PARTEI IM REGEN STAND

    Vor 100 Jahren wurde in Livorno der Partito Comunista d’Italia gegründet - 70 Jahre später ging er sang- und klanglos unter, nachdem die Partei in der Nachkriegszeit die italienische Demokratie gestärkt hatte.

    Parteitag der getrennten Wege: Auf dem 17. Parteitag der italienischen Sozialisten im Teatro Goldoni spaltete sich die Gruppe der Kommunisten ab und gründete eine eigene Partei im benachbarten Teatro San Marco

     Mailand – „Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst des Kommunismus.“ Mit diesem berühmten Satz beginnt das Kommunistische Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels aus dem Jahr 1848. Es sollte über ein halbes Jahrhundert dauern, bis das Gespenst sichtbare Gestalt annahm: nach der Oktoberrevolution 1917 gründeten die Bolschewiken die Kommunistische Partei Russlands. 1919 wurde auf Betreiben Lenins in Moskau die Kommunistische Internationale ins Leben gerufen, die die Weltrevolution vorantreiben sollte. Kommunistische Parteien entstanden in Europa meist nach Fraktionskämpfen innerhalb der sozialistischen Bewegungen zwischen Revolutionären und Reformisten. In Deutschland wie etwa in Jugoslawien, Frankreich oder Griechenland. Auch in Italien spitzte sich der Flügelkampf in der sozialistischen Partei zu, bis es im Januar 1921 in Livorno auf dem 17. Parteitag des Partito Socialista Italiano zum endgültigen Bruch kam.

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    EIN AUF STRASSEN WANDERNDER SPIEGEL

    100 Jahre Leonardo Sciascia (3): Ein unangemeldeter Besuch beim Schriftsteller in der Contrada Noce – Fragmente eines Gesprächs anderthalb Jahre vor seinem Tod

    © Fondazione Leonardo Sciascia (Facebook)

    Contrada Noce bei Racalmuto

    Mailand – Es war ein warmer Tag Ende April 1988. Allein unterwegs mit dem Auto in Sizilien, an diesem Tag von Gela nach Agrigent. Irgendwann kam die Idee, in Racalmuto, im Geburtsort von Leonardo Sciascia, Halt zu machen. Wir hatten uns zuvor ein paar Mal gesprochen, fünf Jahre zuvor etwa in Rom am Ende seiner Zeit als Abgeordneter für den Partito Radicale, oder später bei einer Veranstaltung und zu einem Essen in Taormina zusammen mit Gesualdo Bufalino. Ob Sciascia überhaupt in seinem Landhaus war? Eine Telefonnummer gab es nicht. Freundlich gaben Bewohner Auskunft, der Weg durch die Contrada Noce zum hinter Mandelbäumen versteckten Haus war trotzdem nicht leicht zu finden. Es war bereits später Nachmittag. Ein Überfall, entschuldigen Sie bitte. – „Haben Sie bis morgen Zeit? Dann kommen Sie morgen Nachmittag wieder.“ – Auch wenn Feiertag ist? – „Auch wenn Feiertag ist.“

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    »DAS MIR TEUERSTE VON ALLEM, WAS ICH GESCHRIEBEN HABE»

    100 Jahre Leonardo Sciascia (2): Die essayartige Erzählung „Tod des Inquisitors“ endlich auf Deutsch in dem Band „Ein Sizilianer von festen Prinzipien“

    © Wikipedia

    "Coraggio - Mut" - Graffiti von Gefangenen im Kerker des Gerichts der Inquisition im Palazzo Chiaramonte-Steri von Palermo

    Mailand – Das ist ein wohl komponiertes Buch, das zum 100. Geburtstag von Leonardo Sciascia zwei seiner bislang noch nicht ins Deutsche übersetzten Texte mit einem hintergründigen Porträt Sciascias von der Literaturkritikerin Maike Albath sowie einer Anmerkung von Santo Piazzese, Schriftsteller von Kriminalromanen aus Palermo, verbindet. Im Zentrum steht der Text Morte dell’inquisitore („Tod des Inquisitors“) aus dem Jahr 1964/67. In ihm erzählt Sciascia eine Geschichte aus dem 17. Jahrhundert, die Geschichte vom Leben und Sterben des Augustinermönchs Diego La Matina, der wie Sciascia aus dem kleinen Ort Racalmuto bei Agrigent stammte.

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    DIE MÜDE DEMOKRATIE

    100 Jahre Leonardo Sciascia (1): der Staat, die Politik, die Parteien, der Fall Moro – ein bislang unveröffentlichtes Interview aus dem Jahr 1983

    © Cluverius

    Büchertisch mit Arbeiten von Leonardo Sciascia, der vor 100 Jahren am 8. Januar 1921 in Racalmuto (Provinz Agrigent) geboren wurde

    Mailand –Der sizilianische Schriftsteller Leonardo Sciascia (1921 – 1989) engagierte sich zwei mal aktiv politisch. 1975 ließ er sich als unabhängiger Kandidat auf der Liste der Kommunistischen Partei in den Stadtrat von Palermo wählen, trat aber anderthalb Jahre später aus Protest gegen den Kurs vom „historischen Kompromiss“ und wegen Auseinandersetzungen um die innerparteiliche Demokratie der sizilianischen KP zurück. Nach der Veröffentlichung seines Buches L’affaire Moro (dt: „Die Affäre Moro“) wurde er bei den Parlamentswahlen 1979 über die Liste das Partito Radicale in die Abgeordnetenkammer gewählt.  Er war Mitglied  in dem Untersuchungsausschuss zur Moro-Entführung, ebenso  in dem Antimafia-Ausschuss. Bei den Neuwahlen Ende Juni 1983 kandidierte er nicht wieder. Kurz vor den Wahlen gab es Gelegenheit zu einem Gespräch, das hier zum ersten Mal veröffentlicht wird.

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    SCHWARZES GETRÄNK

    Venedig und der Caffè (1): Vor 300 Jahren wurde das „Florian“ gegründet. Das heute älteste Kaffeehaus Italiens war ein Treffpunkt von Intellektuellen wie von Patrioten. Inzwischen ist es ein Touristenziel. Doch wegen Covid bleibt es vorerst geschlossen

    © Cluverius

    Eleganz mit Maske, aber in besseren Zeiten - im Spätsommer 2020, als auch im "Florian" die Welt wieder (fast) in Ordnung schien

    Mailand/Venedig – In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts überschwemmte ein Modegetränk Europa: der Kaffee. Eines der wichtigen Handelstore nach Europa für die aus dem Orient stammenden Bohnen war Venedig. Das Caffè Florian am Markusplatz hätte jetzt seine Gründung vor 300 Jahren feiern können. Hier trafen sich Einheimische wie Durchreisende, Intellektuelle wie Patrioten. Balzac notierte: „Das Florian ist zugleich eine Börse, ein Theaterfoyer, ein Leseraum, ein Klub, ein Beichtstuhl.“ Heute ist das inzwischen älteste Caffè Italiens vor allem Ziel betuchter Touristen. Doch zum Jahrestag am 29. Dezember blieb es den Covid-Regeln nach geschlossen. Unsicher, wann es wieder Gäste empfangen wird.

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    NATALE DEGLI ALBERI

    Mailand feiert mit Unterstützung privater Unternehmen ein „Weihnachten der Bäume“ – Installationen zwischen Design und Kunst unterstreichen auch in tristen Tagen die zentrale Rolle, die die  Stadt in der italienischen Szene der Gegenwartskultur weiterhin spielen möchte - eine kleine Fotogalerie

    © Cluverius

    Kinosternchen als Weihnachtsbaum -  "Albero delle Stelle" von Paramount

    Mailand – „Weihnachtsbäume“ in Mailand 2020: In der Stadt, in der Finanzmarkt, Kommunikation und Gegenwartskultur den Rhythmus vorgeben, kann man nicht einfach nur ein paar Tannen mit Lichtern und buntem Schmuck erwarten. Im Auftrag der Fondazione Bracco des Mailänder Pharmakonzerns – und von ihm finanziert – hat der Eventveranstalter Marco Balich mit 21 von Designern entworfenen Installationen ein „Natale degli Alberi“ konzipiert. Ein „Weihnachten der Bäume“ mit Installationen, die (oft) von der Pyramidenform des Weihnachtsbaums ausgehen. Sie wollen auf Plätzen der Stadt Werte wie Hoffnung, Nachhaltigkeit und Solidarität vermitteln – und zugleich Unternehmen Gelegenheit geben, ihr Label mit der guten Botschaft zu verbinden ( - hier zum offiziellen Video).

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    EINE ANDERE WELT

    Wundervoll erzählt, berührend zu lesen: Der Roman „Ein Tag wird kommen“, in dem Giulia Caminito von einer Bruderliebe in der bäuerlichen Landschaft der Marken vor 100 Jahren zur Zeit von Krieg und Krankheit erzählt.

    © Cluverius

    Liebe und Anarchie - Parolen mit Sprengkraft, gesehen im Jahr 2020

    Mailand – Unter den Romanen und Erzählungen, die in diesem schrägen Herbst und Winter in deutscher Übersetzung aus dem Italienischen erschienen sind, ist das vielleicht der schönste: Ein Tag wird kommen von Giulia Caminito (Verlag Klaus Wagenbach). Er führt uns in die Anfangsjahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts und in die von Hunger und Ausbeutung geprägte bäuerliche Landschaft der Marken, wo Tragödien zum Alltag gehören. Und zu Träumen einer anderen, besseren Welt, die mal aufs Leben und mal auf die Zeit nach dem Leben gerichtet sind. Hauptfiguren sind zwei ungleiche Brüder aus dem Dorf Serra de’ Conti: Der eine, Lupo, mutig und kraftvoll, der andere, Nicola, schwach und „weich wie Brotkrume“. Und während der eine den anderen stützt, gibt ihm der andere Sinn.

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    UNTER DER KOPFHAUT

    Neurowissenschaften: Das Projekt „Human Brains“ der Fondazione Prada, das mit einer Online-Konferenz begonnen hatte, soll im Herbst 2021 in Mailand und zur Kunst-Biennale 2022 in Venedig fortgesetzt werden

    © Cluverius

    Kommunikation unter vielen Dächern: Mode, Kunst und Wissenschaft - der Sitz der Fondazione Prada in Mailand

    Mailand - Die erste Phase des Projekts "Human Brains" der Fondazione Prada ist durch die Analyse der Online-Konferenz "Culture and Consciousness" vom 9. bis 13. November 2020 zu Ende gegangen. In den fünf Live-Panels diskutierten zehn weltweit führende Experten der Neurowissenschaften im Dialog mit 7 Moderatoren – darunter die Hirnforscherin Katrin Amunts (Uni Düsseldorf) – vor einem Publikum von insgesamt rund 27.000 Teilnehmern. Die zweite Phase ist für den Herbst 2021 im Prada-Hauptsitz Mailand geplant: Es wird eine internationale Konferenz geben, die durch ein Ausstellungsprojekt ergänzt wird. Ziel der Konferenz ist es, einige der renommiertesten internationalen neurowissenschaftlichen Institute zu vergleichen.

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    CHRONIK EINES EINZELGÄNGERS

    Der Roman „Der kunstfertige Fälscher“ von Maria Attanasio erzählt von einem Leben auf Sizilien (und in der Welt), das in wohltätiger Selbstjustiz seine Erfüllung findet

    Herausforderung für einen Künstler - die 500 Lire Banknote der 1920er Jahre (Kaufwert umgerechnet von rund 560 Euro heute)

    Mailand - Das ist wirklich ein „kurioser Fall“, wie es im Untertitel dieser höchst lesenswerten Geschichte von Maria Attanasio heißt. Die Autorin erzählt von Paolo Ciulla (1867 – 1931), einem Künstler und Fotografen aus ihrer sizilianischen Heimatstadt Caltagirone, der nach einem abenteuerlichen Leben zwischen Neapel, Paris, Buenos Aires schließlich in Catania zum Geldfälscher wurde. Aber nicht, um sich zu bereichern oder um sich in den Dienst maffiöser Gruppen zu stellen. Er war ein Einzelgänger, der aus „Hunger nach Gerechtigkeit“ zu einer ganz eigenen Art der Selbstjustiz griff, indem er Armen und Ausgebeuteten von ihm perfekt nachgemachte 500-Lire-Scheine zusteckte, die sogar die Staatsbank nicht als Fälschung erkannte.

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    UNTERWEGS NACH MANCHESTER

    Barmen, Bremen und Berlin – Lehrjahre des jungen Friedrich Engels auf dem Weg zu Karl Marx und dem „Bund der Gerechtigkeit“. Ein Gastbeitrag von Peter Kammerer

    © Lonati/ "Engels-Gesichter"Zentralbibliothek Wuppertal

    Friedrich Engels (1820-1895) - Zeichnung von Alessandro Lonati in der Ausstellung "EngelsGesichter" in der Zentralbibliothek Wuppertal (bis 12.1.21)

    Am 28. November 1820 wurde Friedrich Engels in Barmen geboren. Das Leben des jungen Engels bildet ein Muster, das sich anscheinend in jedem Jahrhundert wiederholt und immer wieder aktualisiert. Der Sohn einer wohlhabenden Familie widerspricht der vom Vater geplanten Bestimmung und wird zum Rebell. Mit Beben muss die Mutter in der Zeitung den Steckbrief lesen, mit dem er als Terrorist gesucht wird. Dieser geliebte Sohn verrät in ihren Augen Gott und den Glauben, in denen des Vaters Vernunft und soziale Ordnung. Selbst die Geschwister sind der Meinung, die hehren Ideale ihres ältesten Bruders führten ihn und die Gesellschaft nur ins Unglück. Er hört auf schlechte Freunde. „Ich wünschte, Du hättest den Marx nie gesehen“, schreibt Friedrichs Mutter Elise an ihren Sohn.

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    DER FALL LAMBORGHINI

    Die Fotografin Letizia Battaglia im Feuer der sozialen Medien wegen Aufnahmen einer Werbekampagne für Luxusautos mit Mädchen. Auch Bürgermeister Orlando geht auf Distanz. Jetzt tritt sie als Leiterin des Zentrums für Fotografie von Palermo zurück

    © Letizia Battaglia/Lamborghini

    Umstritten: Letizia Battaglia für Lamborghini-Kampagne "With Italy" 2020

    Mailand/PalermoLetizia Battaglia gibt die Leitung des von ihr 2017 mitbegründeten Centro Internazionale di Fotografia in Palermo auf. Hintergrund sind die Diskussionen über ihre Fotos einer Werbekampagne für Lamborghini (- hier der Bericht auf artribune.com). Der Autohersteller hatte im Rahmen des Projektes With Italy, For Italy 21 Künstler beauftragt, die Schönheiten des Landes im Zusammenhang mit verschiedenen Lamborghini Fahrzeugen abzubilden. Die Fotos von Letizia Battaglia, die Mädchen und Jugendliche aus Palermo in den Zusammenhang mit den Autos stellen, haben in den sozialen Medien teilweise üble Polemiken ausgelöst. Auf die reagierte sie jetzt mit dem Abschied vom Zentrum für Fotografie.

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    DIE EICHE VON MONTALE

    Es ist berührend, beim Sterben eines Baumes dabei zu sein. Im Kreislauf des sich erneuernden Lebens der Natur. Auch in der Stadt.

    © Cluverius

    Zusehen wie ein Baum verwest - Die "Eiche von Montale" in den Giardini Pubblici 

    Mailand – In den Giardini Pubblici stand eine mächtige Eiche, zehn Meter hoch mit einem Stammumfang von fast fünf Metern, einer der ältesten Bäume des 1780 in Mailand angelegten Stadtparks. Eine Quercus rubra (Roteiche), die ursprünglich aus Nordamerika stammt und mit dem 18. Jahrhundert auch in Europa angesiedelt wurde. Pilze und Ungeziefer hatten ihren Rumpf befallen und Krankheiten die Kräfte ihre Äste geschwächt. Gegen Ende konnte sie nur noch von Eisenträgern gehalten aufrecht stehen. Im Oktober 2019 brach sie, von Vandalismus zusätzlich geschwächt, bei einem Herbststurm zusammen. Sie hatte am Rand einer teils offen liegenden, teils von Bäumen umgebenden Wiese nicht weit vom östlichen Zugang des Parks bei der Porta Venezia entfernt gestanden. Man nannte sie La quercia di Montale – „Die Eiche von Montale“.

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    DIGITAL ODER PRÄSENT?

    Rückgang von Publikumsveranstaltungen bereits vor der Covid-Krise und offen für Neues mit der Pandemie – Untersuchungen des Unternehmerverbandes Federculture und der Bankgruppe Intesa Sanpaolo über das Kulturverhalten der Italiener

    © Cluverius

    Warten auf Präsenz -Teatro Rossini in Pesaro zur Festivalzeit im August als ein eingeschränktes Programm bei strengen Auflagen - das Orchester nahm im Parkett Platz, die Logen nur halb besetzt - noch möglich war

    Mailand – Wie haben die Italiener auf das veränderte Kulturangebot der vergangenen Monate reagiert? Welche Rolle spielen die Kulturfestivals? Und wie wurde Kultur in welchen Sparten in den vergangenen Jahren genutzt? Analysen wurden jetzt in Mailand und Rom vorgestellt. Zusammenfassend kann man feststellen: In Italien sinkt (in den vergangenen zehn Jahren) die Teilnahme an Publikumsveranstaltungen, zugleich steigt die Neugier und Akzeptanz von neuen digitalen Formaten bzw. „hybriden“ (digital/präsent) Veranstaltungen.

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    FRAGMENTE EINES PROTESTS

    30 giorni a Hong Kong – Lisa Jucca erzählt vom wütenden Widerstand der Opposition im Herbst 2019 und der Enttäuschung, die sich in Chinas Sonderverwaltungszone breit macht

    © Nicola Longobardi

    Der Traum von Unabhängigkeit, trotz alledem - Aktivist in Hong Kong

    Mailand – Die Welt hat sich von Hong Kong abgewendet. Sicher: Der Massenrücktritt von 15 Abgeordneten der pro-demokratischen Opposition, nachdem vier Kollegen von der chinesischen Zentralregierung kurzerhand suspendiert worden waren, war unseren Medien noch Anfang November eine Meldung wert. Aber unter der Hand wird längst akzeptiert, dass die ehemalige britischen Kolonie ihren semiautonomen Status verloren hat und von Peking aus regiert wird. Der entscheidende Umbruch, auch der Niedergang der Protestbewegung, spielte sich im vergangenen Herbst zwischen Oktober und November ab. Die Mailänder Journalistin Lisa Jucca erzählt von diesen Wochen in einem informativen wie spannend zu lesendem Buch, das gerade bei Scalpendi Editore erschienen ist: 30 giorni a Hong Kong.

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    „WIR HABEN AUF DIE RICHTIGEN LEUTE GESETZT“

    Ein Gespräch mit Aleida und Jan Assmann über ihr Balzan Forschungsprojekt „Memory in The City“ zusammen mit einer interdisziplinären Gruppe junger Wissenschaftler

    © Corinna Assmann

    Die Stadt als Erinnerungsraum - Aleida und Jan Assmann, u.a. Balzan Preis 2017 und Friedenspreis des deutschen Buchhandels 2018, leiten ein Projekt zusammen mit jungen Wissenschaftlern aus Frankreich, Polen, Rumänien und Spanien

    Mailand – Die Kulturwissenschaftler Aleida und Jan Assmann wurden 2017 gemeinsam mit dem Balzan Preis für Kollektives Gedächtnis ausgezeichnet. Die Internationalen Balzan Stiftung würdigte damit unter anderem die Bedeutung von zwei individuellen Oeuvres, „die das kollektive Gedächtnis als Voraussetzung von religiösen und politischen Identitätsstiftungen und Gemeinschaften präsentieren“ (- auf Cluverius siehe hier). Zum Preis gehört auch die Verpflichtung, die Hälfte des Preisgeldes von 750.000 Schweizer Franken für die Finanzierung von Forschungsprojekten zusammen mit vornehmlich jungen Wissenschaftlern zu verwenden. Aleida und Jan Assmann berichten in einem Gespräch (aus dem Sommer 2019, das jetzt öffentlich gemacht wurde,) über ihre Erfahrungen mit der Anschlussforschung.

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    DER HIMMEL IN EINEM ZIMMER

    Die Fondazione Trussardi präsentiert eine Installation von Ragnar Kjartansson in der Mailänder Pestkirche San Carlo al Lazzaretto

    © Cluverius

    Kraft der Imagination - Der Gino-Paoli-Song "Il cielo in una stanza" als sechs Stunden loop in der Installation von Ragnar Kjartansson

    Mailand (San Carlo al Lazzaretto bis 25.10.) – Die Musikinstallation The Sky in a Room des Isländers Ragnar Kjartansson (1976, Reykjavik), die man in einer kleinen Mailänder Kirche erleben kann, setzt sich auf ganz poetische Art mit der Stimmung in Corona-Zeiten auseinander. Dabei wechseln sich Berufsmusiker ab, die sechs Stunden lang ununterbrochenen ein für Orgel geschriebenes Arrangement des italienischen Chansons Il cielo in una stanza von Gino Paoli (1934, Monfalcone) darbieten. (Hier ein Video Eindruck). 

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