Glauben


Büchertipps für Weihnachten und zum Jahreswechsel: Giosuè Calaciura, Elsa Morante und Dacia Maraini erzählen in aktuellen Übersetzungen ihrer Arbeiten von Verletzlichkeit, Widerstand und Identitätsbildung Mailand  – Ich, der Sohn von Giosuè Calaciura (Edition Converso), Cara Elsa. Briefe von und an Elsa Morante (Verlag Klaus Wagenbach) und Ein halber Löffel Reis. Kindheit in einem japanischen Internierungslager von Dacia Maraini (Folio Verlag) – diese drei Bücher kreisen auf jeweils eigene Weise um Fragen von Identität, Herkunft und Selbstbehauptung. In unterschiedlichen Formen – Roman, Briefsammlung und autobiografischer Erinnerung – zeigen sie, wie fragile, suchende Stimmen inmitten von Krieg, Verfolgung und ideologischer Enge dennoch Würde und inneren Widerstand bewahren. Literatur erscheint hier nicht nur als ästhetische Praxis, sondern als Akt des Zeugnisses, der Erinnerung und des Überlebens. Drei Bücher als Empfehlung für die Weihnachtszeit und den Jahreswechsel zum Lesen und/oder zum Verschenken:

SUCHENDE STIMMEN


Cremona macht mit einer Ausstellung den Renaissancemaler Boccaccio Boccaccino einer breiteren Öffentlichkeit bekannt Mailand – Bedeutende Sammlungen wie herausragende Einzelwerke in den Museen der großen Städte verstellen oft den Blick auf den kulturellen Reichtum des ländlichen Raums und seine Geltung für die italienischen Kunstlandschaften. Das unterstreicht gerade eine Ausstellung im Museo Diocesano der lombardischen Kreisstadt Cremona, die dem Maler Boccaccio Boccaccino (um 1462/66 bis 1525) gewidmet ist. 500 Jahre nach seinem Tod werden sechzehn von insgesamt rund dreißig bekannten Gemälden des Künstlers mit vorwiegend religiösen Motiven gezeigt. Sie belegen, wie der dem großen Publikum eher unbekannte Boccaccino nach einem wechselseitigen Leben zwischen Ferrara, Genua, Milano, Venedig und Rom in Cremona zur Ruhe kam und zwischen den Einflüssen zunächst aus der Emilia und dann der Schulen von Leonardo, Bellini oder Giorgione zu einem eigenen eindrucksvollen Stil fand.

TRÄUMERISCHE AUGEN



Der Kirchenbau der protestantischen Gemeinde Mailand (CCPM) nach einer umfassenden Restaurierung und nach Umbauarbeiten in einer reich bebilderten Dokumentation, die gerade erschienen ist.  Mailand – Vor mehr als 170 Jahren gründeten Schweizer Reformierte und deutsche Lutheraner in Mailand eine protestantische Gemeinde unter der offiziellen Bezeichnung „Evangelische Versammlung“. Wenig später konnte sie sich als „Chiesa Cristiana Protestante in Milano“ (CCPM) ein Statut geben. 1864 wurde der Bau eines eigenen Kirchengebäudes im neugotisch-lombardischen Stil an der damaligen Via Carlo Porta (heute Via Marco de Marchi) eingeweiht. Nach vielen kleinen Maßnahmen zur Pflege des Gebäudes und der Anlage waren in den 2010er-Jahren größere Renovierungs- und Umbauarbeiten nötig, die 2017 abgeschlossen werden konnten. Eine kleine  zweisprachige Veröffentlichung der CCPM unter dem Titel „In neuem Licht / In nuova luce“, die gerade erschienen ist, dokumentiert und wertet diese Arbeiten. Die geben der Gemeinde auch die Möglichkeit, ihre Aktivitäten nicht nur geistlich, sondern ebenso kulturell und gesellschaftlich auszuweiten.

IN NEUEM LICHT


Das Musikdrama von Richard Strauss in einer Inszenierung der Mailänder Scala unter Covidbedingungen nur im Fernsehen (Rai 5, Raiplay) und im Radio (Rai 3, Euroradio) Mailand – So mutieren Spielpläne in Zeiten der Pandemie: ursprünglich sollte die Mailänder Neuinszenierung der Salome von Richard Strauss am 8. März 2020 unter Leitung von Riccardo Chailly (Musik) und Damiano Michieletto (Regie) mit Malin Byström und Michael Volle Premiere haben. Die Proben waren schon weit fortgeschritten, als 23. Februar der Lockdown (nicht nur) den Kulturbetrieb lahm legte. Ein Jahr später wurde die Inszenierung jetzt mit teilweise neuem Cast (Elena Stikhina und Wolfgang Koch) ohne Publikum in der Scala aufgeführt (19.2.) und tags darauf zeitversetzt im Fernsehen und im Radio ausgestrahlt. Die Orchesterleitung sollte eigentlich Zubin Mehta haben, der aber aus gesundheitlichen Gründen passen musste. An seiner Stelle dirigierte (wie bei den Proben vor einem Jahr) Riccardo Chailly.

in der Oper: Salome



100 Jahre Leonardo Sciascia (2): Die essayartige Erzählung „Tod des Inquisitors“ endlich auf Deutsch in dem Band „Ein Sizilianer von festen Prinzipien“ Mailand – Das ist ein wohl komponiertes Buch, das zum 100. Geburtstag von Leonardo Sciascia zwei seiner bislang noch nicht ins Deutsche übersetzten Texte mit einem hintergründigen Porträt Sciascias von der Literaturkritikerin Maike Albath sowie einer Anmerkung von Santo Piazzese, Schriftsteller von Kriminalromanen aus Palermo, verbindet. Im Zentrum steht der Text Morte dell’inquisitore („Tod des Inquisitors“) aus dem Jahr 1964/67. In ihm erzählt Sciascia eine Geschichte aus dem 17. Jahrhundert, die Geschichte vom Leben und Sterben des Augustinermönchs Diego La Matina, der wie Sciascia aus dem kleinen Ort Racalmuto bei Agrigent stammte.

»DAS MIR TEUERSTE VON ALLEM, WAS ICH GESCHRIEBEN HABE»