Glauben


Paolo Rumiz macht sich in seinem Buch „Der unendliche Faden“ auf die Reise zu den Benediktinern, den Erbauern Europas Mailand/Venedig – Paolo Rumiz, der aus Triest stammt, ist Italiens bekanntester Reiseschriftsteller. Zuletzt hatte er von einem Fußmarsch auf  der Via Appia von Rom bis Brindisi erzählt. In seinen Büchern, zum Beispiel über einen monatelangen Aufenthalt auf einer einsamen Leuchtturminsel im Mittelmeer, mischt er Beobachtungen und Reflexionen, erfreut sich an Schönheiten und klagt Missstände an. Europa, so seine wachsende Sorge, droht der Verlust der mühsam erworbenen Einheit durch die Wiedererweckung längst überwunden geglaubter nationaler Vorurteile. Fremdenhass und Abschottung würden die Solidarität innerhalb der EU untergraben. So hat sich der inzwischen 74jährige Rumiz mal wieder auf den Weg gemacht, diesmal um die Spur der Benediktiner aufzunehmen.

ÜBER ALLE GRÄBEN HINWEG


Briefe aus der Quarantäne (8): Blühende Bäume, schreckliche Vorstellungen und Botschaften aus der Reformationszeit Mailand (30. März) – Montag, der dreiundzwanzigste Tag im Ausnahmezustand. Sonnenschein wechselt mit Regen, der Frühling hat begonnen. Morgen, Dienstag, sollen die Temperaturen wieder sinken, es könnte sogar schneien. Der April und das Aprilwetter stehen vor der Tür. Die Grasflächen unter den blühenden Bäumen bei der Porta Venezia, die man auf dem Weg zum Supermarkt passiert, wurden diese Woche geschnitten und gesäubert. Es tut gut zu sehen, dass die Stadt sich auch in der Krise pflegt und auf ihr grünes Kleid hält. Dabei hätte sie allen Anlass, Trauer zu tragen.

WEDER DUMMKÜHN NOCH FRECH



Briefe aus der Quarantäne (7): Es wird immer stiller, man hört Musik und nimmt Fäden zur Vergangenheit auf Mailand (22. März) – Sonntag, der fünfzehnte Tag im Ausnahmezustand. Eine gespenstische Ruhe liegt über der Stadt. Die Schlangen vor der Esselunga in dem Viale Piave werden länger. Heute Morgen hatte ich noch Glück – nur etwa 25 Minuten Wartezeit. In den Medien hört man von abenteuerlichen Schlangebildungen in Italien bis zwei Stunden und mehr. Und die Gesichter werden ernster. Zunächst war das Anstehen vor dem Supermarkt Gelegenheit für einen Schwatz, einen Scherz mit anderen – immer Abstand wahrenden – Wartenden. Heute herrscht Stille auch in der Schlange. Immer mehr Menschen sterben. In der Lombardei sind es inzwischen über 3000, gut 1000 allein in den vergangenen drei Tagen.

EIN HÄUFCHEN MUTIGER MÄNNER


Das Teatro delle Albe aus Ravenna und zwei Gastspiele in Mailand. Eine Arbeit von Marco Martinelli und eine Vorlage von Luca Doninelli interpretiert jeweils von Ermanna Montanari. Mailand (Teatro dell’Elfo/Teatro Oscar) – fedeli d’Amore („Gläubiger der Liebe“) ist ein „Polyptichon“, wie es der Autor und Regisseur Marco Martinelli nennt. Sieben Szenen, die sich um die letzten Stunden von Dante Alighieri drehen, um seine Phantasien, Ängste oder die Tochter Antonia, die zum letzten Abschied an sein Bett tritt: „Padre, sono qui, mi senti? – Vater, ich bin hier, hörst Du mich?“. Der florentinische Dichter, die (über)große Vaterfigur der italienischen Literatur, starb an einem nebligen Septembermorgen 1321 im Exil in Ravenna. Martinelli schafft im Rückgriff auf den romagnolischen Dialekt, dem Dialekt der Stadt Ravenna, Monologe von poetischer Kraft, denen Ermanna Montanari mit ihren Stimmvariationen szenischen Raum gibt, der musikalisch mit Dissonanzen noch geweitet wird. Zu den aufgefalteten Bildern des Polyptichon gehört auch eine Vision Dantes, die sich von der Zersplitterung Italiens aus der Zeit der Stadtrepubliken in die Gegenwart weitet – ein Italien, „che scalcia se stessa“, das sich laufend selbst ein Bein stellt.

im Theater: fedeli d’Amore / Maryam



Montecassino (2): Mittelalterliche Einrichtungen der Benediktiner in Italien möchten in die Welterbe-Liste der Unesco aufgenommen werden. Ein Gespräch mit dem Kunsthistoriker Ruggero Longo Montecassino/Mailand – Das Stammkloster der Benediktiner auf dem Monte Cassino spielt eine zentrale Rolle bei einer Initiative, die sich für die Aufnahme der Kulturlandschaft der mittelalterlichen Benediktinersitze Italiens in die Unesco-Liste des Welterbes einsetzt. Die erste Hürde ist genommen und die Kandidatur anerkannt. Es geht um acht Niederlassungen der Benediktiner in Italien. Neben der Abtei Montecassino (Region Latium) und den Klostern in Subiaco (ebenso im Latium), die noch von Benedikt selbst gegründet wurden, gehören dazu unter anderen auch die Abtei San Pietro al Monte (Lombardei) oder die Sacra di San Michele (Piemont) – hier zur vollständigen Liste. Das endgültige Bewerbungsdossier steht kurz vor dem Abschluss. Mit einer Entscheidung kann man ab 2020 rechnen.

DER FRIEDEN DER MÖNCHE