Geschichte


Die Mailänder Museums-Wohnung Bagatti Valsecchi und ihre Einrichtungen im Stil der Neorenaissance suchen den Dialog mit der Sammlung Gastaldi Rotelli. Dazu Anmerkungen von Walter Benjamin  Mailand (bis 12.3.2023) – Die eigene herrschaftliche Wohnung zu einer Art Gesamtkunstwerk zu machen, das war der Traum der Brüder Bagatti Valsecchi aus einer wohlhabenden Familie des Mailänder Stadtadels, den sie an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert Wirklichkeit werden ließen. Fausto (1843-1914) und Giuseppe (1845-1934) rekonstruierten die Innenräume ihres Familienpalastes im historistisch Stil der Neorenaissance und richteten sie mit Kunst- und Gebrauchsgegenständen vornehmlich aus dem 15. und 16. Jahrhundert ein: darunter Gemälde (etwa von Giovanni Bellini oder Bernardo Zenale) und Möbel, Tapisserien und Schmuckarbeiten, wissenschaftliche Geräte und Waffen. Mit der Generation der Enkel öffneten sich die Privaträume dann 1994 zu einem Museum. In den Räumen dieses Museo Bagatti Valsecchi und im Dialog zu seinen Einrichtungsgegenständen werden gerade rund 50 Exponate aus der privaten Sammlung Gastaldi Rotelli mit Gemälden aus Früh- und Spätbarock gezeigt.

EINE LOGE IM WELTTHEATER


Ein Gespräch mit Nando dalla Chiesa über die Strategien der Cosa Nostra, die Periode der Gewalt unter Totò Riina, seine Festnahme vor 30 Jahren und die Bedeutung der Erinnerung Mailand –  Manchmal lässt Aktualität Geschichte aufleuchten. So jetzt die Festnahme von Matteo Messina Denaro, Padrino der Cosa Nostra aus der Provinz Trapani. Fast auf den Tag genau vor 30 Jahren konnte Totò Riina, damaliger Boss der Bosse der sizilianischen Mafia, von den Carabinieri in Palermo verhaftet werden. Messina Denaro, verbündet mit den Corleonesi von Riina und seinem Nachfolger Provenzano, war u.a. mitverantwortlich für die mörderischen Bombenanschläge, die 1993/94 als Reaktion auf Riinas Verhaftung in Florenz, Rom und Mailand verübt wurden. Dabei kamen etliche Personen ums Leben, andere wurden teilweise schwer verletzt. In einem Gespräch mit dem Soziologen Nando dalla Chiesa ( – das kurz vor der Festnahme von Messina Denaro geführt wurde -) geht es vor allem um die Rolle der Gewalt in der Strategie der Cosa Nostra unter der Herrschaft von Totò Riina und den Corleonesi.

„EINE FÜR UNS UNERREICHBARE KRIMINELLE VERNUNFT“



Zwei Autorinnen und ein Autor des Jahres 2022: Esther Kinsky, Giulia Caminito und Emilio Lussu. Tipps auch für Geschenke Mailand – Drei Bücher aus (bzw. über) Italien fallen aus dem breiten Angebot der Titel des Jahres 2022 heraus. „Rombo“ von Esther Kinsky, „Das Wasser des Sees ist niemals süß“ von Giulia Caminito (Übersetzung von Barbara Kleiner) und „Marsch auf Rom und Umgebung“ von Emilio Lussu (Nachwort und Übersetzung von Claus Gatterer). Es geht um unser Verhältnis zur Natur, zur Gesellschaft, zu Politik und Geschichte. Es sind drei Bücher, in denen Erinnerung eine Hauptrolle spielt. Drei Bücher, in denen Genres sich mischen. Drei Bücher, die zu lesen (und zu verschenken) sich lohnt.

ITALIENISCHE ERSCHÜTTERUNGEN


Triest, Ende August – Es ist früher Nachmittag, die Sonne brennt. Katzen rekeln sich unterhalb der  Stufen des Teatro Romano.  Träge ziehen ein paar Touristen vorbei und suchen den Aufstieg zum Castello di San Giusto. Wer sich auskennt, findet quer durch das benachbarte Parkhaus einen bequemen Fahrstuhl zum Vorplatz von Burg und Kathedrale. Vom Zinnengang blickt man dann auf die Stadt, die sich schläfrig in Erwartung kühlerer Stunden ans Meer schmiegt, das sich fast unbeweglich glitzernd bis zum Horizont ausbreitet. Wenige Schiffe liegen im Golf, darunter eine große Jacht mit zwei merkwürdig verdrehten dünnen Masten, die wie Antennen aufragen. Angeblich das von Behörden konfisziertes Luxusboot eines russischen Oligarchen. Ein rostiges Frachtschiff wird langsam zur Überholung in den alten Hafen geschleppt. Von wenigen Werfteinrichtungen abgesehen, liegt der alte Freihafen mit seinen Lagerhäusern untätig und verlassen dar und hofft auf ein zweites Leben. Die Masterpläne für eine neue Nutzung und Anbindung an die Stadt sind gezeichnet, jetzt wartet man auf ihre Umsetzung. Doch die Lokalpolitik bewegt sich so wenig wie das Meer an diesem Nachmittag.

In Triest



Der Künstler und Bühnenbildner Daniele Lievi und seine Visionen (nicht nur) der Theaterwelt in einer bemerkenswerten Ausstellung im MuSa, dem Museum von Salò  Mailand/Salò (MuSa bis 30.11.) ­–  Bildende Künstler von Pablo Picasso bis Anselm Kiefer haben gelegentlich Wege in die Theaterwelt gesucht und sie etwa mit Bühnenbildern bereichert. Aber keiner hat sein künstlerisches Schaffen so radikal mit der Bühne verbunden wie der früh verstorbene Daniele Lievi (1954-1990) – in enger Zusammenarbeit mit seinem zwei Jahre älteren Bruder, dem Regisseu, Autor und Lyriker Cesare Lievi. Auf dessen Initiative hin wird jetzt in Salò am westlichen Ufer des Gardasees unter dem Titel „Carte Segrete – Teatro Visioni“ (Geheime Blätter – Theater Visionen) eine umfassende Ausstellung mit Arbeiten von Daniele Lievi gezeigt, nachdem es im Vorjahr gleichsam als Wegbereitung bereits eine kleinere Ausstellung in Brescia gegeben hatte.

GEHEIME BLÄTTER