Gestern in der Oper: Mit der Carmen von Georges Bizet unter dem Dirigenten Myung-whun Chung und in der Regie von Damiano Michieletto stimmte sich die Mailänder Scala auf den Sommer ein – und auf den Wechsel in der musikalischen Leitung Mailand – Es war eine Art Übergabe gleichsam bei laufenden Motoren auf der Bühne des Teatro alla Scala: Anfang Juni hatte noch Riccardo Chailly (73), der scheidende musikalische Leiter der Mailänder Oper, Verdis Nabucodonosor dirigiert. Mitte des Monats griff sein Nachfolger (ab Spielzeit 26/27) Myung-whu Chung (73) zum Taktstock und stand für Bizets Carmen am Pult. Kontrolliert und analytisch der eine, emotional und spontan im Umgang mit Tempo und Phrasierung der andere. „Mit Chung – hurra! – ist die Freude am Abenteuer des Zuhörens ins Theater zurückgekehrt“, jubilierte die Kritikerin der Tageszeitung Il Sole 24 Ore. Doch sollte man die beiden herausragenden Dirigenten nicht gegeneinander ausspielen, dafür waren auch die Vorlagen (Verdi, Bizet) viel zu verschieden. Riccardo Chailly wird als einer der bedeutenden musikalischen Leiter der Scala in Erinnerung bleiben (und weiterhin an der Mailänder Oper auftreten).
Musik
100 Jahre nach der Geburt von Dario Fo und zehn Jahre nach seinem Tod feiert Italien einen „Giullare e Pittore“, einen „Gaukler und Maler“, wie es auf seinem Grabstein steht – aber es bleibt nicht viel mehr als Erinnerung Mailand – So ein Datum konnte man einfach nicht übersehen: Am 24. März vor 100 Jahren kam Dario Fo auf die Welt. Der beliebte Schauspieler, volkstümliche Autor und gesellschaftlich engagierte Künstler war bis kurz vor seinem Tod im Oktober 2016 in der italienischen Öffentlichkeit präsent. So gab es jetzt für den Literaturnobelpreisträger von 1997 eine Reihe Veranstaltungen in Rom (Teatro Sistina), Mailand (Piccolo Teatro) oder an verschiedenen Orten mit Initiativen der Familienstiftung, der Fondazione Fo-Rame. Gefeiert wurde der kritische Geist, Querdenker und Theatermacher meist alleine, manchmal auch zusammen mit seiner Partnerin Franca Rame (1929 – 2013). Und was besonders im Ausland übersehen wird, erinnert wurde ebenso an den Autor von Dutzenden Lieder- und Songtexten (Musik oft von Fiorenzo Carpi). Die Stadt Mailand widmete Dario und Franca jetzt eine Gedenktafel an ihrer langjährigen Wohnstätte in der Via Porta Romana.
DIE BÜHNE ALS PIAZZA
Die Welturaufführung der Oper „Anna A.“ von Silvia Colasanti über Verfolgung, Verlust, Zensur im Leben der russischen Lyrikerin Anna Achmatova in der Mailänder Scala. Sprechtheater, musikalische Charakterisierung, Gesang und Video finden in der Regie von Giulia Giammona zu einer vielschichtigen Erzählform zusammen Mailand (Teatro alla Scala) – Im Mittelpunkt der Oper Anna A. mit der Musik von Silvia Colasanti steht das Leben der Lyrikerin Anna Achmatova (1889 – 1966), die als bedeutendste Dichterin russischer Sprache im 20. Jahrhundert gilt. Die Oper, die jetzt an der Mailänder Scala ihre Welturaufführung erlebt hat, rückt flashartig Schicksalsschläge und dramatische Ereignisse ihres Lebens ins Licht. Die Inszenierung steht im Zusammenhang mit dem Jugendprogramm der Scala. Bei einigen Rollen kamen Solistinnen und Solisten der Musikakademie der Mailänder Oper zum Einsatz. Die Accademia Teatro alla Scala stellt auch das Orchester (Leitung durch die Deutsch-Russin Anna Skryleva) und den angegliederten Jugendchor, was zugleich den hohen künstlerischen Rang dieser in Italien einmaligen Institution unterstreicht.
IM ZEICHEN DER FRAUEN
In Pesaro wurde Bilanz des Rossini Opera Festivals 2025 gezogen – und ein Ausblick auf 2026 gegeben Pesaro – Die Messa per Rossini unter der Leitung von Donato Renzetti bildete den Abschluss der 46. Ausgabe des Rossini Opera Festivals (ROF) im Teatro Rossini. Der Abend war dem Andenken des Gründers und historischen Intendanten des Festivals Gianfranco Mariotti (1933-2024) gewidmet. Insgesamt gab es 42 Programmpunkte. Darunter eine vielbeachtete Neuinszenierung von Zelmira (ein Titel, der seit 2009 beim ROF fehlte) unter der Leitung von Giacomo Sagripanti und inszeniert von Calixto Bieito, der sein Debüt beim Festival gab. Es folgte als weitere Neuproduktion, L’Italiana in Algeri, unter der Leitung von Dmitry Korchak und der Regie von Rosetta Cucchi.
ZELMIRA UND DIE ANDEREN
Die Welt des Balletts in der kleinen aber feinen Ausstellung „Lo sguardo nascosto“ im Theatermuseum der Scala und das gleichnamige Buch des Bühnenfotografen Gérard Uféras Mailand – Wer in diesem Sommer die lombardische Metropole besucht, kann noch bis Mitte September in dem Museum der Scala eine Entdeckung machen: Die kleine Ausstellung „Lo sguardo nascosto“ (Der verstohlene Blick) über die Welt des Balletts am Teatro alla Scala. Sie basiert auf Fotografien eines soeben erschienen gleichnamigen Buchs mit Arbeiten des französischen Bühnenfotografen Gérard Uféras. Der Wert der in diesem Band versammelten Bilder liegt vor allem in den Umständen ihrer Entstehung: Es handelt sich nicht um eine Fotoserie über das Ballettensemble der Mailänder Scala heute, sondern, wie Paolo Besana in einem Textbeitrag dazu schreibt, „um die Dokumentation eines Prozesses: Die ersten Aufnahmen stammen aus dem Jahr 2017. Im Laufe der Jahre kehrte Uféras regelmäßig zurück, fand Orte und Menschen wieder, schloss Freundschaften und näherte sich immer mehr den Geheimnissen der Ballettkompagnie vor allem hinter der Bühne.“ Neben einer Fotoauswahl zeigt die Ausstellung Kostüme historischer Aufführungen sowie Installationen der Papierkünstlerin Caterina Crepax.
