Gegenwartskunst


Fondazione Prada (1): Auf der Suche nach Spuren der Gegenwart in Kunst, Kultur und Wissenschaft. Ein Treffen mit Chiara Costa, Verantwortlich für das Programm der Mailänder Kulturstiftung Mailand – Im unmittelbaren Umfeld des Sitzes der Fondazione Prada im Süden Mailands gibt es keine Plakatwand, die nicht auf die Aktivitäten der Kulturstiftung des Modeunternehmens hinweist. So auch auf Recycling Beauty, den Titel der von Salvatore Settis eingerichteten Ausstellung, die noch bis Ende Februar 2023 zu sehen ist. Es geht um die Wiederverwendung griechischer und römischer Altertümer in postantiken Zusammenhängen vom Mittelalter bis zum Barock. Für alle, die die Fondazione Prada vor allem mit Gegenwartskunst in Verbindung bringen, mag das Thema überraschen. Doch: „Gegenwartskunst allein gehört längst nicht mehr zur Identität der Fondazione.“ Das sagt die 44-jährige Kunsthistorikerin Chiara Costa, die seit drei Jahren als „Head of Programs“ für das Kulturprogramm verantwortlich ist, im Gespräch.

ETWAS KULTURELL DAUERHAFTES


Bruce Nauman, Dineo Seshee Bopape und der Mailänder Pirelli HangarBicocca  Mailand (Hangar Bicocca bis 26.2.) – Nach Steve McQueen und Anicka Yi in diesem Frühjahr zeigt der Mailänder Pirelli HangerBicocca jetzt im Herbst/Winter als Hauptausstellung Bruce Nauman Neon Corridors Rooms. Für 2023 sind u.a. weitere Ausstellungen von Ann Veronica Janssens, James Lee Byars oder Thao Nguyen Phan geplant. Die monografische Ausstellungen von internationalen Künstlerinnen und Künstlern, die sowohl neue Produktionen als auch Leihgaben aus den wichtigsten Museen der Welt umfassen, belegen die Bedeutung dieser Kultureinrichtung für die Szene der Gegenwartskunst in Italien. Das ist nicht zuletzt ein Verdienst von Vicente Todolí und seinem Team von Kuratorinnen und Kuratoren.

PUNKT UND KONTRAPUNKT



Der amerikanische Künstler Nari Ward verwandelt auf Einladung der Fondazione Trussardi das Schwimmbecken eines Mailänder Freibades in einen goldglänzenden „Emergence Pool“ Mailand (Centro Balneare Romano bis 16.10.) – Golden schimmert die Wasseroberfläche des Mailänder Schwimmbads „Centro Balneare Romano“. Hunderte Rettungsdecken, wie man sie etwa von der Bergung von Flüchtlingen aus dem Mittelmeer kennt, bewegen sich sanft auf dem Wasser des Freibads. Manche Decken werden vom Wind angehoben, verschoben, so dass Helfer in Taucheranzügen ins Becken steigen und sie wieder in Position bringen. Emergence Pool nennt der amerikanische Künstler Nari Ward (geboren in Jamaika 1963) seine für die Stadt Mailand projektierte Installation. Sie ist der Höhepunkt einer kleinen, von Massimiliano Gioni kuratierten Ausstellung der Fondazione Nicola Trussardi mit dem Titel Gilded Darkness.

GÜLDENE DUNKELHEIT


Der Künstler und Bühnenbildner Daniele Lievi und seine Visionen (nicht nur) der Theaterwelt in einer bemerkenswerten Ausstellung im MuSa, dem Museum von Salò  Mailand/Salò (MuSa bis 30.11.) ­–  Bildende Künstler von Pablo Picasso bis Anselm Kiefer haben gelegentlich Wege in die Theaterwelt gesucht und sie etwa mit Bühnenbildern bereichert. Aber keiner hat sein künstlerisches Schaffen so radikal mit der Bühne verbunden wie der früh verstorbene Daniele Lievi (1954-1990) – in enger Zusammenarbeit mit seinem zwei Jahre älteren Bruder, dem Regisseu, Autor und Lyriker Cesare Lievi. Auf dessen Initiative hin wird jetzt in Salò am westlichen Ufer des Gardasees unter dem Titel „Carte Segrete – Teatro Visioni“ (Geheime Blätter – Theater Visionen) eine umfassende Ausstellung mit Arbeiten von Daniele Lievi gezeigt, nachdem es im Vorjahr gleichsam als Wegbereitung bereits eine kleinere Ausstellung in Brescia gegeben hatte.

GEHEIME BLÄTTER



Die 23. Internationale Triennale Mailand „Unknown Unknowns“ versucht, Nachdenken über Nichtwissen anschaulich zu machen – was nicht immer gelingt. Mailand (bis 11.12.)  – Crash oder friedliche Vereinigung? Die Andromeda-Galaxie bewegt sich auf unser Milchstraßensystem zu und wird es vermutlich in 4 Milliarden Jahren erreichen. Eine Videoinstallation verkürzt diesen Zeitraum auf wenige Sekunden und zeigt, wie sich die beiden Systeme annähern. Offen bleibt, ob es dabei zu ihrer gegenseitigen Zerstörung kommt. Nicht alle Installationen dieser 23. Internationalen Triennale Mailand, die unter dem Obertitel Unknown Unknowns eine „Einführung in die Geheimnisse des Unbekannten“ geben möchte, sind so anschaulich wie diese Arbeit des türkisch-amerikanischen New-Media-Künstlers Refik Anadol.

DURCH EINEN ROTEN FLUR