Reportagen und Berichte


    LEBEN, SCHWUNG UND SPANNUNG

    Gestern in der Oper: Mit der Carmen von Georges Bizet unter dem Dirigenten Myung-whun Chung und in der Regie von Damiano Michieletto stimmte sich die Mailänder Scala auf den Sommer ein – und auf den Wechsel in der musikalischen Leitung

    Foto Brescia e Amisano © Teatro alla Scala

    Am Ende steht ein Femizid: Don José (Vittorio Grigolo) und Carmen (Clémentine Margaine)

    Mailand – Es war eine Art Übergabe gleichsam bei laufenden Motoren auf der Bühne des Teatro alla Scala: Anfang Juni hatte noch Riccardo Chailly (73), der scheidende musikalische Leiter der Mailänder Oper, Verdis Nabucodonosor dirigiert. Mitte des Monats griff sein Nachfolger (ab Spielzeit 26/27) Myung-whu Chung (73) zum Taktstock und stand für Bizets Carmen am Pult. Kontrolliert und analytisch der eine, emotional und spontan im Umgang mit Tempo und Phrasierung der andere. „Mit Chung – hurra!  – ist die Freude am Abenteuer des Zuhörens ins Theater zurückgekehrt“, jubilierte die Kritikerin der Tageszeitung Il Sole 24 Ore. Doch sollte man die beiden herausragenden Dirigenten nicht gegeneinander ausspielen, dafür waren auch die Vorlagen (Verdi, Bizet) viel zu verschieden. Riccardo Chailly wird als einer der bedeutenden musikalischen Leiter der Scala in Erinnerung bleiben (und weiterhin an der Mailänder Oper auftreten).

    weiter zum Artikel

    WAS WIR WIRKLICH BRAUCHEN

    Der Suffizienz-Gedanke und seine innovative Rolle in der Stadt- und Landschaftsplanung. Ein Gastbeitrag von Andreas Kipar(*)

    © Cluverius

    Stichworte für eine nachhaltige Stadtentwicklung: Wartung, Umbau, Rückbau, Schaffung von Freiräumen (Mailand Parco BAM)

    Mailand - Der Suffizienz-Gedanke, die Frage nach Maßhalten, nach Nutzung des Bestehenden, ist letztendlich eine Frage des Lebensstils, der Haltung. Das gilt für den Einzelnen, der seinem Leben im Alltag Sinn vermitteln möchte und bereit ist, privaten Verbrauch zugunsten des allgemeinen Wohlstands zu reduzieren. Das gilt für Unternehmen und Verbände, die Gewinnstreben mit dem Erhalt von Ressourcen abwägen. Und das gilt für Politik und Verwaltung, um den Herausforderungen der Gegenwart gerecht zu werden und langfristig die Basis für eine bessere, eine nachhaltige Zukunft zu legen, statt kurzfristig in einen Wettbewerb um Wählergunst einzutreten. Die Frage, was brauchen wir wirklich, ist nicht zu trennen von den Fragen, wie wollen wir leben und was wollen wir sein. In diesen ethischen Zusammenhängen bewegt sich Städte- und Landschaftsplanung.

    weiter zum Artikel

    DIE BÜHNE ALS PIAZZA

    100 Jahre nach der Geburt von Dario Fo und zehn Jahre nach seinem Tod feiert Italien einen „Giullare e Pittore“, einen „Gaukler und Maler“, wie es auf seinem Grabstein steht – aber es bleibt nicht viel mehr als Erinnerung

    ©  Ciminaghi / PiccoloTeatroMilano

    Der Anfang einer langen Karriere: Dario Fo auf der Bühne des Piccolo Teatro in der satirischen Revue "Il dito nell'orecchio" (1953 zusammen mit Franco Parenti und Giustino Durano)

    Mailand – So ein Datum konnte man einfach nicht übersehen: Am 24. März vor 100 Jahren kam Dario Fo auf die Welt. Der beliebte Schauspieler, volkstümliche Autor und gesellschaftlich engagierte Künstler war bis kurz vor seinem Tod im Oktober 2016 in der italienischen Öffentlichkeit präsent. So gab es jetzt für den Literaturnobelpreisträger von 1997 eine Reihe Veranstaltungen in Rom (Teatro Sistina), Mailand (Piccolo Teatro) oder an verschiedenen Orten mit Initiativen der Familienstiftung, der Fondazione Fo-Rame. Gefeiert wurde der kritische Geist, Querdenker und Theatermacher meist alleine, manchmal auch zusammen mit seiner Partnerin Franca Rame (1929 – 2013). Und was besonders im Ausland übersehen wird, erinnert wurde ebenso an den Autor von Dutzenden Lieder- und Songtexten (Musik oft von Fiorenzo Carpi). Die Stadt Mailand widmete Dario und Franca jetzt eine Gedenktafel an ihrer langjährigen Wohnstätte in der Via Porta Romana.

    weiter zum Artikel

    BUONGIORNO!

    Das Piccolo Teatro holt das Kino auf die Bühne und inszeniert den Filmklassiker „Miracolo a Milano“ aus den 1950er-Jahren für das Theaterpublikum von heute – und spiegelt zugleich die gegenwertige Stadtentwicklung in jener der Vergangenheit

    © Foto Master Pasquali / Piccolo Teatro

    Giulia Lazzarini (Lolotta) und Lino Guanciale (Totò): Die Lust, eine alte Geschichte neu zu erzählen

    Mailand – Als der Film „Miracolo a Milano“ von Vittorio De Sica und Cesare Zavattini 1951 in die Kinos kam, reagierte die Kritik gespalten. Einerseits war der fabelhafte Charakter dieses „Wunders von Mailand“ verdächtig und wurde als sozial vertröstend kritisiert. Anderseits wurde das Märchenhafte als Überwindung eines inzwischen steril empfunden Neorealismus gefeiert und die „favola bella“ als der Traum einer besseren Welt. 75 Jahre danach holt das Piccolo Teatro das Kino von einst in einer theatralischen Bearbeitung auf die Bühne. Mit vielen Einspielungen von Filmsequenzen, aber auch mit Videobildern der Metropole von heute, möchte die Inszenierung von Claudio Longhi eine Hommage an Mailand sein und zugleich einen kritischen Blick auf die Gegenwart bieten.

    weiter zum Artikel

    SPORT UND KULTUR

    Während der Winterspiele unterstreicht Mailand seine Stellung als internationale Metropole der schönen Künste u.a. mit Ausstellungen im Palazzo Reale. Eine über drei Regionen diffus gestreute „Kulturolympiade“ kommt dagegen nicht über lokale Bedeutung hinaus

    © Cluverius

    Bereit zum Schlagabtausch - "Pugliatrice" (1926, Ausschnitt) ein Gemälde aus der Geschichte der olympischen Spiele von Giacomo Gabbiani der Fondazione Rovati

    Mailand –  Auf einer Amphore aus dem 6. Jahrhundert vor Christus ist ein Diskuswerfer abgebildet. In der Nachbarvitrine liegt ein Staffelstab aus Aluminium mit Autogrammen der italienischen Athleten, die bei den Olympischen Spielen Tokio 2020 Gold gewinnen konnten. Daneben ist ein Lekythos, eine Ölkanne der ersten Hälfte des 5. Jahrhundert vor Christus zu sehen, die mit der Darstellung von Läufern verziert ist. Dann rückt das Gemälde einer Boxerin von 1926 ins Blickfeld. Mit einfachen, teilweise eindrucksvollen Belegen wird eine kleine, aber intensive Ausstellung ihrem Titel „Die Olympischen Spiele – Eine dreitausend Jahre lange Geschichte“ gerecht. Nur wenigen Veranstaltrungen, die zurzeit in Norditalien zu sehen sind, gelingt es, Sport und Kultur so zu verbinden wie diese Ausstellung in den eleganten Räumen der Mailänder Fondazione Rovati.

    weiter zum Artikel

    EINE STIMME GEBEN

    50 Jahre Radio Popolare di Milano. Der linke Mailänder Lokalsender gilt als Einzelfall im Panorama des unabhängigen und nichtkommerziellen Rundfunks in Europa. Doch Radiomacher wie Hörer werden immer älter.

    © Cluverius

    All you need is (Radio) Pop - Murales neben den Studios des Senders in der Mailänder Vorstadt

    Mailand – Rund zehn Jahre bevor in Deutschland private Radios neben den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Programme ausstrahlen konnten, begannen sich bereits in Italien private Sender als „radio libere“ neben der staatlichen RAI zu etablieren. Eine historische Entscheidung des römischen Verfassungsgerichts im Juli 1976 ließ die Ausstrahlung private Radioprogramme auf lokaler Ebene zu und legalisierte damit eine Reihe von Gründungen der Vorjahre. Dazu gehörte auch der Sender Radio Popolare in Mailand, der im Dezember 1975 gegründet ab dem September 1976 mit einem Vollprogramm auf Sendung ging. Während die meisten Radiostationen die Anfangsjahre dieser Entwicklung nicht überlebten, hat Radio Popolare nicht nur alle Krisen in der Medienlandschaft überwunden, sondern bis heute seinen Charakter als ein unabhängiger und gesellschaftspolitisch linksorientierter lokalverwurzelter Sender mit nationaler Ausstrahlung beibehalten.

    weiter zum Artikel

    IM ZEICHEN DER FRAUEN

    Die Welturaufführung der Oper „Anna A.“ von Silvia Colasanti über Verfolgung, Verlust, Zensur im Leben der russischen Lyrikerin Anna Achmatova in der Mailänder Scala. Sprechtheater, musikalische Charakterisierung, Gesang und Video finden in der Regie von Giulia Giammona zu einer vielschichtigen Erzählform zusammen

    © Teatro alla Scala / Foto Brescia e Amisano

    Erinnerungsarbeit: Verschiedene Alterstufen der Anna Achmatova in unterschiedlichen Räumen und im Video

    Mailand (Teatro alla Scala) – Im Mittelpunkt der Oper Anna A. mit der Musik von Silvia Colasanti steht das Leben der Lyrikerin Anna Achmatova (1889 – 1966), die als bedeutendste Dichterin russischer Sprache im 20. Jahrhundert gilt. Die Oper, die jetzt an der Mailänder Scala ihre Welturaufführung erlebt hat, rückt flashartig Schicksalsschläge und dramatische Ereignisse ihres Lebens ins Licht. Die Inszenierung steht im Zusammenhang mit dem Jugendprogramm der Scala. Bei einigen Rollen kamen Solistinnen und Solisten der Musikakademie der Mailänder Oper zum Einsatz. Die Accademia Teatro alla Scala stellt auch das Orchester (Leitung durch die Deutsch-Russin Anna Skryleva) und den angegliederten Jugendchor, was zugleich den hohen künstlerischen Rang dieser in Italien einmaligen Institution unterstreicht.

    weiter zum Artikel

    TRÄUMERISCHE AUGEN

    Cremona macht mit einer Ausstellung den Renaissancemaler Boccaccio Boccaccino einer breiteren Öffentlichkeit bekannt

    © Galleria Uffizi Firenze/ Mostra Museo Diocesano Cremona
    Keine Madonna, sondern ein Zigeunermädchen ("La Zingarella") - eindrucksvolles Miniaturbild von Boccaccio Boccaccino (24 x 19 cm, Venedig um 1500/1506) in der dem Maler gewidmeten monografischen Ausstellung im Diözesanmuseum von Cremona

    Mailand - Bedeutende Sammlungen wie herausragende Einzelwerke in den Museen der großen Städte verstellen oft den Blick auf den kulturellen Reichtum des ländlichen Raums und seine Geltung für die italienischen Kunstlandschaften. Das unterstreicht gerade eine Ausstellung im Museo Diocesano der lombardischen Kreisstadt Cremona, die dem Maler Boccaccio Boccaccino (um 1462/66 bis 1525) gewidmet ist. 500 Jahre nach seinem Tod werden sechzehn von insgesamt rund dreißig bekannten Gemälden des Künstlers mit vorwiegend religiösen Motiven gezeigt. Sie belegen, wie der dem großen Publikum eher unbekannte Boccaccino nach einem wechselseitigen Leben zwischen Ferrara, Genua, Milano, Venedig und Rom in Cremona zur Ruhe kam und zwischen den Einflüssen zunächst aus der Emilia und dann der Schulen von Leonardo, Bellini oder Giorgione zu einem eigenen eindrucksvollen Stil fand.

    weiter zum Artikel

    AUS VERSCHIEDENEN BEREICHEN

    Zwischen neu interpretierter Altertumswissenschaft und hoffnungsvoller Gentherapie: Die Balzanpreise 2025 unterstreichen die Herausforderungen, denen sich die Wissenschaften heute in der Gesellschaft stellen müssen

    © Balzan.org
    Mit dem Balzanpreis ausgezeichnet: Der Immunologe Carl H. June, die Kunstwissenschaftlerin Rosalind Krauss, der Althistoriker Josiah Ober (alle USA) und der Physiker Christophe Salomon (Frankreich) - von oben links im Uhrzeigersinn

    Mailand – Jedes Jahr gibt die Internationale Stiftung Balzan (Mailand/Zürich) Anfang September die Namen der Persönlichkeiten bekannt, deren Forschungen mit dem Preis der renommierten Wissenschaftseinrichtung ausgezeichnet werden. In der Regel sind das je zwei in den Natur- und in den Geisteswissenschaften. In diesem Jahr 2025 werden geehrt: Josiah Ober (Stamford University, USA) für Altertumswissenschaften: Athenische Demokratie – neu betrachtet; Rosalind Krauss (Columbia University, USA) für Kunstgeschichte der Gegenwart; Christophe Salomon (Laboratoire Kastler Brossel Paris, Frankreich) für Atome und ultrapräzise Messing der Zeit; sowie Carl H. June (University of Pennsylvania, USA) für Gentherapie und genmodifizierte Zelltherapie. Die Preise sind mit je 750.000 Schweizer Franken (rund 800.000 Euro) dotiert, wobei nach der Satzung der Stiftung die Hälfte des Preisgeldes in weitere Forschungsprojekte investiert werden sollen, die von jungen Wissenschaftlern der jeweiligen Fachbereiche durchgeführt werden.

    weiter zum Artikel

    DER VERSTOHLENE BLICK

    Die Welt des Balletts in der kleinen aber feinen Ausstellung „Lo sguardo nascosto“ im Theatermuseum der Scala und das gleichnamige Buch des Bühnenfotografen Gérard Uféras

    © Teatro alla Scala /Foto Vito Lorusso
    Die Welt hinter dem Vorhang - Zugang zum Scalamuseum mit dem Hinweis auf die Ausstellung

    Mailand – Wer in diesem Sommer die lombardische Metropole besucht, kann noch bis Mitte September in dem Museum der Scala eine Entdeckung machen: Die kleine Ausstellung „Lo sguardo nascosto“ (Der verstohlene Blick) über die Welt des Balletts am Teatro alla Scala. Sie basiert auf Fotografien eines soeben erschienen gleichnamigen Buchs mit Arbeiten des französischen Bühnenfotografen Gérard Uféras. Der Wert der in diesem Band versammelten Bilder liegt vor allem in den Umständen ihrer Entstehung: Es handelt sich nicht um eine Fotoserie über das Ballettensemble der Mailänder Scala heute, sondern, wie Paolo Besana in einem Textbeitrag dazu schreibt, „um die Dokumentation eines Prozesses: Die ersten Aufnahmen stammen aus dem Jahr 2017. Im Laufe der Jahre kehrte Uféras regelmäßig zurück, fand Orte und Menschen wieder, schloss Freundschaften und näherte sich immer mehr den Geheimnissen der Ballettkompagnie vor allem hinter der Bühne.“ Neben einer Fotoauswahl zeigt die Ausstellung Kostüme historischer Aufführungen sowie Installationen der Papierkünstlerin Caterina Crepax.

    weiter zum Artikel

    AUF DER SUCHE NACH ANTWORTEN

    Drei Ausstellungen in Mailand, ein weiteres Ausstellungsprojekt in Venedig und die Einrichtung eines Film Funds – die Fondazione Prada sprüht geradezu vor Aktivität

    © Ursula Schulz-Dornburg / Courtesy Fondazione Parda

    Die Kunst des Wartens - Bushaltestelle in Armenien. Foto von Ursula Schulz-Dornburg ("Transit Sites Armenia Echiniadzin Erevan" 2002) in der Ausstellung der Fondazione Prada über deutsche Fotografie des 20. Jahrhunderts ("Typologien")

    Mailand / Venedig – Ein Überblick über die Entwicklung der Fotografie im Deutschland des 20. Jahrhunderts („Typologien“ bis 14. Juli) sowie eine Monografie des belgischen Künstlers Thierry De Cordier („Nada“, bis 29. 9.) sind neben der festen Sammlung von Gegenwartskunst im Mailänder Hauptsitz der Prada-Kulturstiftung zu sehen. Im Osservatorio, den Ausstellungsräumen in der Galleria zwischen Domplatz und Scalaplatz, geht es derweil um die Rolle des Storyboards für Film- und TV-Produktionen („A Kind of Language“, bis 8. 9.). Und im venezianischen Sitz problematisiert Rem Koolhaas die Geschichte der visuellen Kommunikation mit Daten („Diagrams“, bis 24. 11.)

    weiter zum Artikel

    DIE NATUR IM MITTELPUNKT

    Green City Italia, ein internationales Forum zum Thema Stadterneuerung und die Mailänder „Green Charta 2025“ unterwegs zu lebenswerten, widerstandsfähigen und gut vernetzten Territorien

    © Cluverius

    Frühling in Mailand - Eindruck aus der Biblioteca degli Alberi, einer Parkanlage in Nachbarschaft zur Regionalverwaltung der Region Lombardei, wo das "European Green City Forum" stattfand

    Mailand – Die 2010 gegründete Vereinigung Green City Italia hat ihr 15-jähriges Bestehen mit einem internationalen Forum unter der Schirmherrschaft der Stadt Mailand und der Region Lombardei gefeiert. Experten, Wissenschaftler, lokale Verwaltungsbeamte und Vertreter anderer europäischer stadtgrüner Vereine/Stiftungen diskutierten Anfang Juni das Themen Stadterneuerung zwischen Natur, Innovation und notwendiger Bürgerbeteiligung. Strategien und konkrete Lösungen im Zeichen der Nachhaltigkeit und Klimaresilienz standen dabei im Mittelpunkt. Am Ende der Veranstaltung wurde eine „Green Charta 2025“ mit neun Thesen über lebenswerte, widerstandsfähige und gut vernetzte Territorien verabschiedet (hier zum deutschen Text).

    weiter zum Artikel

    GREEN CHARTA 2025

    Auf dem Weg zu lebenswerten, widerstandsfähigen und gut vernetzten Territorien

    Mailand (European Green City Forum) - Wir, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner – Vertreter lokaler und regionaler Institutionen, Techniker, Verwaltungsfachleute und Förderer einer Kultur des Grünen – erkennen die Dringlichkeit der aktuellen Klimakrise und die Notwendigkeit, konkret, koordiniert und messbar zu handeln, um Städte und Regionen zu schaffen, die Lebensqualität, Umweltgerechtigkeit und eine Zukunft für die nächsten Generationen gewährleisten können.  Wir verpflichten uns, einen ökologischen und kulturellen Wandel unserer Städte und Regionen zu fördern, der auf folgenden Grundsätzen basiert:

    weiter zum Artikel

    BÜHNENGEFLÜSTER

    Die Mailänder Scala, eine neue Spielzeit, eine Museumseinrichtung und eine Buchveröffentlichung über ihre Geschichte parallel zur Stadthistorie im Vorfeld der Feiern zur Gründung der Oper vor 250 Jahren

    © Cluverius

    Strahlt weit über Mailand hinaus: Das Teatro alla Scala in dem 1778 von Giuseppe Piermarini errichteten Bühnenhaus an Stelle der Kirche S. Maria alla Scala

    Mailand – Das Teatro alla Scala, das Flaggschiff der italienischen Opernhäuser, hat mit einem Blick nach vorne die Spielzeit 2025/2026 vorgestellt, die am 7. Dezember mit “Lady Macbeth von Mzensk” von Dmitri Schostakowitsch mit Riccardo Chailly am Pult eröffnet wird. Zugleich lässt das Theater seine Vergangenheit aufleben: Im Mailänder Museo della Scienza e della Tecnologia erlebt ein Modul der alten hydraulischen Hebebühne, die von 1938 bis zum Umbau 2002 ihre Dienste tat, in einer festen Einrichtung seine Auferstehung. Zugleich untersucht eine prächtig ausgestattete Veröffentlichung („La Scala. Architettura e città“) die Beziehung der Bühne zur Stadt. Ein großes Ereignis wirft so seine Schatten voraus: In drei Jahren kann die Scala, die 1778 in dem nach Plänen von Giuseppe Piermarini errichteten Bühnenhaus eröffnet wurde, ihr 250-jähriges Bestehen feiern.

    weiter zum Artikel

    ELEGANTES, LOCKERES HANDWERK

    Auf der Bühne: Die erfolgreiche Weltpremiere der Oper „Il Nome della Rosa“ mit der Musik von Francesco Filidei unter der Leitung von Ingo Metzmacher und der Regie von Damiano Michieletto in Mailand

    Foto: Brescia/Amisano © Teatro alla Scala

    Die Vision von Adso - Kate Lindsay in der Rolle des Adlatus von Guglielmo da Baskerville - einer der emotionalen Höhepunkte der Oper

    Mailand – Als das Teatro alla Scala die neue Oper „Il Nome della Rosa“ von Francesco Filidei mit nur vier Wiederaufnahmen nach der Weltpremiere am 27. April programmierte, geschah das vielleicht in einer Art Zurückhaltung. Immerhin birgt die absolute Neuheit einer Oper zeitgenössischer Musik für ein der Tradition verpflichtetes Haus wie die Scala ein gewisses Risiko. Doch die Vorsicht war unbegründet: Bereits im Vorfeld waren alle fünf Aufführungen der Auftragsarbeit der Scala und der Opéra national de Paris ausverkauft. Die Premiere wurde ein Erfolg beim Publikum wie bei der Kritik. Und lang anhaltender Beifall beschloss die Inszenierungen unter der musikalischen Leitung von Ingo Metzmacher und der Regie von Damiano Michieletto auch an den folgenden Abenden. Das ist auf der einen Seite sicher dem Libretto und der gelungene Übertragung eines so vielschichtigen Stoffs wie des berühmten Romans von Umberto Eco zu verdanken.

    weiter zum Artikel

    »DIE DEMOKRATIE HÄNGT VON UNS AB«

    80 Jahre Kriegesende (1): Italienische Debatten zum Jahrestag der Befreiung vom Nazifaschismus, die Rolle des antifaschistischen Widerstands und eine Veröffentlichung über die Geschichte der Resistenza des Historikers Santo Peli

    © Cluverius

    Aufmarsch zur großen Feier - Mailand Piazza Duomo 80 Jahre nach dem 25. April 1945

    Mailand – Am 25. April 1945 zogen Partisanen in das von den deutschen Truppen verlassene Mailand ein. Das Comitato di Liberazione Nazionale Altaitalia CLNAI (Nationales Befreiungskomitee Oberitalien), das in der Stadt seinen Sitz hatte, rief zum Aufstand in allen noch von Faschisten und Besatzern kontrollierten Gebieten und zu landesweiten Streiks auf. Der 25. April wurde dann 1946 unter der ersten Regierung von Alcide De Gasperi zum Nationalfeiertag erklärt, um die totale Befreiung des Staatsgebietes zu erinnern und zu würdigen. Die Resistenza, die Rolle des bewaffneten Kampfes in Italien, der mit der Besatzung des Landes durch die Wehrmacht am 8. September 1943 begonnen hatte, und die Bedeutung des Antifaschismus für die Herausbildung eines republikanischen und demokratischen Staates nach dem Krieg sind Themen, die in der historischen Entwicklung Italiens der Nachkriegszeit eine grundlegende Geltung haben. Sie werden auch jetzt zum 80. Jahrestag der Befreiung vom Nazifaschismus diskutiert, zumal das Land in einer Koalition mehrheitlich von der Partei Fratelli Italia regiert wird, die aus der neofaschistischen Nachfolgeorganisation MSI hervorgegangen ist.

    weiter zum Artikel


    BRANDING PUCCINI

    Vom Stummfilm bis zur KI: die kleine, aber konzentrierte Ausstellung „Puccini – Opera Meets New Media“ im Museum der Mailänder Scala

    ©Cluverius

    Aufgang zur Ausstellung im Scalamuseum mit einem DreiD-Porträt Puccinis realisiert von Hadi Karimi

    Mailand – Ein Komponist wie Giacomo Puccini (1858 – 1924) stand nicht nur musikalisch mit einem Bein im 19. und dem anderen im 20. Jahrhundert. Über seinen Arbeiten, die allerdings von Teilen der Musikkritik als eher konservativ beurteilt werden, erlebte er auch ganz modern den Umbruch des Musiktheaters und seine Industrialisierung durch neue Techniken und mediale Verbreitung. Eine im hundertsten Todesjahr des Komponisten von Bertelsmann und dem Archivio Storico Ricordi organisierte Ausstellung „Puccini – Opera Meets New Media“ ist im Museum der Mailänder Scala zu sehen. Sie versucht mit Objekten, Fotografien, Videos, Musikeinspielungen, Kostümen und Installationen die Beziehung von Puccini und seinem Verlagshaus Ricordi zu den im frühen 20. Jahrhundert aufkommenden Medien wie Kino oder Schallplatte ebenso zu untersuchen wie neue Methoden der Vermarktung.

    weiter zum Artikel