Biennale (1): Die 61. Internationale Kunstbiennale Venedig setzt auf leise Töne und spiegelt in ihrer Hauptausstellung vor allem die Vielfalt des Globalen Südens, während die Länderpavillons auf der Suche nach einer eigenen Rolle sind Venedig – Der Trubel im Vorfeld der 61. Kunstbiennale hat sich gelegt. Abgesehen von verstärkten Sicherheitsmaßnahmen etwa vor dem Pavillon Israels oder vor dem geschlossenen Russlands mit einem kuriosen Monitorprogramm davor (siehe hier auf Cluverius) pflegt die internationale Kunst und Kultur ihren Auftritt. Sie tut das nach dem diesjährigen Motto der Biennale „In Minor Keys“, in leiseren „Moll-Tönen“. So wie es sich die Kuratorin Koyo Kouoh (Kamerun/Schweiz) gewünscht hatte, die im Mai vergangenen Jahres im Alter von 57 Jahren unerwartet verstarb. Ein noch von ihr eingesetztes Mitarbeiterteam konnte zwar ihre Vorbereitungen konzeptionell erfolgreich zu Ende bringen, doch begann diese Biennale mit einem Hauch von Trauer.
Venedig
Biennale (2): Der Deutsche Pavillon unter ostdeutscher Perspektive – spielerisch und bedrückend zugleich Venedig – Der erste Blick irritiert. Der Deutsche Pavillon der Biennale 2026 zeigt sich namenlos ohne den gewohnten Schriftzug „Germania“ und in anderem Gewand. Das Gebäude – 1909 als Bayrischer Pavillon errichtet und ab 1912 als Deutscher genutzt – war 1938 von den Nationalsozialisten im monumentalen Stil umgebaut worden. Seitdem ihn die Bundesrepublik betreibt, hat es etwa mit dem aufgebrochenen Fußboden des Konzeptkünstlers Hans Haacke 1993 unterschiedliche Versuche gegeben, sich mit der Ästhetik der NS-Vergangenheit auseinanderzusetzen. Jetzt tritt er uns identitätslos und in einer schmutzig verwaschenen Haut aus rund drei Millionen Mosaiksteinen gegenüber. Die wurde der Fassade eines von Abriss bedrohten Ostberliner Plattenbaus samt aufgesprayten Graffitis nachgebildet. Aus dem Deutschen ist ein Ostdeutscher Pavillon geworden.
AUFERSTANDEN AUS RUINEN
Die Kunstbiennale, die unter dem Motto „In Minor Keys“ auf der Suche nach leisen Tönen sein will, startet unter ziemlich lauten Vorzeichen. Venedig – Bei der Kunstbiennale Venedig, die am Samstag den 9. Mai offiziell eröffnet wird, haben die Tage der Vorbesichtigung begonnen. Von Protesten begleitet wurde jetzt der russische Pavillon „eröffnet“, der aber übermorgen zu Beginn der Biennale wieder geschlossen wird. Die internationale Preisjury, die die Gewinner der Goldenen Löwen ermitteln sollte, ist zurückgetreten, nachdem sie zunächst angekündigt hatte, Russland und Israel von der Preisvergabe auszuschließen. Die Goldenen Löwen sollen jetzt durch ein Publikumsvotum vergeben werden. Südafrika hat die Künstlerin, die im Pavillon des Landes auftreten sollte, aus dem Haus gejagt, weil sie sich mit ihren Arbeiten zu sehr mit den Folgen des Gazakrieges beschäftigt habe und deshalb „einen gespaltenen Beitrag“ leisten würde. Der Iran hat in diesem Jahr ganz auf eine Beteiligung verzichtet. Die Wellen schlagen hoch in der Lagunenstadt.
DUR STATT MOLL
Drei Ausstellungen in Mailand, ein weiteres Ausstellungsprojekt in Venedig und die Einrichtung eines Film Funds – die Fondazione Prada sprüht geradezu vor Aktivität Mailand / Venedig – Ein Überblick über die Entwicklung der Fotografie im Deutschland des 20. Jahrhunderts („Typologien“ bis 14. Juli) sowie eine Monografie des belgischen Künstlers Thierry De Cordier („Nada“, bis 29. 9.) sind neben der festen Sammlung von Gegenwartskunst im Mailänder Hauptsitz der Prada-Kulturstiftung zu sehen. Im Osservatorio, den Ausstellungsräumen in der Galleria zwischen Domplatz und Scalaplatz, geht es derweil um die Rolle des Storyboards für Film- und TV-Produktionen („A Kind of Language“, bis 8. 9.). Und im venezianischen Sitz problematisiert Rem Koolhaas die Geschichte der visuellen Kommunikation mit Daten („Diagrams“, bis 24. 11.)
AUF DER SUCHE NACH ANTWORTEN
Biennale (2): Ein „Stresstest“ im deutschen Pavillon Venedig: Der deutsche Beitrag zur Architekturbiennale 2025 widmet sich unter dem Titel „Stresstest” den dramatischen Auswirkungen der Erderwärmung auf das urbane Leben. Ein Video, das den weitläufigen zentralen Bereich des Pavillons raumhoch füllt, bringt es schnell auf den Punkt. Zuerst leuchtet unser Planet in harmonischem Blau. Dann folgen Aufnahmen von Platzanlagen in Berlin, Frankfurt oder München. Sie werden von Wärmebildern überlagert, die zeigen, wie Hitze sich über Glasfassade oder schattenlose Pflaster dramatisch ausbreitet.
