Während der Winterspiele unterstreicht Mailand seine Stellung als internationale Metropole der schönen Künste u.a. mit Ausstellungen im Palazzo Reale. Eine über drei Regionen diffus gestreute „Kulturolympiade“ kommt dagegen nicht über lokale Bedeutung hinaus Mailand – Auf einer Amphore aus dem 6. Jahrhundert vor Christus ist ein Diskuswerfer abgebildet. In der Nachbarvitrine liegt ein Staffelstab aus Aluminium mit Autogrammen der italienischen Athleten, die bei den Olympischen Spielen Tokio 2020 Gold gewinnen konnten. Daneben ist ein Lekythos, eine Ölkanne der ersten Hälfte des 5. Jahrhundert vor Christus zu sehen, die mit der Darstellung von Läufern verziert ist. Dann rückt das Gemälde einer Boxerin von 1926 ins Blickfeld. Mit einfachen, teilweise eindrucksvollen Belegen wird eine kleine, aber intensive Ausstellung ihrem Titel „Die Olympischen Spiele – Eine dreitausend Jahre lange Geschichte“ gerecht. Nur wenigen Veranstaltrungen, die zurzeit in Norditalien zu sehen sind, gelingt es, Sport und Kultur so zu verbinden wie diese Ausstellung in den eleganten Räumen der Mailänder Fondazione Rovati.
Design
„A Kind of Language“ – unter diesem Titel widmet sich die Fondazione Prada mit einer Ausstellung im Mailänder Osservatorio der Rolle des Storyboards in der Filmgeschichte mit Beispielen von den 1920er-Jahren bis heute Mailand (Osservatorio Prada) – Die Ausstellung „A Kind of Language“ untersucht den kreativen Prozess im Vorfeld des Filmemachens, indem sie Storyboards und andere Materialien wie Moodboards, Zeichnungen und Skizzen, Sammelalben und Notizbücher, kommentierte Drehbücher und Fotografien aus Filmen von Chaplin bis Anderson, von Pasolini bis Wenders präsentiert. Gezeigt werden Beispiele von den 1920er-Jahren bis heute von mehr als 50 Autoren, darunter Regisseure, Kameraleute, Künstler, Grafikdesigner, Animatoren, Choreografen und andere Personen aus dem Bereich der Film- und Videoproduktion.
EINE ART SPRACHE
Giuseppe Mazza und sein Buch „Campagne di guerra“ – die informative und breit dokumentierte italienische Untersuchung über Krieg und Kommunikation und über PR in militärischen Konflikten wäre eine Übersetzung ins Deutsche wert Mailand – Krieg setzt das Denken außer Kraft, vor allem das selbstkritische Denken. An seine Stelle tritt die Propaganda. Sie wird zu einer Waffe, die im Kampf mit dem Gegner, aber auch an der Heimatfront eingesetzt und von den PR-Medien transportiert wird. In dem Buch „Campagne di guerra. 150 anni di comunicazione, pubblicità, propaganda” („Kriegs-Kampagnen. 150 Jahre Kommunikation, Werbung, Propaganda“) spricht der Autor Giuseppe Mazza den PR-Medien zwar grundsätzlich ein demokratisches Potenzial zu, das aber von seinem „tragischen Gebrauch“ zu unterscheiden sei. Und um diesen tragischen Gebrauch geht es ihm in seinem durch u. a. Flugblätter, Plakate, Inserate, Fotografien breit dokumentierten Essay bei einer gelungenen Mischung aus leidenschaftlichen Erzählung und kühler Analyse.
EIN REGEN VON FLUGBLÄTTERN
Mehr Autos oder mehr Natur? Wie unsere Innenstädte mehr Lebensqualität entwickeln können, wenn Eigentum ökologisch verpflichtet wird und sich der urbane Raum als Ganzes unter den Prämissen einer produktiven Stadtlandschaft nachhaltig entwickelt. Ein Gastbeitrag von Andreas Kipar (*) Mailand/Stuttgart – Ach, die City! Die Gründe ihres Niedergangs sind bekannt. Aus einer sich monofunktional zum Einkaufszentrum entwickelten Innenstadt ohne Wohn- und Erlebnisräume wurden die Menschen vertrieben. Sie reisten nur noch zum Shopping an. Die Sucht nach Kapitalrenditen ließ kulturelle Anregungen, soziale Treffpunkte, gastronomische Angebote von Qualität und nicht kommerzielle Arbeitsplätze verkümmern. Internet, der zunehmende Onlinehandel und ein verändertes Konsumverhalten hatten den stationären Einzelhandel und die Warenhäuser bereits in eine Krise gestürzt, als Covid ihnen den Garaus machte und die Innenstädte endgültig verödeten. Die wachsenden, immer mehr Menschen fesselnden urbanen Räume sind aber auf sozial und kulturell lebendige, auf touristisch und wirtschaftlich attraktive Zentren angewiesen, durch die städtische Gemeinwesen einen Zusammenhalt entwickeln können.
ALTE VERHÄLTNISSE AUFBRECHEN
Die Landschaftsplanung der Fondazione Prada und das Manifest der Raggi Verdi von LAND – zwei Beiträge zur Stadtentwicklung Mailands Mailand – Es geht um das Erleben von Stadt als ein mit Natur gefüllter Raum und die Aneignung des grünen Erbes von Mailand. In der Auseinandersetzung um grundlegende Fragen urbaner Entwicklung treffen sich ideell zwei voneinander unabhängige Initiativen: Das Manifest der Raggi Verdi, das gerade für eine kleine interne Ausstellung von dem Beratungs- und Planungsunternehmen LAND verfasst wurde, und die Veröffentlichung #35 Urbano Rurale Selvatico („Urban Ländlich Wild“), eine Dokumentation der landschaftlichen Gestaltung bei der Umwandlung eines ehemaligen Industriebetriebes zum Mailänder Sitz der Fondazione Prada.
