Design


Vor 200 Jahren wurde Gian Giacomo Poldi Pezzoli geboren, der Mailand das schönste Privatmuseum der Stadt hinterließ. Eine Ortsbesichtigung Mailand – Eine Stupsnase hat sie und eine etwas einfältige Mundpartie – dennoch strahlt das Profilbild der in die Ferne blickenden jungen Dame aus Florenz Eleganz und Weitsicht aus. Das wird auch den Mailänder Sammler Gian Giacomo Poldi Pezzoli überzeugt haben, der es kurz vor seinem Tod 1879 kaufte. Zudem besaß Pollaiolos Arbeit aus dem späten 15. Jahrhundert mit 45,5 mal 32,7 Zentimeter ideale Maße für die Sammlung in den Privaträumen des reichen Lombarden im ersten Stock seines Stadtpalastes in der heutigen Via Manzoni. Zwei Jahre nach seinem Tod wurde die Wohnung mit der Sammlung wie testamentarisch bestimmt als Museum eröffnet. Und das Doppelte PP von Piero del Pollaiolo, gleichsam übertragen auf das Scherenschnitt-Profil der Stupsnasen-Dame, ist heute das markante Signum vom MPP, vom Museo Poldi Pezzoli (– dass das Gemälde vielleicht von Pieros Bruder Antonio stammt, wollen wir hier nicht diskutieren).

MIT GELD, GESCHMACK UND GUTEN BERATERN


Die 23. Internationale Triennale Mailand „Unknown Unknowns“ versucht, Nachdenken über Nichtwissen anschaulich zu machen – was nicht immer gelingt. Mailand (bis 11.12.)  – Crash oder friedliche Vereinigung? Die Andromeda-Galaxie bewegt sich auf unser Milchstraßensystem zu und wird es vermutlich in 4 Milliarden Jahren erreichen. Eine Videoinstallation verkürzt diesen Zeitraum auf wenige Sekunden und zeigt, wie sich die beiden Systeme annähern. Offen bleibt, ob es dabei zu ihrer gegenseitigen Zerstörung kommt. Nicht alle Installationen dieser 23. Internationalen Triennale Mailand, die unter dem Obertitel Unknown Unknowns eine „Einführung in die Geheimnisse des Unbekannten“ geben möchte, sind so anschaulich wie diese Arbeit des türkisch-amerikanischen New-Media-Künstlers Refik Anadol.

DURCH EINEN ROTEN FLUR



Der 60. Salone del Mobile und die Design week in Mailand. Eine zentrale Rolle spielt die Triennale und ihr Palazzo dell’Arte u.a. mit einer Memphis-Ausstellung. Und die 23. Internationale Triennale di Milano steht vor der Tür Mailand (bis 12.6.) – Zum 60. Mal findet der Salone del Mobile statt. Auf dem Messegelände im Mailänder Vorort Rho zeigen 2000 Aussteller, darunter 600 junge Designer unter 35, ihre Entwürfe, Idee, Produkte. Trotz der globalen Problemstellungen (Klimawandel, Pandemie, Krieg in der Ukraine) möchte man mit Design ein positives, optimistisches Bild „für ein besseres Leben auf diesem verletzlichen Planeten“ vermitteln, wie es in einer Mitteilung heißt. In Italien sind im Sektor rund 34.000 Unternehmen, davon die meisten im Großraum Mailand, mit mehr als 64.000 Beschäftigten tätig. Damit ist Italien das führende „Design-Land“ in Europa, hier wird 15 Prozent des Umsatzes der EU erwirtschaftet.

ERWEITERUNGEN, PERSPEKTIVEN


Die Inszenierung des Teatro Elfo Puccini verwandelt die Tragödie des Ödipus in ein faszinierendes Kaleidoskop von Traumbildern Mailand (Teatro Elfo Puccini bis 14.4.) – Das ist die Fabel eines Jungen aus einer Hirtenfamilie, der das Böse besiegt, die Stadt befreit, dafür zu ihrem König ernannt wird und die schöne Witwe des vorherigen Königs zur Frau bekommt. Die Fabel schlägt aber um in eine Katastrophe, als der König Ödipus erfährt, dass er, wie vom Orakel vorhergesehen, der Mörder seines Vaters ist und schließlich sogar seine eigene Mutter geheiratet und mir ihr Kinder erzeugt hat. Der mythische Stoff ist von Sophokles in „König Ödipus“ (um 429 v. Chr.) als klassische Tragödie gestaltet worden mit der Botschaft, dass es unmöglich sei, seinem Schicksal zu entkommen. Die Bearbeitung durch Ferdinando Bruni und Francesco Frongia am Mailänder Teatro Elfo Puccini geht über Sophokles hinaus und führt einen Ödipus vor, der sich dem Mythos in von Form Traumgestalten erwehren will, aber schließlich in der unmöglichen Wahl zwischen Freiheit und Notwendigkeit gefangen bleibt.

Im Theater: Edipo Re. Una favola nera.



Dialog von Design und Kunst auf dem „Fuorisalone“ der Mailänder Möbelmesse – zum Beispiel das Wandgemälde „Be Water“ von Maurizio Cattelan in einem historischen Schwimmbad Mailand – Verschoben ist nicht aufgehoben: Die Mailänder Möbelmesse, die in diesem Jahr wegen der Pandemie von April auf September verlegt wurde, beweist kreativen Überlebenswillen. Nicht nur Fachbesucher, sondern Kulturtouristen aller Herren Länder zieht es gerade wieder in die lombardische Metropole. Besonders der Fuorisalone, die Veranstaltungen des Salone del Mobile im Mailänder Stadtbild, öffnet sich zu diesem ungewohnten Herbsttermin mehr denn je einem Dialog von Design und Kunst. Die meisten Installationen etwa in den Innenhöfen der staatlichen Universität oder im kleinen botanischen Garten hinter dem Palazzo Brera bleiben jedoch ephemer. Sie werden nach Abschluss der Designwoche (4. – 12.9.) und der anschließenden Artweek (13.-19.9. mit der Messe MiArt ) wieder aus dem Stadtbild verschwinden. Anders eine Arbeit von Maurizio Cattelan in der Piscina Cozzi, einem Hallenbad im Viertel Porta Venezia, die zumindest bis Ende 2022 allen Schwimmfreunden erhalten bleibt.

MANIFEST DES WOHLBEFINDENS